Film Daten

Titel:
Sleepy Hollow
Originaltitel:
Sleepy Hollow
Land & Jahr:
USA 1999
Laufzeit ca.: ?
105 Min.
Regie:
Tim Burton
Darsteller:
Johnny Depp
Christina Ricci
Miranda Richardson
Michael Gambon
Casper van Dien
Jeffrey Jones
Christopher Lee
Richard Griffiths
Ian McDiarmid
Michael Gough
Marc Pickering
Lisa Marie
Steven Waddington
Christopher Walken
Claire Skinner
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Paramount
Label:
Paramount
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Englisch - Dolby Surround
Englisch - DD 5.1
Französisch - Dolby Surround
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Audiokommentar von Regisseur Tim Burton
  • Fotogallerie
  • Cast & Crew Interviews
  • Biographien
  • "Behind the Legend" Featurette
  • 2 Trailer

Sleepy Hollow

Review

Sleepy Hollow

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

England im 19. Jahrhundert. Ichabod Crane geht im Gegensatz zu seinen Kollegen bei der Polizei nach streng wissenschaftlichen Gesichtspunkten vor. Da er mit seinen Argumenten dem Richter ziemlich auf die Nerven geht, bekommt er den Auftrag, in dem verschlafenen Nest Sleepy Hollow einen Mordfall zu klären. Dort wurden zwei Menschen von einem unbekannten Täter geköpft.

Er reist dorthin und erfährt dort, daß der Kopf der Opfer nie gefunden wurde und das sie den "kopflosen Reiter" dahinter vermuten. Der kopflose Reiter ist der Sage nach ein begrabenener Hessischer Feldherr, der zu seiner Zeit mit höchster Brutalität und Gewalt vorgegangen ist und schließlich durch sein eigenes Schwert von seinen Feinden geköpft wurde. Der Wald, in dem das Grab des Hessen liegen soll, wird von den Bewohnern Sleepy Hollows gemieden. Ichabod glaubt natürlich erstmal nicht an diesen Spuk und geht ganz rationell an die Sache ran. Aber schneller als ihm lieb ist, bekommt er den kopflosen Reiter wirklich zu sehen und muß sich wohl oder übel damit abfinden, daß etwas übernatürliches im Spiel ist...

Also eigentlich versuche ich ja mich von sowas nach Möglichkeit nicht beeinflussen zu lassen, aber der Film hatte schon allein durch seine Optik bei mir gewonnen. Sleepy Hollow bringt einfach wieder die Atmosphäre und die Stimmung der Filme der seligen Hammer Studios zurück, auf die ich ja nun total stehe. Viel Nebel, skurille Charaktere und mysteriöse Orte machen den Film zu einem tollen Horrorvergnügen. Ichabod Crane wird aber schon fast etwas zu überzogen dargestellt und wirkt dadurch ab und zu etwas lächerlich. Allerdings entschärft der feine Humor, der den Film durchzieht, die doch teilweise ganz schön heftigen Horrorszenen. Kaum zu glauben, daß der Film im Kino ab 12 freigegeben war! Die Köpfe fliegen hier ganz lustig durch die Gegend, kopflose Leichen gilt es zu betrachten und das Aufspießen eines Kopfes durch das Schwert des Reiters. Lediglich als der Reiter hinter einem kleinen Jungen her ist, wurde auf eine explizitere Darstellung verzichtet.

Auch wenn sich der Film sehr im alten Stil gibt, so kommt er doch nicht ohne Computereffekte aus, die teils sehr gut geworden sind, teils aber auch sehr stark als Computertricks zu erkennen sind. Die US-DVD bietet ein makelloses Bild und daneben noch eine Featurette, die zum Glück etwas mehr ist als diese üblichen 5-Minuten-Werbe-Making-Ofs und genau eine halbe Stunde Informationen über den Film und seine Produktion liefert. Dann gibt es noch einen Zusammenschnitt von Interviews mit Tim Burton und den Schauspielern (die im Film in ihren Kostümen alle weitaus besser aussehen, als im wirklichen Leben...), 2 Trailer und einen Audio-Kommentar von Regisseur Tim Burton.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 18.06.2000

Leser-Kommentare

15.12.2005, 22:05:08 Dietmar Kesten ( Email schreiben )

SLEEPY HOLLOW

KOPFLOS

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 27. SEPTEMBER 2005.

Tim BURTON (?Batman?, 1989, ?Batmans Rückkehr?, 1992, ?Ed Wood?, 1994, ?Planet der Affen?, 2001, ?Big Fish?, 2003, ?Charlie und die Schokoladenfabrik?, 2005) hat eine Gruselgeschichte verfilmt. In ?Sleepy Hollow? ist es ein ortsfremder Aufklärer, der mit den Taten eines kopflosen Reiters konfrontiert wird, der Einwohner einer Kleinstadt köpft.

Die verwunschenen Orte im Märchen sind es, die die Phantasie anregen. Dort werden immer Pläne geschmiedet, von denen man nie genug bekommen kann. Märchen, das sind eingefangene Stimmungen, ausformulierte Wünsche, ungewöhnliche Motive, variationsreiche Mythen, verrätselte Rätsel, nachdenkliche Fabeln, Gegenwartsblick und Zukunftsschau. Mit traumwandlerischer Sicherheit tritt man hier in ein Land ein, das von Vorbildern nur so wimmelt, und die selbst auf alle Fragen eine Antwort wissen. Allerdings gibt es auch die düsteren Seiten. Manchmal sind Märchen schaurig, tief melancholisch, voller Intrigen, tiefschwarz, dann wieder gülden und hell.

In ?Sleepy Hollow? scheint es auf den ersten Blick so zu sein, dass hier große amerikanische Erzähler und die Bebilderung ihrer Motive nachwirken. Stimmungsvoll durchkomponiert ist gleich der Anfang des Films. Ichabod Crane (Johnny DEPP) ist auf Spurensuche. Doch schon bald muss er erkennen, dass spezialisiertes Fachwissen und (wissenschaftliche) Rationalität nicht ausreichen, um dem ?kopflosen Reiter? einen Strick zu drehen.
Die Fantastik des Films ist in diesem Moment greifbar: der Namen- und kopflose Reiter muss in Besitz seines eigenen Hauptes gelangen, damit die Mordserie gestoppt werden kann. Doch wer ist der gehetzte Reiter? Hat das Mädchen Katrina (Christina RICCI) etwas damit zu tun, die sich in Crane verliebt?

Den Reiter scheint es zu geben. Zu mutmaßen wäre, dass er ein menschliches Intrigenbild ist, dass auf die Reise geschickt wurde, um Vergeltung einzufordern. Doch wofür? Ist alles nur eine Prüfung, um die Absurditäten des menschlichen Lebens vergleichsweise schnell im Galopp hinter sich zu bringen, oder gar der unvergessliche Blick in Kinderträume und eigene Kindheit, wo sich viele solcher (verborgenen) Seelenreiter aufhalten?

Wie dem auch sei: wenn der Reiter durch die Nacht davonjagt, dann hat das etwa anmutigendes und tiefgründiges an sich. Dieses Schauermärchen hat indes keine Entsprechung in der Realität. Die Kunstwelt bleibt bis zuletzt erhalten. Es sei denn, man sucht nach Vergleichen mit der französischen Revolution, in der massenweise Köpfe rollten. Das Treiben in ?Sleepy Hollow? kann als Gesamtkunstwerk bezeichnet werden. Alle Farben geben sich ein Stelldichein. Vor allem sind es die dunklen Farbtöne, die anziehend wirken, die Hellschwarzen und die tiefen Blaudunkelschwarzen, die sich von den wenigen hellen Farbtupfern deutlich abheben.

Die Komposition der gesamten Ausstattung ist eine Mischung aus Abstraktheit, Avantgarde, Impressionismus, Surrealismus und expressionistischen Raffinessen.
Ein einziger Traum! Gleichwohl erscheint der finstere Akt durch die stattfindenden Gewaltorgien deformiert. Dass diese Kino - Romantik durch Horroreinlagen negativ besetzt wird, deutet darauf hin, dass das surreale Geschehen vielleicht eine Entsprechung im grotesken Welttheater hat; denn die Szenen ohne Köpfe verdunkeln eher.

Erhellend ist am Ende nichts. Der Reiter bleibt eine Namen- und Ortloser. In diesem Traum sind alle Türen verschlossen, die verästelten Bäume bleiben rätselhaft, schiefe Windmühlen bleiben schief, und die ewige Nacht bleibt ewig dunkel. Vielleicht erinnert der Film an den Doors - Song ?Riders on the Storm?, dem unsichtbaren und unwirklichen, schon poetischen Steppenreiter, der die Welttragödien abreitet.
?Sleepy Hollow? ist ein ungewöhnlicher (Märchen-)Film, eine vollkommene Inszenierung eines langwährenden Traumes, der erlebbar und begehbar erscheint.

Fazit:

Einer der besten Burton Filme. Die makabere Fabel verdichtet sich in einem intensiven Traum - Stimmungsbild. Finstere Farbtöne und das ästhetisch Homogene machen aus dem Film ein bewegendes Werk.

07.09.2005, 02:53:16 Evil Wraith

Ein toller Streifen! Die Atmosphäre ist so dicht, man kann sie fast in Scheiben schneiden und der (pechschwarze) Humor kommt auch nicht zu kurz. Auch ein paar harte Szenen gibt's, allerdings kein echter Splatter. Hätte auch nicht wirklich gepasst...

28.10.2004, 16:54:05 Savini ( Email schreiben )

Tjo...das 82/83 stark von Gewaltgegnern verprügelte Horrorkino darf 99 unter einem Tim Burton unzählige Köpfe rollen lassen und das ab 12 im Kino.

Klar der Film ist eine Granate, ein Sog in eine Sagenwelt von der man bis zum Ende nicht los kommt. Starke Schauspieler, Effekte, Soundtrack und Atmosphäre machen Sleepy Hollow zu einem der besten Filme aller Zeiten.

Die grandiose märchenhafte Story die vielen Horrorfilmen fehlt ist das grösste Plus des Streifens aber trotzdem bleibt mir die Altersfreigabe ein Rätsel auch wenn die DVD Version mit einigen zusätzlichen Szenen ab 16 aufgewertet wurde.

10/10 und ein Muss für jeden Filmfreak auch wenn man Horrofilme sonst nicht so mag.

04.02.2004, 05:02:26 Itchy ( Email schreiben )

Atmosphäre pur ist es, was diesen Film ausmacht. Als Zuschauer fühlt man sich von Anfang an gefesselt, nicht zuletzt auch aufgrund der unwirklichen und surrealen, aber sehr stimmigen Optik des Films, die ihn einfach nur gruselig macht. Wer den Film gesehen hat, wird wohl so schnell nicht wieder allein in den Wald gehen... Johnny Depp unterstreicht mit diesem Film wieder einmal seine unglaubliche Wandlungsfähigkeit, die ihn bei mir so beliebt macht.

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann