Film Daten

Titel:
Blue Sunshine
Originaltitel:
Blue Sunshine
Land & Jahr:
USA 1976
Laufzeit ca.: ?
95 Min.
Regie:
Jeff Lieberman
Darsteller:
Zalman King
Deborah Winters
Mark Goddard
Robert Walden
Charles Siebert
Ann Cooper
Ray Young
Alice Ghostley
Stefan Gierasch
Richard Crystal
Bill Adler
Barbara Quinn
Adriana Shaw
Bill Sorrells
Jeffrey Druce
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Synapse Films
Label:
Synapse Films
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
1.78:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 1.0
Englisch - DD 5.1
Untertitel:
-
Extras:
  • Audiokommentar von Jeff Lieberman
  • Interview "Lieberman on Lieberman"
  • Kurzfilm "The Ringer"
  • Fotogalerie
  • Trailer
  • Restaurationsvergleich
  • DVD-Credits
  • Soundtrack-CD
  • Booklet mit Liner Notes

Blue Sunshine

Review

Blue Sunshine - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Jerry Zipkins (Zalman King) alter Freund Frankie (Richard Crystal) dreht auf einer Party plötzlich durch, als entdeckt wird, dass ihm alle Haare ausgefallen sind. Er flüchtet und die meisten Partygäste fahren in die Stadt. Er kehrt aber zurück und bringt drei Frauen um. Jerry kommt zu spät um die Tat noch verhindern zu können und wird ebenfalls angegriffen. Auf der Flucht vor Frankie gerät dieser vor einen LKW. In Panik haut Jerry ab und wird fortan als Hauptverdächtiger der Morde gesucht. Seine Freundin Alicia hilft ihm herauszufinden, was mit Frankie passiert ist. Aus einem Zeitungsartikel erfährt er, dass ein weiterer Mann, ein Polizist, seine Familie und anschließend sich selber umgebracht hat. Auch ihm waren alle Haare ausgefallen.

Blue Sunshine - ScreenshotBlue Sunshine - Screenshot

In Frankies Fotostudio entdeckt Jerry ein Foto von Ed Flemming (Mark Goddard), unter dem die Worte "Blue Sunshine" stehen. Ed Flemming kandidiert gerade für das Gouverneursamt und ist von Jerrys Fragen über Blue Sunshine wenig angetan. Im Gespräch mit Flemmings rechter Hand, Wayne Mulligan (Ray Young), erfährt Alicia immerhin, dass alle die Stanfort University besucht haben. Jerry wendet sich an seinen Freund und Arzt David (Robert Walden), der ebenfalls die Universität besucht hat. Über ihn findet er heraus, dass Flemming damals als kleiner Drogendealer mit LSD gehandelt hat. Darunter auch eine Sorte namens Blue Sunshine. Unklar ist nun, wieviele und wer damals die Drogen genommen hat, denn scheinbar wirkt die Droge nach 10 Jahren wie eine Zeitbombe. Immer noch gejagt von der Polizei versucht Jerry nun das zu beweisen..

Blue Sunshine ist ein etwas ungewöhnlicher Thriller. Die Täter sind mal nicht irgendwelche Maniacs, sondern normale Personen, die in ihrer Jugend ein paarmal das falsche Zeug geschluckt haben (das Gesundheitsministerium hätte sicherlich seine helle Freude an dem Film...). Nach ca. 10 Jahren fallen ihnen alle Haare aus, sie werden sehr lärmempfindlich und gelangen, meist durch äußerliche Einflüsse ausgelöst, an einen Punkt, ab dem sie nicht mehr sie selbst sind, sondern eine Bedrohung für ihre Umwelt darstellen. Sie erkennen nicht mal mehr Freunde und Familienmitglieder, sondern haben nur noch den Drang zu töten. In diesen Strudel von irrationaler Gewalt gerät ein Mann, der seine Unschuld zu beweisen hat und gleichzeitig auch die wahren Hintergründe aufdecken muss.

Blue Sunshine - ScreenshotBlue Sunshine - Screenshot

Man sieht es dem Film deutlich an, dass er unter einem niedrigen Budget entstanden ist. Aber dennoch kann er ein paar Spannungsmomente bieten, auch wenn er über die ganze Laufzeit dann doch nicht komplett zu begeistern vermag. Die Idee mit dem Haarverlust und anschließender mordlüsterner Raserei ist recht gut, denn dadurch werden dem Zuschauer ein paar nette Schauermomente beschert. Trotz des Hintergrunds mit den Drogen ist es dennoch kein Film, der den Zeigefinger erhebt und "Drogen sind böse böse böse" predigt. Im Gegenteil, die Thematik ist vielmehr mittel zum Zweck um die ungeheuerlichen Ereignisse zu erklären. Allein dadurch ist der Film innerhalb des Slasher/Horror/Thriller Genres ungewöhnlich. Soweit ich weiß, ist das einer der ganz wenigen Filme, die eine Droge direkt für brutale Taten verantwortlich machen.

Ich persönlich fand den Film allerdings etwas unausgereift. Jerry kann man nur schwer als Identifikationsfigur akzeptieren, denn er selber scheint auch ein paar psychische Probleme zu haben. Im Haus des Polizisten erlebt er den Mord an der Familie als Vision nochmal und später sieht er Frankie ebenfalls in einer kurzen Vision. Das Flemming früher als Drogendealer arbeitete bekommt er zu schnell und zu einfach heraus und bei Flemmings Ex-Frau Wendy (Ann Cooper) stellt er seine Fragen sehr ungeschickt. Ihm fehlt es einfach an den nötigen Sympathiepunkten, um mit ihm mitzuzittern, ob er die Sache klären kann. Kleine Seitenhiebe auf die Gesellschaft gibt es in der Form, dass alle die wegen der Droge druchdrehen oder damit zu tun hatten, mittlerweile angesehene Personen sind. Ein angehender Politiker als Dealer, ein Chefarzt als Drogenverteiler, ein Fotograf, eine Babysitterin und der Gehilfe des Politikers als Konsumenten. Also nicht die typischen Junkiecharaktere, wie sie sonst gerne dargestellt werden. Trotzdem verschenkt Regisseur Lieberman leider einiges an Potential. Sein Werk hat durchaus einige interessante Seiten, kann aber dann letztendlich doch nicht überzeugen.

Blue Sunshine - ScreenshotBlue Sunshine - Screenshot

Der Film gilt zumindestens in den USA als ein kleiner Kultklassiker, was ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Das hat denke ich weniger mit dem Film an sich zu tun, sondern mehr mit der Thematik und das der Film jahrelang nur sehr schwer zu kriegen war. Der Streifen ist nicht sonderlich hart, auch in den Mordszenen nicht, und könnte bedenkenlos im normalen Fernsehprogramm laufen. Die wirklich brutalen Gewalttaten passieren alle Off-Screen, allerdings ist das akkustische Nacherleben des Familienmordes recht bedrückend inszeniert worden. Die spannendste Szene liegt ungefähr in der Mitte des Filmes, als zwei Kinder von einer ehemaligen Drogenkonsumentin mit einem großen Messer gejagt werden. Nach dieser Szenen schnappten sich übrigens die Eltern ihre beiden Kids, verschwanden vom Set und kehrten nie wieder. Gedreht wurde innerhalb von 5 Wochen in und um Los Angeles, an den Originalschauplätzen. So wurden z.B. die Krankehausszenen in einem richtigen Krankenhaus gedreht.

Ursprünglich war für den Film ein Budget von 3,5 Millionen Dollar geplant. Aber aufgrund des Todes seines Vaters wollte Lieberman unbedingt sofort mit den Arbeiten beginnen, um sich abzulenken. Die Produzenten konnten ihm da nur eine halbe Million bieten, was er trotzdem annahm und das Skript rapide runterkürzte. Das urpsüngliche Drehbuch erhielt noch Flashbacksequenzen, die 10 Jahre früher zu dem College führen sollten, in dem alle Hauptcharaktere des Films nochmal als Hippies zu sehen sind. Bei seiner Aufführung in Cannes erntete der Film gute Kritiken, aber durch einen unfähigen Vertrieb konnte der Film kaum in den amerikanischen Kinos gezeigt werden.

Blue Sunshine - ScreenshotBlue Sunshine - Screenshot

Zu Jeff Lieberman gibt es nicht viel zu erzählen. Der in Brooklyn/New York geborene Regisseure drehte vor Blue Sunhine den Wurmschocker Squirm (Squirm - Invasion der Bestien), ein Eintrag im Bereich der "die Natur schlägt zurück" Streifen der 70er Jahre. Als Drehbuchschreiber war er an The Neverending Story III (Unendliche Geschichte III - Die Rettung aus Phantasien) beteiligt. Hauptdarsteller Zalman King trat sonst weniger als Schauspieler in Erscheinung, was bei seiner Leistung in diesem Film nicht wirklich verwundert, sondern mehr als Produzent, Drehbuchschreiber oder Regisseur für banale Erotikware wie Nine 1/2 Weeks (9 1/2 Wochen), Wild Orchid (Wilde Orchidee) oder die US-Erotik-Serie Red Shoe Diaries. Die anderen Schauspieler agieren halbwegs passabel und waren sonst größtenteils in US-TV-Serien zu sehen.

In direkter Zusammenarbeit mit Jeff Lieberman hat Synapse Films den Film in den USA in einer dicken Special Edition Version auf DVD herausgebracht. Da das Originalnegativ als verschollen gilt, wurde der DVD-Transfer von einer 35mm Kinokopie gezogen. Die Bildqualität ist trotzdem sehr zufriedenstellend. Der Film wurde aufwendig restauriert, Defekte und Materialschäden sind kaum noch auszumachen. Allerdings hat das Bild eine gewisse Körnung, das kann aber mit dem Material zusammenhängen, auf dem der Film gedreht wurde. Der Kontrast ist okay, ein wenig mehr Schärfe hätte es vielleicht noch sein dürfen. Neben dem original Monoton gibt es auch einen neu abgemischten Dolby Digital 5.1 Sound.

Blue Sunshine - ScreenshotBlue Sunshine - Screenshot

Am Bonusmaterial gibt es auch nicht viel zu meckern. Der Audiokommentar von Jeff Lieberman, begleitet von einem Moderator ist stellenweise vielleicht etwas trocken, aber Lieberman hat noch gute Erinnerungen an die Dreharbeiten und kann die ganze Lauflänge über eine Menge an Informationen vermitteln. So erfährt man z.B., dass der Polizist zu Beginn eigentlich für den ganzen Film engagiert war, konnte allerdings aufgrund einer Verletzung nicht mehr als die Anfangsszene machen. Daraufhin wurde eine Szene eingefügt, die Charles Siebert als weiter ermittelnden Cop einführt. Als weitere nette Info erweist sich der Fakt, dass zuerst Jeff Goldblum als Jerrys Kumpel David Blume angedacht war. "Lieberman on Lieberman" ist eine halbstündige Interviewaufnahme, in der Lieberman mehr über seinen persönlichen Background erzählt und wie er zum Film und Film drehen gekommen ist. Dabei kommen auch weitere Details zu seinem Debüt Squirm, Blue Sunshine und Probleme mit Vertrieben und Produzenten nicht zu kurz. Außerdem offenbart er eine besondere Verbindung zu den Star Wars Filmen.

Den fast 20-minütigen Kurzfilm The Ringer drehte Lieberman 1971 im Alter von 21 Jahren. Hierbei handelt es sich teils um einen Anti-Drogen-Film und teils um einen ironsichen Blick auf die Kommerzialisierung von jugendlichen Objekten. Ein dämlicher Nasenring, eine durchschnittliche Rockband und eine neue Sorte von Drogen werden so vermarktet, dass die Kids voll drauf abfahren und dabei gar nicht bemerken, wie durchkalkuliert das alles ist. Dazu kann man sich optional einen Kommentar von Lieberman anhören, der ein paar Hintergrundinfos und Anekdoten dazu erzählt. Die Fotogalerie zeigt sehr einige Aufnahmen von den Dreharbeiten und Szenenfotos. Abgeschlossen wird der Bonusbereich von dem Kinotrailer, der den Film recht passend trifft und gegen Ende einen interessanten elektronischen Score spielt, der im fertigen Film nicht zu hören ist. Dann gibt es noch einen Restaurationsvergleich zwischen der Vorlage und dem bereinigten DVD-Bild, Special Thanks, DVD-Credits und ein Booklet mit Liner Notes. Als weiteren Bonus gibt es dann noch den kompletten und vorher noch nie veröffentlichten Soundtrack auf einer Audio-CD.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 18.05.2003

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