Film Daten

Titel:
The Wicker Man
Originaltitel:
The Wicker Man
Land & Jahr:
England 1973
Laufzeit ca.: ?
99 Min.
Regie:
Robin Hardy
Darsteller:
Edward Woodward
Christopher Lee
Diane Cilento
Britt Ekland
Ingrid Pitt
Lindsay Kemp
Russell Waters
Aubrey Morris
Irene Sunters
Walter Carr
Ian Campbell
Leslie Blackater
Roy Boyd
Peter Brewis
Barbara Rafferty
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Anchor Bay Entertainment
Label:
Anchor Bay Entertainment
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 1.0
Englisch - DD 5.1
Untertitel:
-
Extras:
  • Dokumentation: The Wicker Man Enigma
  • Trailer
  • TV Spots
  • Radio Spots
  • Cast & Crew Infos
  • Hidden Feature: Fernsehinterview

DVD Daten

DVD Cover - Warner
Label:
Warner
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 1.0
Englisch - DD 5.1
Untertitel:
-
Extras:
  • Audiokommetar beim DC von Christopher Lee, Edward Woodward, Robin Hardy und Mark Kermode (Moderator)
  • "The Wicker Man Enigma" - Making-Of
  • Fernsehinterview mit Christopher Lee und Robin Hardy
  • Trailer
  • TV-Spots
  • Radio Spots
  • Biographien
  • DVD-ROM: Presseheft als PDF-Datei
  • Hidden Feature: Aufnahmen aus dem Tonstudio während des Audiokommentars

The Wicker Man

Review

The Wicker Man - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Sergeant Neil Howie (Edward Woodward) ist ein aufrechter Christ und ein energischer, korrekter, prinzipientreuer Polizist. Es erreicht ihn die anonyme Nachricht, daß das Mädchen Rowan Morrison (Geraldine Cowper) auf der Insel Summerisle schon seit Monaten vermißt wird. Schon bei seiner Ankunft dort bekommt er gesundes Mißtrauen von den teilweise verschrobenen Einwohnern Summerisles entgegengebracht. Zuerst möchten sie ihn ohne die Genehmigung des Lords nicht auf der Insel haben, aber schließlich verschafft er sich doch Zutritt. Er reicht unter den ersten Bewohnern das Foto des Mädchens rum, aber niemand kennt sie. Als er jedoch den Namen der Mutter erwähnt, können ihm die Männer sagen wo sie lebt, das Mädchen auf dem Foto aber wäre nicht ihre Tochter. May Morrison (Irene Sunters) erzählt ihm das gleiche.

The Wicker Man - ScreenshotThe Wicker Man - Screenshot

Niemand im ganzen Ort kennt das Mädchen. Bei einem nächtlichen Spaziergang springen Howie förmlich die Augen aus dem Kopf, als er einige Dorfbewohner beim Friedhof bei zwischenmenschlichen Unsittlichkeiten beobachtet, was für ihn als gläubigen Christen Blasphemie in reinster Form darstellt. Verärgert zieht er sich auf sein Zimmer zurück. Im Laufe des Abends bekommt er dann mit, wie der ihm noch unbekannte Lord Summerisle (Christopher Lee) einen Jungen zu der hübschen Wirtstochter Willow MacGregor (Britt Ekland) bringt und sie als "Goddess of Love in human form" bezeichnet, die sich doch des Jungen für die Nacht annehmen solle, damit er zum Mann heranwächst. Ungewollt muß Howie das ganze auch noch mit anhören, da sein Zimmer direkt neben dem von Willows liegt.

Tags darauf macht er sich auf den Weg zur Schule der Insel. Energisch fragt er nach Rowan Morrison, die wieder niemand kennen will. Bei einem Blick in das Klassenbuch entdeckt er aber ihren Namen und merkt so, daß er von Anfang an angelogen wurde. Miss Rose erklärt ihm, daß Rowan nicht mehr existieren würde und alle Bewohner in dem alten Glauben leben, daß die Seele einer gestorbenen Person in einem Tier wiedergeboren wird. Howie hält das alles für unsinnigen heidnischen Aberglauben und findet auf dem heruntergekommenen Friedhof der Insel Rowans Grab. Bei der Exhumierung findet er schließlich nur einen toten Hasen in Rowans Grab...

The Wicker Man - ScreenshotThe Wicker Man - Screenshot

The Wicker Man ist einer dieser Filme, von denen man immer wieder mal gehört oder gelesen hat, wie genial sie doch wären und dabei doch über all die Jahre unbekannt und ungeachtet bleiben. Zudem hatte man bei solchen Filmen auch meist das Problem, daß man sie einfach nirgendwo bekommen konnte, weder auf Börsen noch im normalen Laden oder Versand. Glücklicherweise tauchen seit dem Durchbruch der DVD immer mehr dieser Geheimtips auf und bereiten dem offenen Fan ein wundervolles Filmerlebnis. So auch hier, denn Wicker Man ist irgendwie anders, kaum einzuordnen und doch so voller Ideen und Details, daß sich der Zuschauer wieder wundert, warum ein solches Meisterwerk nie die breite Anerkennung gefunden hat und warum zur Hölle man nicht schon früher darüber gestolpert ist.

Ihn mit einem anderen Film zu vergleichen, fällt etwas schwer. Zuerst meint man es mit einem lupenreinen Thriller zu tun zu haben, in dem ein Polizist nach einen verschwundenen Mädchen suchen muß und dabei auf eine Wand voller Schweigen stößt. Aber schon bald geschehen mysteriöse Ereignisse, die dem Film eine Note von Gruselfilm mit Fantasy-Touch geben und den Zuschauer genau wie Sgt. Howie im Dunkeln tappen lassen. Man ist einerseits fasziniert, aber auch verwundert über die Eigenarten der Inselbewohner und schnell macht sich das Gefühl breit, daß hier irgendwas absolut nicht stimmt. Die Inselreligion mit Motiven der alten Pagan-Religionen ist allgegenwärtig, womit Howie mit seinem starken christlichen Glauben ganz alleine dasteht und irgendwann nicht mehr dagegen ankommt. Auch ist die Inselgemeinschaft felsenfest, alle halten zusammen, keiner verrät mehr als er muß oder darf. Der einzige zu dem er scheinbar etwas mehr Zugang findet ist Lord Summerisle, der ihm sogar ausführlich erklärt, wie es zu dem Verfall der christlichen Religion auf der Insel gekommen ist und die alten Schriften wieder aktuell wurden. Zu einem einzigartigen Filmerlebnis wird es dann, wenn die eigens für diesen Film geschrieben Folklore-Musik einsetzt. Die Lieder sind eine Form der Inselbewohner sich auszudrücken, was dem ganzen schon einen Hauch von Musical gibt. Sei es ein fröhliches Lied in der Kneipe oder der Liebesgesang von Willow, als sie den Jungen bei sich hat oder versucht Howie zu verführen, der dabei fast vergißt, daß er eigentlich verlobt ist. Die Lieder, die ja nun ein wesentlichen Bestandteil des Films und der gesamten Atmosphäre ausmachen, wurden schon vor Drehbeginn geschrieben, denn die Schauspieler mußten ja schließlich den Text kennen.

The Wicker Man - ScreenshotThe Wicker Man - Screenshot

Die Stärken des Filmes sind einmal seine interessante und gut umgesetzte Story, sowie die hervorragenden Leistungen der Schauspieler. Edward Woodward verkörpert meisterlich den an seine Prinzipien glaubenden und christlichen Mann, der mit seinen Versuchen auf der Insel sowas wie Sitte, Recht und Anstand zurückzubringen, scheitert. Eigentlich ist Woodward eher ein Fernsehschauspieler und hat nur wenige richtige Kinofilme mitgemacht. Da aber der ursprünglich für diese Rolle vorgesehene Peter Cushing andere Verpflichtungen hatte, holte man Woodward, der durch diverse TV-Serien recht bekannt war. Christopher Lee, der hier einerseits mit wuscheliger Kurzhaarfrisur oder als langhaariger Bombenleger zu sehen ist, bezeichnet seinen Auftritt in diesem Film sogar als eine seiner besten Rollen überhaupt! Er wollte sich damals bewußt von seinem Dracula-Image entfernen und setzte sich sehr für den Film ein.

Regisseur Hardy außer Wicker Man nur noch wenige Filme gedreht, die auch nicht größer bekannt geworden sind. Der Film basiert auf einer Vorlage von Anthony Schaffner, der auch schon die Drehbücher für die Agatha Christie Verfilmungen Mord im Orient-Express und Tod auf dem Nil, sowie für Alfred Hitchcocks Frenzy schrieb. Er wurde dabei von einem Buch über die alten Pagan-Religionen beeinflußt und setzte in seinem Drehbuch vieles um, was er dort gelesen hatte. Kameramann Harry Wayman, der hier mit seiner Arbeit einen großen Anteil an der Atmosphäre hat, drehte gleich im Jahr darauf den britischen Vampirfilm Vampyres, in dem zwei hübsche Blutsauger wahllos Opfer verführen und aussaugen. Früher hatte er schon an Klassikern wie dem Weltuntergangsfilm The Day the Earth Caught Fire mitgearbeitet.

The Wicker Man - ScreenshotThe Wicker Man - Screenshot

Die aus Schweden stammende Britt Ekland schaffte schnell den Sprung ins internationale Filmgeschäft und stand sowohl für Fernseh- und Kinoproduktionen vor der Kamera. Sowohl in Genreproduktionen wie Asylum (Irrgarten des Schreckens) wie auch in größeren Angelegenheiten wie der James Bond Film Man with the Golden Gun / Der Mann mit dem goldenen Colt, wo sie auch wieder gemeinsam mit Christopher Lee gearbeitet hat. Ihr Verführungstanz in Wicker Man dürfte allein schon die DVD wert sein... Die Horrorikone Ingrid Pitt, bekannt aus dem mit lesbischen Untertönen versehenen Vampirfilm The Vampire Lovers (Gruft der Vampire) von den Hammer Studios, hat hier eigentlich eine recht kleine und unbedeutende Rolle, wird aber als eine der Hauptdarstellerinnen im Vorspann angekündigt, wahrscheinlich um den Film eine noch breitere Publicity zu verschaffen. Nette Details lassen sich über Diane Cilento erzählen, die hier die Schullehrerin und Gefährtin von Lord Summerisle spielt. Bis 1973, also dem Jahr als der Film seinen ersten offiziellen Release hatte, war sie mit Sean Connery verheiratet, aus dieser Ehe ging Sohn Jason Connery hervor. 1985 heiratete sie dann den Drehbuchautor von Wicker Man, Anthony Schaffner, den sie beim Dreh kennengelernt hatte.

Zitat

Can I do anything for you, Sergeant?
Oh, I doubt it, seeing you're all raving mad...

Wie kommt es aber, daß ein Film mit so vielen fähigen und bekannten Schauspielern trotzdem jahrelang in der Versenkung verschwand? Wie immer, eine Verkettung unglücklicher Umstände. Ingrid Pitt meint dazu in der hervorragenden Dokumentation The Wicker Man Enigma: "There was a nightmare over it, like a black cloud." Der Film war fertig abgedreht, im Auftrag der "British Lion Films", deren Chef der Produzent von Wicker Man, Peter Snell, war. Kurz nach Drehende kauften zwei große Produzenten British Lion auf und die waren mit dem ersten Schnitt von 102 Minuten überhaupt nicht zufrieden. Nach einer Vorführung sprach Christopher Lee einen der neuen Chefs an, der ihm gegenüber dann behauptete, der Film gehöre zu den "10 worst movies I've ever seen". Während der Zeit war allerdings bereits eine Kopie nach Amerika zum Independent-Filmregisseur und Produzent Roger Corman gelangt, der im Gegensatz zu den britischen Produzenten von dem Film hellauf begeistert war und ihn unbedingt in Amerika vertreiben wollte. Er empfahl allerdings Kürzungen, um die kommerziellen Erfolgchancen zu erhöhen und den Film zu straffen. Diese Kürzungen wurden schließlich von den Bossen umgesetzt, allerdings bekam Corman dann doch nicht die Rechte für Amerika, weil er ihrer Ansicht nach zuwenig Geld geboten hat.

The Wicker Man - ScreenshotThe Wicker Man - Screenshot

Der Erfolg in Großbritannien nach Kinorelease war katastrophal, es wurde keine Werbung gemacht und keine Pressevorführung. Diese ungerechte Behandlung war schließlich der Grund dafür, warum Robin Hardy erst 1986 wieder einen Film drehte. In ihrer Verzweiflung riefen Hardy und Lee damals sogar bekannte und befreundete Filmkritiker an und baten sie, sich den Film anzusehen. Sie waren damals sogar bereit den Kritikern deren Eintrittsgeld zu bezahlen! Das haben die Angerufenen zwar nicht in Anspruch genommen, aber sich trotzdem den Film angesehen und sogar mit wohlwollenden Kritiken belohnt. Trotzdem wurde der Erfolg nicht besser. In der internationalen Auswertung wurde er aber richtig bekannt und erfolgreich. Das Studio in England aber, wollte von dem Film nicht mehr viel wissen und ließ die Filmrollen im Archiv verschwinden. Dort wurden sie irgendwann neben unzähligen anderen "versehentlich" aussortiert, um als Untergrundfüllmaterial für eine neugebaute Autobahn zu dienen! So wundert es denn auch nicht, wenn über Jahre hinweg der Film ein Nischendasein fristete und nur sehr selten mal irgendwo auf Video zu haben war. Und wenn, dann auch nur die Kinoversion. Die einzige Filmrolle mit dem Originalschnitt hatte wirklich nur noch Roger Corman.

Die Unterschiede in den beiden Fassungen sind bei über 10 Minuten, die damals rausgeschnitten wurden, natürlich nicht gerade minimal. Der Kinoversion z.B. fehlt die komplette Vorgeschichte, in der Sgt. Howie den Brief in seiner Heimat erhält. Die beginnt gleich mit seiner Landung auf Summerisle, wodurch sich dann der Grund seines Besuches durch seine Gespräche mit den Bewohnern herauskristallisiert. Auch ist der Besuch des Jungen bei Willow herausgeschnitten worden, wodurch der Lord Summerisle erst so zur Hälfte des Films in Erscheinung tritt. Das allerdings empfinde ich gegenüber der Originalversion als einen kleinen Vorteil, denn so bleibt der Lord für längere Zeit der mysteriöse Mann im Hintergrund. In der Vorgeschichte wird dann Howie auch als gläubiger Christ in der Kirche gezeigt, was in der Kinoversion nur kurz als Flashback während eines Gebetes zu sehen ist, um seinen starken Glauben zu verdeutlichen. Der Verführungsgesang von Willow becierzt Howie schon gleich in der ersten Nacht, während es in der längeren Fassung erst später stattfindet. Direkt danach ist dann allerdings eine kurze Szene zu sehen, die es in der längerern Version nicht gibt. Und zwar bringt ihm Willow am nächsten Tag das Frühstück ans Bett, weckt ihn und fragt ihn, warum er nicht zu ihr gekommen sei, obwohl sie ihn eingeladen habe. Dann fehlen hier und da noch kürzere Szenen, z.B. als er den Arzt nach Rowans Todesursache fragt. Allerdings muß ich sagen, daß der Film auch in der kurzen Fassung gut funktioniert. Manche Details sind zwar nicht von Anfang an klar, allerdings tritt nie das Gefühl auf, daß irgendwas nicht erklärt oder bewußt weggelassen wurde.

The Wicker Man - ScreenshotThe Wicker Man - Screenshot

Dann komme ich jetzt mal zu der DVD, durch die ich diesen Film auch endlich entdecken konnte. Wie schon in früheren Veröffentlichungen anderer Filme von denen es mehrere Versionen gibt, hat auch hier wieder Anchor Bay versucht soviel Material wie möglich heranzuschaffen. So gibt es den Film gleich in drei Versionen: als einzelne DVD mit der kürzeren Kinoversion mit allen Extras, als Doppel-DVD mit der Kino- und Originalversion (die hier als Extended Version bezeichnet wird) und den Extras, und dann nochmal die Doppel-DVD in einer auf 50.000 Stück limitierten Holzbox, die wirklich toll aussieht. Die Box ist ungefähr 14,5 x 23,5 x 3,5 cm groß, hat ein eingebranntes Frontmotiv und läßt sich wie eine kleine Holztruhe über Scharniere und Verschluß öffnen und schließen. Ob man nun die Box unbedingt haben muß, ist natürlich eine andere Frage. Die einfache 2er-DVD-Version tut es natürlich auch, allerdings sieht die bei weitem nicht so toll aus.

Die Bildqualität ist im großen und ganzen überraschend gut. Die Kinoversion ist größtenteils frei von Defekten und Schmutz, bis auf ein paar vereinzelte Szenen. Zudem ist sie auch recht scharf, außer dort, wo schon vornerein vom Regisseur ein Weichzeichnerfilter benutzt wurde. Betrachtet man die Originalversion als ganzes, so muß man umständehalber ein paar Abstriche machen. Der größte Teil ist natürlich identisch zur Kinoversion, nur bei den zusätzlichen Szenen ist ein deutlicher Qualitätsabfall bemerkbar. Das liegt aber einfach daran, daß das Originalnegativ irgendwo unter einer englischen Autobahn schlummert und man auf anderes Material zurückgreifen mußte um überhaupt die lange Fassung präsentieren zu können. In dieser Hinsicht kann man Anchor Bay sicherlich keine Vorwürfe machen. Man sollte sich lieber freuen, daß man überhaupt die Möglichkeit bekommt die Originalversion sehen zu können. Der Ton wurde bei der Kinoversion extra nochmal in Dolby Digital 5.1 abgemischt, während man es bei der langen Version bei dem original Monoton belassen hat.

The Wicker Man - ScreenshotThe Wicker Man - Screenshot

Das Bonusmaterial der DVD ist zwar nicht umfangreich, aber interessant. Vor allem die extra für die DVD produzierte 35-minütige Dokumentation The Wicker Man Enigma sticht deutlich hervor und besteht größtenteils aus Interviewausschnitten mit den Schauspielern und den Leuten hinter der Kamera. Christopher Lee, Edward Woodward und Ingrid Pitt berichten von den Dreharbeiten, während Drehbuchautor Shaffer, Produzent Peter Snell und Regisseur Robin Hardy mehr von den Problemen beim Dreh und im Vertrieb erzählen. Daneben kommen dann noch ein paar andere Mitwirkende zu Worte und Mitglieder eines Wicker Man Fanclubs. Was hier besonders auffällt ist die große Begeisterung für diesen Film, die alle miteinander teilen. Man merkt ihnen richtig an, wieviel Herzblut und Überzeugung sie in diesen Film gesteckt haben und dieses Gefühl heutzutage immer noch aufrecht erhalten.

The Wicker Man - ScreenshotThe Wicker Man - Screenshot
The Wicker Man - ScreenshotThe Wicker Man - Screenshot

Dabei betont Christopher Lee überdeutlich, daß er für diese Rolle keinerlei Gage verlangt hat! Sowieso haben fast alle freiwillig nur einen Bruchteil ihrer normalen Bezahlung gearbeitet, weil der Film ansonsten kaum zu finanzieren gewesen wäre. Gedreht wurde im Oktober/November 1972, obwohl die Handlung eigentlich Ende April/Anfang Mai spielt. So wurde bei jedem stärkeren Sonnenstrahl der Drehort gewechselt für die Szenen, wo es unbedingt nach einem warmen Sommertag aussehen mußte. Die Schauspieler haben sich allerdings ordentlich einen abgefroren... Leider ist Komponist Paul Giovanni schon 1990 verstorben. Seine Ansichten über den Film und eine Darstellung seiner Ideen für den Soundtrack wäre sicherlich noch eine Bereicherung gewesen. Abgeschlossen wird der Bereich mit den üblichen Sachen wie Trailer, TV- und Radio-Spots und Textinformationen über Robin Hardy, Anthony Shaffer und die beiden Hauptdarsteller.

Der Clou ist allerdings ein Hidden Feature, das noch recht einfach zu finden ist. Befindet man sich bei der Kinoversion-DVD im Extras-Menü, drückt man die "nach Oben" Taste der Fernbedienung. Daraufhin wird über der Grafik rechts ein Kasten mit einem Fragezeichen hervorgehoben. Startet man diesen Menüpunkt, bekommt man die Aufnahme eines alten, fast 25-minütigen Fernsehinterviews mit Christopher Lee und Robin Hardy zu sehen! Die Bildqualität ist zwar auf mittlerem VHS-Niveau, aber dafür ist das Gespräch sehr interessant und beleuchtet noch ein wenig mehr den Hintergrund des Films und des Drehs.

Update (07.05.2002):

In Großbritannien ist der Film mittlerweile ebenfalls auf DVD erschienen, von Warner. Die hat aber keine ausgefallene Verpackung und ist größtenteils identisch mit der Anchor Bay DVD. Allerdings wurde für diese DVD noch zusätzlich ein Audio-Kommentar zum Director's Cut aufgenommen, der von Edward Woodward, Christopher Lee und Robin Hardy gesprochen wird. Moderiert wird das ganze Gespräch von Mark Kermode, der seine Sache eigentlich recht gut macht und den Sprechern nie ins Wort fällt. Drehbuchautor Anthony Shaffer starb leider einen Monat vor den Aufnahmen an einem Herzinfarkt. Auch hier merkt man die Begeisterung der Beteiligten für diesen Film und gerade Christopher Lee betont immer wieder für wie gut er den Film hält. Zwar werden auch viele Details erzählt, von denen man schon in der Dokumentation erfahren hat, aber trotzdem wird noch weiteres Wissen vermittelt. So stellt sich heraus, daß Edward Woodward den Director's Cut eigentlich noch nie gesehen hat. Denn gerade die Szenen am Anfang, wo sein Charakter etwas ausführlicher vorgestellt wird, sind ihm gänzlich unbekannt. Auch erfährt man, daß Britt Ekland nicht selber gesungen hat, sondern in den Gesangsparts synchronisiert wurde. Während der Szene, in der Neil Howie beim nächtlichen Spaziergang die freizügigen Jugendlichen sieht, erzählt Hardy das es sich um Studenten einer dort nahegelegenen Universität handelte. Worauf Lee trocken erwidert, daß er die Uni wohl mal besuchen müßte...

Richtig interessant wird es dann, wenn die Sprache auf einen geplanten Nachfolger kommt. Anthony Shaffer hatte schon ein fertiges Drehbuch geschrieben, leider ist es bislang nie zu einer Realisierung des Skriptes gekommen. (Dabei scheinen Pläne für eine weitere Zusammenarbeit für einen ähnlichen Film bereits konkrete Züge anzunehmen. Zwar soll es sich nicht um ein direktes Sequel handeln, aber um einen Film der eine ähnliche mystische Atmosphäre verbreiten soll und ebenfalls in Schottland spielt. Weitere Infos hier: http://www.thescotsman.co.uk/index.cfm?id=271982002.) Lee kommt auch auf das leider geplante Hollywood-Remake zu sprechen, das mit Monoton-Hackfresse Nicolas Cage in der Hauptrolle gedreht werden soll. Er zeigt sich zum Glück nicht wirklich überzeugt von dem Projekt, denn er erwartet "an american movie with an american story and american people". Das sagt glaube ich schon alles. Nach den letzten Remake-Desastern wie Time Machine oder Rollerball hoffe ich inständig, daß die einfallslosen Hollywood-Deppen von diesem Projekt ablassen werden. Das kann nur in die Hose gehen.

The Wicker Man - ScreenshotThe Wicker Man - Screenshot

Neben dem Audio-Kommentar bietet die britische DVD in einem kleinen DVD-ROM Teil noch das alte Presseheft als PDF-Dokument. Eine nette Idee und mal eine halbwegs sinnvolle DVD-ROM Ergänzung. Ansonsten ist die DVD in Bild- und Tonqualität absolut identisch mit der US-DVD, selbst durch die bessere PAL-Auflösung konnte ich beim Bild keine signifikante Qualitätsverbesserung feststellen. Auch das Bonusmaterial wurde 1:1 übernommen, nur daß das alte Fernsehinterview hier normal übers Menü zu erreichen ist und nicht als Easter Egg versteckt wurde. Aber dafür befindet sich auf der Director's Cut DVD ein neues Easter Egg. Wenn man im Menü bei den Audio-Kommentar Einstellungen die Taste nach rechts drückt, wird eine bisher unsichtbare Grafik hervorgehoben. Aktiviert man diesen Menüpunkt, bekommt man eine 15-minütige Aufzeichnung aus dem Studio während der Aufnehme des Audio-Kommentars zu sehen. Eine sehr witzige und zudem auch interessante Idee. Wer also keinen ländercodefreien DVD-Player besitzt oder eine Bestellung in den USA scheut, hat mit der britischen DVD auch endlich die Möglichkeit in den Genuß dieses außergewöhnlichen Films zu kommen. Zudem bekommt man sogar eine bessere Version geboten, denn der Audio-Kommentar lohnt sich wirklich. Nur mit der Verpackung der Limited Edition kann diese DVD nicht mithalten. Aber dafür ist dies Doppel-DVD-Set in einen schick gestalteten Digipack verpackt, der auch nicht schlecht aussieht.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 07.10.2001
Letzte Textänderung: 22.07.2004

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