Film Daten

Titel:
Lebendig begraben
Originaltitel:
The Premature Burial
Land & Jahr:
USA 1962
PAL-Laufzeit:
77:22
Regie:
Roger Corman
Darsteller:
Ray Milland
Hazel Court
Richard Ney
Heather Angel
Alan Napier
John Dierkes
Dick Miller
Clive Halliday
Brendan Dillon
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - EMS
Label:
EMS
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 77:22
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 1.0
Englisch - DD 1.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Interview mit Roger Corman
  • Kinotrailer
  • Deutsche Titelsequenz
  • Bildergalerie
  • Biographien von Ray Milland, Hazel Court, Roger Corman
  • Trailer: Die Folterkammer des Hexenjägers / Im Todesgriff der roten Maske / Blut für Dracula / La Comunidad - Allein unter Nachbarn / Gacy / Dahmer / Ring / Ring 2 / Ring 0 / Laurin / Heart of the Warrior / Titus

Lebendig begraben

Review

Lebendig begraben - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Emily Gault (Hazel Court) reist zum Anwesen ihres Verlobten Guy Carrell (Ray Milland), weil er sich per Brief dafür aussprach das sie den Kontakt zu ihm abbrechen solle. Sie versteht seine Gründe nicht und verlangt vor Ort eine Erklärung. Er erzählt ihr von seinem Vater, der durch einen kataleptischen Anfall fälschlicherweise für tot erklärt und somit lebendig begraben wurde. Guy hat nun Angst, dass ihm das gleiche Schicksal blühen könnte und möchte ihr diese Pein ersparen. Emily will davon aber nichts wissen und auch Guys Schwester Kate (Heather Angel) tut Guys Ängste als Hirngespinste ab. So findet die Hochzeit nun doch statt, ist aber von einem Anfall Guys überschattet als Emily eine Melodie auf dem Klavier spielt, die er einige Tage zuvor von einem Totengräber gehört hat. Guys assoziiert seitdem diese Melodie mit dem Tod und seine Paranoia vor seinem Scheintod wächst immer weiter. Schließlich baut er sich seine eigene Krypta, in der er unzählige Mechanismen eingebaut hat, um nach seinem Erwachsen aus seinem scheinbaren Todeszustand wieder daraus entkommen zu können. Durch die Hilfe von Emily und dem jungen Arzt Miles Archer (Richard Ney), ein Freund der Familie, scheint er aber langsam über seine Angst hinwegzukommen. Bis er durch einen Schock wirklich in einen kataleptischen Zustand verfällt und von Miles und Emilys Vater für tot erklärt wird. Unfähig sich zu artikulieren wird er schließlich Zeuge seiner eigenen Beerdigung...

Lebendig begraben - ScreenshotLebendig begraben - Screenshot

Lebendig begraben ist einer dieser Filme, die ich in meiner Jugend immer und immer wieder im Fernsehen gesehen habe. Im völlig abgedunkelten Zimmer machte sich jedesmal ein wohliges Gruselvergnügen breit. Denn auch wenn dieser Film schon über 40 Jahre alt ist, so verfügt er dennoch über eine ganz wichtige Sache: Atmosphäre, ganz viel gotisch angehauchte Atmosphäre. Wenn man ganz gehässig sein möchte, so könnte man behaupten, dass der Film zur Hälfte nur aus Bodennebel besteht. Aber das ist für mich gerade das schöne. Das die "Außenaufnahmen" allesamt im Studio gedreht wurden ist deutlich erkennbar (der Mond ganz zu Beginn entlarvt sich schnell als Hintergrundgemälde) und zur Vertuschung schwebt permanent eine dicke Nebelschicht über dem Boden, egal um welche Tageszeit es sich handelt oder welches Wetter herrscht. Rein physikalisch ist der Nebel ein kleines Wunder, denn der bleibt sogar so dick wenn es regnet!? Das "Draußen" ist eine trübe Moorlandschaft, die scheinbar von jedem Sonnenstrahl gemieden wird und selbst ein lauschiger Spaziergang führt durch karge und nebelverhangene Ebenen. Das Haus der Carrells wird als ein typischer britischer Landsitz Ende des 19. Jahrhunderts dargestellt und verfügt sogar über eine Familiengruft im Kellergewölbe. Vom Production Design unterscheidet sich dieser Film nicht großartig von den grandiosen alten Klassikern der Hammer Studios. Dafür das dieser Film in den USA entstand gibt er sich sehr britisch, was sicherlich auch an der literarischen Vorlage liegen mag.

Dieser Film profitiert außerdem sehr von der Kameraarbeit von Floyd Crosby und dem 2.35:1 Panavision Breitbildformat. Aus dem Fernsehen kennt man den Film teilweise noch im völlig indiskutablen 1.85:1 oder gar Vollbild-Format, was ein echtes Verbrechen an dem Film darstellt. Das mag zunächst nicht so stark auffallen, aber wenn schon die Anfangscredits seitlich beschnitten sind fällt das doch sofort auf. Und spätestens dann, wenn zwei Personen an den äußersten Seiten stehen und beide nicht vollständig auf dem Bildschirm zu sehen sind, merkt man doch, dass da was nicht richtig ist. Glücklicherweise gehört diese optische Mißhandlung mit der DVD von EMS bzw. der US-DVD von MGM der Vergangenheit an. Die Musik von Ronald Stein ist da nur noch das i-Tüpfelchen auf einem ohnehin schon sehr gelungenen Werk.

Lebendig begraben - ScreenshotLebendig begraben - Screenshot

Die schauspielerischen Leistungen kann man als durchaus gelungen bezeichnen. Die wachsende Paranoia des Guy Carrells bringt Darsteller Ray Milland recht gut und vor allem glaubhaft rüber. Es handelt sich nicht nur eine gelungene Poe-Verfilmung im Stile eines Gruselfilmes, sondern nebenbei auch um eine Studie von persönlicher Besessenheit, dem Glauben der Person das etwas schlimmes mit ihr passieren könnte und dadurch irgendwie genau auf diese Ereignis hinarbeitet. Hazel Court und Heather Angel können sich ebenfalls gut in die Handlung einbringen und stehen nicht so stark im Hintergrund wie das häufig bei einem Vincent Price in der Hauptrolle passiert, der alle anderen an die Wand spielt. Zwar hätte der Film durch die Teilnahme des sonst von Corman eingesetzten Vincent Price vielleicht noch eine zusätzliche Würze bekommen, aber wirklich vermißt wird er nicht. Nach Cormans Streifen Das Pendel des Todes (The Pit and the Pendulum) gab es einen Disput um die Profite des Films mit der Produktionsfirma American International Pictures, der dazu führte das Corman The Premature Burial ohne AIP drehen wollte. Da Price aber exklusiv für AIP unter Vertrag stand, konnte er ihn nicht einsetzen. Durch seinen Bruder Gene, der den Film produzierte, wurde Corman auf Ray Milland aufmerksam gemacht. Den Film finanzieren sollten Pathe Labs, aber gerade als Corman mit den Dreharbeiten beginnen wollte, kamen die Chefs von AIP zu ihm und wünschten ihm viel Glück bei der Produktion. Corman war darüber zwar erstaunt, nahm die Glückwünsche aber an und wurde dann mit der weiteren Information vertraut gemacht, dass AIP kurz zuvor Pathe aufgekauft hatten und somit The Premature Burial wieder ein Film für AIP wurde.

Ray Milland hatte bereits 1929 seine erste Rolle in einem Kinofilm und war unter anderem in Hitchcocks Dial M for Murder (Bei Anruf Mord) neben Grace Kelly zu sehen, bis es ihn dann im Laufe der Zeit mehr in Richtung B-Movies verschlug. Zu seinen weiteren Filmen gehören Werke wie Panic in Year Zero!, X (Der Mann mit den Röntgenaugen), Frogs (Frogs - Killer aus dem Sumpf) und auch einige Fernsehauftritte wie z.B. in Columbo. Hazel Court war sogar mal für die Hammer Studios in The Curse of Frankenstein (Frankensteins Fluch) tätig und dürfte dem Genrefan unter Umständen noch aus The Raven (Der Rabe - Duell der Zauberer) oder The Masque of the Red Death (Satanas - Das Schloß der blutigen Bestien) bekannt sein. Heather Angel war ebenfalls mal für Hitchcock tätig, und zwar in Suspicion (Verdacht) und Lifeboat (Das Rettungsboot). Emiliys Vater wird von Alan Napier dargestellt, Batmans Butler in der trashig-kultigen TV Serie und dem Film Batman hält die Welt in Atem) aus den 60ern.

Lebendig begraben - ScreenshotLebendig begraben - Screenshot

EMS hat, genau wie auch schon bei den anderen beiden Edgar Allan Poe DVDs und Im Todesgriff der roten Maske, den Transfer von MGM lizensieren können. Das Bild liegt qualitativ auf der gleichen Ebene wie die anderen DVDs. Dem Zuschauer werden satte Farben, ein guter Kontrast und ordentliche Schärfe geboten. Zwar gibt es des öfteren einige Beschädigungen des Originalmaterials zu sehen, aber in Anbetracht des Alters ist die hier gebotene Leistung grandios. Lediglich die Anfangscredits, im sogenannten "windowboxed" Format, also nicht bildschirmfüllend, fallen in der Qualität sichtbar ab. DVD-technisch sieht man von typischen Nebenerscheinungen der Komprimierung nicht viel. Lediglich ein leichtes Rauschen ist zu erkennen, aber dafür muss man schon sehr nah am Fernseher bzw. Monitor sitzen.

Wie gehabt liegen die Tonspuren in ihrem original Monoformat vor, allerdings verteilt auf beide Stereokanäle. Auch hier gibt es kaum Anlass zur Kritik, wenn man bedenkt das man von Monospuren sowieso nicht die großen soundtechnischen Leistungen erwarten kann wie bei aufwendigen Surround-Spuren. Deutsche Synchronisation wie auch der englische Originalton kommen klar und ohne Störgeräusche aus den Boxen. Die deutsche Spur klingt im direkten Vergleich zur englischen in den Umgebungsgeräuschen einen Tick dumpfer und die Musik erklingt auch etwas klarer in der englischen Spur. Die Dialoge sind bei beiden Spuren gut verständlich.

Lebendig begraben - ScreenshotLebendig begraben - Screenshot

Hauptfeature des Bonusmaterials ist das ca. neuneinhalb-minütige Interview mit Roger Corman, das netterweise von der US-DVD (dort erschienen als Double Feature mit The Masque of the Red Death) übernommen wurde. Hier geht er auf seine Arbeit mit AIP ein, warum er sich für die jeweiligen Hauptdarsteller entschied und auch ein wenig auf die Poe-Verfilmungen im Allgemeinen. Der englischsprachige Trailer stammt aus einer Videoquelle zu stammen, denn die Bildqualität kann bei weitem nicht mit der des Hauptfilms mithalten. Man sollte sich den Trailer auch nicht vor dem Film anschauen, da er zuviel von der Handlung wiedergibt. Die deutsche Titelsequenz ist mehr als ein Goodie als ein wirkliches Extras anzusehen. Sie gibt auch lediglich die Pre-Credit-Sequenz plus Vorspann in der deutschen Version wieder, da der Hauptfilm auf der DVD auf dem englischsprachigen Print basiert. Hier kann man aber sehr schön sehen, wie das Cropping des Films auf ein anderes Format schadet. Bei den Credits kann man größtenteils nicht mal die Vornamen der Personen lesen, deren Namen sehr weit links plaziert wurde. Die Bildergalerie zeigt, unterlegt von der Titelmusik des Films, unzählige Plakatmotive und Aushangsfotos aus verschiedenen Ländern. Abgeschlossen wird das Bonusmaterial von den Bio- und Filmographien von Ray Milland, Hazel Court und Roger Corman.

Desweiteren wurden noch Trailer zu weiteren EMS-Titeln auf die DVD gepackt: von den beiden anderen Poe-Filmen und Im Todesgriff der roten Maske, Blut für Dracula aus der Anolis Hammer Edition, La Comunidad - Allein unter Nachbarn, Gacy, Dahmer, allen drei japanischen Ringu Teilen, Laurin, The Heart of the Warrior und Titus.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 21.12.2003
Letzte Textänderung: 11.08.2006

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann