Film Daten

Titel:
Originaltitel:
Blood on Satan's Claw
Land & Jahr:
England 1970
Laufzeit ca.: ?
92 Min.
Regie:
Piers Haggard
Darsteller:
Patrick Wymark
Linda Hayden
Barry Andrews
Avice Landone
Simon Williams
Tamara Ustinov
Anthony Ainley
Wendy Padbury
Howard Goorney
Robin Davies
James Hayter
Michele Dotrice
Charlotte Mitchell
Denis Gilmore
Davies Mark
Alternativtitel:
• Devil's Touch, The
• Satan's Claw
• Satan's Skin
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Koch Media
Label:
Koch Media
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 / 92:10
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Audiokommentar von Piers Haggard, Linda Hayden und Robert Wynne Simmons
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Booklet mit Liner Notes

DVD Daten

DVD Cover - Anchor Bay Entertainment
Label:
Anchor Bay Entertainment
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.78:1 (anamorph) / 92:08
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Englisch - DD 5.1
Englisch - DTS
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Audiokommentar von Piers Haggard, Robert Wynne-Simmons und Linda Hayden
  • Audiokommentar von Mark Gatiss, Jeremy Dyson, Reece Sheersmith
  • Making of "Touching the Devil"
  • Dokumentation "Tigon Tales of Terror"
  • Featurette "In a League of its Own"
  • 2 Trailer
  • Bildergalerie
  • Filmnotizen
  • Biographien
  • DVD-ROM: Robert Wynne-Simmons Originalgeschichte als PDF-Datei

Review

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(Ein Review von Carsten Henkelmann)

England im 17. Jahrhundert: während seiner Arbeit auf seinem Acker entdeckt der Bauer Ralph Gower (Barry Andrews) einen seltsamen Schädel, halb Tier, halb Mensch. Verängstigt ruft der den gerade im Dorf verweilenden Richter (Patrick Wymark) herbei, aber als sie zur Fundstelle zurückkehren, ist der Schädel verschwunden. Danach beginnen höchst merkwürdige Vorfälle im Dorf. Eine junge Freu, die in einer Dachkammer übernachtet, gibt in der Nacht wahnsinnige Schreie von sich und wird erst am nächsten Morgen aus der Kammer gelassen. Aus der fröhlichen Frau ist eine apatische und weltverlorene Person geworden. Ihr Verlobter schneidet sich in der Nacht darauf die rechte Hand ab und vor allem die Jugendlichen des Dorfes verhalten sich höchst seltsam. Schließlich gibt es die ersten Todesfälle, grausame Morde die von den Jugendlichen selber begangen werden. Ralph vermutet eine Art Hexen- oder Satanskult, der von der hübschen Angela (Linda Hayden) angeführt wird. Seine Theorie wird bestätigt als er eine Anhängerin des Kultes vor dem Ertrinken bewahrt und an ihr seltsame Veränderungen an der Haut feststellt. Schließlich kehrt der Richter in das Dorf zurück und beginnt eine Hexenjagd...

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In den Krallen des Hexenjägers entstand zwei Jahre nach dem Vincent Price Film Witchfinder General (Der Hexenjäger) und im gleichen Jahr wie The Bloody Judge (Der Hexentöter von Blackmoor) und Hexen bis aufs Blut gequält. Also in der Zeit, wo Hexenverfolgungsfilme recht aktuell waren. Allerdings ist Blood on Satan's Claw, so der Originaltitel, kein hunderprozentiger Vertreter dieses Genres. Neben der Hexenthematik kommt noch eine richtige übernatürliche Note ins Spiel, die bei den anderen Vertretern vollkommen fehlt. Die behandelten eher das Thema an sich, die damit verbundene Massenhysterie und das Ausspielen persönlicher Machtpositionen der selbsternannten Hexenjäger. In diesem Film hingegen bestimmen zunächst unerklärliche Phänomene das Bild, die eindeutig nicht rational erklärbar sind. Der gefundene Schädel muss scheinbar einem mächtigen Wesen gehört haben, dass immer noch genug Macht besitzt andere Menschen in seinen Bann zu ziehen. Dies geschieht mit der hübschen Angel Blake, die ihren Namen ad absurdum führt und fortan als Oberhexe und Anführerin des Satanskultes die Macht übernimmt und das Verderben in ihr Dorf bringt. Zuerst begnügt sie sich damit, den örtlichen Priester der Vergewaltigung zu bezichtigen. Aber dann geschehen unter ihrer Führung die ersten Morde, im Rahmen einer satanischen Messe.

Die Handlung des Filmes kann man etwa dreiteilen (diese Empfindung wird im Audiokommentar der DVD bestätigt, da der Film ursprünglich als ein Episodenfilm mit drei Geschichten geplant war, die aber dann miteinander kombiniert wurden). Im ersten Drittel geht es um die übernatürlichen Wahrnehmungen und den sich langsam vollziehenden Veränderungen unter den Jugendlichen. Der darauffolgende Block zeigt wie der Satanskult seine Macht ausüben kann und mit grausamen Taten dies unter Beweis stellt. Im abschließenden Teil beginnt die Suche und Jagd nach den Anhängern dieses Kultes und gipfelt dann im Finale. Eine Gänsehaut erzeugende Atmosphäre kommt auf, nachdem der seltsame Schädel gefunden wurde und wieder verschwunden ist. Die Szene als nach ihrer schicksalshaften Nacht die junge Frau aus der Dachkammer geholt wird, erzeugt nicht nur bei ihrem Verlobten ein ungutes Gefühl. In der darauffolgenden Nacht hält sich der Verlobte in der gleichen Dachkammer auf und erliegt seltsamen Wahrnehmungen. Hier spielt der Film gekonnt mit der menschlichen Vorstellungskraft. Ist es wirklich eine pelzige Kralle, die unter den Bodenbrettern nach dem Mann greift und ihn später erwürgen will? Oder erwartet der Mann etwas, was sich aber nur in seiner Vorstellung manifestiert und nach ihm greift? Sehr interessante Ansätze kommen hier zum tragen.

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Danach geht es etwas bodenständiger weiter, zeigt aber den Horror auf, der von den Menschen auch ohne große satanische Einflüsse entstehen kann, auch wenn der Film suggeriert das alles unter übernatürlichen Bedingungen geschieht. Die gezeigten Taten des Satankultes wirken insofern viel schwerwiegender, als dass alle Taten von Jugendlichen begangen werden. Linda Hayden, in der Rolle der Anführerin Angel, war zur Zeit der Dreharbeiten selber erst 17 Jahre alt, mimt aber schon eine Art Succubus, die sich nicht davor scheut ihre weiblichen Reize vor dem Pfarrer des Ortes zu zeigen um ihn zu verführen und zu verderben. Als er sie abweist, bezichtigt sie ihn kurzerhand am nächsten Tag der Vergewaltigung.

Im Ganzen entsteht eine Atmosphäre der Unsicherheit und Bedrohung für das Dorf und seine Einwohner. Dabei ließ das Skript auch einige logische Lücken bestehen, die aber nicht so stark ins Gewicht fallen, als das es merklich stören würde. Warum z.B. ermittelt niemand wer den ersten Jungen wirklich ermordet hat, obwohl die Mutter des Kindes von einem Anhänger des Kultes bedeutungsvoll angesprochen wurde und somit ihr bekannt ist? Wer mal darauf achtet, wird an Angels Augenbrauen erkennen können, wie nach und nach der dämonische Einfluß Besitz von ihr ergreift.

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Die Kamerarbeit sorgt für eine zusätzliche Steigerung der allgemeinen Stimmung des Films. Sehr häufig nimmt die Kamera eine niedrige Position ein, manchmal nur wenige Zentimeter über den Boden. Als Zuschauer ist man diese Perspektive nicht unbedingt gewöhnt und nimmt so die Ereignisse im Film als noch unnatürlicher wahr. Auch gibt es häufig Einstellungen aus der Ich-Perspektive, so dass man sich direkt in die Position der jeweiligen Person hineinversetzen kann. Wenn die scheinbar verrückt gewordene Frau aus ihrer Dachkammer kommt und mit einem nur schwer zu deutenden, aber bewußt direkten Blick in die Augen ihren Verlobten anschaut, bekommt man als Zuschauer diesen Blick auch direkt zu spüren. Dick Bush war der verantwortliche Kameramann und saß auch bei Hammers Twins of Evil (Draculas Hexenjagd) und Dracula A.D. 1972 (Dracula jagd Mini-Mädchen), dem Ameisen-Science Fiction Phase IV und einigen Pink Panther Filmen (Der rosarote Panther) hinter der Kamera.

Drehbuchautor Robert Wynne-Simmons war gerade mal 22 Jahre alt, als er ein paar Drehbuchentwürfe an verschiedene Studios schickte und Produzent Christopher Neame Interesse zeigte. Für die Tigon Studios sollte ein Episodenfilm realisiert werden und Wynne-Simmons übernahm die Aufgabe, dafür ein Drehbuch zu schreiben. Inspiriert wurden er dabei von dem Mordfall Mary Bell, ein elfjähriges Mädchen, dass 1968 des Mordes an zwei Kindern für schuldig befunden wurde. Daraus wurde dann im Film Angel Blake. Als aber der Beginn der Dreharbeiten immer näher rückte, nahm man von der Idee eines Episodenfilms Abstand und Regisseur Piers Haggard formte aus den Ideen Wynne-Simmons eine zusammenhängende Geschichte. Für die Rolle der Angel Blake dachte Tigon-Chef Tony Tenser zunächst an Ingrid Pitt, aber schließlich bekam Linda Hayden den Zuschlag. Die Dreharbeiten begannen dann im April 1970 und waren im Mai beendet.

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Regisseur Pies Haggard Haupteinsatzgebiet war mehr das britische Fernsehen als das Kino. Zwar bekam er Klaus Kinski und Oliver Reed gemeinsam in Die schwarze Mamba (Venom, 1982) vor die Kamera, aber der Hauptteil seiner Arbeiten entstanden ausschließlich für das Fernsehen. Er drehte mit Quatermass (aka The Quatermass Conclusion, 1979) die TV-Serien-Fortführung der bekannten Science Fiction Filmreihe. Patrick Wymark konnte man in der Nebenrolle als Sir Oliver Cromwell in Witchfinder General sehen, war also in der Hexenthematik nicht ganz ungeübt, verstarb aber bereits im gleichen Jahr als In den Krallen des Hexenjägers in die Kinos kam. Linda Hayden kam hingegen direkt von Taste the Blood of Dracula (Wie schmeckt das Blut von Dracula?) zu dieser Produktion und war unter anderem vier Jahre später in Madhouse (Das Schreckenshaus des Dr. Death) zu sehen.

Produziert wurde der Film von dem dritten britischen Horrorstudio Tigon. Neben den allgegenwärtigen Hammer Studios und Amicus, die zumeist für ihre Episodenfilme wie Dr. Terror's House of Horror (Die Todeskarten des Dr. Schreck) oder Asylum (Irrgarten des Schreckens) bekannt waren, versuchten Tigon ebenfalls einen kleinen Anteil am Horrorfilmmarkt einzuheimsen. Dies gelang ihnen aber nicht wirklich, denn von allen dreien waren sie die mit der kürzesten Lebensdauer.

DVD Veröffentlichungen

Die deutsche Koch Media DVD zeigt den Film in einer relativ zufriedenstellenden Fassung. Das Bild weist kaum Defekte auf und verfügt über einen ordentlichen Kontrast, die Schärfe kann da leider nicht so ganz mithalten und befindet sich auf eher durchschnittlichem Niveau. Das einzige wirkliche Manko ist die fehlende anamorphe Abtastung. Eigentlich sehr verwunderlich, da die früheren Koch-Veröffentlichungen aus dem Horror-Bereich alle anamorph waren. Die beiden Monotonspuren wurden auf die Stereokanäle gelegt. Während die deutsche Tonspur aufgrund der Synchronisation eine bessere Dialogverständlichkeit bietet, wirkt der Originalton einfach viel natürlicher in seinen Umgebungsgeräuschen. Mit dem Audiokommentar von Regisseur, Drehbuchautor und der weiblichen Hauptdarstellerin Linda Hayden gibt es sogar recht informatives Bonusmaterial. Leider ist der Ton des Films einen Tick zu laut, was die Verständlichkeit des Kommentars ein wenig mindert. Das weitere Bonusmaterial besteht aus dem Trailer und einer Bildergalerie. Im Booklet gibt es zudem noch informative Liner Notes.

Fast gleichzeitig erschien der Film auch damals in Großbritannien unter dem Titel Blood on Stan's Claw von Anchor Bay als einzelne DVD. Ein Jahr später erschien der Film dann nochmal als Teil der "Tigon Collection" Box, die noch weitere Filme der Tigon Studios beinhaltet. Der folgende Text bezieht sich auf die Box-Version, die sich ein wenig von der Einzel-DVD unterscheidet, aber dazu später mehr. Auch hier liegt der Film nicht anamorph vor, was darauf schließen läßt, dass beide Firmen auf das gleiche Master zurückgreifen mussten. Es fällt aber deutlich auf, dass das Bild der Anchor Bay DVD schärfer ist als das der von Koch Media. Da allerdings auch leicht mehr Bildrauschen zu erkennen ist, liegt der Schluß nahe, dass man bei Koch einen Rauschfilter verwendet hat, der aber leider auf Kosten der Schärfe ging. Dafür kann man bei der Anchor Bay DVD ab und an ein leichtes Edge Enhancement feststellen. Der Bildvergleich zeigt dies deutlich: Bildvergleich Koch Media - Anchor Bay UK.

Wie so häufig bei Anchor Bay üblich, gibt es neben dem Originalton, hier in Dolby Digital 2.0, auch noch aufgepeppte Surroundabmischungen in Dolby Digital 5.1 und DTS. Allerdings zeigt sich auch hier, dass dies eher Spielerei oder ein Verkaufsargument ist, denn wirklicher Nutzen wird aus diesen Abmischungen nicht gezogen. Der Sound bleibt trotz allem sehr frontlastig, eigentlich überflüssige Arbeit die Anchor Bay in diese Soundformate steckt. Auch auf dieser DVD gibt es den informativen Audiokommentar von Piers Haggard, Robert Wynne-Simmons und Linda Hayden. Zusätzlich wurde hierfür aber noch ein zweiter Kommentar aufgenommen, der von den Schauspielern Mark Gatiss, Reece Sheersmith und dem Drehbuchautor Jeremy Dyson gesprochen wird. Diese drei Personen, die vor allem durch die britische Serie The League of Gentlemen bekannt wurden, haben nichts mit der Entstehung des Films an sich zu tun. Vielmehr ist dies eine Art Fankommentar, denn alle drei sehen In den Krallen des Hexenjägers als einen großen Einfluss auf ihre Arbeit an. Der Kommentar ist daher nicht ganz so informativ wie der erste, bietet allerdings dafür einen Einblick in die Film- und TV-Landschaft Englands.

Weiter geht es bei den Extras mit der 20-minütigen Making-of-Dokumentation "Touching the Devil", für die Produzent Malcom Heyworth, Drehbuchautor Robert Wynne-Simmons, Regisseur Piers Haggard und Linda Hayden interviewt wurden. Es folgt die speziell auf Tigon zugeschnittene Dokumentation "Tigon Tales of Terror", die eine Laufzeit von 25 Minuten aufweist. Hier kommen der damalige Tigon-Chef Tony Tenser, Schauspieler Ian Ogilvy, die Regisseur Michael Armstrong und Piers Haggard und Produzent Christopher Neame zu Wort. Dabei wird die Geschichte der Tigon Studios grob umrissen und jeder der Filme kurz vorgestellt, sowie einige herausragende Persönlichkeiten wie der Regisseur Michael Reeves, die bei Tigon gearbeitet haben. In "In a League of its Own" kommen nochmals Mark Gatiss und Jeremy Dyson zu Wort, wie sie den Film sehen und welchen Einfluss er auf sie ausübte. Das restliche Bonusmaterial besteht aus zwei Trailern, einer Bildergalerie, Filmnotizen, den Originalgeschichten von Robert Wynne-Simmons als DVD-ROM PDF-Dateien und Biographien zu Piers Haggard und Linda Hayden.

Jetzt noch ein kurzes Wort zu der Einzel-Veröffentlichung von Blood on Satan's Claw, die ja ein Jahr vor der Tigon-Box veröffentlicht wurde. Hier fehlen der zweite Audiokommentar, das Making-of, die Dokumentation über Tigon und die Interviews mit Gatis und Dyson. Dafür gibt es aber eine Featurette namens "An Angel for Satan", in dem Linda Hayden über den Film sowie ihre Filmkarriere allgemein spricht. Wer sich also besonders für diese Schauspielerin interessiert, steht vor der Qual der Wahl.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 23.03.2004
Letzte Textänderung: 29.06.2006

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