Film Daten

Titel:
Faceless
Originaltitel:
Land & Jahr:
Frankreich 1988
Laufzeit ca.: ?
95 Min.
Regie:
Jess Franco
Darsteller:
Helmut Berger
Brigitte Lahaie
Telly Savalas
Christopher Mitchum
Stéphane Audran
Caroline Munro
Christiane Jean
Anton Diffring
Tilda Thamar
Howard Vernon
Florence Guérin
Gérard Zalcberg
Henri Poirier
Laure Sabardin
Amelie Chevalier
Alternativtitel:
• Los Depredadores de la Noche
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Shriek Show
Label:
Shriek Show
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
1.66:1 (anamorph) / 97:30
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Audiokommentar von Jess Franco und Lina Romay (Französisch mit englischen UT)
  • Szenenspezifischer Audiokommentar von Chris Mitchum
  • Interview mit Jess Franco
  • Interview mit Caroline Munro
  • Interview mit Chris Mitchum
  • Fotogalerie
  • Kinotrailer
  • Trailer: Flesh for the Beast / Virgin of Nuremberg / Bronx Warriors
  • Booklet mit einem weiteren Interview mit Caroline Munro

Faceless

Review

Faceless - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Doktor Flamand (Helmut Berger) ist ein angesehener Schönheitschirug. Durch ein Säureattentat einer wütenden Ex-Kundin wird das Gesicht seiner Schwester Ingrid (Christiane Jean) entstellt. Seitdem lebt sie einsam in der Klinik wo ihr Vaters arbeitet und die seiner Geliebten Nathalie (Brigitte Lahaie) gehört. Flamand bittet in seiner Verzweiflung Ingrids Gesicht wieder herzustellen den Altnazi Karl Moser (Anton Diffring) um Hilfe. Der hatte während des 2. Weltkriegs im KZ Dachau erfolgreich Gesichtstransplantationen durchgeführt. Zu diesem Zweck entführt Nathalie das Modell Barbara (Caroline Munro), die Tochter des reichen Amerikaners Terry Hallen (Telly Savalas). Der beauftragt wiederrum den Privatdetektiv Sam Morgan seine Tochter zu suchen. Während er in Paris nach ihr sucht, muss Barbara in der Klinik um ihr Leben bangen...

Faceless - ScreenshotFaceless - Screenshot

Dieser Film stellt innerhalb der Werke von Jess Franco etwas besonderes dar. Denn für diese Produktion stand ihm ausnahmsweise mal ein - für seine Verhältnisse - großzügiges Budget zur Verfügung, was man dem Film auch durchaus ansieht. Zwar ist es immer noch eine Low Budget Produktion, aber bei weitem nicht so trashig inszeniert wie manche seiner Werke aus den 80er Jahren und mit deutlich weniger Fokus auf ausgedehnte Sexszenen. Ganz im Gegenteil, mit Faceless gelang ihm ein stellenweise durchaus spannender und stellenweise auch sehr blutiger Thriller, der durchaus auch denen gefallen könnte, die mit Jess Francos Filme sonst nicht so viel anzufangen wissen.

Dabei handelt es sich im Grunde genommen um eine moderne Variante von Francos eigenem Gritos en la noche (Der Schreckliche Dr. Orloff) bzw. von Georges Franjus Les Yeux sans visage (Augen ohne Gesicht / Das Schreckenshaus des Dr. Rasanoff). In beiden Filmen versuchen zwei Ärzte das zerstörte Gesicht ihrer Töchter wieder herzustellen, indem sie junge Frauen entführen und durch eine Operation deren Gesichter entfernen, die sie dann auf ihre Töchter übertragen. Beide Filme entstanden ungefähr zur gleichen Zeit, ohne das ein Regisseur von dem Film des anderen wußte. Als Vorlage diente ein Roman von Jean Redon und die Regisseure haben sich somit nicht gegenseitig kopiert, sondern die Filme beruhen lediglich auf der gleichen Basis. Während Franco einen eher handelsüblichen Horrorthriller inszenierte, vermochte Franju durch eine schon poetisch anmutende Herangehensweise zu begeistern. Als nette Anekdote ist noch zu bemerken, dass hier Dr. Orloff ebenfalls einen kurzen Auftritt hat und ebenfalls wieder von Howard Vernon verkörpert wird, eine kurze Wiederholung seiner Rolle in dem Jess Franco Film von 1962, aber gleichzeitig auch seine letzte Zusammenarbeit mit Franco. Der Charaktername des Gehilfen Gordon stellt eine Hommage an den Regisseur Stuart Gordon dar, den Chateau und Franco damals für die führende Kraft im Horrorfilmgenre hielten. Bereits ein Jahr nach Fertigstellung des Films verstarb Anton Diffring an einer Herzkrankheit. Er übernahm die Rolle des Nazi-Arztes, nachdem Christopher Lee und Donald Pleasance die Rolle abgelehnt hatten.

Faceless - ScreenshotFaceless - Screenshot

Aus der Tochter wurde in Faceless die Schwester des Arztes, ansonsten bietet der Film so ziemlich die gleichen Elemente. Lediglich mit der Krankenhausbesitzerin Nathalie wurde dem Arzt Dr. Flamand eine Person an die Seite gestellt, die genauso skrupellos wie er ist und dabei den Verlust von Menschenleben in Kauf nimmt. Sie entwickelt daraus sogar eine Art Lustempfinden heraus und bietet sich freiwillig dafür an, die nächsten gutaussehenden Opfer zu besorgen. Nebenbei kann sie dabei noch eine leichte kleptomanische Neigung ausleben und stiehlt sich Schmuck und Kreditkarten zusammen, was ihr einmal fast zum Verhängnis wird. Brigitte Lahaie verkörpert hier einen blonden Todesengel, die einerseits Zuneingung für Flamand und seine Schwester empfindet, auf der anderen Seite räumt sie alles und jeden aus dem Weg. Doktor Flamand wird brilliant von Helmut Berger verkörpert, der an der Oberfläche der gutaussehende und somit bei seinen Patientinnen sehr begehrte Arzt ist, im privaten aber von dem Horror des zerstörten Gesichts seiner Schwester heimgesucht wird. Alpträume plagen ihn und er ist verzweifelt, weil er sich mit seinen Künsten am Ende sieht. Bei der ersten Gesichtstransplantation von Dr. Moser zeigt er sich schon fast angewidert von den blutigen Resultat als die Operation komplett fehlschlägt.

Was sich leider heutzutage ein wenig zum Nachteil des Films herausbildet ist seine zeitliche Produktion Ende der Achtziger Jahre. Die Klamotten und Frisuren mancher Darsteller wirken heute, auch wenn es damals so getragen wurde, fürchterlich altbacken und nicht gerade ästhetisch. Dies kann man zwar kaum den Darstellern und dem damaligen Produktionsteam anlasten, fällt aber dennoch auf. Was die Splatterszenen angeht, so wird hier ein großes Kaliber aufgefahren. Die Gesichtstransplantationen bzw. vielmehr die Abtrennungen der Gesichtshaut von den Köpfen sind schon fast unangenehm zu betrachten und greifen ähnliche Szenen aus dem Hollywood-Actionreißer Face Off um Jahre vorweg. Dabei wurde aber auch schon fast zuviel Splatter in den Film eingebaut, denn manchen Szenen merkt man durchaus an, dass sie mehr zum reinen Schockeffekt dienen und weniger als wirkliche Unterstützung der Handlung.

Faceless - ScreenshotFaceless - Screenshot

Produziert wurde der Film von René Chateau, der bei diesem Werk zum ersten Mal als alleiniger Produzent tätig war und zu der Zeit ansonsten recht erfolgreich mit den Filmen Jean-Paul Belmondos war, die aber immer mit anderen Produzenten zusammen entstanden. Daraus entwickelte sich auch die eine oder andere Schwierigkeit für Jess Franco, der es gewohnt war mit einem deutlich kleineren Team zu arbeiten und ständig über personelle Wechsel von Chateau informiert wurde, die dieser vorgenommen hat. Auch über das Ende waren sie sich nicht einig, Chateau wollte ein typisches Happy End, Franco nicht. Lediglich bei der Auswahl der Schauspieler waren sie sich schnell einig. Selbst heutzutage ist Franco nicht 100%ig zufrieden mit dem Film, was unter anderem auch daran liegt, dass der Endschnitt nicht von ihm angefertigt wurde, er auch nicht einmal daran beteiligt war, und außerdem kein Freund von ausgedehnten Gore-Szenen ist.

Die Chance Faceless mit einem großen Budget und nahmhaften Darstellern zu drehen wurde ihm von Chateau angeboten, nachdem er Dark Mission (Operación cocaína) in Spanien fertiggestellt hatte. In dem war nicht nur Christopher Lee nach langer Zeit wieder in einem Film von Franco zu sehen, sondern Christopher Mitchum und Brigitte Lahaie waren hier bereits mit von der Partie und somit bereits mit Francos Arbeitsweise vertraut. Da Lahaie damals die Freundin von Chateau war, konnte Franco so recht einfach wieder in Frankreich arbeiten und seine guten Kontakte zu Chateau und Lahaie ermöglichte diese etwas größere Produktion.

Faceless - ScreenshotFaceless - Screenshot

Gedreht wurde innerhalb von 6 Wochen in und um Paris, dabei stand ihnen sogar in Paris eine verlassene Klinik zur Verfügung, die natürlich ein idealer Drehort für diesen Film war. Die Außenszenen wurden allerdings wirklich in dem Stadtteil St. Cloud gedreht, wo sich auch die Handlung des Films abspielt. Die Szenen mit Telly Savalas wurden direkt in seiner Hotelsuite aufgenommen, für seine paar wenigen Szenen wurde er ohnehin nur für einen Tag gebraucht. Die Musik sollte ursprünglich komplett von Romano Musumarra komponiert werden, aber als der den Rohschnitt des Films sah wurde ihm regelrecht schlecht und wollte nicht mehr an dem Film mitarbeiten. Franco einigte sich dann mit ihm, dass sie einige seiner Popstücke nutzen, der restliche Soundtrack wurde von Jess Franco persönlich und Daniel White erstellt, ein Musiker der bei vielen Filmen mit Franco zusammenarbeitete.

Helmut Berger wurde durch seine Rolle in Luchino Viscontis La Caduta degli dei (Die Verdammten) bekannt und stand danch für Massimo Dallamano in Dorian Gray (Das Bildnis des Dorian Gray) vor der Kamera. Seine Karriere beinhaltete so unterschiedliche Filme wie Ludwig, El Clan de los inmorales (Mörderroulette), Salon Kitty oder Codename: Emerald. Brigitte Lahaie war in den Siebziger Jahren in Frankreich vor allem als Pornodarstellerin bekannt, außerhalb wurde sie durch ihre Rollen in Jean Rollins Filmen wie Les Raisins de la mort (Grapes od Death / Foltermühle der gefangenen Frauen / Pestizide), Fascination und La Nuit des traquées (Night of the Hunted) bekannt und war auch in Werken wie Gefangene Frauen, Die Nichten der Frau Oberst oder Philip Kaufmans Henry & June zu sehen. Caroline Munro war unter anderem für die Hammer Studios in Dracula A.D. 1972 (Dracula jagt Mini-Mädchen) und Kronos (Captain Kronos - Vampirjäger) tätig, machte in The Golden Voyage of Sinbad (Sindbads gefährliche Abenteuer), dem dritten Sindbad Abenteuer mit und war als Bond-Girl in The Spy Who Loved Me (Der Spion der mich liebte) zu sehen. Anton Diffring kennt man noch evtl. aus Circus of Horrors (Der Rote Schatten), François Truffauts Fahrenheit 451 oder .

Faceless - ScreenshotFaceless - Screenshot

Die DVD von dem US-Label Shriek Show bietet eine sehr gute Bildqualität. Das anamorphe Bild ist relativ scharf und vor allem fast frei von Verschmutzungen und Defekten. Lediglich in einigen wenigen Szenen kann man eine leichte Blockbildung verursacht durch die Kompression ausmachen, aber das stört nie. Hier gibt es nur die englische Sprachfassung, allerdings wurde der Film auch gleich in Englisch gedreht und nicht in Französisch, wie man vermuten könnte. Obwohl scheinbar auf ein französisches Master zurückgegriffen wurde, da hier der französischen Titel "Les Prédateurs de la Nuit" im Vorspann gezeigt wird. Erste Pressungen der DVD hatten einen ärgerlichen Fehler, denn mitten im Film sprang die DVD unversehens wieder zurück ins Menü. Zwar wurden schnell korrigierte Pressungen nachgeschoben, aber einige fehlerhafte Exemplare gelangten trotzdem in den Handel.

An Extras gibt es zunächst einen recht informativen Audiokommentar von Jess Franco und Lina Romay, der aber in französisch geführt wurde. Deswegen gibt es für den Kommentar englische Untertitel, die manchmal ein wenig zu schnell wechseln, an einer Stelle ist ein Satz gerade mal für den Bruchteil einer Sekunde zu sehen. Nichtsdestotrotz werden hier reichlich Informationen geboten und lassen vor allem einen Einblick in Jess Francos Art und Weise seine Filme zu drehen zu. Von Lina Romay kommt, passend zu ihrer sehr sehr kleinen Rolle im Film, nur sehr wenig. Moderiert wird der Kommentar von einer nicht weiter genannten Person, mit der Franco auch die eine oder andere Diskussion führt. Hier spricht Franco auch von seinen Plänen einen weiteren Orloff-Film zu drehen, in dem angeblich auch Iron Maiden im Soundtrack vorkommen sollen. Wenn das wirklich passieren sollte, bin ich sehr auf das Endergebnis gespannt... Der zweite Audiokommentar von Chris Mitchum ist nur ein auf bestimmte Szenen beschränkter Kommentar mit einer Gesamtlaufzeit von vielleicht mal 20 Minuten. Aber selbst in dieser kurzen Zeit vermag der gute Mann kaum etwas interessantes zu erzählen, macht viele Pausen und den Moderator im Hintergrund versteht man fast gar nicht. Dabei ist auch noch der Filmton viel zu laut, so dass man manche Ausführungen, gerade während des Abspanns, gar nicht verstehen kann. Ein verzichtbares Feature.

Faceless - ScreenshotFaceless - Screenshot

Das Interview mit Jess Franco (ca. 21 Min.) ist recht interessant, aber durch den Audiokommentar hat man ohnehin schon sehr viele Informationen von ihm gehört, hier geht es nur noch ein wenig weiter ins Detail. Von Caroline Munro bekommt man in ca. 30 Minuten eine kurze Zusammenfassung ihrer Karriere und dann vor allem viele Einzelheiten zu dem Dreh von Faceless erzählt. Die symapthische Frau hat viele Anekdoten zu berichten, unter anderem wurde sie damals sogar von einem befreundeten Journalisten ausdrücklich vor der Zusammenarbeit mit Franco gewarnt! Unterlegt ist das Interview nicht nur mit Szenenfotos und Ausschnitten aus Faceless, sondern auch einigen netten Bildern aus ihrer Zeit als Modell. Das Interview mit Chris Mitchum (ca. 32 Min.) ist deutlich interessanter und besser vorgetragen als sein kurzer Audiokommentar. Hier erzählt er von einigen früheren Filmprojekten, seine Arbeit mit John Wayne und Alejandro Jodorowsky und vor allem von den Arbeiten zu Faceless. Abgeschlossen wird die DVD von einer umfangreichen, selbst ablaufenden Bildergalerie, die ganze 17 Minuten lang ist und viele verschiedene Motive zeigt, darunter sehr viel von Caroline Munro. Außerdem gibt es noch den Trailer zu Faceless, Flesh for the Beast, Virgin of Nuremberg und Bronx Warriors. In einem dünnen Booklet gibt es noch ein etwas längeres Interview mit Caroline Munro, das ebenfalls verschiedene Punkte ihrer Karriere behandelt. Das Cover der DVD bietet zwei Motive auf jeder Seite, einmal ein klassisches, gezeichnetes Motiv, und auf der anderen Seite eine Fotografie des entstellten Gesichtes von Ingrid.

Quellennachweis

- Carlos Aguilar: "Bizarre Sinema! Jess Franco - El sexo de horror"

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 09.02.1999
Letzte Textänderung: 22.08.2004

Leser-Kommentare

12.08.2004, 00:14:31 Trakl ( Email schreiben )

Nicht zu vergessen: dieser Film ist ein Remake des Georges-Franju-Klassikers "Les Yeux sans Visage", der schon 1959 mit einer ungeschnittenen Gesichtsoperation, sowie anderen Gemeinheiten wie Skalpell in den Hals stechen etc. aufwarten konnte. Allerdings handelt es sich um einen eher ruhigen, sehr ästhetischen Film, der hier auch mal besprochen gehört!! :)

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann