Film Daten

Titel:
Jack the Ripper
Originaltitel:
Jack the Ripper
Land & Jahr:
Deutschland / Schweiz 1976
Laufzeit ca.: ?
92 Min.
Regie:
Jess Franco
Darsteller:
Klaus Kinski
Herbert Fux
Andreas Mannkopff
Josephine Chaplin
Lina Romay
Nikola Weisse
Ursula von Wiese
Hans Gaugler
Francine Custer
Olga Gebhardt
Angelika Arndts
Alternativtitel:
Der Dirnenmörder von London
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - VIP
Label:
VIP
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Italienisch - DD 2.0
Französisch - DD 2.0
Untertitel:
Holländisch, Finnisch, Griechisch
Extras:
  • Audiokommentar von Erwin C. Dietrich
  • Behind-the-Scenes Dokumentation
  • Featurette über die DVD-Restauration
  • Deleted Scene
  • Biographien
  • Photogallerie
  • Trailer
  • Informationen über den wahren Ripper-Fall

Jack the Ripper

Review

Jack the Ripper - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Eine Londoner Prostituierte (Francine Custer) macht sich alleine auf dem Weg nach Hause. Sie ist allein in den Straßen unterwegs, was ihr gar nicht behagt. Auf ihrem Wege trifft sie aber nur auf einen alten blinden Bettler (Hans Gaugler), den sie zuerst für eine Bedrohung hielt. Doch schon kurz danach wird sie das Opfer von Jack the Ripper (Klaus Kinski), der sie tötet und den Leichnam mitnimmt. Der Bettler wird Zeuge des Überfalls, aber da er blind ist, läßt der Mörder ihn in Ruhe. Dennoch merkt der sich aber einige Details. Die Leiche wird in ein Gewächshaus gebracht, wo der Ripper sie zerstückelt und am nächsten Tag von der verwirrten Frieda (Nikola Weisse) entsorgen läßt, die die Leichen für Puppen hält.

Jack the Ripper - ScreenshotJack the Ripper - Screenshot

Tagsüber verbirgt sich hinter Jack the Ripper der Arzt Dr. Orloff, der die gesundheitlichen Malässen seiner Patienten großherzig behandelt. Währenddessen werden die Untersuchungen von Scotland Yard Inspektor Selby (Andreas Mannkopff) geführt, der den Blinden verhört, sowie eine ältere Lady, die aber nur von weitem etwas gesehen haben will. Beide Befragungen bringen ihn nicht weiter und seine Frustration versucht er im Gespräch mit seiner ehemaligen Freundin Cynthia (Josephine Chaplin) abzubauen. Dr. Orloff wird von Wahnvisionen geplagt, in denen seine verstorbene Mutter zu ihm spricht, die selber als Prostituierte ihr Geld verdiente, worunter er sehr zu leiden hatte. Er begibt sich hinaus in die Nacht, folgt der Prostituierten Jeanny (Esther Studer) auf ihr Zimmer, wo er sie schließlich umbringt.

Tags darauf fischt Charlie (Herbert Fux) eine abgeschnittene Hand aus dem Kanal und bringt sie zu Selby. Der versucht mit Hilfe von Charlie, dem Blinden und der Lady sowie einigen von Jeannys Kolleginnen ein Phantombild des Mörders zu erstellen. Auf dem Bild erkennt Charlie seinen Arzt Dr. Orloff wieder, erzählt Selby aber nichts davon. Er versucht stattdessen Orloff zu erpressen, aber der läßt sich darauf nicht ein. Cynthia hingegen will ihrem Freund unter die Arme greifen und streift als Prostituierte verkleidet durch die dunklen Gassen Londons, wo der Ripper ihr schon auflauert...

Jack the Ripper - ScreenshotJack the Ripper - Screenshot

Diese Verfilmung der berüchtigten Mordserie stellt dank der Regie von Jess Franco wohl die Variante mit dem höchsten Exploitation-Faktor aller Ripper-Filme dar. Franco verzichtet auf ein analytisches Zusammenfügen aller Details um an Ende den eventuellen Mörder vorzustellen. Stattdessen ist dem Zuschauer gleich direkt nach dem Vorspann bekannt, wer sich hinter dem Mörder befindet und wird von einem Mord zum nächsten geleitet, während die Polizei mehr als hilflos dem Treiben zusehen muss. Dadurch ergibt sich auch das Problem, dass der Film zwar über eine angemessene Atmosphäre verfügt, wirkliche Spannung will sich aber leider kaum aufbauen. Schließlich ist dem Zuschauer alles bekannt, er kann höchstens mitbangen, ob ein Opfer nicht doch vielleicht mal von der Polizei gerettet werden kann, bevor der Ripper sein Werk vervollständigt.

Aufgrund dessen bleibt der Film auch sehr vorhersehbar. Dafür legt Franco nackte Haut und somit einen gewissen Sleaze-Faktor in die Waagschale. Außerdem gibt es noch die typischen Kameraeinstellungen, wie man sie schon aus seinen unzähligen Filmen zu genüge kennt. Sehr viele Zooms, Spielereien mit Unschärfe und auch schon mal eine Verlagerung des Bildfokus auf nebensächliche Details. Und Francos Stammschauspielerin seit 1972, Lina Romay, ist auch mit von der Partie, allerdings hat sie hier nur eine eigentlich recht unwesentliche Rolle als Opfer des Rippers. Dafür wird ihr Tod aber auch von allen Morden in der drastischsten Form dargestellt. Die Schauspieler sind mal mehr mal weniger gut, Andreas Mannkopff als eigentlich routinierter Scotland Yard Inspektor wirkt allerdings etwas zu trottelig und hat immer nur die gleiche Gesichtsmimik auf Lager. Herbert Fux sorgt dagegen für etwas leichten Humor und spielt sowieso die anderen Nebendarsteller locker an die Wand. Josephine Chaplin ist die zweite Tochter von Charles Chaplin, die allerdings keine große Schauspielerkarriere durchgezogen hat, wie man bei dem Namen vielleicht vermuten könnte. Sie musste bei diesem Film auch ein wenig leiden. Verlangte das Drehbuch mal eine ruppige Handlung des Rippers gegenüber seiner Opfer, so griff Kinski schon mal richtig zu und deutete nicht nur an.

Jack the Ripper - ScreenshotJack the Ripper - Screenshot

Wer natürlich wieder brilliert ist Klaus Kinski, denn die zwischen Genie und Wahnsinn hin und her pendelnde Person des Dr. Orloff / Jack the Ripper ist ja eine Paraderolle für ihn. Tagsüber kuriert er die Menschen von ihren Leiden, nachts bringt er die Frauen um, die für ihn auch eine Art Krankheit darstellen. Allerdings bleibt er hier ein wenig hinter seinen Möglichkeiten zurück. Das mag aber auch daran liegen, dass Kinski zum Zeitpunkt der Dreharbeiten nur für einige Tage dabei sein konnte, auch wenn er länger als die vertraglich festgesetzten 8 Stunde pro Drehtag arbeitete. Ab und zu hätte man sich mehr von Orloffs inneren Zwiespalt und einen tieferen Einblick in seine Psyche gewünscht, aber für solche Sachen ist Jess Franco auch vielleicht nicht der richtige Regisseur. Seine Methode Filme zu drehen ist gradliniger, selten taucht mal einer seiner Filme tiefer in die Materie. Die Zeiten, in denen er sowas hätte vollbringen können, waren in den siebziger Jahren schon fast vorbei. Zum Zeitpunkt von Jack the Ripper war schon seine fanatische Vielfilmerei zum Ausbruch gekommen, die zu einer unendlichen Anzahl von billigen und schnell heruntergekurbelten Streifen mündete. Nur selten, wenn mal ein entsprechendes Budget wie z. B. bei Faceless zur Verfügung stand, konnte er beweisen, dass er auch für größere Projekte geeignet ist. Zur Zeit beschränkt er sich darauf, in Spanien billige, mit Digitalkamera gedrehte Softcore-Streifen auf den Markt zu schmeißen.

Diese Produktion entstand in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich, der sein Handwerk Mitte der 50er Jahre begann und in den 70ern die deutschen Kinos mit Softsex, Exploitation und billiger Action wie Blutjunge Verführerinnen, Die Betthostessen oder Die Wilgänse kommen beglückte. Seine Zusammenarbeit in dieser Zeit mit Jess Franco brachte einige seiner größten Erfolge wie Frauengefängnis, oder Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne zustande. Jack the Ripper ist allerdings der mit Abstand professionellste und teuerste Film dieser Kooperation gewesen. Gedreht wurde allerdings nicht in London, sondern aufgrund des Budgets in Zürich, das ein ganz passables Ersatz-London abgibt. Nur die angebliche Themse funktioniert nicht so wirklich als Themse... Das Haus, in dem größtenteils gedreht wurde, war zur damaligen Zeit ein beliebter Aufenthaltsort für Landstreicher gewesen, bis Dietrichs Produktionsfirma das Gebäude übernahm und dort für mehrere Jahre ein Filmstudio betrieb. Die Kamera führte Peter Baumgärtner, der schon lange mit Dietrich zusammengearbeitet hatt und mit ihm zusammen den Ascot Filmverleich sowie ein Synchronisationsstudio betrieb. In einer klitzekleinen Rolle als Ballettpianist ist Walter Baumgärtner zu sehen, der nicht nur den Filmsoundtrack schrieb, sondern auch Peter Baumgärtners Onkel war.

Jack the Ripper - ScreenshotJack the Ripper - Screenshot

Jack the Ripper stellt den Auftakt der offiziellen "Jess Franco Collection" des Schweizer Labels VIP dar. Erwin C. Dietrich ist persönlich bei den Releases dieser Reihe involviert, was auf einen gewissen Qualitätsstandard an den Film selber und dem mitgelieferten Bonusmaterial erhoffen lässt. Und der Fan wird wahrlich nicht enttäuscht. Es ist erstaunlich, mit welcher Klarheit, Farbenpracht und Stabilität der Film auf DVD transferiert wurde. Das Bild im anamorphen 1.85:1 Format ist fast frei von Störungen, Flecken, Drop-Outs oder Linien, wie man sie häufig bei schlecht gelagerten B-Movies älteren Semesters beobachten kann. Außerdem wurden die früher aus Altersfreigabegründen absichtlich abgedunkelten Szenen wieder auf ihren urspünglichen Helligkeitslevel gebracht, so dass dem Zuschauer nichts mehr entgeht. Wenn alle weiteren Veröffentlichungen dieser Collection diese Qualität halten, dann hat man als Fan europäischer Exploitation Filme demnächst eine wahre Prachtsammlung in seinem Regal stehen.

Der Ton ist in seinem Originalformat belassen worden, hat also keine neue Dolby Digital 5.1 Abmischung erfahren. Allerdings bietet dieser Film auch nicht gerade die Möglichkeiten für umfangreichere Surroundeffekte, so dass der Aufwand einer Neuabmischung eh fragwürdig wäre. Der Film hat an sich keinen Originalton, denn er wurde erst später im Studio synchronisiert. Der deutsche Ton wird aber als der Originalton angesehen, da es die erste fertige Sprachfassung war. Neben den vier Sprachen gibt es dann noch einen Audiokommentar, gesprochen von Produzent Erwin C. Dietrich. Dieser Kommentar ist trotz des schweizerischen Akzents von Dietrich gut verständlich. Dietrich erzählt so einiges an Anekdoten über die Dreharbeiten und den Leuten vor und hinter der Kamera und durchaus auch einiges, was vielleicht nicht allgemein bekannt war. Ein recht interessanter Kommentar der Wissenswertes vermittelt ohne dabei langweilig zu sein. So wünscht man sich das.

Jack the Ripper - ScreenshotJack the Ripper - Screenshot

Das Bonusmaterial geht dann weiter mit einer Behind-the-Scenes Dokumentation, wo Erwin C. Dietrich auch wieder zu Worte kommt. Zwar gibt es einige kleinere Wiederholungen zum Audiokommentar, aber insgesamt werden hier ein paar Aspekte beleuchtet, die im Kommentar zu kurz kamen. Ein wenig negativ fällt auf, dass hier die Jess Franco Collection für meinen Geschmack ein bißchen zu sehr beworben wird, aber das ist entschuldbar, da es noch genug andere Infos gibt. Die kleine Doku über die Restaurations des Films für diese DVD ist dagegen sehr beeindruckend. Unglaublich, was die Leute in dem Studio aus dem mehr als verschlissenen Ursprungsmaterial noch herausgeholt haben. Diese Doku ist gleich doppelt interessant, weil man die Hintergründe einer Restauration und DVD-Produktion viel zu selten zu sehen bekommt. Dann gibt es noch eine nur Sekunden lange Deleted Scenes von den damaligen Super-8-Versionen des Films, die nur eine etwas längere Einstellung von Lina Romays brutalem Tod zeigt. Die DVD schließt dann mit den üblichen Materialien wie Biographien von Kinski, Franco und Dietrich, dem Trailer, einer Fotogallerie und Kurzinfos über den wahren Ripper-Fall ab. Überraschenderweise sind die Dialoge im Trailer teilweise völlig anders als im fertigen Film und wirken reißerischer und billiger. Auch sind manche Szenen anders als man sie in Erinnerung hat. Der Film wird im Laufe des Jahres auch in den Staaten über Image Entertainment auf DVD veröffentlicht.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 02.02.2003
Letzte Textänderung: 23.08.2006

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