Film Daten

Titel:
Friend
Originaltitel:
Chin goo
Land & Jahr:
Südkorea 2001
Laufzeit ca.: ?
117 Min.
Regie:
Gwak Gyeong-Taek
Darsteller:
Jang Dong-Geon
Yu Oh-Seong
Seo Tae-Hwa
Jeong Wun-Taek
Kim Bo-Gyeong
Ju Hyeon
Gi Ju-Bong
Lee Jae-Yong
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Enter One
Label:
Enter One
Regionalcode / Norm:
3 / NTSC
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Koreanisch - DD 5.1
Koreanisch - DTS
Untertitel:
Englisch, Koreanisch
Extras:
  • 3 Audiokommentare (alle koreanisch)
  • Interviews
  • Behind the Story
  • Location
  • Dialect
  • Deleted Scenes
  • Outtakes
  • Marketing
  • Telecine: Comparison with Film Types
  • Cast & Crew Infos
  • Fotogalerie
  • Trailer
  • TV-Spot
  • Booklet

Friend

Review

Friend - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

1976 / 1981: Erzählt wird die Geschichte von Joon-Suk (Yu Oh-Seong), Sang-Taek (Seo Tae-Hwa), Joong-Ho (Jeong Wun-Taek) und Dong-Su (Jang Dong-Geon), vier Freunden aus Kindertagen, die in Pusan aufwachsen. Sang-Taek und Joong-Ho sind eher die etwas unauffälligeren Typen, während Joon-Suk als Sohn eines Gangsters und Dong-Su als Sohn eines Leichenbestatters eine etwas andere Kindheit hinter sich haben. Sie gehen zusammen zur Schule. Bei einem Schulkonzert verknallt sich Sang-Teak in die Sängerin Jin-Sook (Kim Bo-Gyeong), die er bei einer Party von Joon-Suk auch schließlich kennenlernt. Bei einem gemeinsamen Nachmittag in einer Skaterhalle gerät er an ein paar Jungs von einer Gang, die Jin-Sook belästigen. Zunächst sieht es so aus, als ob Sang-Taek unterliegt, aber dann kommen ihm Joon-Suk und Dong-Su zur Hilfe. Sie treffen auf diese Gang in einem Kino wieder, was zu einem regelrechten Riot unter den dort anwesenden Schülern führt. Für Sang-Taek ist das ein Schlüsselerlebnis, aufgrund dessen er beschließ nach Seoul zu gehen. Joong-Ho begleitet ihn.

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1984: Sang-Taek und Joong-Ho kehren vom College kurz in ihre Heimatstadt zurück und besuchen Joon-Suk. Der hat mittlerweile Jin-Sook geheiratet, ist aber drogenabhängig geworden befindet sich in einem schweren Entzug. Darunter leidet Jin-Sook sehr und Sang-Taek bietet ihr seine Freundschaft an. Joon-Suks engster Freund Dong-Su hat sich, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde, einer anderen Gruppe von Verbrechern angeschlossen, was Joon-Suk gar nicht gefällt. Schließlich rappelt er sich wieder hoch und macht ebenfalls Karriere als Gangster.

1990: Sang-Taek kehr nach Jahren wieder nach Pusan zurück und trifft auch sofort Joon-Suk wieder. Der hat sich mittlerweile sein eigenes Gangster-Imperium aufgebaut und verfügt über nicht gerade wenig Einfluss. Dong-Su ist ebenfalls in der Hierarchie seiner Gruppe aufgestiegen. Ein gemeinsames Treffen nach all den Jahren, an dem Joong-Ho ebenfalls teilnimmt, findet aber ohne ihn statt. Die Rivalitäten zwischen Joon-Suks und Dong-Sus Gruppen werden immer heftiger, was sogar schließlich in einen Bandenkrieg gipfelt. Ein letztes Gespräch zwischen Joon-Suk und Dong-Su, der von Joon-Suk immer noch als Freund gesehen wird, soll die Streitereien beilegen...

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Schade, schade schade. Was hätte man aus diesem Film machen können. Friend sieht sich selber als ein hartes Drama über Freundschaft und Loyalität, wie es John Woo schon vor Jahren mit seinem exzellenten Bullett in the Head vorgemacht hat. Der Lebens- und Leidensweg einiger Männer, die sich schon Jahre kennen und sich selber als die besten Freund sehen und durch etliche Prüfungen im Leben auf die Probe gestellt werden. Leider verliert sich der Film im Verlaufe der Handlung ein wenig aus den Augen. Zu Anfang ist man noch von dem stimmungsvollen Vorspann angetan, läßt sich langsam in die Handlung einführen und lernt die Hauptcharaktere kennen. Bis ca. zur Hälfte funktioniert auch noch alles recht gut, aber dann konnte sich der Regisseur scheinbar nicht darauf einigen, auf wen bzw. was er sich nun konzentrieren soll. Das allerdings schien das koreanische Publikum nicht zu stören, denn Friend wurde zu seiner Zeit der erfolgreichste koreanische Film und ließ damit selbst Shiri und Joint Security Area hinter sich.

Mit dem Weggang Sang-Taeks und Joong-Hus Richtung Seoul verkommen diese beiden Personen zu Nebencharakteren, die mit dem weiteren Verlauf nicht viel zu tun haben und auch keinen wirklichen Einfluss darauf ausüben können. Dabei erscheint gerade Sang-Taek zu Beginn die wichtigste Person innerhalb dieses Grüppchens zu sein, denn seine Stimme ist auch aus dem Off zu hören und kommentiert ab und zu das Geschehen bzw. beliefert den Zuschauer mit Informationen, die visuell nicht vermittelt werden. Er ist es auch, den die Kamera meistens verfolgt, vor allem bei seinen Versuche die Beziehung mit Jin-Sook aufzubauen. Aber am Schluß weiß man nicht mal genau, was er eigentlich in Seoul genau macht und Jin-Sook verliert vollkommen an Bedeutung. Hier steht dann mehr der Konflikt zwischen Joon-Suk und Dong-Su im Mittelpunkt, der aber durch die Zeitsprünge schon fast den Charakter einer Zeitraffer bekommt.

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Das größte Problem ist einfach, dass der Zuschauer, durch die wechselnde Fokussierung auf die verschiedenen Charaktere, sich einfach nicht in eine Person hineinversetzen und mit ihr mitleiden kann, sondern die Geschehnisse einfach nur präsentiert bekommt. Auch wird den Charakteren kaum eine Möglichkeit zur Entwicklung gegeben, sondern wirken schon stereotypisch. Joon-Suk und Dong-Su kommen aus einem zweifelhaften familiären Umfeld und werden Gangster, Sang-Taek und Joong-Ho kommen aus gutbürgerlichen Verhältnissen und machen Karriere und haben mit dem Gangstertum gar nichts zu tun. Wirkliche Spannung kann so natürlich auch nicht aufkommen. Und das ist eigentlich sehr schade, denn der Film hat auch durchaus einige ansprechende Aspekte. So ist zum Beispiel die Optik und insbesondere die Kameraarbeit vom Feinsten. Die Szenen wirken alle sehr stimmungsvoll und der Schnitt ist ebenfalls recht professionell. Das Wettrennen von der Schule zum Kino oder das Attentat im letzten Drittel des Filmes sind einfach phänomenal eingefangen worden, höchst sehenswert und beweisen, dass hier durchaus Leute mit einigem Talent am Werke waren.

Regisseur Gyeong-Taek verarbeitet in seinem Film seine eigenen Jugenderlebnisse, vieles basiert also auf wahren Ereignissen. Die körperliche Gewalt in diesem Film ist schmerzhaft. Obwohl sich der Film gegen Ende den Krieg zwischen zwei Banden thematisiert, kommen doch keine Feuerwaffen zum Einsatz. Gekämpft wird hier mit Messern, Nunchakus und Baseballschlägern. Dadurch gibt es keine schnellen und schmerzlosen Tode, sondern die Opfer leiden, erfahren Schmerzen, bevor sie ihr Leben aushauchen. Die Grundlage dafür liegt schon in der den Schülern zukommende Gewalt, die sie schon in den Schulen von ihren Lehrern verabreicht bekommen. Die gehen dort nicht gerade zimperlich mit den jugendlichen um, da dürfen sich schon mal die Störenfriede der Klasse der Reihe nach aufstellen um mehrere Backpfeifen hintereinander abzubekommen.

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Bei dem Erfolg des Filmes in seinem Heimatland verwundert es auch nicht, dass der Film in einer fetten DVD-Veröffentlichung auf den Heimkinomarkt gebracht wurde. Die Erstauflage wurde in einer limitierten Blechbüchse ausgeliefert, die der deutschen Tin von Terminator 2 ähnelt. Darin befindet sich das Doppel-DVD-Set in einem Digipack-Schuber plus einem kleinen Booklet, das leider wieder nur komplett in koreanischer Sprache verfasst wurde. Beide DVDs verfügen über passend designte und gut animierte Menüs. Der Film selber wird im anamorphen Originalformat von 1.85:1 präsentiert, die Bildqualität kann allerdings nicht auf voller Länge überzeugen. Insgesamt ist die Qualität für koreanische DVDs sehr gut, aber für mein Empfinden hätte es etwas mehr Schärfe und weniger Kontrast sein dürfen. Außerdem macht sich ein ganz dezentes Flächenrauschen bemerkbar, das aber nicht störend ins Gewicht fällt. Der Ton wumst in den Formaten Dolby Digital 5.1 und DTS durch die Kanäle.

Im Bereich des Bonusmaterials wurde in die Vollen gegriffen. Neben gleich 3 Audiokommentaren findet man auf der 2. DVD etliche weitere Extras. Leider, wie bei Korea-DVDs üblich, ist nichts von dem Bonusmaterial mit Untertiteln versehen worden, so dass der Nutzwert für die meisten Leute bei Null liegen wird. Als erstes bekommt man Interviews mit dem Regisseur und allen vier Hauptdarstellern geboten, insgesamt knapp über 22 Minuten. In "Behind the Story" werden einzelne Abschnitte der Geschichte vom Regisseur erklärt und mit Aufnahmen der Dreharbeiten dokumentiert. Mit "Location" werden einzelne Schauplätze vorgestellt und der Regisseur kommentiert diese. Die 5 Minuten Featurette "Dialect" geht, so nehme ich mal an, auf die Nuancen in der Sprache ein, aber dafür kenne ich jetzt die koreanische Sprache deutlich zu schlecht, um mir da ganz sicher zu sein. Die 10 Deleted Scenes sind da sicherlich schon nützlicher, auch wenn nicht alle super interessant sind. Bei manchen handelt es sich auch nur um alternative oder längere Fassungen von Szenen die im Film drin sind. Am interessantesten ist noch die erste der Deleted Scenesm die einen blutigen Bandenkampf zeigt, bei dem es wahrlich nicht zimperlich zugeht und war ursprünglich ganz zu Anfang, noch vor dem Vorspann plaziert. Außerdem noch die Hochzeit von Joong-Ho, zu dem außer Sang-Taek niemand der anderen Freunde erscheint. Allerdings ist es verständlich, warum diese Szenen es nicht in den fertigen Film geschafft haben, denn mit der eigentlichen Handlung haben sie, wenn überhaupt, nur am Rande zu tun. Alle Szenen werden übrigens noch vom Regisseur kommentiert. Die "Outtakes" zeigen nicht, wie man vermuten könnte, verpatzte Szenen und Pannen am Dreh. Stattdessen ist das mehr ein Behind-the-Scenes Feature, das sich allein auf die Attentatsszene beschränkt und den Aufwand hinter dieser Sequenz verdeutlicht. "Telecine" bietet einen recht anschaulichen Vergleich zwischen den einzelnen Arten von Filmmaterialien. Gezeigt wird der Unterschied zwischen dem Original Negativ, dem Duplikat des Negatives und dem Interpositiv. Zwar fallen die Unterschiede nicht wirklich drastisch auf, aber sie sind zu erkennen. Als letztes gibt es auf der 2. DVD die 5-Minuten-Featurette "Marketing". Dahinter verbirgt sich allerdings eine dieser üblichen Sendungen, die mehr Werbung für den Film machen als wirklich Hintergrundinformationen zu liefern.

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Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 02.02.2003

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann