Film Daten

Titel:
Candy
Originaltitel:
Candy
Land & Jahr:
USA 1968
Laufzeit ca.: ?
124 Min.
Regie:
Christian Marquand
Darsteller:
Ewa Aulin
Charles Aznavour
Marlon Brando
Richard Burton
James Coburn
John Huston
Walter Matthau
Ringo Starr
John Astin
Elsa Martinelli
Sugar Ray Robinson
Anita Pallenberg
Lea Padovani
Florinda Bolkan
Marilú Tolo
Alternativtitel:
Candy e il suo pazzo mondo
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Anchor Bay Entertainment
Label:
Anchor Bay Entertainment
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Trailer
  • Radio Spots
  • Foto Gallerie
  • Biographien

Candy

Review

Candy - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Candy (Ewa Aulin) ist ein hübsches Highschool-Girl, deren Vater (John Astin) an der gleichen Schule als Lehrer arbeitet. Eines Tages kommt der bekannte Poet McPhisto (Richard Burton) in die Schule und gibt eine Lesung, die euphorisch von den Studenten gefeiert wird. Dabei ist ihm das schöne Mädel sofort ins Auge gesprungen und er läßt ihr eine Nachricht zukommen, dass er sie gerne sprechen würde. Er lädt sie in seine Limousine ein und fährt sie nach Hause. Während der Fahrt kippt er sich einen Whiskey nach dem anderen rein und wird immer zudringlicher. Nur durch die Ankunft an ihrem Hause kann sie sich ihm ganz entziehen. Aber da der arme Mann sich selber mit Whiskey übergossen hat, bittet sie ihn trotzdem rein um ihm seine Wäsche zu waschen. Dabei holt sie sich den mexikanischen Gärtner Emanuel (Ringo Starr) zu Hilfe, der die Situation völlig missversteht. Im Keller versucht er Candy auf dem Billardtisch zu nehmen, während der volltrunkene McPhisto sich an einer großen Puppe vergreift. Natürlich kommt in diesem Augenblick ihr Vater in den Keller...

Candy - ScreenshotCandy - Screenshot

Als Erziehungsmaßnahme will er Candy in eine andere Stadt schicken und bittet seinen Zwillingsbruder Jack (nochmals John Astin) und seine Schwester Livia (Elsa Martinelli) sie zu begleiten. Auf dem Weg zum Flughafen werden sie von Emmanuels heißblütigen Schwestern verfolgt und auf dem Rollfeld kommt es zur Konfrontation. Nur ganz knapp können sie sich in das startende Flugzeug retten. Candy Vater wird allerdings schwer am Kopf verletzt. An Bord des Flugzeugs finden sich die Gruppe inmitten einer kleinen Kompanie wieder, die unter dem Befehl von General Smight (Walter Matthau) stehen. Der verspricht medizinische Hilfe, aber auch er erliegt dem Verlangen nach Candy. Als er ihr im Cockpit nachstellt lösen die beiden versehentlich Alarm aus und seine Jungs springen aus dem Flugzeug und er hinterher. Livia kann das Flugzeug aber heile landen.

Candys Vater landet schließlich endlich in einem Krankenhaus. Dort wird eine öffentliche Operation unter der Leitung von Dr. Krankheit (James Coburn) durchgeführt. Natürlich läßt der es sich auch nicht nehmen eine gründliche Untersuchung an Candy durchzuführen. Darauf reagiert Krankheits untergebene Krankenschwester natürlich extrem eifersüchtig und Candy kann nur aus dem Krankenhaus flüchten. Sie landet schließlich in einer Kneipe, wird dort von Mafiosis und einem Filmreporter bedroht, kommt im Haus eines buckeligen Penners unter der an Wänden hochklettern kann, wird dann endlich von Polizisten verhaftet, die wegen ihr nicht auf die Straße achten und mitten in eine Travestieshow krachen. Schließlich wird sie von dem Guru Grindl (Marlon Brando) in seinem LKW mitgenommen...

Candy - ScreenshotCandy - Screenshot

So ein Film kann auch nur in den späten 60ern entstanden sein. Durch psychedelische Muster und entsprechender Musik wird dem Zuschauer bereits im Vorspann deutlich, dass der Film etwas abgefahrener sein wird. Und dem ist tatsächlich so. Eine handfeste Story ist nur rudimentär vorhanden. Candy stolpert vielmehr von einer schrägen Situation zur nächsten und kann durch ihre Naivität auch nicht viel dagegen machen. Sie ist es sich selber nicht mal bewußt, dass sie bei Männern alle rationalen Denkweisen auslöscht und die fortan nur daran interessiert sind mit ihr intim zu werden. Ewa Aulin scheint wirklich genau die richtige Besetzung gewesen zu sein, denn gerüchteweise soll Marlon Brando mächtig scharf auf das hübsche Mädel gewesen sein. Wenn man sie so im Film sieht, kann man ihn schon verstehen...

Zitat

You can't give blood to a member of your own family.
Why can't I?
Why can't you? Why can't you?
That was my question, yes.
Well, because that's... that's... that's incest!

Der einzige rote Faden, wenn man davon sprechen kann, ist Candy selber. Denn alle anderen Personen, bis auf ein paar Ausnahmen, tauchen nur für ein paar Minuten auf, was eine ungeheure Vielfalt an unterschiedlichen Charakteren mit sich bringt. Da wäre der fürsorgende, aber strenge Vater. McPhisto ist ein alkoholkranker Poet, den ein steter Wind umweht, selbst wenn er im geschlossenen Auto sitzt! Ringo Starr als leicht trotteliger mexikanischer Gärtner, der eigentlich Priester werden will, sieht zum brüllen komisch aus. Dr. Krankheit wirkt fast normal, hat nur etwas seltsame Operationsmethoden. Göttlich ist auch Walther Matthaus Auftritt als General. Er spielt den robusten und welterfahrenen Soldaten, bringt einen patriotischen Satz nach dem anderen, selbst als Candy nackt vor ihm steht. Trotzdem kann er ihr nicht ganz widerstehen. Wären nicht diese und unzählige andere Charaktere schon vorher da gewesen, Marlon Brando als Guru Grindl hätte sie alle geschlagen. Hier wirkt er durch die Langhaarperücke noch recht jung und residiert in einem als Tempel umgebauten LKW, mit dem er sich durch die Gegend kutschieren läßt. Als sich dann eine Wand durch heftiges Bettgetummel mit Candy löst (die beiden bringen übrigens höchst ausgefallene Stellungen zustande...), sieht man anhand des Werbeaufdrucks, dass er eigentlich Second Hand Klamotten Verkäufer ist. Und nicht nur das, jeder Schauplatz bietet andere Möglichkeiten die einzigartige Komik des Films unterzubringen. Der Operationssaal von Dr. Krankheit ist wie eine Arena aufgebaut und seine Operationen werden wie öffentliche Veranstaltungen auf Plakaten angekündigt. Dementsprechend theatralisch führt er auch seinen Beruf aus.

Candy - ScreenshotCandy - Screenshot

Diese französisch-italinisch-amerikanische Co-Production entstand unter der Regie des Franzosen Christian Maquand und basiert auf dem gleichnamigen Buch von Terry Southern. Candy war Maquands zweiter Film nach dem 1962 entstandenen Les Grands Chemins (aka "Grausame Hände"). Seine Haupttätigkeit ist aber die Schauspielerei gewesen. Zu den bekannteren Filmen in seiner Filmographie gehören Et Dieu... créa la femme (aka "Und immer lockt das Weib", mit Brigitte Bardot) und der Überlebensthriller The Flight of the Phoenix (aka "Der Flug des Phönix"). Große Hauptrollen in großen bekannten Produktionen sind aber nicht darunter. Leider war Candy zu seiner Zeit kein großer Erfolg beschienen. Die Kritiken waren vernichtend und die Zuschauer blieben aus. Eigentlich verwunderlich bei dem Aufgebot an Stars. Aber wahrscheinlich war der Film selbst für die Zeit zu schräg. Erst im Laufe der Jahre hat sich sowas wie ein kleiner Kult um diesen Streifen gebildet. Zugegeben, der Film hat kleine Längen, was aber die obskuren Situationen wieder ausgleichen. Von Terry Southern kommen im übrigen einige literarische Vorlagen für weltbekannte Filme, unter anderem Kubricks Satire Dr. Strangelove, Barbarella oder Easy Rider. Drehbuchautor Buck Henry hat übrigens einen kurzen Gastauftritt als geistig verwirrter Patient im Krankenhaus, der völlig durchdreht wenn er den Namen Dr. Krankheit hört.

Zitat

Dr. Krankheit is the best surgeon in the world for this kind of stuff but even he could skrew it up.
Isn't it bad luck to say that?
Only for the patient...

Die 1950 geborene Schwedin Ewa Aulin hatte nur eine sehr kurze Filmkarriere. Mit der Wahl als Miss Teen Sweden im Alter von 17 Jahren, war es natürlich kein Problem eine Karriere als Schauspielerin zu starten, auch wenn sie mit 23 beschloß diese Laufbahn wieder aufzugeben. Kaum einer ihrer Film ist großartig bekannt geworden. Man kennt außer Candy vielleicht noch am ehesten die Filme La Morte ha sorriso all'assassino (aka "Death Smiles on a Murderer", "Die Mörderbestien") oder Ceremonia sangrienta (aka "The Bloody Countess", "Comtesse des Grauens"). Über die Vergangenheit von Ringo Starr muss ich wohl nicht viel erzählen, jedem dürfte der ehemalige Schlagzeuger der Beatles wohl bekannt sein. Candy war übrigens der erste Kinofilm, in dem er ohne Bandkollegen mitgewirkt hat. In der Rolle des seltsamen Filmreporters J.J.J. steckt Enrico Maria Salerno, der in unzäligen italienischen B-Movies mitgespielt hat. Darunter auch ein paar Genreperlen wie Argentos L' Uccello dalle piume di cristallo (The Bird with the Crystal Plumage).

Candy - ScreenshotCandy - Screenshot

Marlon Brando begann 1950 mit seiner Filmkarriere und war acht mal für den Oscar nominiert. Zweimal bekam er ihn, und zwar für seine Rollen in On the Waterfront (aka "Die Faust im Nacken") und The Godfather (aka "Der Pate"). Des weiteren ist er den meisten sicherlich aus Superman und Apocalypse Now bekannt. Richard Burton bekam seine erste Rolle ein Jahr früher als Brando und viele werden ihn sicherlich in Exorcist II und 1984 gesehen haben. Walter Matthau spielte unter anderem in den Thriller Charade und Oliver Stones JFK mit. In Candy gleicht sein Charakter eher einer Comicfigur aus einem Tex Avery Cartoon, zum brüllen komisch. James Coburn war einer der Magnificent Seven (aka "Die glorreichen Sieben"), spielte ebenfalls in Charade mit und hatte Rollen in bekannten Produktionen wie The Great Escape (aka "Gesprengte Ketten") oder Hudson Hawk.

Zitat

Hey, you cannot bring a frozen guru into California!

Anchor Bay Entertainment aus den USA ist bislang das einzige mir bekannte Label, dass den Film überhaupt auf DVD herausgebracht hat. Die Bildqualität geht für die Länge und das Alter des Films durchaus in Ordnung, allerdings ist eine stete Körnung des Bildes zu bemerken. Wahrscheinlich beruht das auf den Einsatz gewisser Filter beim Mastern für die DVD. Der Ton liegt in seinem original Monoformat vor und ist ganz in Ordnung. Die Dialoge sind recht gut zu verstehen. An Extras gibt es leider außer dem Trailer, Radiospots, einer kleinen Fotogallerie und diversen Biographien nichts. Allerdings wäre das bei einem recht unbekannten und eigentlich auch nie richtig erfolgreichen Film recht verwunderlich gewesen. Witzig ist dagegen die Verpackung der Limited Edition in einer runden Tin Box, die wie eine abgewandelte Form einer Nivea-Dose aussieht. Darin liegen dann quasi in Bierdeckelform noch die Kapitelliste und kurze Anmerkungen zu den Hauptdarstellern. Dieses quietschrosane Ding macht sich recht gut im Regal zwischen den anderen Tins von Hellraiser, Maniac, Evil Dead, etc...

Candy - ScreenshotCandy - Screenshot
Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 27.06.2002

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