Film Daten

Titel:
Blob - Schrecken ohne Namen
Originaltitel:
The Blob
Land & Jahr:
USA 1958
Laufzeit ca.: ?
81 Min.
Regie:
Irvin S. Yeahworth
Darsteller:
Steve McQueen
Aneta Corsaut
Earl Rowe
Olin Howlin
Alden 'Stephen' Chase
John Benson
George Karas
Lee Paton
Elbert Smith
Vince Barbi
Audrey Metcalf
Jasper Deeter
Tom Ogden
Elinor Hammer
Alternativtitel:
• Angriff aus dem Weltall
• The Glob
• The Glob That Girdled the Globe
• The Meteorite Monster
• The Molten Meteorite
• The Night of the Creeping Dead
• Fluido mortale
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - EMS
Label:
EMS
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.66:1 (anamorph) / 82:16
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Audiokommentar von Irwin S. Yeaworth und Robert Fields
  • Audiokommentar von Jack H. Harris und Bruce Eder
  • 2 Trailer
  • Deutscher VHS-Vorspann
  • Bildergalerie
  • Bio-/Filmographien
  • Trailer: Mondbasis Alpha 1 / Evil / Old Men in New Cars / The Last Tunnel / Cowgirl / El Cid / Der Typ vom Grab nebenan / Grasgeflüster
  • Booklet mit Liner Notes

Blob - Schrecken ohne Namen

Review

Blob - Schrecken ohne Namen - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Steve und Jane (Steve McQueen, Aneta Corsaut) beobachten den Sturz eines kleinen Kometen ganz in ihrer Nähe. Kurze Zeit später läuft ihnen ein älterer Mann fast vors Auto. Er hat eine seltsame Masse an seiner Hand und die beiden bringen ihn zu dem Arzt Dr. Hallen (Alden Chase). Die Masse scheint sogar zu wachsen und nachdem Steve und Jane den Landungskrater des Kometen gefunden haben und wieder zurückgekehrt sind, muss Steve hilflos zusehen, wie diese mittlerweile riesig gewordene Masse den Doktor umbringt. Die ganze Stadt ist in Gefahr, aber den beiden will niemand Glauben schenken ...

Blob - Schrecken ohne Namen - ScreenshotBlob - Schrecken ohne Namen - Screenshot

The Blob gilt heute als ein Klassiker des amerikanischen Paranoia- und Science Fiction B-Movie Kinos und thematisiert, wie auch viele Filme vor und nach ihm, die Landung eines außerirdischen Organismus, der sich als sehr gefährlich für die Menschheit erweist. Der Blob, der im übrigen im ganzen Film nie so genannt wird, ist eine formlose, glibberige und beliebig verformbare Masse, die einfach die Menschen absorbiert und nichts mehr von ihnen zurückläßt. Zudem wächst er mit jeder Minute und begräbt am Ende schließlich sogar ein kleines Restaurant unter sich.

Aus heutiger Sicht ist The Blob nicht gerade gut gealtert. Die Trickeffekte wirken recht simpel und billig, wenn auch effektiv aus und das geringe Budget des Films bemerkt man des öfteren auch beim Schnitt oder mancher Art der Inszenierung. Im Finale z.B. hört man nur, wie der Polizeichef Dave (Earl Rowe) und ein Feuerwehrmann sagen, dass das Restaurant Feuer gefangen hat, aber man sieht es nicht direkt im Bild. Hier wurde mit simpelsten Mitteln die Notwendigkeit umgangen, ein Gebäude in Flammen zu zeigen, was sicherlich zusätzliche Kosten verursacht hätte. Dies wirkt filmisch natürlich nicht unbedingt glaubwürdig und verleiht dem Film einen gewissenen abgestaubten Touch. Allerdings kann man The Blob einen gewissen antiquierten Charme nicht absprechen und deswegen weiß er immer noch als einfach gestrickte Monsterfilm-Unterhaltung zu gefallen. Zu hohe Ansprüche sollte man aber an den Film nicht stellen.

Blob - Schrecken ohne Namen - ScreenshotBlob - Schrecken ohne Namen - Screenshot

Ein weiteres wichtiges Element neben der Monsterhatz ist aber das Thema des Generationskonfliktes. Steve, Jane und ihre Freunde sind alle Anfang Zwanzig (auch wenn McQueen damals schon 26 Jahre alt war) und die Jungs zumeist das, was man unter dem Begriff "Halbstarke" versteht. Ihnen gegenüber steht die Polizei und ihre Eltern, die die Jugend nicht so wirklich verstehen können. Während die Eltern meist den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben und sich hart ihre Existenz und Wohlstand erarbeiten mussten, kennt die Jugend diese Probleme nicht. Polizeichef Dave hat noch so etwas wie Verständnis für die jüngere Generation und drückt schon mal ein Auge zu. Sein Kollege Sgt. Bert (John Benson) stellt dagegen das uneinsichtige, konservative und unfreundliche Gegenstück dazu dar, der die jungen Menschen am liebsten einmal zuviel als zuwenig einsperren würde. Er kann keinerlei Bezug zu der Generation aufbauen und glaubt Steves Ausführungen daher am allerwenigsten, sondern vermutet wieder mal nur einen dummen Scherz dahinter.

Zu Beginn meint man noch, dass man in The Blob wie ein inoffizielles Remake von The Quatermass Xperiment (Schock) erkennen kann. In beiden Filmen wächst durch etwas, was aus dem All gekommen ist, an der Hand eines Mannes eine unbekannte Deformation. Aber während in The Quatermass Xperiment der befallene Mensch selbst zu einer Art Monster mutiert das stetig wächst, absorbiert in The Blob das Ungetüm den Mann und sucht sich neue Opfer, während es immer weiter wächst. Trotz der eher ernsten Angelegenheit schimmert aber immer wieder ein subtiler Humor durch. Dies beginnt schon beim Titelsong, der durch seinen Stil und mit einer Strophe wie "Beware of the Blob. It creeps and leeps and glides and slides across the hall right through the door and all around the wall. A splatsh, a platsh, be careful of the blob." eher auf eine Komödie als auf einen Science Fiction Horrorfilm schließen läßt. Sehr amüsant ist auch die Szene, in der ein alter Herr beim Klang der Sirenen sich nicht entscheiden kann, ob er seine Soldaten- oder Feuerwehruniform anziehen soll. Und vor dem Kino hängt ein Plakat, auf dem deutlich das Motiv von Forbidden Planet (Alarm im Weltall) zu sehen ist, als Titel steht aber "The Vampire and the Robot" drunter! Und der Blob tritt im Kino während einer Vorstellung von Dementia auf, ein im Jahre 1955 entstandener Horrorthiller.

Blob - Schrecken ohne Namen - ScreenshotBlob - Schrecken ohne Namen - Screenshot

Im Gegensatz zu vielen anderen SF-Filmen der Periode klingt hier so gut wie keine Angst vor dem Kommunismus durch (eine Metapher für die viele Monster der 1950er Jahre herhalten mussten) und auch das Militär wird nur mal erwähnt, tritt aber nie in Erscheinung. Vielmehr muss eine auf sich allein gestellte Gesellschaft zusehen, wie sie mit dem Monster fertig werden. The Blob ist ein kleiner, mit 82 Minuten auch nicht gerade sehr langer Science Fiction Streifen, der aber auch fast 50 Jahre nach seiner Fertigstellung irgendwie immer noch gut zu unterhalten versteht. Es gibt sicherlich handwerklich wie auch inhaltlich bessere Filme aus der Periode, was aber die Qualitäten von The Blob nicht unbedingt mindert.

Regisseur Irwin S. Yeaworth, das "S." wurde von seinen Freunden "Shorty" ausgesprochen, hatte bereits einige Arbeiten in einer religiösen Filmproduktionsfirma hinter sich, als er und seine Kollegen sich einmal an einem richtigen Spielfilm versuchen wollten. Als erstes Projekt, das zudem zum ersten Mal auf 35mm statt auf den sonst benutzten 16mm Filmmaterial gedreht werden sollte, wollte Yeaworth einen Science Fiction Film drehen. Unter anderem auch, weil er in dem bis dahin als tourender Filmvorführer tätig gewesenen Jack H. Harris einen Produzenten für den Film fand, der ebenfalls in diesem Genre die besten kommerziellen Erfolge sah. Auf Anregung eines Bekannten wurde eine Idee namens "The Molten Meteor" zu dem Drehbuch für The Blob und auch der Arbeitstitel des Films.

Blob - Schrecken ohne Namen - ScreenshotBlob - Schrecken ohne Namen - Screenshot

Nur leider war kein einziges Studio bereit diesen Film zu finanzieren, so dass das meiste Geld aus privaten Einlagen genommen wurde. Angeblich benötigte man (laut Audiokommentar der DVD) 100.000$ für den Film und nochmals ca. 30.000$ für die Spezialeffekte. Der größte Teil der Szenen entstand im Studio, sogar für die Waldszenen wurde eine künstliche Kulisse aufgebaut. Der Blob selber bestand, je nachdem welche Größe gebraucht wurde, aus Silikon oder anderen Stoffen und für die Szenen, in der er riesig groß wirkt, kamen Miniaturen zum Einsatz.

Bei den Darstellern wollte man bekannte Namen in den Nebenrollen haben, um die Seriosität des Films zu gewährleisten, aber eher unbekannte Schauspieler in den Hauptrollen, um dem Publikum unverbrauchte Gesichter zeigen zu können und natürlich auch um das Budget nicht zu strapazieren. Die meisten Schauspieler kamen aus dem New Yorker Theaterumfeld oder direkt aus Philadelphia, wo der Film auch gedreht wurde. Steve McQueen fiel Yeaworth und Harris durch eine TV-Serie auf. Die eigentlichen Dreharbeiten waren innerhalb von 3-4 Wochen abgeschlossen gewesen, nur für die Special Effects Szenen brauchte man noch fast ein halbes Jahr. Als Titel für die Kinovorstellungen hatte man sich eigentlich für "The Glob" entschieden, aber dieser Name war bereits durch eine andere Produktion belegt gewesen. Kurzerhand ging man einfach für den ersten Buchstaben das Alphabet durch und bereits bei "B" entschied man sich dann, den Film einfach The Blob zu nennen.

Blob - Schrecken ohne Namen - ScreenshotBlob - Schrecken ohne Namen - Screenshot

Der größte Teil des Soundtracks wurde von Ralph Carmichael komponiert, das "Love Theme" des Films stammt aber von Irwin S. Yeaworths Ehefrau. Die Titelmelodie wurde zum Entsetzen von Yeaworth und einigen Anderen von Jack Harris durch den fröhlichen "Beware the Blob" Song von Burt Bacharach ausgetauscht. Was sich aber im Endeffekt bezahlt machte, denn durch den Song, der es in einigen Staaten Amerikas sogar in die Charts schaffte, erlangte der Film zusätzlichen Bekanntheitsgrad. Bis dahin war es aber noch ein schwerer Weg, denn nach Fertigstellung des Films waren die meisten Studios immer noch nicht daran interessiert, das Werk in irgendeiner Form zu vertreiben. Nur Paramount zeigte Interesse und bot das dreifache der Produktionskosten, woraufhin Jack Harris natürlich sofort zusagte. Erst kurze Zeit später erkannte er, dass Paramount The Blob als zweiten Film eines Double Features mit I Married A Monster From Outer Space verheizen wollte. Aber als eben der Film bei einer Lieferung an ein Kino versehentlich vergessen und The Blob alleine aufgeführt wurde, begann der Erfolg des Films rasant anzusteigen. Steve McQueen kam hier zum ersten Mal richtig groß raus und die Einspielergebnisse schlugen sämtliche Erwartungen. Er bekam ein mehr schlechtes als rechts Sequel namens Beware the Blob spendiert, bei dem niemand geringerer als Larry Hagman die Regie führte. 1988 gab es ein gleichnamiges Remake mit weitaus besseren Spezialeffekten und die IMDB listet bereits ein weiteres Remake, dass sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch in der Produktionsphase befindet.

Der in Deutschland geborene Irwin S. Yeaworth war nach The Blob bei Spielfilmen nur für eine kurze Zeit als Regisseur tätig. Unter seiner Regie entstanden unter anderem 4D Man (Der 4D Mann) oder Dinosaurus! (Mördersaurier). Jack H. Harris produzierte diese Filme ebenfalls, aber ansonsten auch alle Sequels und Remakes und auch Filme wie Schlock (Schlock - Das Bananenmonster), dem Debüt-Film von John Landis. Zu Steve McQueen muss man nicht viel erzählen, er legte eine große Karriere hin und war in Filmen wie The Magnificent Seven (Die glorreichen Sieben), The Great Escape (Gesprengte Ketten), The Thomas Crown Affair (Thomas Crown ist nicht zu fassen) oder Bullitt zu sehen gewesen. Für Jane Martin war dies fast die einzige richtige Kinoproduktion, denn ansonsten trat sie nur noch in dem Slasher The Toolbox Murders (Der Borhmaschinenkiller) und einigen TV-Produktionen auf.

Blob - Schrecken ohne Namen - ScreenshotBlob - Schrecken ohne Namen - Screenshot

Die deutsche DVD von EMS ist für Fans des Films ein Pflichtkauf. Der Transfer wirkt zwar aufgrund des Alters relativ weichgezeichnet, allerdings sind Verschmutzungen oder Defekte kaum vorhanden, was zu einem schönen stabilen und ruhigen Bild führt. Der Kontrast könnte ein wenig besser sein, aber hier muss man sicherlich auch das Alter und die Produktionsbedingungen berücksichtigen. Über die Farben gibt es hingegen kein Grund zu klagen. Der Ton kann allerdings sein Alter nicht ganz verleugnen. Der englische Originalton rauscht und knackt ab und an mal ganz dezent, aber die Dialoge sind trotzdem immer noch gut verständlich. Der deutsche Ton unterscheidet sich da auch nicht großartig und man kann mit der gebotenen Leistung eigentlich zufrieden sein.

Bei den Extras hat sich EMS dankenswerterweise die Mühe gemacht und die zwei Audiokommentare von der Criterion US-DVD lizensiert. Der erste Audiokommentar stammt von Regisseur Irvin S. Yeaworth und Darsteller Robert Fields, der im Film den halbstarken Tony spielt, gegen den Steve McQueen das Autorennen fährt. Der Informationsgehalt ist relativ hoch und beide haben auch ein paar nette Anekdoten von den Dreharbeiten und vor allem über Steve McQueen zu erzählen. Der zweite Audiokommentar stammt von Produzent Jack H. Harris und dem Filmhistoriker Bruce Eder. Auch hier werden viele Informationen geboten, vor allem sind Jack H. Harris' Ausführungen über das Kinogeschäft der 1950er Jahre sehr interessant. Beide Kommentare wurden allerdings jeweils immer aus separaten Audiokommentaren zusammengeschnitten, d.h. dass jeder Sprecher einzeln aufgenommen wurde und daraus die zwei Audiokommentare entstanden.

Blob - Schrecken ohne Namen - ScreenshotBlob - Schrecken ohne Namen - Screenshot

Die restlichen Extras bestehen aus jeder Menge an Kleinigkeiten. Da wäre zunächst der Originaltrailer in mittelprächtiger Verfassung und der deutsche "Angriff aus dem Weltall" Trailer. Die deutsche VHS-Titelsequenz, die ebenfalls den "Angriff aus dem Weltall" Titel trägt, ist zu 95% identisch zu dem Vorspann im Film, nur das am Ende der Filmtitel durch eine andere Tafel ersetzt wurde. Die Slideshow bietet diverse Aushangfotos und Pressehefte, desweiteren gibt es noch Bio- und Filmographien zu Steve McQueen, Aneta Corsaut, Robert Fields und Irwin S. Yeaworth (fehlerhaft als "Yeaorth" im Menü geschrieben). Zum Schluß gibt es noch Trailer zu den weiteren EMS-Veröffentlichungen Mondbasis Alpha 1, Evil, Old Men in New Cars, The Last Tunnel, Cowgirl, El Cid, Der Typ vom Grab nebenan und Grasgeflüster. Außerdem gibt es noch ein 12 Seiten starkes Booklet mit Liner Notes von Ralf E. Hopf.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 21.01.1999
Letzte Textänderung: 18.11.2005

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann