Film Daten

Titel:
Dracula
Originaltitel:
Dracula
Land & Jahr:
England 1958
Laufzeit ca.: ?
78 Min.
Regie:
Terence Fisher
Darsteller:
Peter Cushing
Christopher Lee
Michael Gough
Melissa Stribling
Carol Marsh
Olga Dickie
John Van Eyssen
Valerie Gaunt
Janina Faye
Barbara Archer
Charles Lloyd Pack
George Merritt
George Woodbridge
George Benson
Miles Malleson
Alternativtitel:
• O Horror de Drácula
• Dracula il vampiro
• Le Cauchemar de Dracula
• Horror of Dracula
• Dracula 1958
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Warner
Label:
Warner
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 77:51
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 1.0
Englisch - DD 1.0
Untertitel:
Arabisch, Deutsch, Dänisch, Englisch, Französisch, Griechisch, Holländisch, Italienisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch, Türkisch
Extras:
  • Cast & Crew
  • Trailer

Dracula

Review

Dracula - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Jonathan Harker (John Van Eyssen) besucht die Burg von Lord Dracula (Christopher Lee), um dort seine neue Position als Bibliothekar einzunehmen. Bei seiner Ankunft ist die Burg allerdings menschenleer, aber eine Nachricht von Dracula weist ihn an, sich ganz wie zuhause zu fühlen. Kurz bevor Dracula dann auftaucht, taucht eine Frau (Valerie Gaunt) auf, die ihn um Hilfe bittet. Dracula scheint zunächst ein gütiger Gastgeber zu sein. Aber als Jonathan nachts die Burg erkundet, in Wahrheit ist er dort um den Vampir Dracula endgültig ins Jenseits zu befördern, begegnet er wieder der Frau. Die entpuppt sich aber ebenfalls als Vampirin, kann sich aber nicht an Jonathan laben, da im entscheidenen Moment Dracula erscheint und angreift. Als Jonathan am nächsten Abend versucht beide Vampire zu töten, erwacht Dracula von den Todesschreien der Frau und Jonathans Schicksal ist besiegelt. Einige Tage später erreicht Jonathans Freund Doktor Van Helsing (Peter Cushing) die Burg, findet dort aber nur die Leiche von Jonathan, Dracula ist verschwunden. Zurück in London entdeckt er, dass Jonathans Verlobte Lucy (Carol Marsh) bereits von Dracula gebissen wurde. Sie stirbt in der Nacht darauf und fortan ist Lucys komplette Familie in Gefahr. Van Helsing und Lucys Bruder Arthur Holmwood (Michael Gough) versuchen nun verzweifelt den Vampir abzuwehren...

Dracula - ScreenshotDracula - Screenshot

Neben dem ein Jahr zuvor entstandenen Curse of Frankenstein (Frankensteins Fluch) war es vor allem auch Hammer eigene Version von Dracula, die den Erfolg des britischen Studios begründete und Christopher Lee fortan immer mit dem Obervampir in Verbindung bringen sollte. Der Film gehört seitdem zu den Klassikern des Horrorgenres und das zu Recht. Das hängt nicht nur mit den Leistungen von Christopher Lee und Peter Cushing zusammen, sondern vor allem auch damit, wie dieser Film inszeniert wurde.

Die Hammer Studios hatten bei ihren großen Genreproduktionen ein unglaubliches Gespür für gothisch angehauchte Sets. Das Production Design war stets sehr detailreich und die satten Farben verwöhnten das Auge. Auch die Kleidung und Requisiten waren immer recht gut der Geschichte angepasst. Ihre Filme hatten diese urbritischen Touch, den sonst andere Studios nur sehr schwer bis gar nicht nachempfinden konnten. Die Darstellerriege setzte sich natürlich größtenteils aus Briten zusammen, sobald ein Amerikaner oder jemand aus einem anderen Land dazwischen auftauchte, merkte man es sofort. Dracula ist zwar heutzutage betrachtet relativ harmloses Horrorkino, damals allerdings setzten die Hammer Studios Maßstäbe. Bis dahin war großes Blutvergießen oder gar mit der Kamera festgehaltene Gewalt nicht so alltäglich wie heute. Und als einen eher technischen Standpunkt muss auch noch der Faktor berücksichtigt werden, dass die meisten Horrorfilme, die dem Publikum bis dahin bekannt waren, größtenteils schwarz-weiß waren. In diesem Dracula war zum ersten Mal das Rot des Blutes in seiner natürlichen Farbe zu sehen, was damals einen gewissen Ekelfaktor bei zarter besaiteten Zuschauern hervorrief. Die Hammer Studios waren zudem den Vorwürfen konservativer Filmkritiker ausgesetzt, die dem Studio Effekthascherei durch billigste Methoden vorwarfen. Das störte die Hammer Studios allerdings herzlich wenig, auch später nicht, da der kommerzielle Erfolg den von ihnen eingeschlagenen Weg bestätigte.

Dracula - ScreenshotDracula - Screenshot

Auch wenn Peter Cushing viel mehr auf der Leinwand präsent ist und den adeligen Wissenschaftler mit einem leichten Hang zum Snobismus mit Bravour spielt, so hat Christopher Lee doch die weitaus imposanteren Auftritte. Als er das erste Mal erscheint, ist er eine nur schwer zu erkennende Person im Dunkeln, mehr eine Silhouette als ein richtiger Mensch. Wenn man ihn dann deutlicher sieht, ist er zunächst ein recht normal aussehender, wenn auch wegen seiner Größe imposanter Mann, der allerdings von einem Hauch einer mysteriösen Aura umgeben wird. Als dann später die Vampirfrau über Jonathan Harker herfallen will, ist sein Erscheinen sehr viel eindringlicher. Wie eine Naturgewalt steht er plötzlich im Raum, mit Blut an den Mundwinkeln, rennt auf die Frau zu und springt dabei mit Leichtigkeit über einen Tisch hinweg. Hier merkt man deutlich, dass hinter der scheinbaren Fassade des Burgherrn ein viel größerer und auch gefährlicherer Charakter steckt, mit dem nicht zu spaßen ist.

Allerdings hat der Film natürlich auch ein paar kleine Fehler. Nach dem furiosen Beginn, sinkt das Tempo merklich ab und steigt erst langsam wieder an. In der Zeit zwischen Jonathan Harkers Ableben und dem Erforschen von Draculas Aufenthalt in London passiert zunächst nicht wirklich viel. Das zieht dann aber wieder an, sobald Van Helsing und Arthur Holmwood die erste Spur aufgenommen haben. Außerdem handelt Jonathan Harker in Draculas Burg ziemlich unlogisch. Er ist dorthin gereist, um Dracula den Garaus zu machen. In der Gruft, wo Dracula und die Frau in ihren Särgen liegen, tötet er als erstes die Frau, obwohl er zuerst an Draculas Sarg vorbeigeht und dort auch noch hineinschaut. Eigentlich sollte man annehmen, dass man die Situation nutzt und zuerst den vermeintlich stärkeren Gegner ausschaltet, bevor man sich dem Schwächeren widmet. Aber Harker tötet zuerst die Frau, woraufhin Dracula erwacht und natürlich seine Kraft und Stärke wieder voll ausspielen kann. Okay, zugegeben, hätte Harker zuerst Dracula getötet, wäre dieser Film ziemlich überflüssig geworden. Schließlich setzt seine Tat alle nachfolgenden Handlungen erst in Bewegung. Aber trotzdem sei es mir gestattet diesen Punkt anzusprechen.

Dracula - ScreenshotDracula - Screenshot

Die Story weicht von dem Roman Bram Stokers in einigen Punkten ab. Der Charakter des Dracula war in dem Buch ein optisch älterer Mann, während Lee hingegen in seinen besten Jahren steht und eher anziehend auf das weibliche Geschlecht wirkt. Jonathan Harker war ein Immobilienmakler und kein vampirjagender Gehilfe Van Helsings, der bereits schon im Vorfeld wußte, was für eine Nachtgestalt Dracula in Wirklichkeit ist. Das Treffen Harker mit den drei Vampirfrauen in Draculas Schloß wurde auf eine Frau reduziert und der Ort des Schloßes von Transylvanien nach Deutschland verlegt. Aus Dr. Seward, dem Leiter der Irrenanstalt, wird im Film ein Hausarzt, der vergeblich versucht Lucy zu heilen. Außerdem wurde sämtliche Verwandlungsphasen Draculas in einen Wolf oder eine Fledermaus über Bord geworfen. Wenn er irgendwo erscheint, dann vermittelt der Schnitt des Filmes, dass er plötzlich von irgendwoher geräuschlos aufgetaucht ist. Dies kann man aber sicherlich auf Budget-technische Einschränkungen zurückführen, da nicht das Geld für aufwendige Special Effects zur Verfügung stand.

Trotz aller Abweichungen von der Romanvorlage und den angesprochenen Schwächen ist die erste Hammer Studios Version von Dracula immer noch ein hervorragender Horrorfilm, der sich durch eine dichte Atmosphäre und zwei wunderbar agierenden Hauptdarstellern auszeichnet.

Dracula - ScreenshotDracula - Screenshot

Regie führte hier, wie auch bei Curse of Frankenstein, Terence Fisher. Fisher begann seine Karriere bei Hammer mit dem Film The Last Page (Erpresserin) und bis zum Frankenstein Erfolg drehte er Filme wie Four Sided Triangle oder die TV-Serie The Adventures of Robin Hood, das war allerdings keine Hammer-Produktion. Später zeichnete er sich für weitere große Erfolge der Hammer Studios verantwortlich, darunter The Hound of the Baskervilles (Der Hund von Baskerville), The Mummy (Rache der Pharaonen) oder Curse of the Werewolf (Der Fluch von Sinistro). Das Drehbuch, dass zwar auf dem Roman von Bram Stoker basiert, aber doch vieles abändert, wurde von Jimmy Sangster geschrieben. Sangster schrieb nicht nur die Drehbücher der erfolgreichen Horror-Remakes alter Universal-Klassiker, sondern auch viele andere Werke, darunter der James Bond-Klon Deadlier than the Male (Heisse Katzen) oder den Psychothriller The Nanny (War es wirklich Mord?) mit Bette Davis in der Hauptrolle. Der dritte im Bunde war Kameramann Jack Asher, der ebenfalls bei allen drei Neuvariationen alter Horrorthemen und späteren Nachfolgern dabei war.

Nachdem Peter Cushing und Christopher Lee bereits in Curse of Frankenstein sehr erfolgreich waren, wurden beide sofort für die Rollen von Van Helsing und Dracula von den Hammer Studios eingeplant. Lee, der den Roman Stoker sehr mochte, zeigte sich sofort begeistert von der Rolle, auch wenn er manche Änderungen zum Buch nicht für sehr gelungen hielt:

Zitat

That was the first time I played Dracula and in that film he did resemble Bram Stoker's creation in many ways, except in appearance, which was wrong and has remained wrong in every subsequent film version of the story. The Dracula of the book wore a coat, while all this business of cloaks and opera capes comes from the old Universal pictures. The idea of a man living in the depths of Transylvania, dressed up in white tie and tails and a cape is really quite ridiculus. [1]

Michael Gough ist ein vielbeschäftigter Schauspieler gewesen, der bereits 1947 seine erste Rolle spielte. Er war nicht nur für britische Horror-Schmieden tätig, sondern auch in Filmen wie der überdrehten Komödie Top Secret, der Schmonzette Out of Africa (Jenseits von Afrika), Wes Cravens The Serpent and the Rainbow (Die Schlange im Regenbogen) oder auch in Sleepy Hollow.

Dracula - ScreenshotDracula - Screenshot

Bei diesem Film ist es Warner, die ihm sein DVD-Debüt bescherten. Bei der Bildqualität kann man wahrlich nicht meckern. Die Farben sind kräftig und Bildschäden sind nur minimal zu entdecken. Das kräftige Bildrauschen, dass man während der Anfangscredits noch deutlich erkennen kann, hört sofort auf, wenn die Handlung an sich losgeht. Etwas mehr Schärfe, gerade im Detail wäre sicherlich noch wünschenswert. Aber insgesamt ist dies wirklich eine phänomenal gute Präsentation eine Klassiker. Der Ton, im original Monoformat in Deutsch und Englisch, enttäuscht ebenfalls nicht. Zwar kann man keine akkustischen Glanzleistungen erwarten, aber es gibt auch keinerlei Störgeräusche oder ähnliches zu hören. Lediglich bei den Extras gibt es ein dickes Minus. Gerade weil dieser Film den Ruf und Erfolg von Hammer mitbegründete, wäre es sehr wünschenswert gewesen, hier doch zumindestens eine kleine Doku oder ähnliches geliefert zu bekommen. Aber außer dem Trailer und einer simplen Auflistung von Cast und Crew gibt es nichts.

Quellennachweis

[1] Jack Hunter: "House of Horror - The Complete Hammer Films Story"

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 15.02.2004

Leser-Kommentare

04.09.2007, 19:18:54 Anja Ladenthin ( Email schreiben Homepage )

Ein toller Flm, der mich seit meiner Kindheit begleitete und mich von Anfang an faszinierte. Nein, nicht wegen der gruseligen Szenen, die heute wohl kaum noch einen Halbwüchsigen zum Kichern bringen würden. Aber dem Charme des grossartigen Christopher Lee muss man einfach unterliegen.

21.08.2004, 17:52:24 Manuela ( Email schreiben )

Kann mich dem Kommentar dazu eigentlich nur anschließen.
Super, klasse, ausgezeichneter Film. Besonder Peter Cushing als Van Helsing!!! Toller Schauspieler in einer für ihn perfekt zugeschnittenen Rolle.
Unbedingt ansehen!!!

04.03.2004, 17:39:06 Christian Schulze ( Email schreiben )

Ausgezeichneter Film, der auch heute noch sehr gut wirkt. Ich finde ebenfalls, dass der Streifen für die damalige Zeit sehr heftig ausgefallen ist. Insofern kann ich es nicht so ganz nachvollziehen, dass die damaligen entsetzten Zuschauer-Reaktionen heute oft als lächerlich dargestellt werden. Wesentlich lächerlicher finde ich es, dass die Bundesprüfstelle noch 1974 "Vampirella"-Comics indiziert hat. Die sind nämlich wesentlich harmloser als diese Dracula-Verfilmung.

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann