Film Daten

Titel:
Kichiku
Originaltitel:
Kichiku dai enkai
Land & Jahr:
Japan 1997
Laufzeit ca.: ?
100 Min.
Regie:
Kazuyoshi Kumakiri
Darsteller:
Shigeru Bokuda
Sumiko Mikami
Shunsuke Sawada
Toshiyuki Sugihara
Kentaro Ogiso
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

Cover

Kichiku Cover

Kichiku

Review

Kichiku

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

Aizawa, der Anführer einer linksradikalen Studentengruppe, sitzt gerade im Knast. Die verbliebenen Mitglieder können sich während seiner Abwesenheit nicht so recht auf einen einheitlichen Führer einigen. Schließlich nimmt Masami, die einzige Frau in der Truppe das Zepter in die Hand, womit Yamane gar nicht einverstanden ist und rausgeschmissen wird. Als die Gruppe die Nachricht vom Selbstmord Aizawas erfährt ist nichts mehr wie vorher. Es herrscht Orientierungslosigkeit und Niedergeschlagenheit. Als Kumagaya, ein Mitglied der Gruppe in den Verdacht gerät, gegen die Gruppe zu arbeiten, statten die anderen ihm ein Besuch ab. Als sie dort auch gerade passend Yamane bei ihm entdecken, klinkt bei Masami alles aus. Die beiden werden in einen Wald geschleppt, an Bäume gefesselt und verprügelt. Yamane wird in der Hektik von Masami der halbe Kopf weggeschossen. Aber anstatt das alle in Panik ausbrechen stehen sie nur da und starren die Leiche an. Langsam verfällt Masami dem Wahnsinn und kastriert Kumagaya am lebendigen Leibe. Die ganze Gruppe driftet in einen selbstzerstörerischen Strudel von Wahnsinn und Gewalt...

Was den Film so bedrückend macht, ist seine Realitätsnähe. Es handelt sich nicht um einen hochgestylten High-Budget Film, sondern hat schon fast etwas von einem Amateurfilm. Die Kamera ist immer direkt am Geschehen, hat nie eine entfernete Position eingenommen, um so dem Zuschauer eine befreiende Distanz zu geben. Der Film ist schmutzig. Die meiste Zeit beherrschen düstere Farben das Bild, ja leuchtende Farben gibt es eigentlich gar nicht zu sehen. Auch die Protagonisten sind schmutzig, nichts an ihnen wirkt ehrenhaft oder sympathisch. Nach dem Tod ihres Führers verlieren sie ihre Perspektive. Sie haben den Sinn ihres Lebens zwar schon länger verloren, aber dadurch wird es ihnen erst richtig bewußt. Sie kennen nur noch die Gewalt, bewegen sich wieder zurück auf ein niederes Niveau. An diesem Film ist nichts positiv, selbst die Sexszenen wirken abstoßend. Schon gleich die erste Sexszene zu Beginn des Filmes wirkt ganz und gar nicht erregend, ich würde mal behaupten, daß es die häßlichste Sexszene ist, die ich je gesehen habe. Ein Film also, auf den man sich gut vorbereiten muß. Vor allem, weil zuerst gar nicht mal soviel passiert. Man ist schon fast eingelullt von dem Film, bis die Gewaltszenen einen wieder hochreißen. Begleitet wird das Geschehen von einem treibenden Industrial-Soundtrack, der in höherer Lautstärke so richtig zur Geltung kommt.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 31.08.1999

Leser-Kommentare

18.10.2005, 11:08:35 tetsu ( Email schreiben )

Ein wirklich dreckiger und gemeiner Film über Macht, Missbrauch und destruktive Anarchie (wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Themen nicht nur als Vehikel für ungezügelte Gewalt- u. Perversionsdarstellungen herhalten müssen).
Während die sich die erste Stunde, die ein recht schmuddeliges Bild von einem Haufen versiffter Loser zeichnet, die orientierungslos durch ihre schmutzige kleine Welt routieren (und man stellenweise in Versuchung gerät, die Vorspieltaste zu aktivieren), kommt der Film in seiner zweiten Hälfte ordentlich in die Gänge und mündet von einer Sekunde in die andere in eine unglaublich (selbst-)zerstörerische Downward-Spirale, der sich keiner unserer "Helden" entziehen kann.
Und was da dem Zuschauer um die Ohren gedroschen wird ist nicht von schlechten Eltern. Eine derart kompromisslos brutale, zynische, perverse, schmutzige und konsequente Gewaltdarstellung wie in "Kichiku" bekommt man selten geboten.
Interessant finde ich, dass ausgerechnet die verstörenste und brutalste Szene in einem verlassenen, offensichtlich abbruchreifen Haus, in dem das einzig intakte eine riesige japanische Flagge ist, stattfindet ? quasi Abgesang auf die japanische Gesellschaft, denk ich mal...
Alles in Allem keine heiter besinnliche Unterhaltung für jung und alt, sondern eine sehr verstörende, ultrabrutale Gewaltorgie, an der selbst wirklich Hartgesottene zu knabbern haben.
10 von 10 Punkten auf der Metzger-Skala.

31.01.2005, 16:21:17 Evil Wraith

Dieser Film ist verdammt harte Kost. Er tendiert schon fast in Richtung eines "Visitor Q" von Miike, wobei jener im direkten Vergleich dann doch noch um einiges härter ist. Aber dieser Film ist ohne weiteres dem Sicko-Genre einzuordnen. Gerade die Schlussszene, in denen sich die Gegenspieler gegenseitig die Genitalien verstümmeln, zeugt doch von sehr kranker Fantasie. Wer auf de typisch japanischen Sickorama-Stil steht, kann ihn sich bedenkenlos anschauen. Ach ja: Die Sexszenen sind widerlich, aber wer Matrix Reloaded überlebt hat, schafft auch Kichiku :-)

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