Film Daten

Titel:
Audition
Originaltitel:
Odishon
Land & Jahr:
Japan 1999
Laufzeit ca.: ?
99 Min.
Regie:
Takashi Miike
Darsteller:
Ryo Ishibashi
Eihi Shiina
Tetsu Sawaki
Jun Kunimura
Renji Ishibashi
Miyuki Matsuda
Toshie Negishi
Ren Osugi
Shigeru Saiki
Ken Mitsuishi
Yuriko Hirooka
Fumiyo Kohinata
Misato Nakamura
Yuuto Arima
Ayaka Izumi
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Universe
Label:
Universe
Regionalcode / Norm:
3 / NTSC
Bild / Zeit:
1.85:1 / k.A.
Sprachen/Ton:
Japanisch - DD 2.0
Untertitel:
Englisch, Chinesisch, Chinesisch (vereinfacht)
Extras:
  • Trailer

Audition

Review

Audition - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Der Witwer Shigeharu Aoyama (Ryo Ishibashi) und sein Sohn Shigehiko (Tetsu Sawaki) leben seit 7 Jahren alleine. Als er seinem Freund Yasuhisa Yoshikawa (Jun Kunimura) erzählt, daß sein Sohn meinte, er sähe alt aus und solle wieder heiraten, kommt sein Freund auf die Idee ein Casting zu veranstalten, deren Teilnehmerinnen er aussuchen darf. Da Yasuhisa in der Filmindustrie arbeitet und gerade ein neues Projekt am Start hat, bietet sich ein Casting dafür gut an. Er drückt Shigeharu etliche Unterlagen von Bewerberinnen in die Hand, aus denen er 30 Frauen für das Casting aussuchen soll. Dabei entdeckt er eher zufällig die Bewerbung von Asami Yamazaki (Eihi Shiina), die es ihm sofort angetan hat. In ihrem Bewerbungsbogen schreibt sie, daß sie früher Ballett getanzt hat, es aber aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mußte. Bei dem Casting erzählt sie dann noch, daß sie früher schon Kontakte zu einem Musiklabel hatte und nebenbei in einer Bar arbeitet.

Audition - ScreenshotAudition - Screenshot

Nach dem Casting nimmt Shigeharu seinen Mut zusammen und ruft sie wegen einer Verabredung an, der sie auch zustimmt. Yasuhisa erkundigt sich derweil aus reiner Neugier bei dem Musiklabel. Der Manager, zu dem Asami angeblich in Kontakt stand, ist seit anderthalb Jahren spurlos verschwunden. Er spricht Shigeharu seine Bedenken gegenüber Asami aus, was dieser aber ignoriert und sich nun des öfteren mit ihr trifft. Sie wollen schließlich auch zusammen ein Wochenende in einem Hotel verbringen, aber nach der ersten Nacht wacht Shigeharu alleine auf, Asami ist spurlos verschwunden. Er weiß allerdings nicht, wo sie wohnt und erreicht sie auch telefonisch nicht mehr. Bei seinen Erkundungen besucht er auch ihre alte Ballettschule, trifft dort aber nur auf den sich sehr seltsam verhaltenden Lehrer, der im Rollstuhl sitzt. Auch bei der Bar, in der Asami angeblich arbeitet, hat er keinen Erfolg. Die wurde schon vor längerer Zeit geschlossen, nachdem die Besitzerin ermordet wurde. Das Seltsame an diesem Mord war, daß man außer der völlig zerstückelten Leiche noch zusätzlich 3 Finger, 1 Ohr und eine Zunge gefunden wurden, die nicht zu dem Mordopfer gehören...

Dem einen oder anderen wird der Name Takashi Miike sicher schon über den Weg gelaufen sein. Er hat sich in den letzten Jahren durch Filme hervorgetan, die manchmal hart an der Grenze zur Geschmacklosigkeit schlittern, voll mit obskuren Ideen sind und dabei mit Brutalitäten nicht geizen. Sei es der wilde Yakuzakrieg in Rock'n'Roll-Manier in Dead or Alive oder die knallharte Schüler-Yakuza-Gang aus Fudoh - The New Generation. Miike spart nicht damit, dem Zuschauer, der meint schon alles gesehen zu haben, immer noch einen draufzusetzen und die Kinnladen nach unten fallen zu lassen. Audition fällt bei seinen Filmen (zumindestens die, die mir bekannt sind), ein wenig aus dem Rahmen. Hier läßt Miike es ruhig angehen, sseehhrr ruhig. Genau wie der Hauptdarsteller wird der Zuschauer in Sicherheit gewogen, daß alles in geordneten Bahnen läuft. Dabei wird der Zuschauer schon fast so eingelullt, daß man sich zwischendurch manchmal fragt, ob denn überhaupt noch mal was nennenswertes passiert. Der erste leichte Shockeffekt kommt dann erst nach fast 50 Minuten. Danach baut sich aber Stück für Stück eine bedrohliche Atmosphäre auf, die schließlich in einem heftigen Finale endet, wo dann der bekannte Miike wieder durchscheint.

Audition - ScreenshotAudition - Screenshot

Spoiler

Allerdings ist gerade das Ende einer der Schwachpunkte des Filmes. Wie gesagt, man wird wohlbehütet eingewickelt, um dann am Schluß die volle Breitseite abzubekommen, als Asami ihren Verehrer in dessen eigenen Wohnung foltert und verstümmelt. Als dann Shigeharus Sohn nach Hause kommt und sie eher aus Zufall die Treppe runterschubst, wo sie dann unten regungslos liegen bleibt, macht sich doch das Gefühl breit, daß Miike nicht mehr wußte, wie er den Film nun zum Ende bringen sollte. Genial dagegen, seine Art, wie er den Zuschauer in Sicherheit wiegt. Bei den ersten Treffen zwischen Asami und Shigeharu wurden diverse Sätze von Asami hintereinander geschnitten, was den Eindruck hervorruft, daß sie in einer vorbildlichen Familie aufwuchs. Bei Shigeharus Flashbacks, als er ohnmächtig wird, werden dann die Szenen gezeigt, die eigentlich zwischen die einzelnen Sätze Asamis gehören und klar machen, daß sie in ihrer Kindheit sehr unter ihren Eltern und Verwandten leiden mußte, dabei sogar geschlagen und mißbraucht wurde. Auch ihr Ballettlehrer war von ihr besessen und folterte sie mit brennenden Räucherstäbchen. So wird Shigeharu, und damit auch dem Zuschauer, klargemacht, daß diese Frau alles andere als die liebevolle und zarte Person ist, wie es immer scheint.

Spoiler

Hauptdarsteller Ryo Ishibashi spielt die Rolle des Mannes im mittleren Alter, der sich nach einer neuen Beziehung sehnt, sehr gut. Er wirkt sehr glaubwürdig, bleibt dabei sympathisch und man gönnt es ihm irgendwie, daß er Erfolg bei Asami hat, die ja nun auch sehr reizvoll erscheint. Im gleichen Jahr wirkte er noch bei Takeshi 'Beat' Kitanos Yakuza-Thriller Brother mit. Renji Ishibashi, hier als alter Balletlehrer der von Asami besessen ist, drehte seine ersten Filme schon Anfang der 70er Jahre. Darunter auch ein Teil der legendären Okami-Reihe, die dieser Tage endlich in Deutschland auf DVD veröffentlicht werden. Zu seinen bekannteren moderneren Filmen gehören Dead Or Alive und Gemini, das bislang letzte Werk des Tetsuo-Regisseurs.

Audition - ScreenshotAudition - Screenshot

Die DVD aus Hongkong geht eigentlich in Ordnung. Zwar könnte das Bild insgesamt etwas schärfer und einen Ticken kontrastreicher sein, ansonsten gibt es nicht viel zu bemängeln. Besitzer eines Widescreen-Fernsehers werden sich vielleicht noch darüber ärgern, daß der Film nicht anamorph codiert wurde. Die Untertitel lassen sich optional abschalten, bei den englischen Untertiteln haben sich aber kleine Rechtschreib- und Grammatikfehler eingeschlichen. Außerdem stehen die Untertitel manchmal schon eher da, als die betreffende Person überhaupt anfängt zu sprechen, was bei Dialogen zwischen mehreren Personen manchmal Verwirrung stiftet. In Kürze wird aber in England eine anamorph kodierte DVD erscheinen, ebenfalls mit Originalton und englischen Untertiteln.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 23.09.2001

Leser-Kommentare

23.12.2006, 17:27:16 nothing

Also erst einmal halte ich den Film für äußerst gelungen. Er schafft das, was wenige Horrorfilme (ob dieses Genre voll zutrifft sei dahin gestellt) schaffen: er beschäftigt sich mit absolut menschlichen Gefühlen und hat so - trotz der vielen surrealen Szenen - einen eindeutigen Realitätsbezug.

Ich stimme meinen Vorgängern voll und ganz zu, möchte aber noch anmerken, dass Shigeharu nicht nur Asami gegenüber Schuldgefühle hat. Umso mehr er über ihre Identität "aufgeklärt" wird, umso zerbrechlicher, kaputter scheint sie ihm (und dem Zuschauer). Asami wirkt in manchen Szenen nicht nur "fast" wie ein Kind...
Auch zeigen einige Szenen deutlich, dass er neben Asami auch seiner verstorbenen Frau gegenüber viele Schuldgefühle hat. Letztendlich ist es sogar Asami die ihn darauf hinweist, indem sie ihm sagt, "nie eine andere Frau zu lieben"...

toller Film!

12.10.2005, 11:11:57 Evil Wraith

So ist es. Aoyama bekommt es mächtig mit der Angst zu tun, nachdem die Nachforschungen über Asamis Identität nur äußerst bizarre und undurchschaubare Ergebnisse haben. Zusammen mit dem Bewusstsein um sein eigenes Fehlverhalten resultiert dies in krankhafter Paranoia, die sich in den entsprechdenen Alpträumen ausdrückt. Der unfreiwillige Tod Asamis führt quasi zurück zum Status Quo Ante. Ach ja: Genialer Film, wohl einer der besten Miike-Streifern überhaupt!

07.02.2005, 01:48:00 Nome de guerre ( Email schreiben )

Zum Spoiler-Kommentar:
SPOILER FOLGT!

>"macht sich doch das Gefühl breit, daß Miike nicht mehr >wußte, wie er den Film nun zum Ende bringen sollte."
Ganz im Gegenteil! Ich bitte die Möglichkeit zu bedenken, daß die ganzen Szenen zum Schluß nur Shigeharus Albtraum war, hervorgerufen durch seinen starken Schuldkomplex daß er sich eine Frau wie auf dem Markt aussuchen muss und sie belogen hat. Diese Interpretation wird angedeutet, als er zwischendurch aufwacht und er seinen Fuß noch hat und alles in Ordnung ist. Danach geht er zurück ins Bett und - was oft passieren kann - träumt seinen Traum weiter. Allerdings verarbeitet er nun den durch sein Unterbewußtsein entstandenen Albtraum bewußt und gibt ihm ein Happy End - der Sohn tötet Asami und alles wird gut.
Dies ist kein schnell zusammengeworfenes Ende sondern eine exzellente Vermischung zwischen Traum und Realität.

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