Film Daten

Titel:
Die Nonne von Verona
Originaltitel:
Le Monache di Sant'Arcangelo
Land & Jahr:
Frankreich / Italien 1973
Laufzeit ca.: ?
97 Min.
Regie:
Domenico Paolella
Darsteller:
Anne Heywood
Luc Meranda
Ornella Muti
Martine Brochard
Muriel Catalá
Claudia Gravy
Maria Cumani Quasimodo
Pier Paolo Capponi
Claudio Gora
Duilio Del Prete
Alternativtitel:
• Innocents from Hell
• Les Religieuses du Saint Archange
• Sisters of Satan
• The Nun and the Devil
• The Nuns of Saint Archangel
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - X-Rated
Label:
X-Rated
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 / k.A.
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 1.0
Englisch - DD 1.0
Italienisch - DD 1.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Italienischer Originalanfang
  • Fotogalerie
  • Deleted Scene
  • Kinotrailer
  • Kurz-Spot
  • Trailer: Der Nonnenspiegel

Die Nonne von Verona

Review

Die Nonne von Verona - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Das Jahr 1577: In dem Kloster Sankt Angelo stirbt die bisherige Mutter Oberin nach einer langen Krankheit. Das die anderen Nonnen sich nicht nur an christliche Leitmotive halten, sondern durchaus auch an weltlichen Positionen interessiert sind, zeigt die anschließende Intrigenschlacht um die Nachfolge. Da ist Mutter Lavinia (Maria Cumani Quasimodo), die ihres Alters wegens die nächste wäre. Aber auch Mutter Julia (Anne Haywood) und Mutter Carmela (Claudia Gravy), beide entstammen aus Adelsfamilien, streben nach der Führungsposition. Carmela wird von dem Vikan Carafa (Luc Merenda) unterstützt, allerdings unterhält sie eine Liebesbeziehung zu dem Mann Piedro (Duilio Del Prete), was ihr zum Verhängnis wird.

Die Nonne von Verona - ScreenshotDie Nonne von Verona - Screenshot

Mutter Julia kann auf die Hilfe des Baron Don Carlos (Pier Paolo Capponi) rechnen, dem dafür in der neuen Welt Goldminen zugesprochen werden. Der begehrt aber auch Julias Nichte Isabella (Ornella Muti), die ins Kloster geschickt wurde, weil sie sich heimlich verlobt hat. Julia willigt nur ungerne ein, aber durch den Skandal um Mutter Carmela und der trickreichen, aber nicht tödlichen Vergiftung an Mutter Lavinia, die dadurch schwer erkrankt, wird sie als neue Mutter Oberin ernannt. Schwierigkeiten bereitet aber ihre bisherige Liebhaberin Mutter Chiara, die sich von Julia vernachlässigt fühlt. Julia hingegen empfindet mittlerweile mehr für die Novizin Agnes (Muriel Catalá). Aber durch anonyme Briefe wird Carafa auf die sündigen Begebenheiten auf dem Kloster aufmerksam und läßt zusammen mit dem Erzbischof ein kirchliches Gericht einberufen, das die Aussagen auch durch Folter erzwingt...

Eins vorweg: wer sich von Die Nonne von Verona einen derben Nunsploitation-Streifen mit viel Sex und Folter erwartet, sollte seine Erwartungen erstmal runterschrauben. Vielmehr hat Regisseur Paolella eine Art Drama mit politischen Hintergründen geschaffen, dass durch erotische Szenen entsprechend angereichert wird. Die Folterszenen kommen erst gegen Ende des Films, sind recht kurz und wurden zudem dunkel gefilmt. Einen hohen Exploitationfaktor wie Francos Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne oder Flavia besitzt dieser Film also nicht.

Die Nonne von Verona - ScreenshotDie Nonne von Verona - Screenshot

Das Kloster von Sankt Angelo funktioniert hier wie ein separater Mikrokosmos mit eigenen Regeln und Gebräuchen. Eigentlich weiß jede der Nonnen, das dort nicht alles nach den strengen Regeln der Kirche vor sich geht. Aber zum Schutze der Gemeinschaft wird darüber geschwiegen, es sei denn, man erhofft sich einen persönlichen Vorteil. Die Außenwelt erfährt schließlich nur durch die anonymen Briefe, was dort vor sich geht. Ansonsten ist es immer nur ein schmales, vergittertes Fenster, durch das Besucher zu den Frauen sprechen können, wenn sie selber nicht in einer kirchlichen Position stehen.

Zitat

Wenn unsere Seele von uns geht, opfern wir freudig das schwache Fleisch! - Lebensphilosophien im Kloster

Dabei unterliegen die Frauen auch höchst menschlichen Zwängen und Bedürfnissen. Isabella wird gegen ihren Willen dorthin gebracht. Das sie zu Don Carlos geschickt wird, nutzt sie für ein Treffen mit ihrem Liebsten. Chiara verzweifelt an der Liebe, die ihr Julia entzieht. Denn die interessiert sich für eine andere Frau. Chiara zerbricht daran und fühlt sich ihrer Aufgabe als Ordensschwester nicht mehr gewachsen. Sie geißelt sich selber durch körperliche Strafen, indem sie z. B. in Glasscherben kniet oder sich die Stacheln von Rosen in die Hände drückt. Sie wird zunehmens depressiv und labil.

Die Nonne von Verona - ScreenshotDie Nonne von Verona - Screenshot

Das ganze Treiben in und um das Kloster wurde recht gut von Kameramann Giuseppe Ruzzolini eingefangen. Vor allem die mächtigen Hallen der Ordenshäuser geben eine gute Kulisse ab und wurden mit einigen Lichtspielereien aufgewertet. Teilweise wurde der Film auch sparsam mit etwas surreal anmutenden Szenen gewürzt, die dem Film neben der Dramahandlung noch einen künsterlischen Touch geben. Während das Klosterleben in eher dunklen Farben eingefangen wird, dominiert bei allen Szenen, die mit den Oberen der Kirche zu tun haben, ein kräftiges Rot. Ganz so, als wollte man mit der Kirche die Farbe des Blutes assoziieren. Die Nonne von Verona ist sicherlich kein allzu spannender Film. Sleazefans werden ihn wohl wegen ihrer eigenen Erwartungshaltung als langweilig empfinden. Innerhalb des Nonnenfilmgenres ist er aber sicherlich ein interessanter Vertreter, geht er doch schließlich nicht ganz so plakativ vor wie so manch andere Streifen.

Zitat

Ausschweifende Gewohnheiten, die das Klosterleben durch die Geißel der Wollust und Unmoral besudelt haben, den Orden der keuschen Dienerin Gottes entweiht und in einen wahren Sündenpfuhl verwandelt haben! - Fazit des Vikan

Die Nonne von Verona ist der erste von zwei Nonnenfilmen, die Regisseur Domenico Paolella direkt hintereinander drehte. Danach folgte mit Storia di una monaca di clausura (Der Nonnenspiegel) der zweite Ausflug in dieses Genre, der ebenfalls mehr ein mit den Elementen der Nunsploitation angereichertes Drama darstellt. Der 1918 geborene und 2002 gestorbene Regisseur und Drehbuchautor drehte einige Sandalen- und Abenteuerfilme, darunter auch ein paar Maciste Streifen. Mit Odio per odio (Hate for Hate) und Execution (Django - die Bibel ist kein Kartenspiel) lieferte er auch seine Beiträge für den Italo-Western.

Die Nonne von Verona - ScreenshotDie Nonne von Verona - Screenshot

Anne Haywood, die mit bürgerlichen Namen Violet Pretty heißt (ja, wirklich!), wurde 1949 als Miss Großbritannien bekannt. Sie wirkte größtenteils in europäischen Produktionen mit und hatte 1969 in La Monaca di Monza (Die Nonne von Monza) bereits einen Ausflug ins Nonnengenre unternommen. Das ehemalige Playmate Ornella Muti dürfte aus dem Mainstream-Trash Flash Gordon bekannt sein. Zuletzt sah man sie im deutschen Fernsehen in der Mini-Serie Le Comte de Monte Cristo (Der Graf von Monte Christo) an der Seite von Gérard Depardieu. Luc Merenda musste sich in Torso gegen einen sägeschwingenden Serienmörder wehren und in einem weiteren Giallo, Milano trema - la polizia vuole giustizia (Violent Professionals) hatte er die Hauptrolle als Kommissar. Martine Brochard blieb Paolella treu und taucht in Storia di una monaca di clausura (Der Nonnenspiegel) in einer kleinen Rolle wieder auf. Daneben glänzte sie auch in Umberto Lenzis Gatti rossi in un labirinto di vetro (Labyrinth des Schreckens), hielt in Mannaja den blanken Rücken für die Peitsche hin und stand für Riccardo Freda in L' Ossessione che uccide (Delirium) vor der Kamera.

Der Film ist in Deutschland von dem Label X-Rated herausgebracht worden, als erster Film der "Nunploitation"-Reihe des Labels. Zwar gibt es keinen anamorphen Transfer, aber dafür ist der Film überraschend arm an Beschädigungen und anderen Defekten, die sonst bei unbekannteren Filmen dieses Alter auffallen. Auch lassen sich keine Bewegungsunschärfen feststellen. Dafür mangelt es dem Bild etwas an Schärfe und Kontrast. Die Farbsättigung könnte vielleicht auch minimal besser sein, wenn man mal von den Rot-Werten absieht. An Tonformaten gibt es neben der deutschen und englischen Synchro auch den italienischen Ton, aber mangels Untertitel ist man doch eher dazu gezwungen sich den Film mit einer der Synchronisationen anzuschauen. Die deutschen und englischen Dialoge sind gut verständlich, während der italienische Ton etwas dumpf klingt.

Die Nonne von Verona - ScreenshotDie Nonne von Verona - Screenshot

Das Bonusmaterial bietet den Kinotrailer sowie einen Kurz-Trailer. Dann gibt es dort die italienischen Originalanfangssequenz. Die ist der deutschen recht ähnlich, allerdings unterscheidet sie sich vor allem durch eine andere Farbgebung. Die Bildergalerie bietet ein paar Abbildungen von Covermotiven und der Trailer zu Paolellas zweitem Nonnenfilm Der Nonnenspiegel ist hier auch zu finden. Die 1-minütige entfernte Szene mutet etwas seltsam an, da kein bekanntes Gesicht aus dem Hauptfilm dort zu sehen ist und irgendwie so wirkt, als wäre sie mal separat aufgenommen worden mit dem Zweck den Film mit etwas mehr nacktem Fleisch anzureichern. Der Mitwirkung Anne Heywoods ist es auch wohl zu verdanken, dass das X-Rated Cover seltsamerweise größtenteils das Motiv ziert, das sonst von dem Film Die Nonne von Monza bekannt war, wo sie ebenfalls mitspielte.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 04.05.2003
Letzte Textänderung: 07.08.2006

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