Film Daten

Titel:
Irreversible
Originaltitel:
Land & Jahr:
Frankreich 2002
Laufzeit ca.: ?
93 Min.
Regie:
Gaspar Noé
Darsteller:
Monica Bellucci
Vincent Cassel
Albert Dupontel
Jo Prestia
Philippe Nahon
Stéphane Drouot
Jean-Louis Costes
Mourad Khima
Alternativtitel:
Irreversibel
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Alliance Atlantis
Label:
Alliance Atlantis
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 92:58
Sprachen/Ton:
Französisch - Dolby Surround
Französisch - DD 5.1
Untertitel:
Englisch, Französisch
Extras:
  • Audiokommentar vom Regisseur (französisch)
  • Making-of über die Special-FX
  • Kurzfilm "Intoxication"
  • Deleted Scenes
  • 2 Musikvideos
  • Trailer
  • 6 Teaser

DVD Daten

DVD Cover - Legend Films
Label:
Legend Films
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 93:04
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 5.1
Deutsch - DTS
Französisch - DD 5.1
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Kurzfilm "Intoxication"
  • Deleted Scenes
  • Einblick in die Special-FX
  • Clip "Stress"
  • Clip "Outrage"
  • Trailer
  • Teaser
  • TV-Spots
  • Booklet mit Liner Notes

Irreversible

Review

Irreversible - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Marcus (Vincent Cassel) wird schwer verletzt nach einer Prügelei aus einer Schwulenbar herausgebracht und ins Krankenhaus gefahren. Zuvor waren er und sein Freund Pierre (Albert Dupontel) dort hingefahren, um einen bestimmten Typen zu finden und sich für die Vergewaltigung an Marcus Freundin Alex (Monica Bellucci) an ihm zu rächen...

Irreversible - ScreenshotIrreversible - Screenshot

Irreversible ist einer dieser sogenannten Skandalfilme, die irgendwo ihre Premiere feiern und anschließend von den Kritikern wegen ein paar Szenen so dermaßen in der Luft zerrissen werden, dass man von dem eigentlichen Film nicht mehr viel zu hören bekommt. So ähnlich verhielt es sich auch hier. Bei seiner Uraufführung in Cannes geriet der Film schnell in die Kritik und machte deswegen Schlagzeilen, weil viele Zuschauer schon während des Films den Kinosaal verließen. Schließlich hörte man hier und da mal von den Szenen, die dem Film seinen Ruf einhandelten, eine harte Vergewaltigung und eine heftige Tötungsszene mit einem Feuerlöscher. Alles nur heiße Luft oder steckt tatsächlich mehr dahinter? Häufig entpuppt sich bei Skandalfilmen das Werk dann meist als ein laues Lüftchen und die besagten Szenen waren das einzigste Elemente, die den Filmen überhaupt Publicity brachten. Man erinnere sich nur an den ganzen Wirbel um den letzten Hannibal Lecter Film Hannibal: langweiliges Filmchen der eine besonders harte Szene zu bieten hat, die aber schon wieder so lächerlich ist, das man sich fragt ob das ganze Theater nicht ein geplanter Marketingtrick war um den Film ins Gespräch zu bringen.

Nachdem ich Irreversible jetzt auch endlich mal gesehen habe möchte ich mal meine Eindrücke wiedergeben. Irreversible ist ein Film, der den Zuschauer berührt wie kaum ein Film zuvor. Es ist nahezu unmöglich nach dem Film in der gleichen Stimmungslage zu sein wie davor - sofern man den Film komplett durchsteht. Ich kann verstehen, wenn Zuschauern der Film zuviel wird und mittendrin aussteigen. Ich kann ebenfalls verstehen, wenn man sich den Film nur ein einziges Mal in seinem ganzen Leben anschauen wird. Diesen Film kann man nicht mit einer pauschalen Aussage bewerten, sondern es kommt auf die Eindrücke des Einzelnen und seine Konstitution an. Aber wer mich nach meiner Meinung fragen sollte, dem würde ich antworten, dass Irreversible ein Film ist, den man eigentlich einmal gesehen haben sollte, auch wenn ich ihn garantiert nicht jedem empfehlen würde, und das es sich wohl um eines der wichtigsten Werke des modernen Films handelt, die in den letzten Jahren gedreht wurden! Wenn man als Zuschauer allerdings nur auf die beiden "Skandalszenen" wartet ohne sich auf den gesamten Film einzulassen, dürfte das Ziel weit verfehlt werden. Hier muss man bereit sein sich der Geschichte anzunehmen und den Film auf sich wirken zu lassen.

Irreversible - ScreenshotIrreversible - Screenshot

Erzählt wird die Geschichte, soviel kann ich glaube ich wiedergeben, rückwärts, also ähnlich wie in Memento. Als Zuschauer bekommt man quasi das Ende präsentiert, dann setzt die Handlung einige Minuten vorher ein usw. bis zum Ende des Films, das eigentlich der Anfang der Geschichte ist. Man mag sich denken, was das für einen Sinn haben soll. Allerdings beinhaltet diese Herangehensweise durchaus eine gewisse Logik, denn das Ende steht im starken Kontrast zum Anfang des Films und somit weiß der Zuschauer dann am Schluß was eigentlich chronologisch später passieren wird, was die eigentlich durch die Bilder und die Musik rübergebrachte Stimmung ins genaue Gegenteil verkehren läßt.

Was den Film aber daneben zu einem Meisterwerk werden läßt ist die technische Umsetzung, wie die Kamera den Zuschauer direkt an das Geschehen heranführt. Je nach Stimmungslage des jeweiligen Charakters verhält sich entsprechend die Kamera. Am Anfang, wo Wut und Aggression die Handlung beherrschen, wirbelt die Kamera wie unkontrolliert durch die Gegend, während sie immer ruhiger wird sobald die Personen vor der Kamera in ausgeglichenere Stimmungen verfallen. Ebenfalls technisch beeindruckend ist der fließende Übergang von einem Ort zum nächsten, wo scheinbar kein einziger Schnitt auftaucht, die Szene wie am Stück aufgenommen erscheint. Zu Beginn befindet sich die Kamera in einem Zimmer in einem oberen Stockwerk, schwebt dann an der Häuserfront herunter und scheint danach mit in den Krankenwagen zu steigen und schwebt dann innerhalb und außerhalb (!!!) des Wagens scheinbar übergangslos mit. Der Inszenierungsstil ist durch den eigentlich ständig präsenten Gebrauch einer Handkamera sehr direkt und roh. Am ehesten läßt sich das vielleicht mit dem belgischen vergleichen, auch wenn Irreversible in der Schnitttechnik sehr viel ausgereifter ist. Die Kamera bewegt sich immer recht nah an den Charakteren, auch in den richtig wilden Szenen. Ich habe den Film jetzt nur auf DVD kennengelernt, kann mir aber vorstellen, dass der im Kino auf einer großen Leinwand noch um einiges stärker wirken muss. Es würde mich nicht wundern, wenn einigen zu Beginn flau im Magen werden würde. Nicht weil man sehr harte Szenen zu Gesicht bekommt, sondern vielmehr weil die Kamera den Zuschauer schon fast seekrank macht. Man bekommt überhaupt keinen Bezugspunkt geboten, an dem man sich in der Umgebung orientieren könnte.

Irreversible - ScreenshotIrreversible - Screenshot

Ein anderer Punkt in dem Irreversible anderen Filmen etwas vormacht, ist die Nutzung von vielen Computereffekten, ohne das man sie als solche wahrnimmt. Viele Schnitte wurden durch digitale Tricks retuschiert, so dass viele Szenen wie am Stück gedreht wirken. Am Ende in der Wohnung von Alex und Marcus wurden Reflektionen und Schatten der Filmcrew entfernt und der scheinbar weiche Übergang der Kamera von geschlossenen Räumen nach draußen gelang auch alles nur mit Hilfe moderner Computertechnik. In dem Audiokommentar der DVD bemerkt Gaspar Noé auch des öfteren, dass er vor 10 Jahren den Film nicht hätte realisieren können, weil es technisch gar nicht möglich gewesen wäre die gewünschten Effekte zu erzielen. Der Films wird zudem mit einem passenden Soundtrack unterstützt, der von einem Mitglied der Gruppe Daft Punk produziert wurde.

Irreversible zeigt aber nicht nur technische Meisterstücke, sondern verdeutlich auf sehr drastische Weise wie man explizite Gewalt darstellen kann, ohne das das zum reinem Selbstzweck verkommt, auch wenn bestimmt einige das völlig anders sehen werden. In den wilden ersten 20 Minuten wird einem Menschen durch einen Feuerlöscher der Schädel eingeschlagen und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Selbst als erfahrener Horrorfilmschauer hat man das Gefühl die Schläge irgendwie mit abzubekommen. Durch die Art der Inszenierung wird die sichere Distanz, die man sonst bei den Effekten in Horrorfilmen immer hat, völlig aufgehoben. Man sitzt also nicht vor dem Fernseher und denkt sich "wie haben die das denn gemacht", sondern vielmehr "verdammt, was geht denn jetzt ab?". Ebenso verhält es sich mit der Vergewaltigungsszene, die es wirklich in sich hat. Alex verläßt eine Party, wo sie ihr betrunkener Freund Marcus genervt hat und weil kein Taxi kommt geht sie zu Fuß durch eine Unterführung. Dort kommen ihr ein Mann und eine Frau entgegen, wobei sich der Mann als ein brutaler Schläger erweist. Als er die hübsche Alex sieht, läßt er die andere Frau gehen und bedroht Alex, schmeißt sie schließlich zu Boden, vergewaltigt sie und verprügelt sie anschließend. Diese ganze Sequenz ist fast 10 Minuten lang und wurde ohne einen einzigen Schnitt gedreht! Diese in der Filmwelt sicherlich einmalige Szene zeigt die totale Erniedrigung einer Frau, als Zuschauer kann man dem nur machtlos zuschauen. Man ist sogar versucht ein "Aufhören!" Richtung Fernseher/Leinwand zu schreien um diese nervenzermürbende Szene zu beenden.

Irreversible - ScreenshotIrreversible - Screenshot

Und hierbei stellt sich dann natürlich die Frage, wie weit Gewalt in einem Film eigentlich noch gehen darf. Mittlerweile hat man ja fast alles durch. Reiner Splatter wirkt mittlerweile nur noch comichaft, Schußwunden gibt es schon in deutschen Krimiserien zu sehen und gegenseitiges Knochenbrechen ist seit dem Einzug der asiatischen Martial Arts Filme auch schon abgehakt. Ein paar letzte Tabus wie z.B. brutale Gewalt gegen Kinder oder Behinderte sind noch nicht vollends ausgelotet worden, aber das muss ja auch nicht wirklich sein. Vergewaltigungen gab es ab und zu schon mal zu sehen, das berüchtigste Beispiel dürfte Meir Zachis Ich spuck auf dein Grab sein, in dem eine Frau von 4 Rednecks nacheinander vergewaltigt wird und sich anschließend bei ihnen rächt. Irreversible verbreitet im Vergleich zu dem letztgenannten Film aber die dreifache Wirkung, was Kritker aufschreien lassen wird, ob das denn wirklich nötig sei. Ich bin der Meinung ja. Nicht etwas weil ich gewaltgeil bin oder gar die Vergewaltigung von Frauen tolerieren würde, ganz im Gegenteil, aber ohne die Szenen könnte der Film nicht funktionieren und würde nicht die große Wirkung beim Zuschauer hinterlassen. Die Vergewaltigungsszene ist keine reißerische Zurschaustellung, die den Zuschauer vielleicht auf dumme Ideen kommen läßt. Es wirkt vielmehr sehr abschreckend und das erste Mal überhaupt bekommt man eine Ahnung, wie sehr eine Frau während solch einer brutalen Tat zu leiden hat.

Solch ein Film könnte natürlich auch nicht funktionieren ohne die richtige Schauspieler. Und hier muss ich wirklich mal die Leistung der drei Hauptdarsteller Monica Bellucci, Vincent Cassel und Albert Dupontel hervorheben, die so natürlich vor der Kamera agieren, dass man manchmal den Fakt vergisst, dass es doch ein inszenierter Spielfilm. Gerade weil Monica Bellucci und Vincent Cassel auch privat ein Paar sind, wirkt das letzte Drittel zu keiner Minute gespielt oder nach Drehbuch auswendig gelernt aus. Pierre, gespielt von Albert Dupontel, ist ein recht interessanter Charakter. Er ist eigentlich der besonnenere der beiden Männer, versucht Marcus die ganze Zeit zurückzuhalten um dann schließlich die brutalste Tat des Films zu vollziehen. Wenn man das Ende des Films kennt, also den Beginn der Geschichte, merkt man erst, dass der Film mit Elementen wie Schicksal und Vorbestimmung spielt, denn wenn man weiß was passiert, sieht man erst, das viele kleine Dinge den Verlauf der Handlung bestimmen und zu einem bitteren Ende führen.

Irreversible - ScreenshotIrreversible - Screenshot

Gedreht wurde der Film in chronologischer Reihenfolge, nur mit dem groben Handlungsgerüst als Drehbuch und ohne ein Shooting Script. Fast alle Dialoge wurden von Gaspar Noé nur grob vorgegeben, den Rest improvisierten die Schauspieler. Dadurch bekommt der Film eine sehr natürliche Note, denn nichts wirkt wie eingeübt oder lange geprobt. Dabei wurden aber nicht nur First Takes genutzt, sondern die meisten Szenen wurden mehrmals gedreht und dann die beste Aufnahme für den Film verwendet. Die Vergewaltigung wurde sechsmal an zwei Tagen gedreht und jedesmal fiel das Ergebnis anders aus. Am schwierigsten erwies sich der Dreh der Partyszene in der zweiten Hälfte des Films. Es mussten viele Statisten eingesetzt werden und damit die Party natürlich wirkt, wurde aus dem vermeintlichen Dreh einfach eine richtige Party. Das brachte allerdings das Problem mit sich, dass die Darsteller und Teile der Crew fast unkontrollierbar wurden. Daneben wurden aber auch in vielen anderen Szenen Laiendarsteller eingesetzt, so ist z.B. der Polizist Albert Dupontels Charakter Pierre ausfragt ein richtiger Kommissar der Pariser Polizei gewesen. Selbst Gaspar Noé taucht zu Beginn als ein sich selbst befriedigender Gast in der Schwulenbar auf. In emotional sehr heftigen Szenen waren die Schauspieler teilweise so aufgepuscht, dass manche Schläge wirklich trafen.

Gaspar Noé wird in seinem Heimatland als eine neue Hoffnung im Regiefach gefeiert. Bislang hat er allerdings neben Irreversible nur einen Kinofilm gedreht, das 1998er Werk Seul contre tous (Menschenfeind), aus dem der Hauptcharakter, gespielt von Philippe Nahon, auch kurz seinen Weg in Irreversible gefunden hat, und zwar der ältere Mann in dem Zimmer direkt zu Beginn des Films. Ansonsten hat Gaspar Noé nur einige Kurzfilme gedreht. Monica Bellucci werden die meisten zur Zeit wahrscheinlich aus den beiden neuen Matrix Teilen kennen, allerdings war sie unter anderem schon in Le Pacte des loups (Pakt der Wölfe) und Dobermann zu sehen und war einer der drei Bräute von Dracula in Bram Stoker's Dracula. Seit 1999 ist sie mit Vincent Cassel verheiratet, ebenfalls aus Le Pacte des loups und Dobermann bekannt ist und war außerdem auch in Les Rivières pourpres (Die purpurnen Flüsse) zu sehen.

Irreversible - ScreenshotIrreversible - Screenshot

Auf DVD gibt es den Film bereits in mehreren Versionen. Die technisch beste ist soweit ich weiß natürlich die französische, allerdings gibt es dort keine englischen Untertitel. Dann haben bereits England, USA, Kanada, Korea und die Schweiz jeweils eine Ausgabe, die allerdings alle unterschiedlich in der technischen Qualität und ihrer Ausstattung ausfallen. Die schweizer DVD bildet bei den Extras das Schlußlicht, denn dort gibt es nur einen Trailer, während die koreanische DVD das schlechteste Bild bzw. Mastering haben soll. Die britische hat immerhin noch Filmographien, Trailer und Liner Notes, während es bei der US-Version immerhin noch den Audiokommentar sowie ein paar weitere Extras gibt. Lions Gate, die die US-DVD veröffentlicht haben, ist allerdings ein Patzer passiert, denn das angekündigte Making-Of über die Special Effects wurde stumpf vergessen, soll aber in einer Neuauflage nachgereicht werden. Ich habe die kanadische DVD vorliegen, die im Vergleich zu den anderen DVDs noch am besten abschneidet. Das Bild der DVD zu bewerten ist bei diesem Film extrem schwer, da viel mit Zooms, gewollten Unschärfen, Farbspielereien etc. gearbeitet wird. Durch die wilden Kamerabewegungen läßt sich eh kaum feststellen, wo jetzt eventuell das Mastering versagt hat oder der Film gewollt diese Optik besitzt. Wenn es dann doch mal ruhiger wird vor der Kamera, dann kann ich eigentlich nur anmerken, dass die Schärfe in manchen Szenen etwas besser hätte sein können, aber das läßt sich wie gesagt insgesamt nur schwer bewerten. Als Tonspur bekommt man den französischen Originalton in einer Dolby Surround oder Dolby Digital 5.1 Abmischung. Dazu gibt es gut lesbare englische Untertitel, die aber auch für Hörgeschädigte konzipiert wurden, eine normale Untertitelspur gibt es nicht. Das ist zwar manchmal etwas seltsam Beschreibungen von Geräuschen eingeblendet zu sehen, aber als so störend habe ich es nicht empfunden.

Das Menü der DVD ist in englisch und französisch vorhanden, man muss einmal beim Start der DVD die gewünschte Sprache auswählen. Das Hauptextra ist der auf französisch gesprochene Audiokommentar von Gaspar Noé, für den aber dankenswerterweise englische Untertitel vorliegen. In seinem Kommentar vermittelt er nicht nur einige interessante Informationen über die Dreharbeiten und die Produktion des Films, sondern schildert auch seine Sicht der Dinge und warum er gewisse Szenen so inszeniert hat wie sie im Film zu sehen sind. Zu den Special Effects gibt es ein eigenes Making-Of. Das dauert zwar nur knapp über 7 Minuten, bietet aber interessante vorher-nachher Vergleiche um zu verdeutlichen, wo die Computertechnik Fehler ausbügelte oder erst die entscheidenden Effekte lieferte. Die eine Deleted Scene zeigt nur ca. 30 Sekunden wie Monica Bellucci im Krankenbett liegt. Nichts besonderes und ich kann verstehen, dass die Szene aus dem Film entfernt wurde. Von Gaspar Noé gibt es noch seinen Kurzfilm Intoxication auf der DVD, das einzige Feature ohne englische Untertitel. Sonderlich spannend sieht der Film allerdings auch nicht aus, man sieht nur eine Person in einer etwas schäbigen Küche sitzen und dazu hält er einen Monolog über die ganzen 5 Minuten Laufzeit. Zum Schluß sind dann da noch der Kinotrailer sowie 6 verschiedene Teaser und die zwei Musikvideos "Stress" (4:25 Min.) und "Outrage" (4:18 Min.).

Update 04.08.2004:

Passend zur ersten Veröffentlichung der "KinoKontrovers" Reihe von Legend Home Entertainment, dem 1998 entstandenen Film Menschenfeind von Gaspar Noe, stellt Irreversible die Nummer 2 dar. Auch hier läßt sich das Bild anhand der eingesetzten Techniken und Stilmittel nur schwer bewerten. Aber im Vergleich zur kanadischen DVD hat die deutsche DVD keine Bewegungsunschärfen, ein Nebeneffekt bei der kandischen Scheibe von der Normkonvertierung des PAL-Materials nach NTSC. Da der Film hauptsächlich auf verschiedenen 16mm Materialien gedreht wurde, Handkameras zum Einsatz kamen und digitale Effekte, ist die Schärfe natürlich nicht unbedingt optimal. Außerdem gibt es ein stetes Bildrauschen, was aber auch seine Ursachen in der Produktion zu suchen hat. Im direkten Vergleich könnte man aber der deutschen DVD gegenüber der kandischen das bessere Bild attestieren, auch wenn die Differenzen zumeist minimal sind. An Tonspuren gibt es neben einer eigens erstellten Synchronisation in Dolby Digital 5.1 und DTS auch noch den französischen Originalton in Dolby Digital 5.1, dazu natürlich auch deutsche Untertitel.

Der Audiokommentar konnte leider nicht übernommen werden. Dafür aber die meisten anderen Extras, die auch schon auf der kanadischen DVD zu finden waren. Der Kurzfilm "Intoxication" wird nun für Leute ohne Französischkenntnisse durch deutsche Untertitel verständlicher. Es handelt sich dabei um einen Monolog eines Filmregisseurs, der an HIV erkrankt ist und von seiner Vision des freien Filmemachens erzählt. Die Deleted Scene mit Monica Belucci im Krankenbett ist hier ebenso enthalten wie auch das Making-Of über die Spezialeffekte und die Musikvideos "Stress" und "Outrage". Des weiteren gibt es noch den französischen Trailer, einen dreiminütigen Zusammenschnitt von 6 Teasern sowie noch 9 TV Spots, die auch zu einem langen beitrag zusammengeschnitten wurden. Ein kleines Highlight stellt aber das 24-seitige Booklet dar, in dem Marcus Stiglegger in einem interessanten Essay auf die Filme Gapsar Noes und vor allem natürlich auf Irreversible zu sprechen kommt.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 02.11.2003
Letzte Textänderung: 08.08.2006

Leser-Kommentare

18.01.2006, 13:26:50 Evil Wraith

Nun, ich habe viele Diskussionen zu diesem Film interessiert und zumeist auch amüsiert verfolgt und stelle fest: Die meisten selbsternannten "Indies", die sich ob ihres Konsums von Nicht-Mainstream-Filmen selbst beweihräuchern, können sich von dem Normalniveau, das sie doch angeblich so verachten, nicht ansatzweise abheben. Nein, da wird argumentiert und interpretiert, als ob ein Dan-Brown-Roman zur Debatte stünde. Was ich sagen will: Dieser Film ist das beste Mittel, um die Spreu vom Weizen zu trennen, um "Trivialintellektuelle" von denen zu unterscheiden, die sioch ernsthaft mit dem Leben auseinandersetzen. Dieser Film ist menschenverachtend. Und das nicht auf die simple plakative Art, sndern in seiner Philosophie, der Philosophie des Regisseurs. Noe selbst hat eine sehr misanthrophische Einstellung. Und diese wird in diesem Film sehr deutlich, wie ansatzweise auch schon im Vorgänger "Menschenfeind". Menschliches Leben ist hier absolut wertlos. Je weiter man in die Tiefe der Zivilisation und der heilen Welt des gutgestellten Mittelstandsbürgers bis zur High Society vordringt, desto weniger zählt ein Menschenleben. Tja, traurig, aber wahr. Das absolute Maximum der verlorenen Menschenwürde ist dann wohl Hollywood.

06.01.2006, 12:11:01 Raul ( Email schreiben )

ich finde den film auch GENIAL und kann ihm jeden nur empfehlen. Die Schnitttechnik (einfach sehr wenig schnitt) und die kamera passen hervorragend zu der story (z.b. als alex auf der notarzt trage liegt, pocht die kamrea wie ein herzschlag,passend zum sound). doch ich finde das erste gespräch zwischen dem nackten dic´ken und dem anderen ein bisschen verwirrend.er erzählt, dass er seine tochter gepoppt hat und sagt dann die zeit zerstöre alles???könnt ihr mir erklären, was dieser dialog darstellen soll???

Das ist eine Art Rückblick auf Gaspar Noés vorherigen Film "Menschenfeind" - Carsten

17.08.2005, 13:52:52 Trakl

Ich will noch mal was loswerden !

Die Aussage des Films ist letztlich auch nicht das, was eine oberflächliche Betrachtung des Films nahe legt.
Es geht nicht um ein Plädoyer gegen Selbstjustiz oder gegen Gewalt gegen Frauen.
Es geht schlicht um die Vergänglichkeit! Dass das den meisten nicht aufleuchtet, ist mir ein Rätsel, zumal der Wahlspruch des Films gleich zweimal (am Anfang und am Ende) in dicken Lettern präsentiert wird: "Le Temps détruit tout" - die Zeit zerstört alles!
Deswegen, und NUR deswegen ist der Film konsequenterweise rückwärts erzählt. Dies dient dazu, in jedem schönen Bild am Ende, in jeder Aussage der Protagonisten, die Vergänglichkeit derselben zu erkennen, denn man hat ja schon die Demontage der Schönheit, der Meinungen und des Charakters zu Anfang erlebt.
Alex' Schönheit wird zerstört. Pierres besonnenes und intellektuelles Wesen wird am Ende (am Anfang!) in rohe Affektgewalt aufgelöst. Gerechtigkeit wird zerstört , denn es wird am Ende (am Anfang....) der falsche getötet.
Sex wird zur rohen Gewalt.
Daher ist alles (!) was der Film zeigt, nur konsequent und absolut notwendig. Nichts ist pure Berechnung! Nur durch starke Bilder am Anfang spürt man am Ende die Vergänglichkeit, die den schönen Bildern und dem liebevollen Pärchen innewohnt. Dass Alex schwanger ist, verstärkt das Gefühl. Auch durch Fortpflanzung entgehen wir nicht der unerbittlichen Zerstörungskraft der Zeit.
Die scheinbar "hellseherischen" Elemente, in denen Alex ihren Traum vom Tunnel schildert, oder Marcus seinen Arm nicht spürt, sind nichts Esoterisches, sonder zeigen dass der Mensch sich seiner Vergänglichkeit zumindest manchmal bewusst ist.

Einer der wichtigsten Filme der Filmgeschichte, in jeder Hinsicht genial inszeniert.

20.06.2005, 10:52:55 mICHAEL linowski ( Email schreiben )

Ich habe den Film gestern auch geguckt.Ich fand die Scene mit dem Feuerlöscher einfach nur geil.Es war gut gemacht.Die Vergewaltigungsscene war zwar etwas unangenehm anzuschauen, aber trotzdem gut geschauspielert.Ich war sehr gespannt auf den Film, da er ja so oft kritisiert worden ist.Ich hab ihn mir ganz ehrlich schlimmer vorgestellt.Da sind ja manche Horrorfilme noch um einiges schlimmer. Man darf schließlich hier auch nicht vergessen, dass es nur ein Film ist.Man sollte den Film eher loben, dass er so realistisch dagestellt ist und das er so mitergreifend ist, dass man praktisch mit der Frau mitleidet und sogar Tränen vergiesst.

25.05.2005, 13:17:26 dillinger ( Email schreiben )

@peter
Da der Film sehr realitätsnah ist wird es wohl kaum einen zweiten Teil geben, in dem der Täter einen Arschvoll bekommt, das würde dem ganzen Film seine Note nehmen.
Ich bin am Überlegen, mir diesen Film zu kaufen, nur um ihn originalverpackt in mein Zimmer zu stellen, und jedem der danach fragt, die Antwort zu geben:" Nein, mein Freund. Diesen film verträgst DU nicht, ICH nicht, NIEMAND nicht." Übrigens, dass der Täter heil durchkommt ist der dritte Skandal in diesem Film, meiner meinung nach

11.05.2005, 18:15:02 Peter ( Email schreiben )

Zu Benny,
Du hast nicht genau aufgepasst, das Opfer mit dem Feuerlöscher ist leider nicht der Vergewaltiger, der steht
nach der Tat staunend daneben.
Hoffentlich gibt es noch einen 2. Teil, damit der Frauenhasser "bestraft" wird !!

06.05.2005, 12:03:01 Benny ( Email schreiben )

Hy ich bin gestern mit meiner Freundin in die Videothek gegangen um mir einen Film auszuborgen! Ein Freund hat mir Empfohlen Irreversible anzusehn! Also haben wir uns Ihn ausgeborgt und angesehn! Ich muss sagen so ein brutaler und beängstigter film.. sowas hab ich noch nie gesehen! Mir hat mein Herz weh getan so echt kam mir die Vergewaltigung vor und ich muss jetzt irgendwie die ganze zeit daran denken was wäre wenn mir das passieren würde und meiner Freundin was zustößt... Der Film ist meiner meinung nach sehr gut weil er einfach die Wahrheit zeigt nur kann ich das garnicht ertragen.. Am anfang habe ich noch nicht verstanden warum er den Mann mit dem Feuerlöscher den Kopf zertrümmert aber nachdem ich wusste das es der Vergewaltiger war und auch die scene der vergewaltigung sah und wie er sie geschlagen hat.. da wurde mir nur eines klar.. an seiner stelle hätte ich wenn es um mein mädchen gegangen wäre ihm noch viel länger auf sein gesicht eingeschlagen... den solch ein mensch ist in meinen augen sowieso nichts wert...

28.04.2005, 22:14:39 Kristina ( Email schreiben )

Ich finde es extrem traurig, dass fast keiner solche Filme zu schätzen weiß, vor allem nicht die Presse, die 'Irreversibel' vor dem Publikum zu dem gemacht hat, was er auf keinen Fall ist, nämlich ein billiger Skandalfilm, der nur provozieren will. Ich würde es durchaus verstehen, wenn man sich wegen eines Tarantino Films aufregt, weil er offensichtlich Gewalt verherrlicht und sie zu einem bloßen ästhetischen Mittel macht, doch Gaspar Noé sollte man eigentlich danken. Danken dafür, dass er Gewalt so darstellt, wie sie wirklich ist, nämlich ekelhaft und abartig. Doch viele Menschen wissen das leider nicht zu schätzen und halten es für billige Provokation, was mehr als nur bedauernswert ist, da sie dadurch einen ehrlichen und einzigartigen Film verlieren

12.04.2005, 01:12:41 udowriter ( Email schreiben )

"Irreversible" zeigt das Schiksal als Ohnmacht. Etwas von dem man glaubt, daß es einem selber nie geschen würde, weil es immer nur den anderen, denen im Fernsehen zustößt. Der scheinbare gerade Lebensweg wird verbogen, oder wie bei "Irreversible" regelrecht abgebrochen. Alles ist zerstört. Und die Zerstörung des normalen Lebens gipfelt in diesem Film in Vergewaltigung, gebrochenem Arm und zertrümmertem Schädel. Kaum ein Film der letzten Jahre hat es gechafft einen solchen knüppelharten Realismus auf die Leinwand zu bringen, ogwohl er eigentlich vollkommen surreal ist. Die Welt/Unterwelt in der sich "Irreversible" abspielt wird den meisten Menschen fremd sein. Trotzdem ist man mitten im Geschehen. "Irreversible" = nicht mehr rückgängig zu machen. Das ist wohl die wichtigste Aussage dieses erschütternden Films.

04.04.2005, 12:47:33 Evil Wraith

Dieser Film hat das Selbe Problem, das "Clockwork Orange" seinerzeit auch hatte: Er ist zu hart für seine Ära. Und genau so ist es ihm ergangen: Er wurde für alle möglichen Auszeichnungen nominiert - und hat keine einzige bekommen. Schade, denn es ist der wohl lakonischste und menschennahste Film aller Zeiten. Kein anderer Film schafft es, so viele Emotionen aufzuzeigen, wie "Irréversible". Der Film beginnt wie ein beinharter Psychothriller und endet mit einer unglaublichen Menschlichkeit, wie ich sie in letzter Zeit nur in "Hautnah" gesehen habe. (Diesen Film hab' ich mir damals nur angetan, weil mich meine Freundin hineingeschleppt hatte - ich hab's bis heute nicht bereut.) Die Umkehrung des Handlungsablaufes hat auch einen unschätzbaren Nebeneffekt: Nach diesem Film ist der Zuschauer zwar äußerst nachdenklich, nicht aber deprimiert, wie etwa nach "Dancer In The Dark". Wer immer "Irréversible" bis zum Ende durchsteht und mehr als nur ein halbes Pfund Hirnschmalz sein Eign nennt, für den wird diesen Film ein Schlüsselerlebnis sein.

04.04.2005, 02:54:28 Götz M. ( Email schreiben )

Das sind die Art von Filmen,die mitten in den guten Glauben des Menschen treffen,mit voller Wucht.Die Psyche zerreissen und die Frage aufwerfen:Wie sind Menschen zu solchen Taten fähig.Es ist gut,mit welcher Härte Irreversible beginnt.Ich denke,schon dadurch sortiert sich das Publikum aus.Wer bestimmte Passagen nicht übersteht,der sollte den Film wohl auch nicht sehen,wobei ich das bedauerlich finde;denn gerade der softe Ausklang gewährt einem in erster vermeintlicher Weise etwas Balsam für das geschundene Empfinden.Wie wäre wohl der Film zu ertragen,wenn er einen normalen Zeitverlauf hätte?Das denke ich,würde den Zuschauer noch viel enormer vor den Kopf stossen.Ganz genial fand ich den Charakter Pierre,der den völlig von Rache entbrannten Marcus eigentlich immer beruhigen und der Situation,die sich dann ergab aus dem Wege gehen wollte.Er,der Exfreund von Marcus' Freundinn,der sie immer noch mehr liebt,als Marcus,der zb auf der Party die Gelegenheit nicht ausgelassen hätte,mal ne schnelle Nummer zu schieben.
Doch als er dann den vermeintlichen Peiniger seiner Exliebe trifft,zum absoluten Berserker mutiert.
Und das gab mir den Rest;denn allen Gerechtigkeitswunschdenken zum Trotz erwischt es auch noch den Falschen.Wer von Hollywood-Happy Ends die Nase voll hat,der ist hier gut bedient,ja noch viel mehr.Irreversible zeigt das Leben,das keiner sehen,ganz geschweige erleben möchte.Ein Leben das aber überall auf der Welt mit seiner ganzen Abartigkeit Typ Mensch vorhanden ist.Da freut sich das Herz wieder über Hans Moser Filme,um wieder etwas zur Oberflächlichkeit zurück zu kehren.

28.02.2005, 16:35:48 Host

Hallo,
also ganz ehrlich, eigentlich wollt ich nach den ersten Fünf minuten diesen Film ausschalten weil ich diese kamera Führung einfach nur *dumm* fand. Diese Orientierungslosigkeit hat mich echt nicht fasziniert. Aber da das Blair Witch projekt nicht anders war dachte ich mir *Mensch, schau ihn doch*. Ehrlich gesagt habe ich dann aber ausgeschalten als die Vergewltigungs Szene schon seit 5 Minuten im gang war. Ganz ehrlich, Ich als Frau, habe es nicht verkraftet mir das anzuschaun. Ich hatte Tränen in den Augen und hätte am Liebsten irgendetwas schweres in meinen TV geworfen. ich fand mich total hilflos, man sieht einfach nur hin und kann nichts tun, genauso grausam fand ich es das ein Passant kam und dann einfach wieder ging! was ist bloß aus der gesellschaft geworden?! Ganz ehrlich, ich glaube nicht das ich ihn mir nochmal anschaue, das rüttelt echt zu sehr an meiner Nervengrenze!

04.08.2004, 00:43:23 welpe

Warum müssen denn alle guten Filme Kunst sein? Quatsch... Irreversible wühlt einfach nur emotional auf.. und das tut er wie kaum ein anderer.
Ich glaube das, was die Leute erschreckt, ist die Vorstellung, dass sie vielleicht genauso gehandelt hätten. Jaja, der Mensch, das Tier.

20.07.2004, 21:50:59 Lüse ( Email schreiben )

Was Dein Review betrifft, so kann ich mich Belmor nur anschließen, vom Hintergrund und zur Herstellung des Films das Beste, was ich bisher an Reviews gelesen hab.
Was den Film betrifft, so habe ich mich geweigert, ihn im Kino zu sehen. Gründe sind egal. Erst jetzt auf DVD hab ich ihn mir "angetan".
Diesen Film, und nebenbei jeden Film, MUSS man zu Ende gesehen haben um sich überhaupt ein Urteil erlauben zu können. Die Schlußszenen des Films, in diesem Fall ja der
Anfang der Geschichte, zeigen, wie schön das Lebensglück ist und wie wichtig es ist, es zu wahren oder zumindest alles mögliche dafür zu tuen. Das dies im Grunde nicht möglich ist, zeigt dieser Film auch. In diesem Film gibts kein Gut, kein Böse, keine Ideologie, nur den Menschen mit all seinen Facetten. Nicht einer ist unschuldig, auch nicht die vergewaltigte Frau, welche "einfach" versucht, weiterzugehen, während Ihr späterer Vergewaltiger seine Begleitung schlägt. Selbst fliehen beim Sehen der Szene noch.
Noé will nicht belehren, wie ich oft gelesen hab, Noé will zeigen. Und das tut er. Brachial,schnell, detailiert, krank, zart, lustig, alltäglich, absurd, nihilistisch usw.
Das Zitat "Die Zeit zerstört alles" kann einen nach diesem Film entweder in Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit des Lebens stürzen, einen sagen, daß man bisher Glück gehabt hatte, einen zum Kämpfen ermutigen, oder eben sein Leben so weiter zu führen, wie es war und ist.
Mich zumindest hat dieser Film "nur" berührt. Ich glaube, mehr wollte dieser Film auch nicht.

Lüse

20.07.2004, 20:45:59 Belmor ( Email schreiben )

Gratulation zu diesem Review, auch wenn es natürlich nicht perfekt ist, kann ich es doch als das beste bisher gelesene anerkennen, gute Arbeit!
Zum Film: Sehr interessant zu sehen, wie die Gesamtheit darauf reagiert, all diese übermütigen Beschimpfungstiraden zeugen doch nur, von deren eigener Schwäche...
Als ich den Film zum ersten Mal im Kino sah, konnte ich mir ein gewisses Lachen (verbunden mit Trönen zu diesem Zeitpunkt) nicht verkneifen. Diese Lockerheit zu Beginn, pures Glück auf Erden, das wirkte wie ein verhöhnender Schlag ins Gesicht gegen alle, die diesen Film bereits nach kurzer Zeit verlassen haben.

Der Film ist einzigartig in seiner Atmosphäre, schon das Intro deutet das an, die "umfallende Schrift" als Beispiel. Zu keinem Zeitpunkt wird man losgelassen, und, man kann es nicht oft genug sagen, ein besonderes Lob gebührt der Kameraführung, welche meines Erachtens auch mit nichts anderem zu vergleichen ist.

Gespannt bin ich wie ich beim nächsten Mal sehen auf den Film reagieren werde, das Empfinden wird sicher gänzlich anders sein...
Aber genug...
Ein Stück Filmkunst, das in seiner Eigenheit kaum noch überboten werden kann...

11.07.2004, 16:20:47 Trakl ( Email schreiben )

Tja, lieber Tetsuo, hättest Du Dir doch den Film mal zu Ende angesehen. Man muss ja nicht hinsehen, wenns einem schlecht wird. Ausserdem würde Dir genauso schlecht werden, wenn Du real anwesend wärst. So hat das noch kein Film rübergebracht und das ist das geniale daran. Der Film bietet auf jeden Fall viel mehr als nur rohe Gewalt. Er besitzt in anderen Szenen eine solch überwältigende Schönheit, der durch die Rückwärtserzählung ihre Vergänglichkeit so augenscheinlich innewohnt. Das ist die Kunst! Normalerweise sieht man in Filmen, in deren Verlauf es abwärts geht, erst die schönen Szenen und dann wird es immer deprimierender.
Gerade die Umkehrung macht einem die Vergänglichkeit bewusst, den Tod, und so lautet eben auch der Wahlspruch des Films: "Le Temps detruit tous".
Genialer Film.

25.05.2004, 23:13:49 naj ( Email schreiben Homepage )

also ich sehe doch mehr die kunst in diesem film. noe schafft es denn zuschauer zu fesseln und ihn in eine bedrückenden von gewaltszenen entsezten grundstimmung am anfang des filmes zuversetzten, die er jedoch zum schluss des filmes in eine weitaus beruhigendere stimmung ja fast schon glückliche stimmung enden zulaesst. Perfekt!

"le temps detruit tout"

noe hat es endlich mal wieder seid langem geschafft mich innerlich wirklich zuberühren und zum nachdenken anzuregen. daraus ziehe ich fuer mich den schluss dass er seine aufgabe als regiseur perfekt erfüllt hat und sein ziel den zuschauer zufesseln und zum nachdenken anzuregen ( carpe diem, vorbestimmung, soziales engagement um nur einige ansatzpunkte zu nennen) bei mir erreicht hat.. in meinen auge ein meisterwerk!

25.05.2004, 17:44:10 Duke ( Email schreiben )

Ich kann nur sagen, dass dieser Film meiner Meinung nach ein absolutes Meisterwerk ist... der review war sehr interessant und hat mir den Film nur noch mehr ans Herz gelegt. So hat mich ein anderer Film noch nie berührt und zum denken und interpretieeren verleitet. Einsame Spitze.

11.05.2004, 14:14:12 BillKiller

Dieser Film ist auf keinen Fall was für sanfte Gemüter, aber dennoch ein absolutes Meisterwerk, nicht nur in der Technik, der Erzählweise und der Schauspielleistung, nein, das Thema Gewalt wird hier in einer Art und Weise an den Zuschauer herangeführt, die zwar nervenaufreiben und, schockierend, aber dennoch nicht dem Selbstzweck dient. In einer Welt, in der uns so leicht nichts schocken kann und wir viele Sachen nur oberflächlich berühren, kommt der Film mit dem Thema Vergewaltigung, Rache, pure Gewalt und seine Folgen zwar radikal, aber auch sehr aufrüttelnd auf einen zu und man kommt nicht umhin, sich über die Gesellschaft und ihre kranken Auswüchse Gedanken zu machen. Und vor allem wird einem nach dem Film bewußt, wie nah Glück und Unglück, Freude und Leid beieinander liegen bzw. ineinander übergehen können. Wer starke Nerven hat und sich mit diesem ernstem Thema auseinandersetzen möchte, weil er das Leben in all seinen Facetten begreift, der schaut sich den Film an und macht sich seine eigenen Gedanken!

08.05.2004, 13:24:29 Tetsuo ( Email schreiben )

Dieser Film ist einfach nur krank. Eigentlich dachte ich, das mich Filme nicht mehr schocken könnten. Ich liebe Splatterfilme, bin absoluter Tarrantino-Fan und kaufe auch mal Filme in Holland um sie ungeschnitten zu bekommen. Aber dieses französische "Machwerk" konnte ich nicht länger als 15 Minuten (bis nach dem Feuerlöscher) aushalten: Erst wird einem schlecht von den Kamerafahrten (als hätte man einen Kamera-Brummkreisel benutzt), dann wird einem schlecht von der nervtötenden Soundkullisse und zu guter Letzt gab mir diese menschenverachtende Gewaltorgie den letzten Grund den Player auszuschalten. Das ist keine Kunst sondern eine Rundfahrt durch das psychische Problem eines hirnkranken Franzmannes. Bahhh.

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