Film Daten

Titel:
Originaltitel:
Kronos
Land & Jahr:
England 1973
Laufzeit ca.: ?
88 Min.
Regie:
Brian Clemens
Darsteller:
Horst Janson
John Carson
Shane Briant
Caroline Munro
John Cater
Lois Daine
William Hobbs
Brian Tully
Robert James
Perry Soblosky
Paul Greenwood
Lisa Collings
John Hollis
Ian Hendry
Wanda Ventham
Alternativtitel:
• Captain Kronos: Vampire Hunter
• Vampire Castle
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Paramount
Label:
Paramount
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 91:01
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Audiokommentar von Filmhistoriker Jonathan Sothcott, Brian Clemens und Caroline Munroe

DVD Daten

DVD Cover - Anolis Entertainment
Label:
Anolis Entertainment
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.66:1 (anamorph) / 87:13
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • World of Hammer: Vamp
  • Trailer
  • Comic
  • Bildergalerie
  • Booklet mit Liner Notes

Review

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(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Auf Bitte seines alten Freundes Dr. Marcus (John Carson) reist der Vampirjäger Kronos (Horst Janson) zu ihm um bei der Aufklärung seltsamer Todesfälle zu helfen. Mehrere Menschen sind nicht nur gestorben, sondern dabei auch extrem schnell gealtert. Ihm zur Seite stehen sein buckliger Assistent Prof. Hieronymos Grost (John Cater) und die hübsche Zigeunerin Carla (Caroline Munroe). Zusammen versuchen sie dem Mörder auf die Spur zu kommen, denn sie nehmen an das es sich um einen Vampir handelt...

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Die Hammer Studios veränderten gerne mal die üblichen Vampirelemente und vermischten sie zu einem neuen und ganz eigenen Mix. Hier ist die Kreatur der Nacht nicht hinter dem Blut der Opfer her, sondern deren Jugend. Zwar gab es dies schon in einer ähnlichen Form in dem 1970er Countess Dracula (Komtesse des Grauens), dies war aber mehr eine Variation der klassischen "Countess Bathory" Geschichte. Kronos ist nicht der typische Van Helsing Verschnitt, sondern stellt eine ganz besondere Persönlichkeit dar. Er ist sportlich, kämpft mit einer Art Samuraischwert gegen seine Gegner und in seinen Ruhephasen meditiert er. Kronos hat mehr von einem mysteriösen Actionheld als einem klassischen Vampirjäger und stellt den Vorläufer für Horrorcharaktere wie Blade dar. Auch die Art wie sie versuchen herauszufinden, ob ein Vampir hinter den ganzen Taten steckt ist recht ungewöhnlich. Grost verbuddelt entlang eines Weges mehrere tote Kröten, die wieder zum Leben erwachen, sobald der Vampir über die entsprechenden Stellen hinwegfährt. Außerdem wird hier das Erhängen als eine Möglichkeit des Tötens von Vampiren erwähnt, ebenfalls recht ungewöhnlich für das Genre.

Seine Inszenierung hebt den Film von anderen Vertretern des Genres deutlich ab. Durch Kronos Verhalten, dem mysteriösen Auftauchen des lebenssaugenden Vampirs, der allgemeinen Atmosphäre und einigen Besonderheiten bekommt der Film eine leichte surreale Note und erzeugt Szenen die in Erinnerung bleiben. Sehr schön ist in dieser Hinsicht das Finale geglückt, in dem um hypnotisierte - und dadurch stocksteife - Personen herum gekämpft wird, die in dieser Sequenz wie fleischgewordene Schaufensterpuppen wirken. Die Lichtgebung und die Kamerarabeit von Ian Wilson sorgt zudem noch für eine schöne Schaueratmosphäre in den Studiosets. Stellenweise wirkt der Film schon fast wie eine Parodie auf das Vampirgenre, gerade in der Szene wo versucht wird einem gebissenen Opfer das letzte Lebenslicht auszublasen, damit das nicht als nächstes für weitere Tode in der Bevölkerung sorgt.

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Bei den Charakteren handelt es sich auch nicht gerade um die typischen Vertreter klassischer Horrorfilme. Horst Janson stellt Kronos als eine Person dar, die ganz genau weiß was zu tun ist und sich auch nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt. Nebenbei ist er auch Macho und auch einem gelegentlichen Zug an bewußtseinserweiternden Kräutern nicht abgeneigt. Trotz der Gefahren nimmt Kronos eine recht lockere Haltung ein und lässt zunächst gerne andere für sich arbeiten, bevor er selber aktiv wird. Dabei hat er schon seine eigenen schmerzlichen Erfahrungen mit Vampiren machen müssen, denn wie sich im Laufe der Handlung herausstellt, wurde er bereits einmal von einem Vampir gebissen, ohne allerdings selber zu einem zu werden. Dies ist aber schon fast das einzige was von seiner Vergangenheit bekannt wird. Er ist und bleibt ein Mann, an dem sehr viel Mysteriöses haftet. Horst Janson hat im übrigen alle Stunts selber gemacht, auch die Schwertkämpfe. Allerdings wurde er gegen den Willen des Regisseurs nachträglich englisch synchronisiert. John Cater als sein Gehilfe Grost ist dagegen ein Mann, der es durch seinen Buckel eher schwer im Leben gehabt hat und die Gesellschaft von Kronos genießt, weil dieser ihn als Person respektiert, während das allgemeine Volk ihn meistens wegen seiner Mißgestalt aufzieht. Carla wird von Kronos aus ihren Fesseln entlassen, in die sie gesteckt wurde weil sie "an einem Sonntag getanzt" hat. Sie wird für die Zeit des Abenteuers seine Gefährtin und Geliebte, verkommt aber leider, außer im letzten Viertel, zu einer zugegebenermaßen sehr lecker aussehenden Statistin.

Wer mal einen etwas anderen Vampirfilm sehen möchte oder von den klassischen Varianten genug hat, sollte den Film unbedingt antesten. Durch sein surreale Note könnte er auch durchaus Filmfans ansprechen, die sich sonst mit dem Horrorgenre nicht unbedingt so anfreunden können. Captain Kronos hätte das Zeug zu einer ganzen Filmreihe gehabt, wenn nicht die Hammer Studios schon wenige Jahre nach der Produktion dieses Films ins Gras gebissen hätten. Brian Clemens hätte gerne mehr mit dem Charakter gemacht, was ihm aber leider vergönnt war. Der Film wirkt, dadurch das er sich nur wenig an Genrekonventionen hält, noch heute recht frisch innerhalb der Hammer Vampirfilme. Denn dies war auch Brian Clemens Absicht, sich möglichst nicht an altgekannten Themen zu orientieren. Stattdessen ließ er diverse John Ford Western einfließen, was man z.B. an dem "Duell" in dem Wirtshaus recht gut erkennen kann. Hier kommt es nicht darauf an, wer am schnellsten den Revolver, sondern das Schwert zieht. Denn Clemens selber bezeichnete sich nicht unbedingt als einen großen Horrorfan, obwohl er einige Arbeiten in dem Genre abgeliefert hat. Für Kronos fertigte er sogar selber die kunstvollen Pfähle an, die die Vampirjäger mit sich führen.

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Es ist schon erstaunlich, dass Kronos die einzige Regiearbeit von Brians Clemens ist. Clemens ist dagegen seit spätestens Mitte der 60er Jahre ein vielbeschäftigter Drehbuchschreiber gewesen, nachdem er unzählige Episoden für die populäre britische Krimi-Serie The Avengers (Mit Schirm, Charme und Melone) geschrieben hat. Der Großteil seiner Werke wurde allerdings ausschließlich fürs Fernsehen entwickelt. Horst Janson, den man eigentlich nur aus der Sesamstrasse oder schlechten deutschen TV-Produktionen kennt, mal in einem richtigen Genre-Film zu sehen, erstaunt zunächst einmal sehr. Dabei war der gute Mann auch in Italo-Western (¡Viva la muerte... tua! (Zwei wilde Companeros)) oder Kriegsfilmen (The McKenzie Break (Ausbruch der 28)) zu sehen. Caroline Munroe sollte unter Genrefans sicherlich besser bekannt sein, sie war in so unterschiedlichen Filmen wie Maniac, The Golden Voyage of Sinbad (Sindbads gefährliche Abenteuer) oder Jess Francos Faceless zu sehen. John Carson ist Hammer-Fans bereits aus Plague of the Zombies (Nächte des Grauens) bekannt. Als Fiesling Kerro tritt Ian Hendry auf, der bereits in Polanskis Repulsion (Ekel) und gegen Vincent Price in Theater of Blood zu bestehen hatte.

Auf DVD kam der Film gleich zweimal in relativ kurzer Zeit heraus. Die ersten waren die US-Abteilung von Paramount, später gesellte sich das deutsche Label Anolis Entertainment dazu. Im direkten Vergleich kann man zwischen den beiden DVDs keinen klaren Sieger kühren, denn jede Veröffentlichung hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Das fängt schon beim Bildtransfer an. Während die US-DVD den Film im anamorphen 1.85:1 Format zeigt, präsentiert Anolis ein 1.66:1 Bild, ebenfalls anamorph kodiert. Was jetzt das vom Regisseur gewollte Format ist, weiß ich leider nicht genau. Oben und unten sind beide Bildausschnitte gleich, aber die Paramount-DVD zeigt an den Seiten deutlich mehr Bildinformationen. Was die Bildqualität allgemein angeht, so liegen beide sehr nah beieinander. Im direkten Vergleich ist die Anolis DVD heller, aber die US-DVD bietet einen besseren Kontrast und etwas sattere Farben, außerdem ist sie minimal schärfer und bietet so gut wie gar keine Bilddefekte, während bei Anolis in einigen sehr wenigen Szenen vertikale Linien sichtbar sind. Als Eindruck ein Bildvergleich: Bildvergleich Kronos: Paramount vs. Anolis

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Im Tonbereich kann Anolis mehr Punkte für sich verbuchen. Der englische Originalton erklingt etwas voller aus den Boxen gegenüber dem manchmal etwas blechernem Sound der US-DVD. Außerdem hat Anolis sogar eigens für diese DVD eine Synchronisation anfertigen lassen. Denn Captain Kronos wurde seinerzeit trotz des Mitwirkens von Horst Janson nie in Deutschland in den Kinos gezeigt oder auf Video veröffentlicht. Die Synchronisation ist sogar recht gut geworden. Allerdings merkt man bei Horst Janson, der sich hier selber synchronisiert, den Altersunterschied zwischen damals und heute schon ein wenig an. Seine Stimme klingt etwas älter als er im Film aussieht, aber wirklich störend ist das nicht.

Bei den Extras gibt es ein Unentschieden. Die Paramount Veröffentlichung hat als einziges Extra einen Audiokommentar von Brian Clemens und Caroline Munroe, der von dem Filmexperten Jonathan Sothcott moderiert wird. Zwar ist der Kommentar etwas trocken ausgefallen, bietet aber immerhin einiges an Informationen, auch wenn die zum größten Teil alle von Brian Clemens vermittelt werden, während Caroline Munroe relativ wenig von sich gibt. Bei Anolis gibt es auf der DVD selber auch nicht so viel, was speziell auf den Film zugeschnitten wäre. Da wäre eine weitere World of Hammer Folge namens "Vamp", in der folgende Filme vorgestellt werden: Brides of Dracula (Dracula und seine Bräut), Captain Kronos Vampire Hunter, Dracula, Dracula - Prince of Darkness (Blut für Dracula), Kiss of the Vampire (Der Kuß des Vampirs), Lust for a Vampire (Nur Vampire küssen blutig), Twins of Evil (Draculas Hexenjagd) und The Vampire Lovers (Gruft der Vampire). Dann gibt es noch den Trailer, den Comic und eine Bildergalerie. Hammer Film Experte Uwe Sommerlad hat sich für diesen Release allerdings richtig ins Zeug gelegt und deutlich mehr an informativen Liner Notes verfasst, wodurch das Booklet gleich auf 8 Seiten statt der üblichen 4 angewachsen ist, was den Audiokommentar in ein etwas kompakteren Form ausgleicht.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 25.04.2004
Letzte Textänderung: 22.07.2004

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