Film Daten

Titel:
May
Originaltitel:
May
Land & Jahr:
USA 2002
PAL-Laufzeit:
89:30
Regie:
Luckey McKee
Darsteller:
Angela Bettis
Jeremy Sisto
Anna Faris
James Duval
Nichole Hiltz
Kevin Gage
Merle Kennedy
Chandler Hecht
Rachel David
Nora Zehetner
Will Estes
Roxanne Day
Samantha Adams
Brittney Lee Harvey
Connor Matheus
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - McOne
Label:
McOne
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 89:30
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 5.1
Englisch - DD 5.1
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Audiokommentar von Lucky McKee, Steve Yedlin, Chris Sivertson, Angela Bettis, Nicole Hilitz, Bret Roberts
  • Audiokommentar von Lucky McKee, Rian Johnson, Jaye Barnes-Luckett, Leslie Keel, Benji
  • Trailer (Deutsch & Englisch)
  • Production Notes
  • Biographien von Angela Bettis, Jeremy Sisto, Anna Faris, James Duval, Lucky McKee
  • Trailer: Nirgendwo in Afrika / Bella Martha / The Musketeer / Knallharte Jungs / Donnie Darko / Cypher / Naked Weapon / Shooters / Wishcraft / Wendigo / The Untold / Das Duell in der verbotenen Stadt / Shattered Lies / Nichts bereuen
  • DVD Credits

May

Review

May - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

May (Angela Bettis) leidet seit ihrer Kindheit an einem lahmen linken Auge. Ihr einziger Freund ist die Puppe Suzy, ein Geburtstagsgeschenk ihrer Mutter. Mit den Jahren hat sie sich aber damit arrangiert und lebt ein halbwegs unbeschwertes Leben und arbeitet in einer Tierklinik. Nur mit Männern hat sie kein Glück, weil sie durch ihr Auge nicht gerade sehr anziehend wirkt. Dies ändert sich, als sie endlich Kontaktlinsen bekommt und ihren Schwarm Adam (Jeremy Sisto) kennenlernt, ein gutaussehender Kerl aus der Gegend. Zunächst sieht es so aus, als verläuft alles so wie in ihren intimsten Wünschen, sie und Adam kommen sich langsam näher. Aber Mays jahrelanger Isolation zu anderen Menschen wirkt sich tragisch aus, als sie meint, dass sich Adams Faible für Splatterfilme auch auf die Realität auswirkt und verletzt ihn beim gemeinsamen Schmusen. Adam gefällt das aber natürlich überhaupt nicht und blockt fortan jeden näheren Kontakt zu May ab. May driftet daraufhin in einen Strudel von Depressionen und Erniedrigungen und dreht schließlich irgendwann völlig durch, was in eine Entladung blutiger Gewalt gipfelt...

May - ScreenshotMay - Screenshot

May mag zuerst wie ein weiterer Eintrag im Bereich des Teenie-Slasher-Genres erscheinen. Aber mit Filmen wie Final Destination, Scream oder I know what you did last summer (Ich weiß was Du letzten Sommer getan hast) hat dieser Film aber überhaupt nichts zu tun. Glücklicherweise! Vielmehr handelt es sich bei May um ein Drama, das sich teilweise einiger Elemente aus dem Horrorgenre bedient, gerade zum fulminanten Ende hin. Bis dahin geht der Film aber in einer ruhigen Art und Weise auf May und ihr Seelenleben ein. Daher ist May mehr Drama als Horrorfilm, obwohl man für so manche Szenen schon gute Nerven braucht. Wenn es denn mal deftig wird, so handelt es sich nicht um simple Splattereien Marke Braindead, sondern um Sachen die wirklich weh tun. Die meiner Ansicht nach schmerzvollste Szene zeigt mehrer blinde Kinder, die sich auf Knie und Hände fallen lassen, ohne zu ahnen das der Boden mit Glassplittern übersäht ist. Und wer wie ich Kontaktlinsenträger ist, der wird sich bei 1-2 Szenen auch sicherlich schütteln.

Bis dahin wird dem Zuschauer aber einfühlsam der Charakter May nähergebracht. Durch ihre Sehbehinderung fiel es ihr in der Kindheit schwer Freunde zu finden. Suzy wird also schnell zu der einzigen "Person", mit der sie offen und frei reden kann und die sich all ihre Probleme ohne zu murren anhört. Dies schlägt sich natürlich auch in ihrem sozialen Wesen nieder, denn der Kontakt zu anderen Menschen ist bei ihr immer etwas problematischer. Sie sehnt sich in ihrem innersten wie jeder junge Mensch nach Zuneigung, Freundschaft und Liebe, bekommt diese Dinge aber niemals zu spüren. Und durch ihre zerrüttete Kindheit, begleitet von der Erziehung einer strengen Mutter, sind diese Sehnsüchte natürlich noch ausgeprägter. Als sie dann Adam kennenlernt, scheint sich endlich alles zu erfüllen. Aber diese Beziehung geht schon zu Ende, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat. Dazu sieht sie sich noch den Annäherungsversuchen ihrer lesbischen Arbeitskollegen Polly (Anna Faris) ausgesetzt.

May - ScreenshotMay - Screenshot

Somit ist der Film empfehlenswert für alle, die viel Wert auf eine starke Charakterisierung legen. Für den durchschnittlichen Horrorfan dürfte der Film wohl zu langweilig sein, aber das ist sicherlich auch nicht die angepeilte Zielgruppe. Stattdessen liegt May eher in einer Linie mit Filmen wie Donnie Darko oder Spider, ist aber deutlich straighter in seiner Erzählweise. Wem die beiden Film also zu surreal sind, der wird sich mit May sicherlich besser anfreunden können. "Belohnt" wird man schließlich mit einem sicherlich recht derben Schluß, der aber in seiner letzten Einstellung das absolut perfekte Ende für diesen Film bietet.

May ist das Kinofilmdebüt von Lucky McKee, der es sich auch nicht nehmen läßt und ganz Hitchcock-like einen Cameo-Auftritt als männlicher Part eines sich ständig knutschendes Pärchens in Mays Hochhaus hinlegt. Er schrieb ebenfalls das Skript zu dem Film und zu Universitätszeiten drehte er einen Kurzfilm mit einer ähnlichen Thematik. Seine Einflüsse sind vor allem der Film Taxi Driver und niemand geringeres als Italiens Meisterregisseur Dario Argento. Vor allem letzteres überträgt er auf Adams Charakter, der das Buch "The Art of Horror" über Argento in einem Café liest, May fragt ob sie wirklich nicht dessen Film Trauma (Aura) kenne und der seine Wohnung mit Fotos von Argento und dem klassischen Motiv aus Opera verziert hat. Und so nebenbei brachte McKee noch seinen Vater als Optiker unter, der Mays Augen untersucht.

May - ScreenshotMay - Screenshot

Der Film profitiert aber ganz besonders von den herausragenden schauspielerischen Leistungen Angela Bettis, die dem Charakter der zerbrechlichen, mal aber auch sehr energischen May mit vielen Facetten sehr glaubwürdig darstellt. Dabei ist das nicht mal ihre erste Rolle mit solch einem Charakter, sondern spielte schon die Hauptrolle in der TV-Version von Carrie. Vergleiche mit dem Brian de Palma Streifen sind im übrigen nicht von der Hand zu weisen. In beiden Filmen geht es jeweils um ein Mädchen, dass aus verschiedenen Gründen nicht von der Umwelt akzeptiert wird und Probleme in dem Umgang mit anderen Menschen aufweist. In May ist es eine Sehbehinderung, in Carrie eine fanatisch-religiöse Mutter, die ihre Tochter nicht auf das Erwachsenwerden vorbereiten kann und mit harter Hand regiert. Angela Bettis Debüt war das Drama Storia di una capinera (Zeffirellois Spatz), dürfte aber einem breiteren Publikum erst in dem Psychodrama Girl, Interrupted (Durchgeknallt) aufgefallen sein. Ihr nächstes Projekt ist der Horrorthriller The Toolbox Murders, bei dem ebenfalls Lucky McKee Regie führt. Jeremey Sisto sah man zuletzt in dem Horrorfilm Wrong Turn, war aber ansonsten z.B. in der TV-Serie Six Feet Under vor der Kamera und in den Kinofilmen Angels Eyes, oder Clueless. Anna Faris ist aus der Trilogie der Horrorkomödien Scary Movie bekannt. Und wen ich nun gar nicht erkannt habe ist James Duval, Frank aus Donnie Darko, der hier die unglaublichste Punkfrisur aller Zeiten trägt und irgendwie deutlich jünger als in Donnie Darko aussieht.

In den USA und in Deutschland kam der Film fast gleichzeitig auf DVD heraus, wenn auch hierzulande zunächst nur in den Videotheken. Ungewöhnlicherweise gibt es aber zwischen der Verleih- und Kauf-DVD keinerlei Unterschied, sieht man mal von der Alterfreigabe ab. Als die DVD für die Videotheken ausgeliefert wurde, stand noch keine definitive Altersfreigabe fest und so ging man auf Nummer Sicher und verzierte das Cover mit einem "Keine Jugendfreigabe" Hinweis. Mittlerweile ist der Film aber in seiner ungekürzten Form auf FSK 16 eingestuft worden, wundert Euch also nicht, wenn ihr den Film demnächst in jedem Laden um die Ecke bekommt, es fehlt definitiv nichts bei der FSK-16 Version!

May - ScreenshotMay - Screenshot

Das Label McOne war mir bisher unbekannt geblieben, auch wenn die schon einiges auf den Markt gebracht haben. May ist also meine erste Scheibe von McOne und die macht einen verdammt guten Eindruck. Die Bildqualität ist sehr gut. An dem anamorphen 1.85:1 Bild ist mir nichts aufgefallen, was ich großartig kritisieren könnte, einfach gar nichts. Klar, es ist ein recht neuer Film, aber es gibt auch genügend Beispiele wo es ein Label nicht geschafft einen aktuellen Film in ordentlicher Qualität auf DVD zu transferieren. Da muss man McOne mal ein richtiges Lob aussprechen. Auch auf der soundtechnischen Seite kann man nicht meckern, denn der englische Originalton wie auch die deutsche Synchro liegen als Dolby Digital 5.1 Tracks vor. Einen kleinen Wehrmutstropfen gibt es allerdings für diejenigen, die sich Filme grundsätzlich nur im Original anschauen. Aus lizenzrechtlichen Gründen sind nämlich bei der englischen Tonspur die deutschen Untertitel nicht ausblendbar.

Im Bonusbereich kann zwar die DVD nichts großartig protzen, aber da hat selbst die US-Scheibe nicht mehr zu bieten. Streng genommen hat die deutsche mehr Extras, wenn auch nichts alles auf den Film bezogen ist. Da wären zunächst zwei Audiokommentare. Bei dem ersten sind Regisseur Lucky McKee, Kameramann Steve Yedlin, Cutter Chris Sivertson und die Darsteller Angela Bettis, Nicole Hiltz und Bret Roberts dabei. Das die beiden letztgenannten dabei sind, finde ich etwas seltsam, schließlich spielen sie nur kleine Nebenrollen. An dem zweiten Kommentar, der etwas technischer orientiert ist, nimmt wieder Lucky McKee teil, sowie noch Cutter Rian Johnson, Komponistin Jaye Barnes-Luckett, Production Designer Leslie Keel und Benji. Mit Audiokommentaren bei denen gleich eine große Gruppe von Beteiligten dabei ist, habe ich immer so meine Probleme. Man bekommt zwar einiges vermittelt, allerdings driftet das auch häufig in ein unorganisiertes Chaos ab, in denen alle durcheinandersprechen und man als Zuschauer ohnehin schon Probleme hat, die Stimmen den einzelnen Personen zuzuordnen. Und das ist auch leider bei diesen beiden Kommentaren der Fall, denn so richtig Spaß macht keiner. Lucky McKee ist zwar mehr oder weniger der Wortführer, aber trotzdem gelingt es ihm nur selten mal sowas wie Struktur reinzubringen. Auf der anderen Seite merkt man allerdings auch, dass jeder den Film mag und das sie sich untereinander gut verstehen und die Zusammenarbeit sehr viel Spaß gemacht haben muss.

May - ScreenshotMay - Screenshot

Weiter gehts im Bonusbereich mit dem Trailer, einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch, der meiner Ansicht nach aber wieder ein bißchen zuviel verrät. Darauf folgen Produktionsnotizen, die noch ein wenig Hintergrundwissen vermitteln. Die sollte man aber auch nicht lesen, bevor man sich nicht den Film angeschaut hat. Von Angela Bettis, Jeremy Sisto, Anna Faris, James Duval und Lucky McKee gibt es noch Bio- und Filmographien. Das waren dann auch die Filmbezogenen Extras. Abschließend gibt es noch die DVD-Credits sowie folgende Trailer aus dem aktuellen bzw. zukünftigen McOne Programm: Nirgendwo in Afrika, Bella Martha, The Musketeer, Knallharte Jungs, Donnie Darko, Cypher, Naked Weapon, Shooters, Wishcraft, Wendigo, The Untold, Das Duell in der verbotenen Stadt, Shattered Lies und Nichts bereuen. Und sehr lobenswert ist die Funktion, die Menüübergänge deaktivieren zu können. So kann man sich schnell von einem Menüpunkt zum anderen bewegen, ohne sich immer wieder die gleichen Übergangsanimationen anschauen zu müssen. Eine Idee von McOne bzw. vielmehr Unexpected, dem Mastering-Studio, die auch andere Labels übernehmen sollten.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 28.09.2003

Leser-Kommentare

20.08.2005, 00:57:53 SASA ( Email schreiben )

Awesome movie!!! I just saw it couple of minutes ago, and still can't believe what i saw. I wont forget this movie for a while.

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann