Film Daten

Titel:
The Living Corpse
Originaltitel:
Zinda Laash
Land & Jahr:
Pakistan 1967
Laufzeit ca.: ?
103 Min.
Regie:
Khwaja Sarfraz
Darsteller:
Ala-Ud-In
Asad Bukhari
Cham Cham
Latif Charlie
Deeba
Habib
Baby Najmi
Rehan
Sheela
Yasmeen
Munwar Zarif
Alternativtitel:
Dracula in Pakistan
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Mondo Macabro
Label:
Mondo Macabro
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
1.33:1 / 102:58
Sprachen/Ton:
Urdu - DD 1.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Audiokommentar von Pete Tombs und Omar Khan
  • Dokumentation: "Mondo Macabro: South Asian Cinema"
  • Featurette: "Dracula in Pakistan"
  • Trailer
  • Essay "Reviving the Corpse"
  • Postergalerie
  • Censor Reports
  • Eingefärbte Aushangfotos
  • Schwarz-weiße Szenenfotos
  • DVD Credits

The Living Corpse

Review

The Living Corpse - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Professor Tabani (Rehan) ist ein Wissenschaftler, der nach dem Elixir der Unsterblichkeit forscht. Nach einem Selbstexperiment wird er tot von seiner Assistentin gefunden und in einer Gruft begraben. Nach einiger Zeit erwacht er wieder, ist allerdings zu einem blutdurstigen Vampir geworden. Sein erstes Opfer ist seine Assistentin. Einige Zeit später reist Dr. Aqil (Asad Bukhari) zu dem Anwesen des Wissenschaftlers. Der Ort gilt mittlerweile als verflucht und wird von der allgemeinen Bevölkerung gemieden. Dort begegnet er Tabani, der sich ihm gegenüber recht höflich verhält und ihm seine Gastfreundschaft anbietet. In der Nacht versucht Aqil Tanabi und seine Assistentin zu töten, was allerdings schief geht und mit seinem Tod endet. Aqils Bruder (Habib) versucht herauszufinden wo sein Bruder abgeblieben ist, findet aber nur seinen toten Körper, von Tanabi weit und breit keine Spur. Der holt sich seine Opfer mittlerweile aus dem Haus von Parvez (Ala-Ud-In), einem Freund Aqils, dessen Schwester mit Aqil verlobt war. Parvez muss nun mit Hilfe von Aqils Bruder den Vampire irgendwie vernichten, wenn er seine Familie retten will...

The Living Corpse - ScreenshotThe Living Corpse - Screenshot

Das Horrorfilmgenre ist ja sehr international, die bekanntesten Werken stammen aus Amerika, Europa und asiatischen Ländern wie Japan. Das in Pakistan ebenfalls Filme dieses Genres produziert werden ist ja nicht unbedingt ungewöhnlich, aber so wirklich nennenswerte Filme, egal welchen Genres, sind mir aus dem Land bislang noch nicht untergekommen. Zinda Laash, so der Originaltitel dieses Films, stellt somit eine Premiere in meiner Filmsammlung dar und ist zudem ein recht obskurer Eintrag im Horrorfilmbereich. Dieser Film ist der erste Dracula-Film aus seinem Land, der zweite Horrorfilm überhaupt, und war damals in Pakistan nur Erwachsenen zugänglich. Die Handlung hält sich nur grob an die Romanvorlage von Bram Stoker und spielt zudem in der Zeit, in der der Film damals gedreht wurde.

Natürlich kann man kein grandioses Glanzwerk anspruchsvoller Horrorkunst erwarten. Das sich der Film auf einem doch recht trashigen Level bewegt dürfte sicherlich niemanden verwundern. Trotzdem kann man ihn gut konsumieren, auch wenn man sich an einige Eigenarten pakistanischer bzw. allgemein südasiatischer Filme gewöhnt hat. So wirken die eingestreuten Gesangs- und Tanzeinlagen auf einen unvorbereiteten Zuschauer zunächst befremdlich. Wer allerdings schon einige Filme z.B. aus Indien gesehen hat, wird das kennen. Diese Gesangseinlagen haben mit der eigentlichen Story allerdings nicht sehr viel zu tun und hätten ruhig zugunsten einer kompakteren Laufzeit weggelassen werden können.

The Living Corpse - ScreenshotThe Living Corpse - Screenshot

Was allerdings deutlich auffällt, ist die storytechnische Nähe zu dem Horror-Erfolg Dracula der Hammer Studios. Ganze Handlungselemente und Szenen wurden fast 1:1 übernommen. Das erste Erscheinen des Vampirs Tabani gleicht dem von Christopher Lee, Aqil tötet erst Tanabis Assistentin und wird dann getötet, genauso wie es Harker in dem britischen Vorbild ergeht. Das zieht sich so durch den ganzen Film und selbst das Finale endet mit einem ähnlichen Szenario. Dr. Aqil ist hier also Jonathan Harker, Tanabi spielt den Dracula, Van Helsing wird dargestellt durch Aqils Bruder und Arthur Holmwood ist Parvez. Für die anderen Charaktere aus dem Terence Fisher Film finden sich natürlich auch entsprechende Gegenstücke. Das Tabani erst durch ein wissenschaftliches Experiment zu einem Vampir wurde, liegt daran, dass es die uns bekannte Vampirmythologie in der pakistanischen Kultur so nicht gab und man die Zuschauer auf einem etwas anderen Wege dorthin führen musste.

Nimmt man mal die offensichtlichen Abkupfereien beiseite, so kann der Film zumindestens atmosphärisch überzeugen. Die schwarz-weiß Fotografie erinnert hier mehr an den Universal Dracula mit Bela Lugosi und sorgt für ein ordentliches Gruselfeeling. Die schauspielerischen Leistungen sind teilweise etwas hölzern, auch wenn Rehan einen halbwegs ordentlichen Dracula abgibt. Vom Production Design sollte man auch nicht zuviel erwarten. Aber trotz seiner beschränkten Mittel versteht der Film noch auf einem gewissen Level zu unterhalten. Stellenweise ist er auch unfreiwillig komisch, was dem Sehvergnügen aber in keinster Weise schadet. Dies dürfte so ziemlich der einzige (zumindestens mir bekannte) Vampirfilm sein, in dem die Vampirjäger mit ihren Gegner eine flotte Autoverfolgung über enge Bergstraßen hinlegen!? Die klassischen Draculas verwandelten sich wenigstens in eine Fledermaus oder einen Wolf, aber Tabani, der ja durch den "irdischen" Weg seines Elixiers zum Vampir wurde, steigt in ein Auto und düst los. Geschlafen wird aber immer noch stilvoll im Sarg! Auch bietet der Soundrack einige Lacher, wenn z.B. nach der eher genretypischen Titelmusik plötzlich eine Variation von "La Cuca Racha" zu hören ist.

The Living Corpse - ScreenshotThe Living Corpse - Screenshot

The Living Corpse sorgte damals für Aufsehen, war er doch der erste Film in Pakistan, der von den Zensoren nur für ein erwachsenes Publikum freigegeben wurde, eine echte Ausnahme damals. Trotzdem entwickelte sich der Film zu einem Erfolg, gerade weil die Zuschauer durch die "Adults only" Freigabe neugierig geworden sind. An weitere Informationen über Regisseur und Darsteller zu kommen erweist sich als recht schwierig. Die IMDB listet nur diesen einen Film für den Regisseur und auch bei den Schauspielern sieht es nicht viel besser aus, obwohl sie definitv mehr gemacht haben als nur diesen einen Film. Hauptdarsteller Rehan war sogar damals ein angesehener Schauspieler in Pakistan wie auch in Inden.

Dieses Review möchte ich dazu nutzen, einmal das DVD-Label "Mondo Macabro" vorzustellen, da es sich um den ersten Film aus deren Programm handelt, der hier besprochen wird. Gründer des Labels ist Pete Tombs, der einigen vielleicht als Buchautor der "Immoral Tales" Bücher oder des Werkes " Mondo Macabro: Weird and Wonderful Cinema Around the World" bekannt ist, in denen er obskure Filme aus allen Ländern der Welt vorstellt. Diese Linie führt er mit seinem Label Mondo Macabro fort, dass sowohl in Großbritannien als auch in den USA beheimatet ist. Ihr bisherigen Programm umfasst zumeist Horrorfilme, aber auch Gialli und andere Genrefilme aus USA, Europa, Asien und sogar Südamerika.

The Living Corpse - ScreenshotThe Living Corpse - Screenshot

An die Bildqualität von The Living Corpse sollte man keine zu hohen Erwartungen stellen, wobei man allerdings auch anmerken muss, dass vernünftige Master aus einem, im filmhistorischen Sinne doch exotischen Land, wohl eher die Ausnahme sind. Laut dem Covertext wurde die DVD von dem einzigen noch existierenden Negativ angefertigt. Dafür ist die Qualität insgesamt eigentlich noch recht gut. Zwar gibt es laufend kleinere Defekte und das Bild ist teilweise doch recht dunkel, aber einen richtig schlechten Gesamteindruck macht die DVD auch nicht. Die Schärfe schwankt allerdings ziemlich zwischen "recht unscharf" und "schärfer gehts nicht", was aber wohl auch teilweise der Produktion an sich anzulasten ist. Der Ton liegt in der pakistanischen Sprache Urdu in Mono vor. Er klingt insgesamt recht dumpf, es gibt vereinzelte Aussetzer und auch des öfteren mal Knackser, aber auch hier konnte man schon von vornherein nicht viel erwarten. Da 99% der DVD-Besitzer die Sprache wohl wahrscheinlich eh nicht verstehen, ist das verschmerzbar. Die englischen Untertitel sind recht gut lesbar und heben sich klar vom Hintergrund ab.

Kaum zu glauben, aber wahr, Mondo Macabro hat sogar einiges an Bonusmaterial zusammengetragen. Und das bei einem Film, wo man mit nicht mehr als dem Trailer gerechnet hat. Das erste Feature ist die von Pete Tombs für den britischen Fernsehsender Channel 4 produzierte Doku-Sendung "South Asian Cinema" über die Horrorfilmproduktion in Südasien. Die vorgestellten Filme wirken aufgrund ihrer Machart recht trashig (am besten gefiel mir das Filmplakat, dass einen indischen Supermann zusammen mit einer Spider-Woman zeigte), machen teilweise aber auch Lust auf mehr. Hier kommen auch Filmkritiker wie Filmproduzierende zu Wort. Die zweite Featurette nennt sich "Dracula in Pakistan" und bietet kurze Interviews mit dem Produzenten, Regisseur und Hauptdarsteller von The Living Corpse sowie auch einigen pakistanischen Filmexperten. Die Hauptattraktion dürfte aber der Audiokommentar von Pete Tombs und Omar Khan, einem pakistanischen Filmexperten sein. Der Kommentar ist zwar ein wenig trocken ausgefallen, aber es werden viele Informationen zum Film und den historischen Hintergründen vermittelt. Hier erfährt man auch, dass die Vampirbeißerchen extra aus Deutschland importiert wurden!

The Living Corpse - ScreenshotThe Living Corpse - Screenshot

Das weitere Bonusmaterial besteht zunächst aus dem Trailer. Danach folgt ein recht interessanter Text von Omar Khan, in dem er einen Eindruck davon wiedergibt, wie schwierig es gewesen sein muss, dass letzte noch erhaltene Negativ von diesem Film zu finden. Eine komplette Restauration war leider nicht möglich, da eine Gesangseinlage dermaßen beschädigt war, dass es nicht mehr gerettet werden konnte. Dies Musikstück ist allerdings als einzelne Sounddatei aus dem Text heraus abrufbar. Anhand der schlechten Tonqualität kann man erkennen, dass das Material sich wirklich in einem desolaten Zustand befunden haben muss. Eine Fotogalerie mit Postermotiven, den Zensurzertifikaten, eingefärbten Aushangfotos und Szenenbildern bildet den Abschluß des Bonusmaterials.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 03.03.2004

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