Film Daten

Titel:
Battle Royale
Originaltitel:
Battle Royale
Land & Jahr:
Japan 2000
Laufzeit ca.: ?
113 Min.
Regie:
Kinji Fukasaku
Darsteller:
Tatsuya Fujiwara
Aki Maeda
Takeshi Kitano
Taro Yamamoto
Masanobu Ando
Kou Shibasaki
Chiaki Kuriyama
Takako Baba
Shirou Gou
Satomi Hanamura
Shigeki Hirokawa
Hirohito Honda
Hitomi Hyuga
Sayaka Ikeda
Aki Inoue
Satomi Ishii
Eri Ishikawa
Ai Iwamura
Sayaka Kamiya
Asami Kanai
Tukari Kanasawa
Misao Kato
Tsuyako Kinoshita
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Universe
Label:
Universe
Regionalcode / Norm:
3 / NTSC
Bild / Zeit:
1.85:1 / k.A.
Sprachen/Ton:
Japanisch - DD 2.0
Japanisch - DD 5.1
Japanisch - DTS
Untertitel:
Englisch, Chinesisch, Chinesisch (vereinfacht)
Extras:
  • Trailer
  • Takeshi Kitano Biographie

Battle Royale

Review

Battle Royale - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Japan, in nicht allzuferner Zukunft. Der Respekt und das Zusammenleben zwischen Erwachsenen und Jugendliche ist erheblich geschädigt und das Schulleben ist ein einziges Chaos. Mittlerweile haben die Erwachsenen sogar Angst vor den Jugendlichen und daraufhin wurde der "Millenium Educational Reform Act" oder auch bekannt als der "BR Act" von den Politikern ins Leben gerufen. Einmal im Jahr wird eine Schulklasse ausgesucht, die unter Militäraufsicht auf einer unbewohnten Insel ausgesetzt wird. Jeder Schüler wird mit Proviant, Wasser und Waffen versorgt und dann haben sie sich innerhalb von 3 Tagen gegenseitig umzubringen. Nach Hause darf nur der letzte Überlebende. Und damit die Sache auch vorangeht, bekommt jeder ein Halsband mit dem die Militärs genau orten können, wer sich gerade wo befindet. Falls jemand flüchten will oder anderweitig gegen die Regeln verstößt, wird bei ihm auf Knopfdruck ein Sprengsatz am Halsband ausgelöst...

Battle Royale - ScreenshotBattle Royale - Screenshot

Es muß schon was ganz besonderes sein, wenn selbst in Japan, wo herber Sex und Gewalt in Filmen keine Seltenheit ist, ein Film für einen Skandal sorgt und mit der, dort selten vergebenen, Altersfreigabe R15 versehen wird, was hierzulande einem strikten FSK18 entsprechen würde. Battle Royale ist zugegebenermaßen auch verdammt starker Tobak. Die Idee mit einer Gruppe von Menschen die in einer abgeschlossen Umgebung unter Kontrolle ausgesetzt wird und nur einer überleben darf, ist nicht wirklich neu, es erinnert an eine Mischung aus Lord of the Flies und Fortress. Allerdings wurde es vorher noch nie so direkt und drastisch umgesetzt wie in diesem Film von Kinji Fukasaku, basierend auf einem Roman von Takami Koshun. Man ist erstaunt, wie nah der Zuschauer an die blutigen Tötungen herangebracht wird. Nur selten zeigt die Kamera einen Mord aus einer sicheren Entfernung und blendet niemals gnädigerweise vorher aus. Fakasaku war sehr konsequent und mutet dem Zuschauer alles zu. Makabererweise werden alle paar Morde die Namen der Opfer in Untertiteln aufgelistet und die Anzahl der noch Überlebenden angezeigt (x down, y to go...). Aber dabei ist der Film keinesfalls eine gewaltgeile Kampforgie wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Der 1930 geborene Regisseur Kinji Fukasaku hat den 2. Weltkrieg noch genau miterlebt. Als 15-jähriger arbeitete er in einer Fabrik, die häufig ein Ziel von Bombenangriffen war. Dort hat er selber miterleben müssen, wie sich Menschen, Kinder wie Erwachsene, untereinander in Extremsituationen verhalten. In dem Buch sind es auch Jugendliche, die mal gerade höchstens 15 Jahre alt sind. Um so mehr störte es ihn, daß der Film für Jugendliche unter 15 Jahren nicht zugelassen wurde, da es gerade die Zielgruppe war, die er mit seinem Film ansprechen wollte. Außerdem mußte er sich mit einigen Politikern rumschlagen, die (nur aufgrund der Lektüre des Buches!) den Film komplett verbieten wollten, da er in deren Augen schädlich für die Jugendlichen in Japan sein könnte und zu erhöhter Gewaltbereitschaft aufruft (und ich dachte immer, daß nur in Deutschland die Politiker zu eingeschränkt zum denken sind...). Einige Änderungen mußten am Film vorgenommen werden, um doch noch eine niedrigere Altersfreigabe zu erreichen. Das wurde allerdings auch mit Schlangen vor den Kinokassen belohnt. Fukasaku ist auch schon ein alter Hase in seinem Beruf. Er drehte seit seinem Debüt in 1961 konstant einen Film nach dem anderen. Seit Mitte der 80er Jahre ist er aber etwas ruhiger geworden. Um den heutigen Jugendlichen den Zugang zu der Thematik von Battle Royal zu vermitteln hat er seinen eigenen Sohn am Drehbuch mitarbeiten lassen.

Battle Royale - ScreenshotBattle Royale - Screenshot

Psychologische Auswirkungen einer Extremsituation und Veränderungen im Verhalten einer Gruppe werden ebenfalls berücksichtigt. Zudem besteht die Charakterzeichnung nicht aus einfachen schwarz/weiß Personen, auch wenn man beim ersten Anschauen in den meisten Figuren leichte Anleihen an übliche Klischees erkennt. Nanahara mag zwar als der Held des Films erscheinen, hat aber unter einem kaputten Familienleben zu leiden. Seine Mutter ist irgendwann abgehauen und seinen Vater hat er am Strick baumelnd in der Wohnung gefunden. Kawada ist schon das zweite Mal auf der Insel um seine Freundin zu rächen, die er 3 Jahre früher durch den BR Act verloren hat. Kitano erzählt den Kids dreimal am Tag wer in der Zwischenzeit gestorben ist, seine Beziehung zu seiner Partnerin kann er aber nicht aufrechterhalten und ist im Grunde genommen ein sehr einsamer Mensch. Die Göre Mitsuko, die ohnehin nicht sehr beliebt bei den meisten ihrer Klasse ist, startet so richtig durch und kennt keine Freunde mehr sondern entwickelt sogar noch Spaß an der Sache. Sie stirbt mit den Worten "I just didn't want to be a loser anymore". Um das zu verstehen muß man leider das Buch oder den Director's Cut kennen, denn dort wird deutlich, daß Mitsuko unter einer finsteren Kindheit zu leiden hatte. Ihre Mutter hat sie als Kind gegen entsprechendes Geld an Freier vermittelt und später ist sie eher die Klassenschlampe, unbeliebt und von dem Großteil der Klassengemeinschaft ausgeschlossen. Das Töten an ihren Mitschülern ist für sie ein Weg endlich mal besser als die anderen zu sein und Macht über andere auszuüben.

Battle Royal ist ein Film voller Emotionen, bei den Protagonisten wie beim Zuschauer. Am Beispiel von Chigusa kann man es vielleicht am besten deutlich machen. Zuerst scheint sie ein ganz normales Mädchen zu sein, dann wird sie von einem nervigen Mitschüler belästigt, der für sie schwärmt, sie aber nicht für ihn. Durch seine Art treibt er sie in Rage und als er sie sogar leicht im Gesicht verletzt will sie ihn nur noch mit ihrem Messer umbringen, was sie schließlich auch schafft. Als in dem Moment Mitsuko auftaucht flieht sie, wird aber schwer verletzt. Sie wird von Sugimura gefunden, in den sie verliebt ist und stirbt halbwegs glücklich in seinen Armen. Der Zuschauer wird soweit manipuliert, daß man erst erschrocken ist, wie sie sich in einen kaltblütigen Killer verwandelt, nur um dann nur 1-2 Minuten später Mitleid mit ihr zu empfinden.

Battle Royale - ScreenshotBattle Royale - Screenshot

Der Film hat sicherlich seine Botschaft, nur ist es schwer die unter dem Mantel der Gewalt zu entdecken. Fakasaku porträtiert eine Jugend, die keine richtige Zukunft vor sich sieht und treibt die erhöhte Gewaltbereitschaft der japanischen Jugendlichen, die in den letzten Jahren in Japan wirklich zugenommen hat, bitterböse auf die Spitze. Die Erwachsenen werden nur in Form des Militärs am Rande dargestellt, sonst gibt es außer Nanaharas Vater (der stark unter persönlichen Problemen zu leiden hat) und Kitano kaum weitere nennenswerte Erwachsenenrollen. Die Gesellschaft im Film hat den barbarischen BR Act auch bereits als selbstverständlich akzeptiert um sich vor den gewalttätigen Jugendlichen zu schützen. Paradoxerweise mit einer Methode die die Gewalt aber eher verstärkt denn mindert. Zu Beginn bekommt man eine Fernsehreportage zu sehen, in dem die Gewinnerin des letzten Kampfes präsentiert wird und in Kintanos Erklärungen zum BR Act sagt er, daß die Eltern informiert worden sind, wo sich ihre Kinder gerade befinden. Gegenseitiges Killen als pädagogische Erziehungsmaßnahme, survival of the fittest. Das damit das Land eigentlich seine eigene Zukunft tötet, ist den Politikern in dieser fiktiven Version von Japan wohl nicht bewußt. Man hält lieber an alten Strukturen fest und läßt seine Kinder sich selber umbringen, anstatt nach weitaus friedvolleren und wohl auch effektiveren Methoden zu suchen.

Zitat

So today's lesson is... You kill each other off.

Nachdem der Film in Japan ein großer Erfolg war, nahm sich Regisseur Fakasaku sein Werk noch einmal vor und erweiterte den Film um 8 Minuten für einen Director's Cut. Dabei wurden nicht nur zusätzliche Szenen eingefügt, sondern auch einige Sound- und Computereffekte verbessert. Die wichtigsten Ergänzungen habe ich hier mal aufgeführt: ... mehr zum Film (Spoiler!) ...

Battle Royale - ScreenshotBattle Royale - Screenshot

Bei dieser Thematik ist es auch um so überraschender, daß der Film nicht gerade billig wirkt, sondern durchaus eine ansprechende Produktion vorzuweisen hat. Die schauspielerischen Leistungen gerade der jugendlichen Darsteller sind recht gut, auch wenn die "bösen" sich darauf beschränken finster dreinzublicken. Takeshi Kitano als stoischer, aber ganz im inneren immer noch etwas menschlicher Anleiter paßt richtig gut in diese Rolle, eine kleine Abwechslung von seinen sonstigen Yakuza-Rollen. Im gleichen Jahr spielte er in dem ebenfalls recht brutalen Brother dafür wieder einen Yakuza, der bei den Triaden in Amerika richtig aufräumt. Zu den anderen Schauspielern kann ich leider nicht viel erzählen, da sich noch nicht so viele interessante Einträge in deren Filmographien befinden.

In Japan ist der Film als Special Edition mit einigen Extras erhältlich - nur leider komplett ohne Untertitel. Großbritannien hat ebenfalls eine DVD mit anamorphen Bild aber dafür ohne Extras. Und dann gibt es noch die Code-3-DVD aus Hongkong. Die hat zwar kein anamorph abgetastetes Bild, aber laut einigen Forendiskussionen soll das Bild trotzdem noch besser sein als das der britischen DVD. Insgesamt könnte das Bild etwas schärfer sein und ein gewisses Flächenrauschen ist auch auszumachen, aber ansonsten ist das Bild für eine Hongkong-DVD gar nicht mal so schlecht. Außerdem ist der Ton hier in drei Formaten vorhanden, Dolby Digital 2.0 (Stereo), Dolby Digital 5.1 und sogar DTS, wohingegen die britische DVD nur den Stereoton vorweisen kann. An Bonusmaterial gibt es außer dem Battle Royale Trailer und einem Trailer zu einem anderen Film nur noch eine Biographie zu Kateshi Kitano und das auch nur auf Chinesisch. Angesichts der fehlenden Untertitel (und vor allem des Preises) der Japan-DVD und der insgesamt qualitativ schlechteren britischen DVD ist die Hongkong-DVD bislang vorzuziehen. Für Juni hat allerdings das deutsche Label Kinowelt den Film schon als Verleih-DVD angekündigt. Weitere Angaben über Bonusmaterial oder eventuelle Kürzungen sind leider momentan nicht bekannt. Der Director's Cut wird bald in Japan veröffentlicht werden, nur leider auch wieder ohne Untertitel.

Battle Royale - ScreenshotBattle Royale - Screenshot

Battle Royale ist sicherlich ein sehr kompromißloser Film, der vielen zu brutal sein dürfte und deswegen schwer im Magen liegen bleibt. Trotzdem finde ich, daß es durchaus ein wichtiger Film ist, den man einmal gesehen haben sollte. Kaum ein anderer Film geht so mit grafischer Gewalt um ohne dabei plakativ zu wirken und verbindet das mit gesellschaftspolitischer Kritik und emotionaler Charakterentwicklung. Das man sich den Film nicht unbedingt öfter anschauen kann, ist durchaus verständlich.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 11.04.2002

Leser-Kommentare

06.07.2007, 23:52:24 Prinz Rupi ( Email schreiben Homepage )

Eine ausgefeilte und differenzierte Besprechung, die Lust auf den Film macht.

Toll!

26.06.2007, 06:17:22 mathe1612

Ich stimme der Review voll und ganz. Die geistigen Tiefflieger die einfach keine Botschaften erkennen und mit Tunnelblick durchs Leben gehen sollen endlich mal schweigen und Bambi gucken. Battle Royale ist nicht ihre Kragenweite. Je nach Woche sind es entweder die Killerspiele, dann mal die Horrorfilme oder das Internet die an der Gewaltätigkeit schuld sind. Morgen ist es vielleicht der genmanipulierter Mais, oder die Strahlungen aus deinem Handy. Wer weiß?

01.11.2006, 14:09:07 Florian Kuhn ( Email schreiben )

Krass. Eine kranke Idee so zu verarbeiten braucht viel Feingefühl und das ist hier der Fall. Sollte man auf jeden Fall gesehen haben, sofern man starke Nerven hat. Lang lebe die asiatische Filmindustrie : )

20.02.2006, 12:39:12 Evil Wraith

Nun ja, mit Battle Royale ist es, wie mit Funny Games, Irréversible und Konsorten: Es fällt schwer, diesen Filmen keine Polemik vorzuwerfen. Aber letztendlich ist BR eben ein subjektiver, wenngleich schmerzhaft treffender Blick auf unsere sozialdarwnistisch geprägte Gesellschaft. Aus denselben Gründen weniger empfehlenswert ist Teil 2, der, auch aufgrund der Portierung in ein Kriegszenario, eben doch eher zum Unterhaltungsfilm verkommt.

09.12.2005, 02:43:48 stevie ( Email schreiben )

Das ist ein Wahnsinnsfilm! Die einzige Form von Gesellschaftskritk, die heute noch gewählt werden kann. Versucht man sich über gewisse Missstände lustig zu machen, wird man nicht ernst genommen, zeigt man die reine Wirklichkeit wird es als normal empfunden. Erst die Metapher einer brutalen Schlacht, in der jeder gegen jeden kämpfen muss, um überleben zu können öffnet die Augen, was wir der jungen Generation antun und was für eine Welt wir ihr bieten. Das Politikern so etwas nicht gefällt wundert mich gar nicht.
Ein wichtiger Film!

14.01.2004, 01:43:57 Nando ( Email schreiben )

Kann dem Review nur beipflichten, Battle Royale ist ein Genialer, Kompromissloser und Kontroverser Film der das Anschauen mehr als Wert ist.
Für mich ist dieser Film einer der Highlights des Japanischen Kinos, und selten hat mich ein Film so gefesselt und Emotional mitgenommen wie dieser.
Schade finde ich es nur das gewisse Zuschauer der Film als Actionfilm, also Unterhaltungsfilm ansehen, für mich Persönlich ist dieser Film keines von beidem, da das Thema einfach zu bedrückend ist.
Aber trotz allem Liebe ich diesen Film und kann nur sagen, er ist jede Minute Wert.

© 1998 - 2016: Sense of View / Carsten Henkelmann