Film Daten

Titel:
Originaltitel:
The Haunted Palace
Land & Jahr:
USA 1963
Laufzeit ca.: ?
83 Min.
Regie:
Roger Corman
Darsteller:
Vincent Price
Debra Paget
Frank Maxwell
Lon Chaney Jr.
Leo Gordon
Elisha Cook Jr.
John Dierkes
Cathie Merchant
Milton Parsons
Bruno VeSota
Darlene Lucht
Guy Wilkerson
I. Stanford Jolley
Barboura Morris
Harry Ellerbe
Alternativtitel:
The Haunted Village
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - EMS
Label:
EMS
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 1.0
Englisch - DD 1.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Trailer
  • Fotogalerie
  • Biographien: Vincent Price, Lon Chaney jr., Debra Paget, Roger Corman
  • Deutsche Video-Titelsequenz
  • Deutsche TV-Titelsequenz
  • Auszug aus dem Buch "Die Kontinuität des Bösen"
  • Infos über kommende Edgar Allen Poe/Roger Corman Filme von EMS

Review

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(Ein Review von Carsten Henkelmann)

110 Jahr nach dem Tode seines Vorfahrs reist Charles Dexter Ward (Vincent Price) zusammen mit seiner Frau Ann (Debra Paget) nach Arkham um dort sein Erbe anzutreten, das riesige Anwesen seines Urgroßvaters Joseph Curwen). In Arkham wird er aber von den Einwohnern nicht sehr freundlich empfangen und bekommt deutlich zu spüren, dass er nicht erwünscht ist. Lediglich Dr. Willet (Frank Maxwell) ist so freundlich und weist ihnen den Weg. Als sie endlich das Haus Curwens betreten fällt ihnen sogleich ein Porträtgemälde von Curwen auf, das deutlich zeigt, dass es zwischen ihm und Charles starke äußerliche Ähnlichkeiten gibt. Im Haus wartet auch schon Simon Orne (Lon Chaney jr.) auf sie, der sich um das Anwesen kümmert. Trotz aller Vorbehalte und entgegen Anns Willen will Charles erstmal bleiben. Durch Dr. Willet erfahren sie, dass Joseph Curwen als Hexenmeister gejagt und getötet wurde, aber vor seinem Tode noch die Hauptbeteiligten und ihre Nachfahren mit einem Fluch belastete, der scheinbar bis zum heutigen Tage anhält, denn in Arkham ist die Zahl der körperlichen Anomalien bei Neugeborenen ungewöhnlich hoch. Ann möchte am liebsten sofort wieder abreisen, aber unbemerkt hat bereits der Geist Curwens Besitz von Charles genommen und versucht seine unheimlichen magischen Beschwörungen von damals wieder fortzusetzen...

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Die Folterkammer des Hexenjägers ist ein waschechter Gothic-Grusler aus der Zeit als Roger Corman mit diversen Edgar Allan Poe für angenehmen Grusel auf der Leinwand sorgte. Allerdings hat diese Geschichte eigentlich gar nichts mit Edgar Allan Poe zu tun, sondern basiert vielmehr auf den Werken H.P. Lovecrafts, wie man auch schon am Namen des Hauptcharakter erkennen dürfte. Allerdings wurden nur gewisse Grundideen aus der Lovecraft-Geschichte "Der Fall Charles Dexter Ward" verwendet. Stilistisch liegt der Film aber auf einer Linie mit Poe-Verfilmungen wie Lebendig begraben: ein altes schauriges Gemäuer, viel Bodennebel, atmosphärische Studiokulissen und eine Handlung die zeitlich gegen Ende des 19. Jahrhundert plaziert ist, was sich in Kleidung und dem Stand der Technik wiederspiegelt.

Roger Corman sah den Film eigentlich nicht als Teil der Poe-Verfilmungen, konnte sich aber nicht gegen die produzierende Firma AIP durchsetzen, die den Film im Rahmen der anderen Poe-Filme vermarkteten. Ursprünglich waren für die Hauptrollen Vincent Price, Ray Milland (Lebendig begraben, Panic in Year Zero!), Hazel Court (The Course of Frankenstein, Masque of the Red Death) und niemand geringerer als Boris Karloff in der Rolle als Curwens Diener Orne geplant. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten stand aber außer Price keiner zur Verfügung und so kamen Lon Chaney, Debra Paget und Frank Maxwell dazu.

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Der Film ist sicherlich atmosphärisch ein gelungenes Kunstwerk, es hapert allerdings ein wenig auf der spannungstechnischen Seite. Die Story bietet leider keine großartigen Überraschungen und unerwartete Wendungen, dafür bewegt sich der Film zu sehr innerhalb der Konventionen des Genres. Nichtsdestotrotz versteht er es, einigermaßen zu unterhalten und bietet einige sehr nette Gänsehautszenen, z.B. als sich das Ehepaar Ward mit den durch Curwens Fluch belasteten Kindern und Jugendlichen des Ortes konfrontiert sieht.

Hervorheben sollte man allerdings Vincent Prices Leistung wie er seinen Charakter darstellt. Charles Dexter Ward ist so eine Art übernatürlicher Dr. Jekyll und Mr. Hide, mal ist er Herr seiner selbst, mal hat Joseph Curwen die volle Kontrolle über ihn. Das spiegelt sich natürlich auch in seinem Verhalten wieder, vor allem gegenüber seiner Frau. Mal ist er der liebevolle Ehemann, kurze Zeit später kann er schon wieder völlig abweisend sein. Das gipfelt sogar schließlich in einer fast-Vergewaltigung. Dementsprechend ist Ann irgendwann völlig hilflos, schließlich erkennt sie ihren Mann nicht mehr wieder und weiß auch nicht wie sie mit ihm und dieser Situation umzugehen hat.

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Die Folterkammer des Hexenjägers gehört zu den letzten Gothic-Horror-Werken Cormans, der sich dann mehr und mehr seinem Job als Produzent widmete. Begonnen hat er mit den atmosphärischen Poe-Verfilmungen 1960 mit The House of Usher (Die Verfluchten) und führte das mit Pit and the Pendulum (Das Pendel des Todes), Premature Burial (Lebendig begraben) und einigen anderen Filmen weiter. Ansonsten ist er auch für nette Science Fiction B-Movies wie The Day the World ended (Die letzten Sieben), It Conquered the World bekannt.

Zu Vincent Price muss ich ja wohl nicht viel erzählen. Der war der The Abominable Dr. Phibes (Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes), führte das Theater des Grauens und jagte als Witchfinder General (Der Hexenjäger) wehrlose Mädels, trat außerdem in unzähligen Genreproduktionen auf und ist neben Christopher Lee und Peter Cushing die dritte Horrorikone des modernen Horror- und Gruselkinos. Debra Paget beendete nach diesem Film ihre Filmkarriere. Sie hatte unter anderem in Fritz Langs Das indische Grabmal die Hauptrolle, war aber insgesamt eher selten in Genreproduktionen zu sehen. Lon Chaney jr., der original Wolf Man (Der Wolfsmensch), kommt in diesem Film leider nicht so richtig zur Geltung, sondern hat nur 1-2 erinnerungswürdige Szenen zugesprochen bekommen.

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In Deutschland hat sich EMS erfreulicherweise einiger Poe-Verfilmungen von Roger Corman angenommen und Folterkammer des Hexenjägers ist die erste Veröffentlichung aus dieser Reihe. Ein paar mehr gibt es noch in den USA von MGM in deren Midnight Movies Reihe. Die DVD von EMS beginnt schon mal recht stimmungsvoll mit einem Zitat aus dem Film und der Titelmusik. Da das Master direkt von MGM stammt ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Bildqualität phänomenal für solch einen alten Film ist. Defekte des Originalmaterials sind nur wenige auszumachen und auch die Kompression ist geglückt. Ich hab jetzt keine Szene entdecken können, wo die Qualität deutlich abfiel. Wenn das Bild mal zu soft erscheint, so liegt das an der Art wie der Film damals schon gedreht wurde. Soundtechnisch kann man natürlich nicht viel erwarten, der Film wurde damals schließlich in Mono gedreht. Deutscher wie englischer Originalton kommen störungsfrei aus den Boxen und die Dialoge sind allesamt gut verständlich.

Das Bonusmaterial ist erwartungsgemäß nicht sehr umfangreich und leider wurden die Featurettes der US-Scheiben nicht mit übernommen. Der Bonusbereich beginnt mit einem Trailer, der aus einer VHS-Quelle zu stammen scheint. Dummerweise bekam EMS einen ordentlich abgetasteten und qualitativ hochwertigeren Trailer erst ein paar Tage nachdem die DVD bereits auf dem Weg in die Produktion war. Der soll dann auf einer der nächsten Poe-DVDs nachgereicht werden. Die deutsche Video-Titelsequenz zeigt den Vorspann wie man ihn aus dem Film kennt, allerdings mit dem deutschen Titel und einem anderen Design der Credits. Die deutsche TV-Titelquenz unterscheidet sich auch schon wieder. Das Schwarz im Hintergrund ist zu einem Dunkelblau geworden und die Credits sowie der Titelschriftzug sind auch anders.

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Ein wenig Hintergrundinformationen gibt es in dem Textauszug aus dem empfehlenswerten Buch "Die Kontinuität des Bösen - Vincent Price in seinen Filmen" von Robert Zion. Die Bildergalerie ist selbstablaufend und musikalisch mit dem markanten Titelthema des Films hinterlegt. Die Galerie zeigt eine Menge an nationalen wie auch internationalen Aushangfotos und Plakatmotiven. Abschließend gibt es noch Biographien von Vincent Price, Lon Chaney jr., Debra Paget und Roger Corman. In der Biographie von Vincent Price scheint sich aber ein kleiner Fehler eingeschlichen zu haben, denn zwischendurch erscheint eine Seite mit Daten aus den 60er Jahren während die vorhergehende und Nachfolgende Seite seine Zeit in den 40ern und 50ern abdecken. Abschließend gibt es noch einen Überblick auf die nächsten Poe-DVDs.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 04.09.2003

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