Film Daten

Titel:
Visitor Q
Originaltitel:
Visitor Q
Land & Jahr:
Japan 2001
Laufzeit ca.: ?
84 Min.
Regie:
Takashi Miike
Darsteller:
Kenichi Endo
Fujiko
Jun Mutô
Shoko Nakahara
Ikko Suzuki
Shungiku Uchida
Kazushi Watanabe
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - CineRocket
Label:
CineRocket
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
1.33:1 / k.A.
Sprachen/Ton:
Japanisch - DD 2.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
-

Visitor Q

Review

Visitor Q - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Ein Mann (Kenichi Endo), Familienvater und erfolgloser Fernsehreporter, ist bei einer jungen Prostituierten und schläft mit ihr. Er ist von dem Thema der heutigen japanischen Jugend fasziniert und möchte laufend Reportagen darüber bringen, wobei er schließlich bei dieser Prostituierten gelandet ist. Sie muß ihn erst noch dazu überreden ihre Dienste in Anspruch zu nehmen, da er zuerst nicht möchte. Später stellt sich heraus, daß es seine eigene Tochter ist, die nicht mehr bei ihrer Familie wohnt. Bei seiner Fahrt nach Hause wird er in einer Straßenbahnstation hinterrücks von einer unbekannten Person, dem "Visitor Q", mit einem Stein bewußtlos geschlagen. Währenddessen prügelt sein Sohn Takuya seine eigene Mutter quer durch die Wohnung. In der Schule wird er von drei anderen Schülern ständig gequält und geschlagen. Seine Aggressionen kanalisiert er dann zuhause an seiner Mutter ab, wenn sie irgendeine Kleinigkeit nicht so macht wie er es verlangt. Gegenübern seinen Peinigern ist er aber der Waschlappen der sich nicht wehrt, nichtmal wenn sie mit Feuerwerkskörpern in sein Zimmer schießen.

Visitor Q - ScreenshotVisitor Q - Screenshot

Nach einem zweiten dezenten Schlag auf den Hinterkopf bringt der Vater den Visitor zu sich nach Hause und stellt ihn als seinen Freund vor, der für einige Zeit bei ihnen bleiben wird. Der macht es sich gleich gemütlich, läßt sich bewirten und stört sich überhaupt nicht daran, daß der Sohn vor seinen Augen seine Mutter zertrümmert und der Vater leicht angeschlagen schlafen geht, anstatt seiner Frau zu helfen. Am nächsten Tag stellt der Vater dann seiner Arbeitskollegin seine neue Idee vor, nachdem er zufällig mitbekommt, wie sein eigener Sohn morgens auf den Weg zur Schule wieder verprügelt wird. Er will das Leiden seines Sohnes für eine weitere Reportage ausnutzen. Die lehnt ab, da er sich mit seiner letzten Reportage extrem lächerlich gemacht hat. Währenddessen prostituiert seine Frau tagsüber ebenfalls, um so an Geld für Heroin zu kommen, was sie sich jeden Tag spritzt. Aber da ist noch der Visitor, der ihr was beibringt was sie nicht für möglich hielt. Der begleitet dann am nächsten Tag den Vater, als der seine Reportage machen will und spielt für ihn den Kameramann. Die Arbeitskollegin ist auch erst dabei, hat dann aber schnell von dem ganzen Projekt die Schnauze voll. Beleidigt und mißverstanden schlägt der Vater seine Kollegin, vergewaltigt und erwürgt sie. Das alles wird nebenbei vom Visitor filmisch festgehalten. Die nackte Leiche schleppt er nach Hause um sie im Gartenhäuschen kleinzusägen, entdeckt dabei aber noch nebenbei seine nekrophilen Neigungen...

Visitor Q - ScreenshotVisitor Q - Screenshot

Takashi Miike ist schon ein Phänomen. Man meint, nach jedem Film den man von ihm gesehen hat, daß eine Steigerung seiner verrückten Ideen nicht mehr möglich sei. Und mit jedem neuen Film beweist er dem Zuschauer, daß es doch geht. So auch hier. Nicht nur, das der Vater Inzucht betreibt und nekrophil wird, auch die drogenabhängige Mutter ist nicht mehr auf dieser Welt. Als sie einmal mit dem Visitor alleine ist, schaft er es aus ihren Brüsten Muttermilch herauszupressen, obwohl sie gar nicht schwanger ist. Das fasziniert sie so, daß sie das schließlich auch alleine machen kann und später damit die ganze Küche überflutet! Überhaupt scheint Miike ein seltsames Faible für Körperflüssigkeiten zu haben. Hier die Muttermilch, in Audition kotzt eine Frau in einen Hundenapf, dem sie dann einem Gefangenen zum Essen vorsetzt und in Dead or Alive gibt es ein Bad in einem Planschbecken voller Kot und eine Nutte spuckt Sperma in eine Schüssel. Wobei wohlgemerkt dies nicht plakativ gezeigt wird, sondern als ein scheinbar selbstverständlicher Teil des Geschehens. Dabei weiß man in Visitor Q nicht, ob man die Hände über den Kopf schlagen oder einfach nur laut lachen soll. Denn als sie die Küche befeuchtet, sitzt der Visitor mit aufgespanntem Regenschirm vor ihr und schaut sich das ganze kommentarlos an.

Visitor Q - ScreenshotVisitor Q - Screenshot

Sieht man allerdings den Film als Ganzes, so hat Miike ein düsteres, ja fast schon apokalyptisches Bild der japanischen Jugend und der Familie als solches gezeichnet. Das die Tochter mit ihrem eigenen Vater schläft, ist für sie scheinbar nichts ungewöhnliches, sondern er ist ein Freier, ein Geldgeber wie jeder andere. Sie hänselt ihn hinterher sogar, weil er viel zu früh gekommen ist. Dem Sohn mangelt es an Selbstbewußtsein, er ist in der Schule und bei Kindern in seinem Alter der totale Looser der sich alles gefallen läßt, keinen Widerstand leistet. Stattdessen läßt er den Frust zuhause an seiner Mutter aus, die wiederum seinen Attacken keinen Widerstand leisten kann und auch keine Hilfe von ihrem Mann bekommt. Die ganze Familie wirkt degeneriert, die Vorstellungen der heilen Familie, die zusammenhält, existiert einfach nicht. Erstaunlich das Miike dann einen schon fast versöhnlichen Schluß herzaubert, der zwar immer noch ungewöhnlich daherkommt, aber dabei aber im totalen Kontrast zu dem Rest des Films steht.

Der Film erschien in einer fürs Fernsehen gedrehten Reihe namens "Love Cinema", für die insgesamt 6 Filme produziert wurden. Visitor Q wurde komplett in Digital Video gedreht und nutzt die Möglichkeiten dieses Mediums aus, um einen recht realen Touch in den Film zu bekommen. Die Szenen, in der man durch die Kamera des Vaters sieht, wirken wirklich wie handgemachte Aufnahmen und bringen den Zuschauer dadurch noch näher zum Geschehen. Und gerade diese Authentizität macht den Film zu einem Werk, das erstmal schwer im Magen des Zuschauers liegt und ich denke mal, die wenigsten werden sich den Film ein zweites Mal zu Gemüte führen. Die DVD aus Hongkong ist da auch so ein zweischneidiges Schwert. Die Bildqualität ist trotz des Drehs auf DV eigentlich recht bescheiden. Teilweise ist es etwas unscharf und einige Bewegungsunschärfen machen sich bemerkbar. Auch ist der Coverdruck etwas unscharf, es gibt keinerlei Angaben zum Label oder ähnlichem, was irgendwie den Eindruck eines gut gemachten Bootlegs hervorruft. Beweisen kann ich meinen Eindruck allerdings nicht. Komisch ist auch, daß auf der DVD nicht mal ein Menü geschweige denn Extras drauf sind. Nur der Film alleine, der auch sofort nach Einlegen der Disc startet.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 21.10.2001

Leser-Kommentare

26.10.2006, 13:07:44 Tonga Wabonga ( Email schreiben )

"Visitor Q" war mein erster Miike-Film, stand tatsächlich bei MediaMarkt, zweifellos keine Raubkopie. Keine Frage, dieser Film ist horizonterweiternd bzw. grenzverletzend. Gierig geworden nach weiteren Erfahrungen dieser Art kaufte ich mir einen Miike nach dem anderen, ohne jemals wieder so eins in die Fresse bekommen zu haben wie bei "Visitor Q". Spätestens ab der Szene, in der diese vollkommen gestörte Sippe es (angesichts des in der toten Arbeitskollegin steckenden Vaters) endlich schafft, an einem Strang zu ziehen, erlebe ich den Film aber eher als Beschwörung traditioneller Ehe- und Familienwerte bzw. ihrer Utopien. Vati und Mutti haben sich lieb, denken und wollen dasselbe und strahlen dabei (sicherlich auch dank einer ausreichenden H-Sedierung) eine Gelassenheit aus, die gut tut und hoffnungsfroh stimmt. Am Ende ist alles geregelt, der Haussegen könnte gerader nicht hängen. Was Miike hier (natürlich weiterhin im Rahmen eines höchst verstörenden Plots) konstruiert, ist auf der Meta-Ebene wahrscheinlich unrealistischer als alle Konfklikte, die den Film bis hierhin dominierten. Die bekannte Rama-Familie ist (aus meiner Sicht zumindest) nicht mehr fern. In der Schlußszene sehen wir die Mutter, an ihren Brüsten saugen hingebungsvoll Familienmitglieder, und sie schaut stolz und stark in die Kamera. Da steckt viel drin, und worum es Miike ging, darüber kann man mal´n Abend lang spekulieren: Um die Sehnsucht nach Regression? Um die Überstilisierung weiblicher Rollenklischees? Um ein Plädoyer für matriarchalische Familienhierarchien? Dazu schmeichelt auf der Tonspur ein japanischer Alanis-Morrissette-Verschnitt dem Ohr - eine der unfaßbarsten Szenen, die ich je gesehen habe!

09.05.2005, 13:56:00 Evil Wraith

Oh ja, das hier ist harte Kost. Quasi "Clockwork Orange" für extrem hartgesottene: Ein überzeichnetes Bild der traurigen Realität japanischer Mittelstandsfamilien. Mit Miikes Streifen ist es, wie mit "Cannibal Holocaust": Die einen sehen darin nur einen weiteren kranken Vertreter aus der Masse des exploitativen Ekel-Kinos, für andere ist es ein aus eben dieser Masse herausragedes Meisterwerk. Ich persönlich kann eigentlich, einen entsprechend starken Magen vorausgesetzt, jeden Film von Miike empfehelen. Mal abgesehen von "Full Metal Yakuza", aber der zählt in Fankreisen sowieso nicht wirklich...

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