Film Daten

Titel:
Der Nonnenspiegel
Originaltitel:
Storia di una monaca di clausura
Land & Jahr:
Italien/Frankreich/Deutschland 1973
Laufzeit ca.: ?
91 Min.
Regie:
Domenico Paolella
Darsteller:
Catherine Spaak
Suzy Kendall
Eleonora Giorgi
Martine Brochard
Umberto Orsini
Konrad Georg
Ann Odessa
Antonio Falsi
Tino Carraro
Isabelle Marchall
Caterina Boratto
Guiliana Calandra
Clara Colosimo
Rina Franchetti
Luigi Antonio Guerra
Alternativtitel:
• Story of a Cloistered Nun
• The Diary of a Cloistered Nun
• Une historie du 17. siècle
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - X-Rated
Label:
X-Rated
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 / k.A.
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 1.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Trailer: Die Nonne von Verona
  • Trailer: Flavia - Leidensweg einer Nonne

Der Nonnenspiegel

Review

Der Nonnenspiegel - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Im Jahre 1624 werden die Kinder zweier mächtiger Familien schon im Krabbelalter einander versprochen, damit die Imperien beider Familien zu einem noch größeren zusammenwachsen können. 17 Jahre später denkt die fast erwachsene Carmilla (Eleonora Giorgi) gar nicht daran, den ihr zugesprochenen Mann zu heiraten. Sie ist verliebt in Giuliano und lehnt die Heirat ab. Zur Strafe steckt sie ihr Vater in ein Kloster, damit die familiäre Schande nicht ganz so hoch ausfällt. In dem Kloster muss sie zuerst einige Qualen erleiden, bis sie in das normale Leben der Schwestern eingeführt wird. Schon bald findet sie sich zwischen den Fronten von Schwester Elisabetha (Catherine Spaak) und der Mutter Oberin (Suzy Kendall) wieder, die beide um Carmillas Zuneigung buhlen.

Der Nonnenspiegel - ScreenshotDer Nonnenspiegel - Screenshot

Während die Mutter Oberin versucht für Carmilla sowas wie ein Mutterersatz zu sein, lockt Elisabetha sie mit weltlichen Vergnügungen und verhilft ihr zu einem Treffen mit Giuliano. Obwohl Elisabetha selber des öfteren nachts Besuch von anderen Schwestern erhält und sich mit einem heimlichen Liebhaber trifft, begehrt sie trotzdem Carmilla. Die aber verweigert sich Elisabetha, die daraufhin über ihren Liebhaber dem Vater mitteilen lässt, dass sich Carmilla immer noch mit Giuliano trifft. Der wird überfallen und bei dem Gerangel ermordet. Als Carmilla dies entdeckt dreht sie durch. Erschwert wird das klösterliche Leben dann noch von der Tatsache, dass Carmilla schwanger geworden ist...

Nach Die Nonne von Verona ist dies der zweite Film von Domenico Paolella, der im Bereich des Nunploitation-Genres spielt. Auch hier hat man es nicht mit einem reinrassigen reißerischen Vertreter des Genres zu tun, sondern ebenfalls eine als mittelalterliches Drama ausgelegte Geschichte, die sich einiger Elemente dieser Filmgattung bedient. Wer einen derben und trashigen Nonnenschocker erwartet, ist mit anderen Filmen sicherlich besser bedient. Im Gegensatz zu Die Nonne von Verona sind die persönlichen Motivationen der einzelnen Personen gänzlich anders. Dort basierten die ganzen Geschehnissen auf politischen Entscheidungen, es ging um Machtverschiebungen und das persönliche Streben nach höheren Positionen. In diesem Film sind es die Gelüste der einzelnen Personen, die ihre Handlungen lenken.

Der Nonnenspiegel - ScreenshotDer Nonnenspiegel - Screenshot

Das einzige gemeinsame Element beider Filme ist ein Mädchen, das zum Klosterleben verdammt wird, weil es einen ihr nicht zugedachten Mann liebt. Carmilla denkt nur daran, ihn vielleicht irgendwann wiederzusehen und möglichst auch aus dem Kloster flüchten zu können. Stattdessen sieht sie sich mit den Annäherungen von Elisabetha und der Mutter Oberin konfrontiert. Für Elisabetha ist sie eine weitere begehrenswerte Person und die Mutter Oberin möchte eine Art Mutterersatz für sie sein. Die Oberin fühlt sich sehr einsam inmitten der anderen Nonnen und versucht wenigstens bei Carmilla ein wenig Nähe zu finden. Carmilla lehnt beides ab und verschlechtert damit zunächst ihre Lage. Erst ihre Schwangerschaft und die damit ausgelöste Untersuchung durch den Erzbischof bringen die Nonnen zu einer Gemeinschaft zusammen, die sich für Carmilla einsetzt und verhindert, dass sie aus dem Kloster abgeführt wird. Stattdessen geben sich alle als die Mutter des Kindes aus (irgendwie fühlte ich mich während dieser Szene an Das Leben des Brian erinnert: Ich bin Brian... und ich bin auch Brian...). Zum Schluß verhelfen sie ihr noch zur Flucht, während die Nonnen das Urteil des Erzbischofs fürchten mussen.

Insgesamt hat mir Die Nonne von Verona ein wenig besser gefallen, da dort die Story kompakter und atmosphärisch dichter erzählt wird. Der Nonnenspiegel wirkt teilweise etwas unausgereift und episodenhaft, was sich sicherlich durch den größeren Zeitraum erklärt, in dem sich die Handlung abspielt. Die schauspielerischen Leistungen sind in Ordnung, wenn auch keine Schauspielerin besonders heraussticht. Wodurch der Film aber wieder zu gefallen weiß ist die ausgereifte Fotographie und die netten Kulissen. Geschickt wurde auch das Licht eingesetzt um etwas stimmungsvollere Sets zu kreieren oder um etwas deutlicher in den Vordergrund zu rücken.

Der Nonnenspiegel - ScreenshotDer Nonnenspiegel - Screenshot

Zu Domenico Paolella habe ich ja schon ein wenig in dem Review von Die Nonne von Verona geschrieben. Anmerken sollte man hier vielleicht noch, dass er hier an dem Drehbuch ebenfalls mitgewirkt hat. An der Kamera unterstützte ihn hier Armando Nannuzzi, der neben etlichen europäischen Filmen wie Il Mio nome è Nessuno (Mein Name ist Nobody) oder Cage aux folles (Ein Käfig voller Narren) auch bei amerikanischen Produktionen wie Maximum Overdrive (Rhea M. - Es begann ohne Warnung) oder Silver Bullet (Der Werwolf von Tarker Mills) beteiligt war. Catherine Spaak tauchte nach einigen Rollen in diversen Dramen in Argentos 2. Giallo Il Gatto a nove code (Cat O'Nine Tails, Die neunschwänzige Katze) auf und einige Jahre darauf an der Seite von Lee Van Cleef in Antonio Margheritis Italo-Western Take a Hard Ride (Tote brauchen keine Dollars). Suzy Kendall dürfte dem Giallo-Fan ebenfalls bekannt sein aus Sergio Martinos I Corpi presentano tracce di violenza carnale (Torso). Sie stand ebenfalls für Dario Argento vor der Kamera, in seinem Debüt L' Uccello dalle piume di cristallo (The Bird with the Crystal Plumage, Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe). Und die dritte Hauptdarstellerin, Eleonora Giorgi, hatte ebenfalls mit Argento zu tun in seinem Mystery-Thriller Inferno.

Die Bildqualität der DVD von X-Rated kann man mit der von Die Nonne von Verona vergleichen. Allerdings sind hier vermehrt Beschädigungen und Schmutz vom Ursprungsmaterial zu erkennen. Besonders ärgerlich sind die öfter vorkommenden Framedrops, die man an Bild und Ton deutlich bemerkt. Da wurden anscheinend schon in der Vorlage einige Frames entfernt oder sind zu stark beschädigt gewesen. Eine anamorphe Abtastung wurde dem Film genau wie Die Nonne von Verona nicht spendiert. Außerdem macht sich bei näherer Betrachtung auch eine gewisse Bewegungsunschärfe bemerkbar. An Tonformaten gibt es nur die deutsche Synchronisation im Monoton. Die Dialoge sind gut verständlich und ein störendes Rauschen macht sich auch nicht bemerkbar. Durch die erwähnten Framedrops sind allerdings auch manchmal ein paar Haker im Ton zu hören.

Der Nonnenspiegel - ScreenshotDer Nonnenspiegel - Screenshot

Das Bonusmaterial ist nicht gerade sehr umfangreich, aber das kann man bei recht unbekannten Filmen wie diesem auch kaum anders erwarten. Neben dem alten deutschen Kinotrailer gibt es eine kurze selbstlaufende Bildergalerie, die größtenteils nur Covermotive und ein paar Szenenfotos zeigt. Daneben gibt es dann noch die Trailer zu den anderen beiden Filmen, die in der "Nunploitation" Reihe von X-Rated erschienen sind: der hier schon besprochene Die Nonne von Verona und der im Trailer extrem reißerisch angekündigte Flavia - Leidensweg einer Nonne von Flavio Mingozzi.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 04.05.2003

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann