Film Daten

Titel:
Flavia the Heretic
Originaltitel:
Flavia, la monaca musulmana
Land & Jahr:
Italien / Frankreich 1974
PAL-Laufzeit:
96:04
NTSC-Laufzeit:
101:04
Regie:
Gianfranco Mingozzi
Darsteller:
Florinda Bolkan
Mariá Casares
Claudio Cassinelli
Anthony Higgins
Spiros Focás
Diego Michelotti
Raika Juri
Jill Pratt
Franca Grey
Laura De Marchi
Eduardo Filipone
Ciro Ippolito
Carla Mancini
Luigi Antonio Guerra
Giuseppe Pertile
Alternativtitel:
• Castigata - Die Gezüchtigte
• Flavia - Leidensweg einer Nonne
• Nonne und der Freibeuter, Die
• Nonnen bis aufs Blut gequält
• Flavia
• Flavia la défroquée
• Flavia the Rebel Nun
• Flavia, Priestess of Violence
• Heretic, The
• Muslim Nun, The
• Rebel Nun, The
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - X-Rated
Label:
X-Rated
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.78:1 / 96:04
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 1.0
Englisch - DD 1.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Entfernte Szene
  • Deutscher Originalanfang
  • Italienisches Originalende
  • Anfangsszene ohne Credits
  • Trailer: Die Nonne von Verona
  • Trailer: Der Nonnenspiegel
  • Bonus-DVD mit dem kompletten Soundtrack

DVD Daten

DVD Cover - Synapse Films
Label:
Synapse Films
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
1.78:1 (anamorph) / 101:04
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 1.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Interview mit Florinda Bolkan
  • Bildergalerie
  • Booklet mit Liner Notes

Flavia the Heretic

Review

Flavia the Heretic - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

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Flavia (Florinda Bolkan) wird als 16-jährige von ihrem strengen Vater gegen ihren Willen in ein Kloster gesteckt. Dort wird sie als Nonne ausgebildet. Ihr Leben gerät außer Kontrolle, als Anhänger eines Kultes in das Kloster strömen, dort für Chaos und Aufruhr sorgen und sich in Extase winden. Sie bemerkt die sexuelle Kraft dieser Leute und eine weitere Nonne, Livia (Raika Juri), gibt sich dem Treiben vollends hin. Nachdem die Sektenmitglieder endlich rausgeschmissen werden konnten, wird Livia aus dem Kloster verwiesen und in die nächste Stadt gebracht, wo sie einer harten Folter im Auftrag von Flavias Vater unterzogen wird.

Flavia the Heretic - ScreenshotFlavia the Heretic - Screenshot

Am gleichen Tag wird Flavia noch Zeuge, wie ein neuer Herzog einfach so über eine Bauernfrau herfällt und sie vergewaltigt. Flavia erkennt, dass sie in einer vollständig von Männern dominierten Welt lebt. Sie beschließt aus dem Klosterleben auszubrechen und flieht. Allerdings wird sie schnell gefunden, für ihre Tat bestraft und zurück ins Kloster gebracht. Bei einer Pilgerfahrt der Nonnen wird sie Zeuge, wie die Muslims das Land angreifen. In dem Führer Achmed (Anthony Higgins) meint sie den Muslim zu erkennen, den sie als junges Mädchen auf dem Schlachtfeld gesehen hat. Er wird auf sie aufmerksam und sie verbringt die erste Nacht mit einem Mann. Vollständig in ihrem Wesen verändert, beschließt sie an allen Unterdrückern - Männer, ihr Vater und das Kloster - blutige Rache zu nehmen...

Auf den ersten Blick mag Flavia, la monaca musulmana, so der Originaltitel, ein typischer Eintrag im Bereich der Nunsploitationfilme zu sein. Diverse Szenenbilder und Aushangfotos die man bislang davon zu sehen bekam, deuteten jedenfalls darauf hin. Nonnen, die sich körperlichen Gelüsten hingeben, und ein-zwei Folterszenen lassen den Film bei oberflächlicher Betrachtung auch schnell als einen reinen Exploitationstreifen erscheinen. Bei genauerer Betrachtung erkennt man aber, dass Regisseur Mingozzi eigentlich viel mehr mit seinem Film erzählen wollte.

Flavia the Heretic - ScreenshotFlavia the Heretic - Screenshot

Flavia ist eine Frau, die sich in einer komplett von Männern dominierten Welt sieht und ihre Rolle, ihre Position in Frage stellt. Sie gibt sich nicht einfach der üblichen Rollenverteilung hin, sondern will aus den eingekrusteten Strukturen herausbrechen. Ihr Vater brachte sie gegen ihren Willen in ein Kloster, das Klosterleben richtet sich nach dem Mann Gott, und der Muslimführer will sie als seine Frau nehmen und sie damit in eine weitere typische Frauenrolle stecken. All diese Bevormundungen seitens des anderen Geschlechts machen sie wütend und schließlich sinnt sie nur noch nach Rache um sich endlich zu befreien.

Soweit die Motivation hinter den Taten Flavias. Sie kritisiert, dass stets die Männer an der Macht sind, ja das selbst Gott, der heilige Vater und der Sohn und die zwölf Apostel Männer sind. Gefährliche Gedanken zu der Zeit. Flavia wird Zeuge einer Kastrierung eines Pferdes und der Vergewaltigung einer Frau durch den neuen Herzog. Beide Male fühlt sie sich abgestoßen, aber auch irgendwie fasziniert von den Taten. Durch das Leben im Kloster kennt sie keine sexuellen Gefühle, was Schwester Agatha erkennt und sie mit ihnen vertraut machen will. Flavia will das aber nicht zulassen, erst mit Achmed erlebt sie das erste Mal körperliche Liebe. Die Darstellung Flavias und ihrer Umgebung sind teilweise recht plakativ inszeniert und die Gewaltszenen eine Spur zu vordergründig. Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen. Der guten Leistung Florinda Bolkans ist es zu verdanken, dass man in der Person Flavias mehr erkennt als nur einen reinen Klischee-Charakter aus der B-Movie-Standardsammlung. Mingozzis versierte Regiearbeit, die gute Kameraführung von Alfio Contini und vor allem die Musik von Nicola Piovani machen den Film trotz allem sehenswert. Obwohl der Film eine Laufzeit von fast 100 Minuten hat, besitzt der Film nur wenige Längen und eine surreale Traumsequenz im letzten Drittel des Films zeigt einige abgefahrene Motive. Die wenigen Folterszenen haben es allerdings in sich.

Flavia the Heretic - ScreenshotFlavia the Heretic - Screenshot

Regisseur Gianfranco Mingozzi legte mit Flavia the Heretic so ziemlich seinen einzigen nennenswerten Spielfilm in seiner Karriere hin. Allerdings hat das auch damit zu tun, dass er eigentlich ein Dokumentarfilmer ist. Flavia ist auch mehr als ein historisches Porträt vor dem Hintergrund der muslimischen Invasion in Italien gedacht worden und weniger ein Exploitationfilm. Kameramann Alfio Contini fing im Laufe seiner Karriere Werke wie Dio perdona... Io no! (Gott vergibt... Django nie!) oder Il Portiere di notte (Der Nachtportier) ein. Nicola Piovani veredelte mit seiner Musik unter anderem Werke von Frederico Fellini (Ginger e Fred, Intervista, La Voce della luna).

Florinda Bolkan ist seit Ende der 60er Jahre im Geschäft. Weitere Hauptrollen in Genreproduktionen wären die Fulci-Filme Una Lucertola con la pelle di donna (A Lizard in a Woman's Skin), Non si sevizia un paperino (Don't torture a Duckling) sowie kleinere Italo-Produktionen. Heutzutage ist sie größtenteils fürs Fernsehen tätig. In Flavia arbeitete sie mit einem ihrer Idole, María Casares, zusammen. Die begann ihre Karriere gegen Ende des zweiten Weltkriegs und war vornehmlich in französischen Produktionen wie Les Enfants du paradis (Die Kinder des Olymp) oder Jean Cocteaus Orphée (Orpheus) zu sehen. Claudio Cassinelli dürfte dem Fan europäischer Horrorfilme schon deutlich bekannter vorkommen. Er stand als Manolo Ursula Andress in La Montagna del dio cannibale (Mountain of the Cannibal God, Die weiße Göttin der Kannibalen) zur Seite, ermittelte als Inspektor Silvestri in La Polizia chiede aiuto (Der Tod trägt schwarzes Leder) und begleitete Barbara Bach auf die L' Isola degli uomini pesce (Insel der neuen Monster).

Flavia the Heretic - ScreenshotFlavia the Heretic - Screenshot

Um die beiden DVDs von Synapse Films aus den USA und X-Rated aus Deutschland gab es schon vor Veröffentlichung einige Kontroversen. X-Rated verkündeten, die weltlängste Fassung des Films zu besitzen und zu veröffentlichen und Zugriff auf Material zu haben, das Synapse nicht bieten kann. Soweit nichts besonderes, das kennt man ja schon von diversen deutschen Labels. Aber dann wurde vermeldet, dass Synapse angeblich eine um 2 Minuten gekürzte Fassung veröffentlichen werden und sich dafür schon bei Händlern und in öffentlichen Foren entschuldigt hätten. Dies drang bis zu Synapse vor, vorauf die natürlich alles andere als erfreut waren, im Gegenzug die Meldung dementierten und ihrerseits X-Rated vorwarfen, aus Geschäftsgier die Synapse-Veröffentlichung bewußt in der Öffentlichkeit schlecht zu machen. Letztendlich stellte sich heraus, das sich X-Rated auf ein Gerücht beriefen, das ihnen auf einer Filmbörse zugetragenen wurde und von niemanden verifiziert werden konnte. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht mal eine der beiden DVDs auf dem Markt! Um den ganzen Trubel mal genauer auf die Spur zu kommen, habe ich mir beide DVDs geschnappt und miteinander verglichen. Um quasi das Fazit schon mal vorwegzunehmen, entpuppte sich vieles auf X-Rated Seite als heiße Luft. Für Fans des Films kann ich aber keine eindeutige Aussage aussprechen, welche DVD man sich nun von dem Film zulegen sollte. Beide haben ihre Vor- und Nachteile und die Entscheidung ist sehr abhängig von den eigenen Vorlieben und was einem persönlich wichtiger ist.

Zuerst widme ich mich mal der Cut/Uncut-Thematik. Ich habe mir für diesen Vergleich die Synapse Disk dreimal und die X-Rated Scheibe zweimal angeschaut. Mir ist nicht eine Szene aufgefallen, in der sich die beiden DVDs unterscheiden. Falls es doch eine Millisekunde geben sollte, die bei einer der beiden Fassungen mehr oder weniger drin ist, so bitte ich um einen entsprechenden Hinweis. Ich habe echt nichts entdecken können. Somit sind also beide Fassungen ungekürzt. Allerdings mit einer Einschränkung: denn wenn man es ganz genau und sehr streng nimmt, ist nämlich die X-Rated Fassung "gekürzt". Nicht im Film selber, da ist alles in Ordnung. Aber wenn bei der Synapse DVD die End-Credits durch sind und der Bildschirm schwarz wird, kann man noch dem abschließenden Musikstück lauschen, das noch knapp über eine Minute komplett ausgespielt wird. Bei der X-Rated DVD wird das Stück 3 Sekunden, nachdem das letzte Bild ausgeblendet wurde, abgewürgt. Somit ergibt sich ein Unterschied von gut einer Minute in den Fassungen. Dies läßt sich sogar mathematisch nachweisen. Der Transfer auf der Synapse DVD hat eine Laufzeit von 101:04 NTSC-Minuten. Bei der X-Rated sind es 96:04 PAL-Minuten, bei beiden gemessen vom ersten sichtbaren Frame bis zum Ausklingen der Musik. Zieht man von der NTSC-Fassung die 4% ab um auf die PAL-Laufzeit zu kommen, sind es ganz knapp über 97 Minuten in PAL. Und diese Differenz von einer Minute ist durch das verfrühte Ausblenden des Schlußstücks in der X-Rated Fassung zu erklären.

Flavia the Heretic - ScreenshotFlavia the Heretic - Screenshot

Komme ich nun zu den eigentlich Transfers. Beide Fassungen zeigen den Film im Format 1.78:1, auch wenn laut Cover die X-Rated DVD ein 1.85:1 Bild haben soll. Der Hauptunterschied zwischen beiden Versionen ist die anamorphe Abtastung bei der Synapse DVD. Im direkten Vergleich ist das Bild der Synapse DVD auch auf meinem normalen Fernseher (also kein 16:9 Gerät) etwas schärfer als das der X-Rated DVD und bietet auch kräftigere Farben sowie bessere Schwarzwerte. Allerdings fällt des öfteren ein etwas stärkeres Edge Enhancement auf, was bei der X-Rated DVD nicht der Fall ist. Im Transfer von Synapse sind auch weniger Defekte und Verunreinigungen vom Originalmaterial zu sehen. Das soll nicht automatisch bedeuten, dass der Transfer von X-Rated schlecht ist. Sieht man mal von der fehlenden anamorphen Abtastung ab, so bekommt man es hier mit dem besten Bild zu tun, das mir bislang von X-Rated untergekommen ist. Der Transfer ist auch von einem gelieferten Master angefertigt worden und keine Normwandlung, wie es ja sonst schon mal gerne gemacht wurde. Im direkten Vergleich zur Synapse DVD muss X-Rated hier aber leider einen kleinen Schritt zurücktreten. Zum Vergleich eine direkte Gegenüberstellung einiger Screenshots. Aber Achtung, die Dateien sind sehr groß!

Screenshots Synapse - X-Rated

Einen markanten Unterschied gibt es allerdings doch. Aus mir unbekannten Gründen, sind die Anfangs- und End-Credits in der Synapse Version "windowboxed". Das Bild wurde verkleinert und zentriert in der Mitte des Bildschirms plaziert. Zudem wurde der Ausschnitt auch noch an den Seiten gemattet, so dass auch noch weitere Bildinformationen verloren gingen. Die X-Rated DVD zeigt die Sequenzen im vollen Format. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Synapse dies nachträglich gemacht haben, sondern das das schon beim Vorlagematerial der Fall war. Einen praktischen Nutzen hat das nicht, außer vielleicht das die Credits nicht durch den Overscan normaler Fernseher abgeschnitten werden. Ob dies jetzt vom Regisseur so gewollt ist, kann ich leider nicht sagen. Zur Verdeutlichung, habe ich eine Übersicht angefertigt. Schaut man genauer hin, vor allem beim dritten Bild fällt das auf, so sind die Bereich rechts und links bei X-Rated heller als der Mittelteil und könnten auf eine Markierung für eine mögliche Maskierung hindeuten. Zumindestens auf der linken Seite deckt sich das mit dem gematteten Bereich der Synapse DVD, rechts scheint die aber noch mehr abzudecken.
(Nachtrag: dazu hat sich Synapse in einem Forum geäußert, genaueres am Ende dieses Textes.)

Vergleich Credits Synapse - X-Rated

Flavia the Heretic - ScreenshotFlavia the Heretic - Screenshot

Nun aber zum Bereich des Tons. Den italienischen Originalton bietet keine der beiden DVDs, somit gibt es hier keinen Punktsieger. Der englische Monoton auf der Synapse Disk läßt eigentlich keinen Grund zur Kritik. Die Dialoge sind klar verständlich und es sind auch keine Knackser oder ähnliches zu hören. Auf der X-Rated DVD klingt das schon etwas anders. Dort sind vereinzelt Knackser oder ein Rauschen zu hören, aber niemals in einem störenden Maße. Viel auffälliger ist hingegen, dass der englische Ton mit einem seltsamen Hall versehen ist, den man schon zu Beginn beim Knistern eines Lagerfeuers hört. Auch als Agatha und Flavia während eines Dialogs durch das Kloster gehen, hört es sich an, als seien sie in einer riesigen Kirche. Dies mag mir vielleicht auch deswegen besonders auffallen, weil ich mit den Ton von Synapse einen direkten Hörvergleich habe. Beim deutschen Ton tritt dieser seltsame Effekt nicht auf. Da aber der Film damals nur gekürzt in die Kinos kam, existiert keine vollständige Synchronisation. In den entsprechenden Szenen bekommt man dann den englischen Ton zu hören und deutsche Untertitel werden eingeblendet. Die sind zwar löblicherweise als eigene Untertitelspur abgelegt und nicht fest ins Bild eingebrannt worden, aber dafür auch unvollständig und übersetzen nur das nötigste.

Beim Bonusmaterial gibt es dann nun gar keine Gemeinsamkeiten mehr. Synapse machte sich die Mühe und spürte Hauptdarstellerin Florinda Bolkan auf, die in nicht ganz 12 Minuten von ihrer Sicht der Rolle, warum sie sie angenommen hat und einigen Sachen zur Produktion erzählt. Aufgenommen wurde das Interview in einem Café, daher sind manchmal störende Geräusche aus der Umgebung zu hören. Auch wirkt die Aufnahme etwas überstrahlt. Daneben gibt es nur noch eine Fotogalerie mit Aushangfotos und Production Shots. Kurioserweise gibt es bei den Aushangfotos etliche deutsche Motive zu sehen und sogar noch mehr als bei der deutschen DVD von X-Rated. Die Produktionsfotos sind insofern interessant, da hier ein paar Szenen zu sehen sind, die im fertigen Film keine Verwendung fanden. Als Dreingabe gibt es noch ein kleines Booklet mit Liner Notes von Nathaniel Thompson und der Kapitelliste.

Flavia the Heretic - ScreenshotFlavia the Heretic - Screenshot

Die X-Rated DVD bietet auf den ersten Blick mehr Bonusmaterial, das aber in Punkto Informationsgehalt nichts zu vermitteln vermag. Neben dem Trailer (der irgendwie eigenproduziert aussieht), gibt es den deutschen Originalanfang, der den Film mit dem Titel "Nonnen bis aufs Blut gequält" ankündigt. Dann das italienische Originalende, das einen richtigen Abspann mit den vollen Credits zeigt, untermalt von dem (kompletten) Schlußstück des Soundtracks. Dann gibt es nochmal die Anfangssequenz, allerdings ohne irgendwelche Credits. Nett anzusehen, aber ohne weiteren Nutzwert. Die Bildergalerie bietet deutlich weniger Motive als Synapse, teilweise gibt es sogar mehrmals das gleiche Motiv zu sehen, nur immer mit unterschiedlichen Bereichen in die hineingezoomt wurde. Abschließend gibt es noch Trailer zu den ersten beiden Filmen aus der "Nunsploitation"-Reihe von X-Rated, Die Nonne von Verona und Der Nonnenspiegel. Die "Entfernte Szene" hätte man besser "entfernter Schnipsel" nennen sollen, denn das ganze ist mal gerade eine Sekunde lang und bietet nichts aufregendes. Man sieht nur eine Sekunde mehr von Livias Abführung durch ihre Schwestern, direkt nach dem Cut von der Pferdekastrationsszene. Das ist alles.

Wodurch die X-Rated DVD allerdings richtig punkten kann, ist die Beigabe des kompletten Soundtracks auf einer extra DVD. Wobei ich hier allerdings zwei kleine Sachen kritisieren muss: erstens wäre mir der Soundtrack auf einer Audio-CD lieber gewesen und zweitens ist die extra DVD für den Soundtrack eigentlich nicht nötig gewesen. Beide Disks sind einschichtige DVD-5 Scheiben, also hätte durchaus für Film, Extras und Soundtrack eine einzelne DVD-9 gereicht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass zwei DVD-5 billiger in der Produktion sind als eine DVD-9 (ich lasse mich in diesem Punkt allerdings gerne korrigieren, falls ich damit falsch liege). Aber davon abgesehen ist die Präsentation des Soundtracks wirklich witzig gemacht. Legt man die Disk ein, wird man gefragt, ob man den Soundtrack abspielen möchte. Wählt man "Nein" aus, stoppt die komplette DVD. Entscheidet man sich für "Ja", sieht man die Aufnahme eines Plattenspielers der startet, die Nadel auf das Vinyl legt und den Soundtrack abspielt (das ist doch mal ein würdiger Ersatz für die Kaminfeuer-DVD...). Wirklich originell. Alternativ kann man auch einzelne Tracks auswählen.

Flavia the Heretic - ScreenshotFlavia the Heretic - Screenshot

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass ein definitives Endergebnis nicht vorliegt. Synapse hat abgesehen von den gematteten Credits das bessere (anamorphe) Bild und einen sauberen englischen Ton, sowie informativeres Bonusmaterial. X-Rated kann bei der Bildqualität nicht ganz mithalten, hat dafür aber keine gematteten Credits. Allerdings ist der englische Ton nicht in Ordnung, dafür gibt es die (unvollständige) deutsche Synchro. Das Bonusmaterial besteht, vom kompletten Soundtrack mal abgesehen, nur aus netten Beilagen, die aber keinen informativen Nutzwert haben. Für welche man sich entscheidet, muss daher jeder für sich selber herausfinden. Ich für meinen Teil ziehe rein technisch die Synapse DVD vor, mag die X-Rated aber wegen des Soundtracks auch nicht unbedingt aus meiner Sammlung schmeißen.

Wer einen weiteren Vergleich sehen möchte, sollte mal bei den Kollegen von Webtor2K vorbeischauen, die ebenfalls die beiden Fassungen miteinander verglichen haben: http://www.webtor2k-dvd.de/reviews/flavia/flavia.html

Nachtrag 13.06.2003:

Don May jr., Chef von Synapse Films, postete im Moebius Home Video Forum folgende interessante Meldung:

Zitat

There ARE two complete soundtrack 'tracks' on the Synapse DVD if you listen...
On not only the MAIN MENU, but also on the SPECIAL FEATURES MENU, if you let the music play out on the menus, we included two full-length complete cuts of music from the original soundtrack. Each menu has one track that plays completely through, in stereo, I might add. The movie was downmixed to mono for theatrical release back in the day.

As far as the windowboxed credits are concerned... this new anamorphic transfer was given to us, but the credits were indeed REALLY outside the NTSC title-safe area. We windowboxed and moved them in so that the credits would be visible on most televisions. I honestly don't know WHY the credits were that way (and the main feature is pretty dead on the same ratio as the other release)... that's just the way the masters were like when we got them. Weird.

Also, we did do a lot of audio restoration on the soundtrack to the film, as well as a bit of Digital Restoration (like we did with BLUE SUNSHINE) to clean up the picture, too. I spent a few extra bucks to make the audio much cleaner and that's why there is such a difference between our disc's audio compared to the German one.

Zusammenfassend übersetzt:

Es gibt zwei komplette Stücke der Flavia-Musik zu hören, einmal im Hauptmenü und einmal in dem Special Feature Menü. Jedes Menü hat ein Stück, das komplett durchgespielt wird und im Gegensatz zum Film nicht in Mono, sondern in Stereo. (Anmerkung von mir: Das ist nicht ungewöhnlich, dass Stücke des Soundtracks so in den Menüs untergebracht werden, das gab es schon öfter. Nur fällt das kaum auf, weil man ja selten ein Menü durchlaufen läßt, bis es sich wiederholt.)

Was die "windowboxed Credits" angeht: der anamorphe Transfer wurde Synapse geliefert, allerdings waren die Credits in der Tat außerhalb des sicheren Bereichs. Damit die Credits auf allen gängigen Fernsehern lesbar bleiben, wurden das windowboxing angewandt und das Bild in die Mitte geschoben. Don May jr. kann sich nicht erklären, warum die Credits in dem Zustand waren (davon abgesehen haben beide Veröffentlichungen das gleiche Seitenverhältnis).

Außerdem wurde der Sound umfassend restauriert und das Bild digital von Verunreinigungen befreit. Daneben wurde noch etwas investiert, um den Ton sauberer zu bekommen. Daher unterscheidet sich der Ton zu der deutschen DVD.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 11.06.2003
Letzte Textänderung: 06.07.2004

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