Film Daten

Titel:
Lola rennt
Originaltitel:
Lola rennt
Land & Jahr:
Deutschland 1998
Laufzeit ca.: ?
81 Min.
Regie:
Tom Twyker
Darsteller:
Franka Potente
Moritz Bleibtreu
Herbert Knaup
Nina Petri
Armin Rohde
Joachim Krol
Ludger Pistor
Suzanne von Borsody
Sebastian Schipper
Julia Lindig
Lars Rudolph
Andreas Petri
Klaus Müller
Utz Krause
Beate Finckh
Alternativtitel:
• Run Lola Run
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Alligator
Label:
Alligator
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 / k.A.
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 5.1
Untertitel:
-
Extras:
  • Featurette
  • Trailer
  • Cast & Crew Infos

Lola rennt

Review

Lola rennt

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

Das rote Telefon klingelt bei Lola (Franka Potente). Es ist ihr Freund Manni (Moritz Bleibtreu) der voller Panik ist. Er erzählt ihr der Geldübergabe, die er als Kurier für seinen Boß getätigt hat. Lola sollte ihn abholen, aber ihr Roller wurde gestohlen. Also fuhr er mit der U-Bahn. In der U-Bahn stiegen zwei Polizisten ein und aus Panik verläßt er die Bahn an der nächsten Station. Dabei vergißt er aber die Tasche mit dem Geld und als es ihm einfällt, fährt ihm der Zug vor der Nase davon. Jetzt muß er zusehen, ob er innerhalb von 20 Minuten 100.000 DM zusammenbekommt, damit sein Boß von der Sache nichts mitbekommt. Er beschließt, trotz Lolas Einwände, einen Supermarkt zu überfallen...

Ich persönlich bin ja der größte Skeptiker was neuere deutsche Filme angeht, aber Tom Twyker schafft es in diesem Film mal was gänzlich anderes zu zeigen. Die 20 Minuten, vom Auflegen des Hörers bis zum Supermarkt, werden dreimal hintereinander erzählt, aber jeweils nimmt die Geschichte einen anderen Verlauf. Personen, die in einer Geschichte völlig unwichtig sind, nehmen in einer anderen Geschichte vordergründige Positionen ein, mal geht die eine Handlung gut, mal total daneben. Zusätzlich wird in kurzen Spottlights gezeigt, was aus Personen wird, denen Lola bei ihrem Lauf begegnet. Das hat zwar mit der eigentlichen Handlung nicht viel zu tun hat, aber es ist trotzdem eine witzige Idee. Zudem werden ab und zu kurze Zeichentrick-Sequenzen eingebaut.

Eines ist dieser Film bestimmt nicht: langweilig. Es gibt nicht unbedingt explosive Actionszenen, aber durch die ständige Begleitung der Kamera bei Lolas Lauf findet man nur in ganz wenigen Szenen Ruhe, die man als Zuschauer aber gut gebrauchen kann um mal Luft zu holen. Definitiv einer der wenigen guten deutschen Filme, auch wenn manche Schauspieler nicht unbedingt ihre beste Leistung bringen.

Die DVD geht in Ordnung und ist bei manchen Läden schon sehr billig zu haben. An Extras gibt es nicht viel. Eine Featurette, zwei Trailer die gar keine sind (nur zwei längere Szenen aus dem Film) und ein paar Infos zu Schauspielern und Regisseur.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 15.11.2000

Leser-Kommentare

18.03.2007, 15:48:34 Dietmar Kesten

LOLA RENNT

TRIVIALITÄTEN

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 21.

JANUAR 2007.

Alles ist konstruiert und vom Wiederholungszwang getrieben. Oder sollte „Lola rennt“, die Dauerläuferin ohne sportliches Outfit und Achselnässe etwa „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (Regie: Harold Ramis, 1993) zum Vorbild haben? Tom Tykwer machte 1998 das, was als abgegriffen bezeichnet werden kann. In einem Mix aus popähnlichen und comicartigen Figuren, die mal an Zeichentrick, mal an ein Computerspiel erinnern, versuchte er mit Einblendungen der Realitätsebene eine Zeitraffergeschichte anzubieten, die variantenarm und obendrein noch mit einem Tatsch Religiosität unterlegt ist.

Vielleicht insistierte Tykwer mit „Lola rennt“ auf ein junges Publikum, dass seine Mobilität flexibler gestalten will? Die galoppierende Suche nach der Möglichkeit, Manni zu helfen, hat viel von einem finalen Rettungsversuch, der insgesamt doch sehr aufgesetzt erscheint. Dass bei dieser Glücksspiel-Ökonomie (fatalerweise zeigt der Film u.a. Lola im Casino an einem Spieltisch) der Feldversuch mit der zweiten Erinnerung an den Vater (Herbert Knaup), der seines Zeichen Bänker ist, nicht sticht, kann nicht verwundern; denn Lola handelt nach dem Prinzip des Charakterwechsels, der immer Ausgangspunkt ihrer Handlungen ist.

Die einsilbige Lola (Franka Potente), die wie betäubt hinter der Geldbeschaffung her ist, zeigt doch nur ihre indifferente Haltung zu diesem Verteilungsmechanismus der Casino-Industrie. Der Geldfetisch hat sie voll im Griff. Beide (Lola und Manni) verstricken sich mehr und mehr in Zu- und Überfälle. Doch wofür? Schon alleine diese ungeklärte Frage ist Bekenntnis für falsche Wünsche und Bedürfnisse; denn Geld, so oder so gedreht, hat keine befreiende, sondern einschneidende Wirkung.

So pendelt der Film zwischen der Rettung Mannis und der Hoffnung Lolas hin- und her. Nur: Die Rettung ist ohne Geld nicht zu haben. Und die Hoffnung auf Rettung geht auch nur über das Geld. Mit diesem Missverständnis kann Tykwer rein gar nichts anfangen, was die Sachlage nicht einfacher macht.

Manni und Lola bleiben Wiederholungstäter, die nur in der Größenordnung des Geldes denken. Und in ihrer Erwartungshaltung starten sie ihre Durchlaufversuche, die keinerlei Sinn ergeben. Wenn Manni die 100.000 DM, die er in einer Berliner U-Bahn vergaß, bis 12.00 Uhr nächsten Tages nicht seinem Kleingangsterboss übergeben hat, droht ihm Unheil. Aber das Unheil ist mit Blick auf die Gesamtverhältnisse bereits gesprochen. Er kann sie nicht besorgen. Und Lola auch nicht.

So verwurstet der Film nur kommerzielles. Ein wenig Techno, einige Verzögerungsfallen, etwas Chaos-Theorie, konstruierte Räume und dumpfe Dialoge über die Liebe. So besteht das Erleben der beiden noch nicht einmal im Aufbrechen ihres eigenen Horizonts. Sie bleiben reduzierte Figuren, die vom Taumel der Innen- und Außenwelt leben.

05.09.2004, 19:32:17 welpe

Ich schließe mich Kusanagi an: Für den deutschen Film innovativ! Doch der Anspruch bleibt weit hinten zurück.
Eben ein langes Musikvideo!

21.07.2004, 11:52:08 Kusanagi

Einer der besten dt. Filme der letzten Jahre (bzw. einer
der wenigen guten...)

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann