Film Daten

Titel:
120 Tage von Sodom
Originaltitel:
Land & Jahr:
Italien 1975
Laufzeit ca.: ?
110 Min.
Regie:
Pier Paolo Pasolini
Darsteller:
Paolo Bonacelli
Giorgio Cataldi
Umberto Paolo Quintavalle
Aldo Valletti
Caterina Boratto
Hélène Surgère
Sonia Saviange
Elsa De Giorgi
Ines Pellegrini
Rinaldo Missaglia
Giuseppe Patruno
Guido Galletti
Efisio Etzi
Claudio Troccoli
Fabrizio Menichini
Alternativtitel:
• Salo or the 120 Days of Sodom
• Salo ou les journées de Sodome
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Legend Films
Label:
Legend Films
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
1.66:1 / 110:38
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 1.0
Italienisch - DD 1.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Dokumentation "Salo - gestern und heute"
  • Featurette "Die Kinder von Salo"
  • Bildergalerie
  • Deutscher Trailer
  • Italienischer Trailer
  • Booklet mit Essay über den Film

120 Tage von Sodom

Review

120 Tage von Sodom - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Vier italienische Faschisten (Paolo Bonacelli, Giorgio Cataldi, Umberto Paolo Quintavalle, Aldo Valletti) lassen im Jahre 1944 mehrere Jungen und Mädchen entführen und in eine alte Villa bringen. Dort erzählt jeden Tag eine von zwei erfahrenen Prostituierten (Hélène Surgère, Elsa De Giorgi) eine erotische Geschichte, was die Männer zu sexuellen Ausschweifungen und Folter an den Kindern verleiten läßt...

120 Tage von Sodom - Screenshot120 Tage von Sodom - Screenshot

Wenn ein Film der Inbegriff des Wortes "Skandalfilm" ist, dann sicherlich Pier Paolo Pasolinis 1976 entstandener Salò o le 120 giornate di Sodoma, zu deutsch: "Die 120 Tage von Sodom". Schon zur Premiere schlug der Film hohe Wellen, stieß auf sehr viel Kritik und wurde teilweise regelrecht verrissen, lief aber sogar in deutschen Kinos. Selten zuvor war eine solch massive Ansammlung von sexuellen Ausschweifungen und grausamer Folter gegenüber wehrlosen Kindern in einem großen Filmwerk zu sehen gewesen. Und selbst heute, fast 30 Jahre später, sorgt der Film immer noch für Kontroversen und harten Diskussionen unter Film-Fans wie Experten. Im Gegensatz zu vielen anderen sogenannten Skandalfilmchen, wo sich der ganze Wirbel zumeist als ein Wölkchen heiße Luft entpuppt, ist Die 120 Tage von Sodom wirklich ein Film, der die Grenzen verschiebt und auch bei den offensten Filmfreunden auf Ablehnung stoßen kann und wird.

Die 120 Tage von Sodom basiert lose auf der gleichnamigen Geschichte des Marquis de Sade, transportiert in das Italien des Jahres 1944, als die Faschisten unter Mussolini das Land regierten und die Deutschen schon ihren Einfluß auf das Land ausübten. Es ist eine Parabel auf die scheinbar grenzenlose Machtausübung der regierenden Klasse, die meint sich alles erlauben zu können und zu dürfen. Alle vier Männer, die sich nur selten mit Namen ansprechen, sondern über gesellschaftliche hohe Berufsbezeichnungen (Durchlaucht, Präsident, Montsignore, Exzellenz), entstammen aus der oberen Schicht, sind reich und genossen wahrscheinlich vorher schon hohes gesellschaftliches wie politisches Ansehen. Sie schließen sich zusammen, um ihre eigene Vorstellung von Machtausübung auszuleben, denn "alles was maßlos ist, ist gut".

120 Tage von Sodom - Screenshot120 Tage von Sodom - Screenshot

Und ihre Spielchen mit den Kindern, ihre Folterungen und Demütigungen gehen weit über das hinaus, was man davor und danach jemals in einem normalen Kinofilm gesehen hat. Nicht nur, dass Mädchen wie Jungen, die gerade mal im Teenageralter sind, zu (homo-)sexuellen Handlungen gezwungen werden, sondern sie müssen sich unter anderem noch dazu wie Hunde verhalten, bekommen mit Nägeln gespicktes Essen vorgesetzt und im schockierenden Höhepunkt wird allen, angestachelt durch die Erzählung einer der Prostituierten, menschliche Exkremente als Mahlzeit serviert. Wer gegen die Regeln verstößt, dessen Name wird in einem Buch notiert und mit der brutalen Bestrafung, der man als Zuschauer in einem voyeuristischen Blickwinkel durch ein Fernglas Zeuge wird, klingt der Film dann aus.

Der Film läßt allerdings nicht nur durch seine Radikalität in der Darstellung einen Eindruck beim Zuschauer, sondern vor allem dadurch, dass das Schicksal der Kinder absolut keinen Funken Hoffnung bereithält. Sie werden aus ihren Familien gerissen, wer flüchtet wird einfach erschossen. Wie einer der vier Männer bei der Begrüßung schon sagt, sind sie alle "für die Welt da draußen tot". Niemand kann ihnen helfen und niemand wird ihnen helfen. Selbst der hörbare Überflug von Kriegsflugzeugen über die Villa hinweg birgt keine Hoffnung. Der Verlauf der Handlung entwickelt sich zu einem konstant deprimierenden Panoptikum aus menschlicher Niederträchtigkeit, Dekadenz, Machtwillkür, Wahnsinn, Gewalt, Tod und totaler Isolation. Die Kinder sind den Männern und ihren assistierenden Soldaten hilflos ausgeliefert, ihr menschlicher Körper zur willenlosen Ware verkommen, auch wenn sie immer noch mit Namen angesprochen werden. Die Villa wird zum neuen Lebensraum, die Welt wird für sie auf wenige Räume reduziert, ein "draußen" existiert einfach nicht mehr.

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Ist dieses Werk nun die verfilmte Phantasie eines Perversen oder doch ein Film mit Aussagekraft? Die Antwort mag zunächst nicht leicht fallen, da man zunächst von dem, was sich in der Villa abspielt, doch sehr eingenommen wird und beim ersten Anschauen kaum erfassen kann, was eigentlich hinter der Darstellung der Gewalttaten liegt. Zudem sind einige historische Kenntnisse sicherlich hilfreich, um den Film etwas besser verstehen zu können, außerdem sollte man auch etwas über die Person Pier Paolo Pasolinis wissen. Daher sind die beiden folgenden Abschnitte als historischer Überblick sicherlich nötig.

Was ist Salo?

1919 gründete Benito Mussolini, der aus der Sozialistischen Partei kam, die "Fasci Italiani di Combattimento" (Italienische Kampfbünde), die schnell an Mitgliedern gewann. 1922 wurde Mussolini, nach einer Putschandrohung, Ministerpräsident und 1925 verbot er die Sozialistische Partei und andere antifaschistische Organisationen und baute seinen Führerkult aus. 1943 wurde der "Duce" von dem Großfaschistischen Rat abgesetzt und inhaftiert. Ein SS-Offizier befreite Mussolini und mit Hilfe der Deutschen gründete er in Norditalien die "Repubblica Sociale Italiana", oder auch "Repubblica di Salò" (Republik von Salò) genannt. Hier flossen aber dann eindeutige Ideen aus dem Nazi-Faschismus mit ein, so z.B. der Antisemitismus, den es im ursprünglichen italienischen Faschismus nicht gab. Die Republik von Salò stand sehr unter dem Einfluß der Deutschen, übernahm sogar ein paar deutsche Gesetze, funktionierte aber intern wie ein eigenständiger Staat und verfügte sogar über eine eigene Armee und Amtsapparat. Das Ende der Republik wird mit Mussolinis Flucht im April 1945 nach Deutschland datiert, während der Flucht wurde er von Pazifisten getötet.

Pier Paolo Pasolini

Pier Paolo Pasolini wird am 5. März 1922 in Italien geboren. Mit 4 Jahren fängt er an zu malen, mit 7 schreibt er sein erstes Gedicht. Mit 15 Jahren verliert er trotz seiner katholischen Erziehung jede tiefere Bindung zum christlichen Glauben, auch wenn es später Phasen geben sollte, in denen er sich wieder mehr der Religion zuwandte. Zur Zeit des Faschismus in Italien muss sein Vater in den Krieg nach Ostafrika und wird dort von der britischen Armee gefangen genommen. Pasolini engagiert sich in einer faschistischen Hochschulgruppe und der Faschistischen Jugend (dies hatte allerdings nicht viel mit dem Nazi-Faschismus der Deutschen zu tun). Hier trifft er auf Gleichgesinnte, mit denen er über Literatur, Poesie und Kunst allgemein diskutieren kann. Im Juli 1942 ist er für drei Wochen in einem Militärlager, um einen Lehrgang für Reserveoffiziersanwärter zu absolvieren und nimmt an zwei Treffen der Faschistischen Jugend in Florenz und Weimar teil. Dort lernt er den richtigen Nazi-Faschismus kennen, den er später in einer Zeitung der faschistischen Hochschulgruppe als "kontraproduktiv zur europäischen Kultur" bezeichnen wird.

In der Schule war er einer der besten gewesen und während des Krieges veröffentlicht er in kleinen limitierten Auflagen seine ersten Gedichtsbücher. Allerdings war es Kritikern verboten darüber zu schreiben, da sie in friaulischen Dialekt verfasst waren. Am 1. September 1943 wird er in die Armee einberufen, am 8. September kapituliert Italien vor dem Einmarsch der Deutschen. Pasolini kann sich während eines Gefechtes in einem Graben verstecken und entgeht so der Verhaftung seiner Division. Schließlich wird auch die Provinz Casarsa, wohin sich die Pasolini-Familie mittlerweile zurückgezogen hat, von den Deutschen besetzt. Dort unterrichtet Pasolini Kinder bei sich zu Hause und bringt ihnen neben Geschichte auch Literatur und die Poesie nahe. Sein jüngerer Bruder Guido schließt sich dem Widerstand an und kämpft als Pazifist gegen die Besatzer. Flugblätter die er verteilt werden zunächst Pier Paolo angelastet, später wird Guido verhaftet und tagelang verprügelt. Im Oktober/September werden Todesdrohungen für alle ausgesprochen, die sich der Einberufung in die Armee widersetzen, über Nacht flüchtet die Familie nach Versuta. Im Januar 1945 wird Guido getötet, als er und seine Mitkämpfer von einer kommunistischen Gruppe verraten werden.

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Wie bei jedem anderen heranwachsenden Mann in dem Alter wächst auch bei Pier Paolo Pasolini das sexuelle Interesse. Aber sein Interesse gilt eher jungen Männern und nicht den Frauen in seinem Alter. Ab 1947 engagiert sich Pasolini stärker in Sachen Politik und wird zum Sekretär der lokalen kommunistischen Sektion ernannt, den Posten legt er aber 1948 wieder ab. Er wird als Lehrer an einer Mittelschule eingestellt und nimmt an Treffen der kommunistischen Partei teil. 1948 kommt sein Vater aus der Kriegsgefangenschaft zurück, die ihn seelisch deutlich verändert hat. 1949 wird Pier Paolo Pasolini wegen Verführung Minderjähriger und Unzucht angezeigt, was zum Verlust seiner Lehrerstelle und dem Rausschmiss aus der kommunistischen Partei führt. 1950 geht er mit seiner Mutter und ohne seinen Vater nach Rom, wo er unter ärmlichen Verhältnissen im Arbeiterviertel lebt. Gegen Ende des Jahres wird er zu 3 Monaten auf Bewährung wegen Unzucht verurteilt, die Verführung Minderjähriger kann ihm nicht nachgewiesen werden. Erst 1951 geht es wieder aufwärts mit einer neuen Lehreranstellung und seinem ersten Verlagskontrakt für seine literarischen Arbeiten.

1952 wird er mit den ersten Literatur-Auszeichnungen geehrt, die Zahl seiner Veröffentlichungen nimmt immer mehr zu. 1954 schreibt er zum ersten Mal an einem Drehbuch mit, was seine finanzielle Lage bessert. 1955 wird sein erstes Buch "Ragazzi Di Vita" veröffentlicht, dass in Italien sehr erfolgreich ist, aber auch auf harte Kritiken stößt. Er bekommt wegen seines Buches ein Strafverfahren, da es einen "pornographischen Charakter" haben soll, 1956 wird er aber vor Gericht sofort von dem Vorwurf freigesprochen. Im Dezember 1958 stirbt sein Vater und 1960 gerät Pasolini in die Schlagzeilen, weil er angeblich zwei prügelnde Jugendliche in seinem Auto mitnahm und ihnen somit bei der Flucht half. Auch hier wird er aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Während der starken politischen Schwankungen im Jahre 1960 schreibt er seinen ersten eigenen Film Accattone (Accattone - Wer nie sein Brot mit Tränen aß), der 1961 gedreht wird. Die italienischen Zensurbehörden geben ihn aber erst ab 18 Jahren frei. Im November des gleichen Jahres wird er des bewaffneten Überfalls auf eine Tankstelle angeklagt. Eine Intrige, die seine Gegner eingefädelt hatten, denn in Wirklichkeit hatte er nur an der Tankstelle gehalten um etwas zu trinken.

1962 beginnen die Vorbereitungen zu seinem zweiten Film Mamma Roma. Währenddessen wird das Verfahren wegen des Überfalls vor Gericht behandelt. Die Anklage läßt den Dozenten für Psychiatrie Aldo Semerari eine Analyse über Pasolini erstellen, in dem er ihn als "triebhafter Psychopath, sexuell Anormaler, Homophiler im absolutesten Sinn des Wortes" bezeichnet. Trotz der schwachen Grundlagen, die die Tat angeblich belegen, wurde Pasolini mit 15 Tagen Haft wegen des Überfalls und 5 Tagen Haft wegen unerlaubten Tragens einer Pistole bestraft. Ein Freund namens Moravia behauptet in einem öffentlichen Bericht, dass dies Urteil nur ausgesprochen wurde, weil Pasolini homosexuell ist. Mamma Roma kommt schließlich in die Kinos, politische Parteien inszenieren Tumulte in den Erstaufführungen und der Hauptmann der Carabinieri zeigt den Film wegen "obszönen Inhalten" an.

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Dies wiederholt sich fast immer bei Pasolinis nächsten Filmen. La Ricotta wird gleich am Veröffentlichungstag wegen "Verunglimpfung der Staatsreligion" beschlagnahmt und Pasolini bekommt 4 Monate Freiheitsentzug. Es gibt wieder Tumulte seitens politischer Gruppierungen bei La Vangelo secondo Matteo (Das erste Evangelium Matthäus), der 1968 entstandene Teorema (Teorema - Geometrie der Liebe) wird wegen Obszönität abgezeigt und beschlagnahmt. 1970 beginnt er mit dem ersten Film seiner "Trilogie des Lebens": Decameron. Anfang 1971 schreibt er ein paar kritische Artikel, woraufhin ihm "Aufruf zum Ungehorsam" und "Aufforderung zu strafbaren Handlungen und Verherrlichung eines Verbrechens" vorgeworfen wird. Decameron ist mittlerweile ein weltweiter Erfolg, bekommt aber schätzungsweise an die 80 Anzeigen wegen Obszönität. Ähnliches geschieht auch bei den Nachfolgefilmen I Racconti di Canterbury (Pasolinis tolldreiste Geschichten) und Il Fiore delle mille e una notte (Erotische Geschichten aus 1001 Nacht). 1974 übernimmt er dann von seinem Regie-Zögling Sergio Citti das Projekt der filmischen Umsetzung von de Sades "Die 120 Tage von Sodom", den er 1975 fertig dreht.

In der Nacht vom 1. zum 2. November wird Pier Paolo Pasolini auf einem Fußballplatz in dem unspektakulären Strandort Ostia erschlagen und überfahren. Der Täter ist ein 17-jähriger Junge, den Pasolini kurz zuvor in seinem Wagen mitgenommen hatte, und der im anschließenden Gerichtsprozess die Tat als Notwehr darstellte. Diese Tat ähnelt Pasolinis erstem Film Accattone, der das Leben in einem kleinen heruntergekommen Ort schildert und mit einem Gewaltakt endet. Der Ort seines Todes war zudem eine Stelle, die in Erotische Geschichten aus 1001 Nacht als Drehort diente.

Schlußfolgerung

Wie man vielleicht erkennen kann, war Pasolini jemand, der sich nicht dem allgemeinen Gesellschaftsbild unterordnen wollte, sondern stets geradeheraus sagte was er dachte und scheute auch nicht davor zurück, in Zeitungsartikeln, Kolumnen oder seinen eigenen literarischen Arbeiten Mißstände oder bestimmte Personen anzugreifen. Von seinen Freunden wurde er hingegen geschätzt, wegen seines an sich ruhigen, früher sogar noch etwas schüchternen, Wesens oder wegen seiner hervorragenden Romane und Gedichte. Nicht nur einmal wurde versucht ihm schwere Steine in den Weg zu legen, zumeist kam dies entweder von politischen Gruppierungen oder aber auch der Staatsmacht. Ob dies entscheidend in Die 120 Tage von Sodom eingeflossen ist, läßt nicht unbedingt feststellen, aber der Gedanke liegt nahe. Dem Italien der 60er und 70er Jahre stand er sehr kritisch gegenüber und konnte sich nicht mehr mit der immer weiter wachsenden Industrialisierung und dem materiellen Konsumdenken der Gesellschaft anfreunden. In einem Interview sagte er einmal, dass er Film als eine andere Sprache ansieht, um sich bewußt von der italienischen Sprache und dem Land Italien abzusetzen. In der Verfilmung von De Sades Geschichte sah er die Möglichkeit, seine Aversion gegen die Gesellschaft der 70er Jahre filmisch festhalten zu können. 1974 schrieb er in einem Artikel:

Zitat

Dieser Mensch hat keine Wurzeln mehr, er ist ein monströses Geschöpf des Systems, meines Erachtens ist er zu allem fähig.

Und in einem Interview über den Film, dass er am 10. Januar 1975 hielt:

Zitat

Vier Nazifaschisten machen Razzien; das Schloß von Sade, wo sie die Gefangenen hinbringen, ist ein kleines Muster-KZ. Es interessierte mich zu sehen, wie die Macht agiert, wenn sie sich von der Menschlichkeit abspaltet und sie zum Objekt macht.

Am 26. Oktober des gleichen Jahres, Salò ist bereits fertiggestellt, erzählt er in einem weiteren Interview:

Zitat

Tatsache ist, dass die Sexualität hier noch verwendet wird, aber anstatt, wie in der Trilogie des Lebens, als etwas Freudvolles, Schönes und Verlorenes verwendet zu werden, wird sie als etwas Schreckliches eingesetzt, sie ist zur Metapher dessen geworden, was Marx den Warencharakter des Körpers, die Entfremdung des Körpers nennt. Das, was Hitler brutal gemacht hat, also indem er die Körper tötete, zerstörte, das hat die konsumistische Zivilisation auf kultureller Ebene getan, aber in Wirklichkeit ist es dasselbe.

Pier Paolo Pasolini wollte in seinem Werk also verdeutlichen, wie Macht einen Menschen verändert, entweder als Machtinhaber oder als Opfer der Macht. Und dies wird in recht drastischer Form in Die 120 Tage von Sodom festgehalten. Zwar diente als Grundlage immer noch die Vorlage des Marquis De Sade, aber durch die Transportierung der Handlung in die letzten zwei Jahre des Zweiten Weltkrieges wirkt dies nochmals umso bedrückender. Am Anfang sieht man die vier Männer, wie sie eine Art Manifest unterschreiben und somit die Grundlage für ihre Taten bilden. Die Auswahl der Kinder, die sie mitnehmen wollen, läuft auf den ersten Blick nach strikten Vorgaben ab, so ist z.B. bei einem Mädchen eine Zahnlücke ein Ausfallkriterium. Aber unterschwellig erkennt man in manchem Gesichtsausdruck schon, wenn ein bestimmter Knabe einem der Herren besonders gefällt.

Auch orientiert sich der Tagesablauf in der Villa nach einem strengen Zeitplan. Jeden Morgen um 6 Uhr müssen sich alle im Orgiensaal versammeln. Während manche der Vormittage in scheinbar sachliche Diskussionen abdriften, so brechen doch bei jedem persönliche Vorlieben und Begehren durch, wenn sie mit einem der Kinder in einen der nebenan liegenden Räume verschwinden. Aus dem Rationalen, dem Herrschaftlichen, wird dann etwas Emotionales. Auch machen die jungen Menschen im Laufe der Zeit eine Wandlung durch. Manche versuchen sich mit der Situation und den Männer zu arrangieren, um so einer harten Bestrafung zu entgehen. Aber wenn es kritisch wird, scheuen sie auch nicht davor zurück, andere zu verraten um sich selber zu schützen. So werden die Opfer zu Mittätern, zu so etwas wie Komplizen für die Herren.

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Hervorheben muss man hierbei, dass Pasolini keine Person, weder Opfer, Mittäter oder die vier Männer, so detailliert darstellt, dass man sich auch nur ansatzweise mit einem oder einer von ihnen identifizieren könnte. Sein Ansatz zur Darstellung des Körpers als Ware geht so weit, dass Namen kaum genannt werden, gerade bei den Kindern hört man nur von den wenigsten den Namen. Auch die assistierenden Soldaten oder die Klavierspielerin werden kaum mit Namen angesprochen. Individualität zeichnet sich nur noch dadurch aus, zu welcher der anwesenden Gruppen die Person gehört.

Dies wird trotzdem den Film für viele nicht unbedingt in einem anderen Licht erscheinen lassen, da ein gewisser "Abstoßungsfaktor" einfach mit in das Empfinden des Films hineinspielt. Streng genommen gibt es nicht mal eine sich langsam in der Spannung steigernde Handlung oder große Überraschungen, die für Abwechslung sorgen. Trotzdem ist es Pasolini gelungen, ein Werk abzuliefern, das den Zuschauer beschäftigen wird, egal ob man den Film nun mag oder nicht. Was aber vor allem beim ersten Anschauen kaum wahrgenommen wird, ist die technische wie in filmischen Aspekten hohe Qualität der Inszenierung.

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Während sich die Einführungssequenz noch recht nüchtern-realistisch präsentiert, ändert sich dieser Eindruck spätestens dann, wenn die Herrschaften und ihre Opfer in die Villa ziehen um dort weiter zu leben. Manche der Kameraeinstellungen fangen die großen Räume so ein, dass man sich unwillkürlich an ein real gewordenes Gemälde aus einem vergangenen Jahrhundert erinnert fühlt. Die Kamera nimmt dabei stets eine Position ein, die es ermöglicht eine Hälfte des Raums fast in der gesamten Breite zu erfassen. Die Position der Charaktere wirkt dabei streng durchdacht, geradezu optisch komponiert und verleiht so dem Film einen künstlerisch anmutenden Hauch.

Neben De Sade arbeitete Pasolini auch etwas von Dantes "Göttlicher Komödie" ein, indem er den Film in vier Abschnitte einteilte und die letzten drei als Höllenkreise bezeichnete, die auch der Protagonist in der Göttlichen Komödie bewandert. "Antiinferno" (Vorhölle) ist quasi die Vorgeschichte. "Girone delle Manie" (Höllenkreis der Manien) stellt den Beginn der Demütigungen und Erniedrigungen in der Villa dar. "Girone della Merda" (Höllenkreis der Scheiße) ist die Steigerung davon und "Girone del Sangue" (Höllenkreis des Blutes) schließlich das finstere Finale, in der die im Strafbuch notierten Kindern brutal gefoltert und getötet werden.

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Die 120 Tage von Sodom mag jetzt so etwas verständlicher erscheinen, seine Kontroversität und seine Spaltung unter den Zuschauern zwischen Akzeptanz und totaler Ablehnung bleibt aber. Auch wenn man sich mit dem Film gar nicht anfreunden mag, was ja durchaus in Ordnung ist, so hat es Pasolini mit seinem Werk doch eins geschafft: jeder Zuschauer wird durch diesen Film berührt und verliert ihn nicht so schnell aus dem Gedächtnis. Viele werden ihn sich nur einmal und dann nie wieder anschauen. Wer sich aber wagt, sich etwas intensiver mit dem Film zu beschäftigen und sich nicht von der "Oberfläche" ablenken läßt, der entdeckt ein Werk mit einer intensiven Kraft und einer radikalen Art und Weise sein Thema zu vermitteln.

Erstaunlich ist bei diesem Film allerdings, dass nur selten mal angemerkt wird, wer noch alles daran mitgearbeitet hat. Am Drehbuch half, wenn auch im Vorspann nicht weiter genannt, Pupi Avati (Casa dalle finestre che ridono, La) mit und für die Musik zeichnete sich niemand geringerer als Ennio Morricone verantwortlich. Die Kamera bediente Tonino Delli Colli, der auf eine lange Karriere im italienischen Filmgeschäft zurückblicken kann und neben vielen Pasolinis auch bei Filmen wie Sergio Leones Il Buono, il brutto, il cattivo (Zwei glorreiche Halunken), C'era una volta il West (Spiel mir das Lied vom Tod) und Once Upon a Time in America (Es war einmal in Amerika), aber auch La Vita è bella (Das Leben ist schön) als Kameramann tätig war.

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Für die erwachsenen Rollen in Die 120 Tage von Sodom wurden zumeist professionelle Schauspieler engagiert, während bei den Jüngeren zumeist auf Laiendarsteller zurückgegriffen wurde. Paolo Bonacelli sah man später z.B. in Dario Argentos La Sindrome di Stendhal (The Stendhal Syndrome) oder in Tinto Brass' Caligula. Aldo Valletti war direkt nach Pasolinis Werk in einem ähnlich gelagerten Streifen zu sehen, Salon Kitty. Caterina Boratto trat unter anderem in Mario Bavas Diabolik oder den Nonnenfilmen Storia di una monaca di clausura (Der Nonnenspiegel) und La Monaca di Monza.

Auf DVD gab es den Film schon relativ früh von dem amerikanischen Label Criterion. Die DVD ist aber schon seit einigen Jahren nicht mehr offiziell erhältlich und wechselt mittlerweile bei Ebay meist für einige hundert Dollar den Besitzer. Erste bezahlbare Alternativen gab es dann mit Veröffentlichungen in Frankreich und Großbritannien. In Deutschland hat sich Legend Home Entertainment des Films angenommen und ihn passenderweise in der Reihe "KinoKontrovers" veröffentlicht. Auch wenn das Bild nicht anamorph vorliegt und das Master seine kleinen Probleme aufwies, so kann man mit der gebotenen Leistung doch zufrieden sein. Das Bild verfügt über eine gute Schärfe und kann auch bei den Farben und dem Kontrast überzeugen. Bis auf eine kurze Szene im Mittelteil, die aus einer anderen Stelle zu stammen scheint, hier nimmt das Bild für wenige Sekunden VHS-Qualität ein. Sowohl italienischer Originalton wie auch deutsche Synchronisation liegen im original Monoformat vor. Während sie über weite Strecken ganz gut klingen, so vernimmt man manchmal doch den einen oder anderen Knackser oder ein dezentes Rauschen, aber nichts, was sich großartig negativ bemerkbar machen würde. Im direkten Vergleich fällt außerdem auf, dass in der deutschen Synchro manchmal die Umgebungsgeräusche reduziert oder ganz eliminiert wurden. Dies ist aber natürlich kein Fehler von Legend, sondern der damaligen Aufnahme des Synchronisation. Zum italienischen Ton kann man sich außerdem deutsche Untertitel dazuschalten.

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Legend hat sogar ein paar nette Extras auftreiben können. So stellt "Salò - gestern und heute" eine kleine interessante Dokumentation französischen Ursprungs dar, die fast 32 Minuten lang ist. Neben Archivaufnahmen von Pasolini kommen hier auch noch Hélène Surgère, Jean-Claude Biette (fertigte damals Untertitel und die französische Synchronisation an) und Ninetto Davoli (Darsteller in einigen anderen Filmen Pasolininis) zu Wort. Vornehmlich steht die Person Pasolini im Mittelpunkt und man sieht Aufnahmen von den Dreharbeiten für das Finale. In "Die Kinder von Salò - Vier Filmemacher im Gespräch" kommen die französischen Regisseure Catherine Breillat(Romance, Fat Girl, Claire Denis (Trouble Every Day), Bertrand Bonello (The Pornographer) und Gaspar Noe (Irreversible) zu Wort und erzählen, wie sie Die 120 Tage von Sodom empfunden haben und wie sie der Film beeinflußt hat. Zum Schluß gibt es noch eine umfangreiche Bildergalerie sowie den italienischen Originaltrailer und den deutschen Trailer, der mit reißerischen Sätzen wie "Menschen im Teufelskreis ihrer Gelüste" den Eindruck eines Exploitationfilms weckt. Außerdem gibt es noch ein 20-seitiges Booklet mit einem ausführlichen Essay von Marcus Sitglegger. Eine schöne Veröffentlichung eines kontroversen Films. Nur die etwas zu klein geratenen Menüpunkte stören etwas, da sie ab einer gewissen Entfernung fast nicht mehr lesbar sind.

Die erste Auflage der DVD hatte leider einen kleinen Produktionsfehler, der dazu führte, dass ein Sprung von ca. 70 Sekunden im Film passiert (direkt nach der Szene, wo dem einen Jungen die Waffe an den Kopf gehalten wird). Eine Neuauflage ist aber mittlerweile produziert worden und wer eine fehlerhafte DVD erwischt hat, kann diese gegen eine korrigierte Version direkt bei Legend Home Entertainment umtauschen.

Quellennachweis

[1] Nico Naldini: Pier Paolo Pasolini - Eine Biographie
[2] Der Spiegel - Ausgabe Nr. 46 vom 10.11.1975
[3] Wikipedia: http://de.wikipedia.org

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 12.06.1999
Letzte Textänderung: 20.03.2005

Leser-Kommentare

03.10.2006, 04:49:37 Tim

David Bowman: "achtung... es handelt sich hierbei um einen sozialkritischen film, der im zeitkontext zu verstehen ist und sich gegen grenzenlosen hedonismus und die konservativen exfachischsten der republik salo richtet. ihn auf seine gewaltdarstellungen zu reduzieren ist falsch. richtig ist jedoch, dass er diejenigen zuschauer nicht unterhalten kann die ohne hintergrundwissen sich einfach mal einen film "reinziehen" wollen"

letzterem stimme ich voll und ganz zu, dieser film hat mit "hollywood-eskapismus" nichts, aber auch gar nichts zu tun. wer sich nur schockieren lassen möchte, wird sicher enttäuscht werden (soll jetzt nicht snobistisch klingen, ich geniesse diesen "hollywood-eskapismus" genauso wie jeder andere mensch auch - aber 'salo' ist nun mal nicht ein film wie jeder andere).
zu ersterem: das ist sicherlich richtig, aber der film ist nicht nur eine parabel auf faschistische gewaltherrschaft, sondern auch auf die kapitalistische, "demokratische" nachkriegsgesellschaft, in der der mensch zur ware und einem ausgebeuteten subjekt wird... pasolini war nun mal marxist, und ich würde meinen das man seine filme auch so interpretieren sollte...
ein ganz großes meisterwerk.

wer sich mit diesem film beschäftigt hat wird über die holzhammer-"gesellschaftskritik" eines cannibal holocaust nur schmunzeln können.

01.05.2006, 16:07:49 Aton

"SHOCKING" ist dann doch etwas anderes...ein aneinanderreihung von surrealen bildern mit der verschmelzung von faschistoid-pädophiler grundsubstanz mag gefallen oder auch nicht, gelegentlich wird in diesem zusammenhang auch vin "Meisterwerk" gesprochen, diskussionsstoff bietet er allemal...
wenn ich etwas mehr zündstoff in die diskussion werfen würde wollen, tät ich sagen, dass es ein insgesamt mächtig langweiliger film geworden ist, den pasolini da auf zelluloid gebannt hat. aber eins ist gewiss: pasolini hat sich mit diesem "meisterwerk" einen namen gemacht...

24.12.2005, 10:17:03 Ellll

dieser film war zutiefst erschütternd, nach jeder szene denkt man schlimmer kann es nicht mehr kommen aber die Perversität findet keine Grenzen und kein Ende. Der einzige Film von dem ich sage seh ihn dir NICHT an. Grandios das er gedreht wurde und das es ihn gibt, wie soll man sagen? Wichtig ihn zu sehen aber nicht ansehen? Ziemliche Zwickmühle das alles.

22.11.2005, 00:26:00 otsche

faszinierend, was dieser Film nach so vielen Jahren noch für einen Diskurs ausrichten kann. Habe ihn soeben gesehen, ohne jegliches hintergrundwissen, und die erste Frage die sich mir stellte war: Wo ist der Sinn? Warum das alles? Daher kam ich auf diese Seite. Beim betrachten des Filmes wird wohl klar, dass es sich nicht um publikation von Perversionen handelt, und dennoch erschloss sich mir kein wirklicher Sinn hinter der recht eintönigen Handlung. Als Anhänger der Jungen Generation ist man in Sachen Sexualität und Gewaltverherrlichung sicher einiges gewohnt, und doch kenne ich keinen Film, der eine derart explosiv zerstörerische Mischung bietet. Trotz der hier gegebenen Hintergrundinformationen kann ich für mich (noch) keinen Sinn in der Darstellung finden. Faschismus und auch die absolute Macht der agierenden Handlungsträger sind mir keine ausreichende Erklärung für die fiktive, irreale Brutalität der Sexualität. Ich denke der Schlüssel zum Verständnis des Filmes liegt sicher im Persönlichkeitsbild des Filmemachers. Ob ich den Film letztendlich für ein Meisterwerk halte, weiß ich noch nicht, doch ihn als vollkommen misslungen zu deuten halte ich für zu gewagt. Schon alleine seine künstlerische Komponente ist sehr ausgeprägt und sehenswert.

18.08.2005, 13:59:23 Christian Schulze ( Email schreiben )

Ein Film, der auch nach 30 Jahren noch extrem häßlich und widerwärtig wirkt. Genau das, war ja wohl auch Passolinis Absicht: Die Unterdrückung des Menschen in einer überaus häßlichen, kaum noch erträglichen Form darzustellen. Zumindest einmal sollte man den Streifen auf jeden Fall gesehen haben, wobei ein wenig Hintergrundwissen (wie es der Artikel ja liefert) nicht schaden kann.

Aber: Ein paar Szenen fand ich zumindest aus heutiger Sicht doch unfreiwillig komisch, was nicht unbedingt zu einem Meisterwerk - so wird der Film ja von manchen beurteilt - passt. Dazu zählt etwa die Sequenz, in der eine Denunziation auf die andere folgt, oder auch die Selbstmordszene.

30.07.2005, 20:09:14 Kristina ( Email schreiben )

Bevor ich diesen Film ansah, war ich fest davon überzeugt, dass der härteste und auch konsequenteste Film, den ich je sah, "Irreversibel" ist, aber "Die 120 Tage von Sodom" sprengte einfach alles. Ich hab noch nie erlebt, dass ein Regisseur so dermaßen ohne Einschränkungen seine Ideen durchsetzt. Ich bewundere Pier Paolo Pasolini dafür, dass er keine Grenzen kennt und sie sich auch nciht setzen lässt. So etwas kann man heute in der geldverliebten Filmindustrie nur schätzen. Außerden ist der Film nicht nur brutal. Er hat eine Botschaft, nämlich die, dass uneingeschränkte Macht den Menschen pervertiert und genau deswegen, weil das ganzen einen höheren Sinn hat, ist die Gewalt nicht aus selbstverleibten Gründen so stark in diesem Film, sondern um die Botschaft zu überbringen. Und obwohl die Folter- und Vergewaltigungsszenen fast unerträglich waren, hat mich nicht das am meisten schockiert, sondern der Gehorsam der Jugendlichen. Sie sind schwach und wehren sich nicht, auch wenn sie bei einem fluchtversuch erschossen worden wären, wäre das immerhin noch besser, als so ein 'Leben' in Qual, aber sie versuchen nicht einmal zu fliehen. Das zweite, was mich schockiert hat, war der Verrat unter den Opfern. Hier räumt Pasolini wieder mal schonungslos mit aller Schwarz-Weiß Malerei auf und mit dem Klischee der Zusammenhalts unter den Opfern. Sie sind nicht Engel, sie denunzieren einander. Und genau diese unterschweligen Sachen und dieses Verhalten haben mich am meisten schockiert. Trotzdem bewundere ich Pasolini für diesen Film, denn trotz der schonungslosen Gewalt sieht man in jeder Szene die unglaublich schöne Ästhetik der Bildkompositionen und der Verbinung zwischen den Bildern und der Musik. Mehr lässt sich zu diesem Film kaum sagen, als dass Pasolini für mich der mutigste und konsequenteste Regisseur in der Filmgeschichte bleibt und dass es immer noch keine würdigen Nachfolger gibt.

03.04.2005, 09:37:04 Götz M.

Mit Vergnügen habe ich die so gegensätzlichen Kommentare gelesen.Mir ist der Film vor etlichen Jahren schon zu Ohren gekommen und ich habe ihn nie aus dem Gedächtnis verloren.Vieleicht aus Neugier,was jetzt letzten Endes dahinter steckt,da die Meinungen wie hier sehr unterschiedlich waren.Die Auffassung dieses Films liegt mit Sicherheit viel an der Persönlichkeit des Einzelnen,wie in allen Dingen.Allein die Gegensätzlichkeit der Meinungen sagen mir aus,daß der Film nicht schlecht sein kann.Solche Filme trennen die sogenannte Spreu vom Weizen im Sinne der Oberflächlichkeit und anscheinend gibt salo` jeder Seite eine Botschaft mit.
Ich habe mir den Film vor ein paar Tagen bestellt,schon um die kinokontrovers-Reihe zu vervollständigen, und hoffe,daß ich das erkenne,was Pasolini aussagen will, unabhängig von den ganzen Informationen,die ich dazu gelesen habe.

25.03.2005, 07:50:17 bergmayr

ein famoser film. lange vor houellebecq und den neuen konservativen, die inmitten des kulturellen, geistigen und menschlichen verfalls der letzten jahre zahlreich emporgschossen sind, hat pier paolo pasolini schon unmittelbar in den 70ern die zerstörerischen Auswirkungen der sogenannten "Befreiung des Menschen" wahrgenommen, und gleichzeitig ein zeitloses plädoyer gegen den faschismus geschaffen.
dieser film ist von visionärer kraft und in seiner radikalität und trostlosigkeit unerreicht.
ich hab ihn sicher schon 10mal gesehen.
wenn jemand behauptet dieser film sei nur selbstzweckhaftes, voyeuristisches ausleben perverser sex- und gewaltphantasien, dann kann man ihm leider nur ahnungslosigkeit und einfalt vorwerfen.....

25.02.2005, 18:18:04 Savini ( Email schreiben )

Ende der 80er gab es in der Erwachsenenvideothek ja selten etwas neues lohnenswertes zu entdecken.

Irgendwann stach mir ein ein roter Pappschuber ins Auge mit der Aufschrift die 100 besten Filme präsentiert vom Stern (oder war es Spiegel^^ ka)

Vollkommen ohne Vorahnung was mich mich da nun genau erwartet tat ich mir die 120 Tage von Sodom an.
Ich kann nicht sagen warum ich ihn bis zum Ende gesehn hab auf jeden Fall war es eines der ekelhaftesten Erlebnisse die ich bis dato hatte.

Man kannte ja schon die ein oder andere Abartigkeit aus diversen Hardcore Streifen diese aber mit Gewalt vermischt und die Tatsache das da echte Kinder agieren sprengte doch den Rahmen. Grad im Hinblick auf die zu der Zeit angewandte schnelle Schere bei allem was nur im Ansatz als Gewalt zu deuten war.

Der zweite unbegreifliche Punkt ist das immer wieder neu umstrittene Nazithema und dokumentrische oder zeitkritische Ansätze kann man auch nicht ohne weiteres erkennen.

Also sämtlicher Anspruch diesen Mist sozialkritisch zu betrachten stösst bei mir auf heftige Gegenwehr dann hätte man das Thema anders verfilmen müssen.

Hier hat jemand seinen Perversen Gedanken freien Lauf gelassen und ich warne echt davor sich damit nen Abend zu verderben.

Keine Wertung muss jeder selbst wissen ob er diese Erfahrung wirklich braucht.

09.02.2005, 18:36:57 david bowman

achtung... es handelt sich hierbei um einen sozialkritischen film, der im zeitkontext zu verstehen ist und sich gegen grenzenlosen hedonismus und die konservativen exfachischsten der republik salo richtet. ihn auf seine gewaltdarstellungen zu reduzieren ist falsch. richtig ist jedoch, dass er diejenigen zuschauer nicht unterhalten kann die ohne hintergrundwissen sich einfach mal einen film "reinziehen" wollen

25.11.2004, 20:52:27 K.

Ich bin zwar ein wenig neugierig gewesen auf den Film, aber als ich gehört habe, was da für Szenen enthalten sind, habe ich mich entschlossen, diesen Film fallen zu lassen. Der wäre einfach nichts für mich aus menschlicher Sicht. Alles hat seine Grenzen. Splatterfilme sind ja noch irgendwie unsinnig (zB Zombies, es gibt in der realen Welt keine. Das ist Fantasie...Quatsch eben) oder einfach so doof, daß sie schon wieder gut sind, aber es gibt wie gesagt GRENZEN....ich kann mir kein bißchen Unterhaltungswert bei diesem Film vorstellen.

30.08.2004, 12:59:35 syk0 ( Homepage )

ein ekelhafter film, dem ich niemandem empfehlen kann ihn sich anzuschauen. nicht nur ist die bildqualität hundsmiserabel (zumindest bei dem tape was in deutschland erhältlich ist) - nein, es ist einfach nur eine wilde aneinanderreihung sexueller abartigkeiten, angefangen von urinspielen über pädophilie bis hin zu koprophagie. die wenigen gore szenen die dabei sind, sind schlecht gemacht und das filmmaterial nicht wert auf dem das ganze gedreht wurde.
faszit: alles in allem ein film, der zwar so manchen schocken mag, das allerdings nur durch die ekelhafte zurschaustellung von perversionen.

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