Film Daten

Titel:
Fantomas
Originaltitel:
Land & Jahr:
Frankreich / Italien 1964
Laufzeit ca.: ?
98 Min.
Regie:
André Hunebelle
Darsteller:
Jean Marais
Louis de Funès
Mylène Demongeot
Jacques Dynam
Robert Dalban
Marie-Hélène Arnaud
Ann-Marie Peterson
Christian Toma
Michel Dupleix
Henri Attal
Jacques Berger
Pierre Collet
Henri Guégan
Rudy Lenoir
Jacques de Lanoye
Alternativtitel:
Fantomas 70
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Universum Film
Label:
Universum Film
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 98:40
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Französisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch, Französisch
Extras:
  • Trailer
  • Fotogalerie
  • Filmplakate Galerie
  • Trailer: La Boum - Die Fete
  • Trailer: La Boum 2 - Die Fete geht weiter
  • Trailer: Brust oder Keule
  • Trailer: Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe
  • Trailer: Der Querkopf
  • Trailer: Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh

Fantomas

Review

Fantomas - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Der Superverbrecher Fantomas (Jean Marais) hält ganz Frankreich in Atem. Niemand kennt seine Identität, denn Fantomas versteht es immer in neuen Masken aufzutauchen. Ihm auf den Versen sitzt Kommissar Juve (Louis de Funès), der ihn aber auch nie zu packen kriegt. Der Zeitungsreporter Fandor (ebenfalls Jean Marais) druckt ein gefälschtes Interview mit Fantomas ab, was der Zeitung zwar hohe Verkauszahlen einbringt, aber auch den Zorn des Kommissar und von Fantomas, der sich mit einem Bombenattentat auf die Redaktion bedankt. Kaum ist Fandor genesen, wird er von Fantomas entführt und zu einem richtigstellenden Bericht gezwungen. Den kann er aber nicht schreiben, weil ihn Juve festnimmt, da er glaubt, dass Fandor mit Fantomas unter einer Decke steckt. Fantomas entführt ihn schließlich ein zweites Mal, maskiert sich als Fandor und begeht einen großen Juwelendiebstahl. Juve ist nun davon überzeugt, dass Fandor und Fantomas ein und dieselbe Person sind...

Fantomas - ScreenshotFantomas - Screenshot

"Fantomas" ist wohl wahrscheinlich der erste Superverbrecher, den die Kinoleindwand jemals zu Gesicht bekamen. Bereits 1913 gab es eine Adaption der Pulp-Romane von Marcel Allain und Pierre Souvestre namens Fantômas - À l'ombre de la guillotine. Es folgten 1920, 1932 und 1947 weitere Filme, die sich mal mehr, mal weniger genau an die Buchvorlage hielten. Die erfolgreichste Umsetzung dürften aber die drei Filme sein, die Mitte der 60er Jahre unter der Regie von André Hunebelle mit Jean Marais und Louis de Funès in den Hauptrollen entstanden: Fantômas (Fantomas, 1964), Fantômas se déchaîne (Fantomas gegen Interpol, 1965) und Fantômas contre Scotland Yard (Fantomas bedroht die Welt, 1967). 1980 gab es noch eine 4-teilige Miniserie, in der sogar Helmut Berger die Rolle des Verbrechers übernahm und Claude Chabrol und Juan Luis Buñuel, Sohn von Luis Buñuel, die Regie führten.

In dem ersten Film wird durch eine Fernsehansprache Juves dem Zuschauer klar gemacht, dass Fantomas ein Verbrecher von besonderem Kaliber ist und bereits einige Taten vollübt hat, die ihm auf den ersten Platz der Liste der meistgesuchten Verbrecher in Frankreich gehievt haben. Seine besondere Stärke liegt darin, durch entsprechende Maskierung immer als seine Opfer aufzutreten. Diese Technik beherrscht er so gut, dass er sogar deren Stimme und Verhaltensweisen imitieren kann und Bekannte der Opfer den Unterschied nicht bemerken. Als besonderes Markenzeichen hinterläßt er stets eine Visitenkarte mit der einfachen Aufschrift "FANTOMAS" an den Tatorten. Da ihn aber noch nie jemand ohne Maskierung gesehen hat, gleicht er einem Phantom, das scheinbar überall nach Belieben erscheinen und verschwinden kann. Der Reporter Fandor hält Fantomas daher für eine Art Sündenbock, der von der Polizei erfunden wurde - bis er ihm selber gegenübersteht.

Fantomas - ScreenshotFantomas - Screenshot

Und selbst in seiner eigenen Basis führt Fantomas seinen Kurs der Maskierung konsequent fort. Im Gegensatz zu anderen Superverbrechern wie Dr. Mabuse, Fu Man Chu oder allen James Bond Finsterlingen legt er besonderen Wert darauf, nicht zuviel von sich preiszugeben. Er versteckt sich unter einer furchteinflößenden und mit nur wenigen Gesichtszügen versehenen blau-grauen Maske, über die er jedoch immer wieder eine zweite Maske ziehen kann. Das heißt, selbst wenn er sich vor anderen demaskiert, um ihnen sein siegesgewisses Lachen entgegenzuschallen, ist immer noch die blaue Maske vorhanden, die seine wahre Identität schützt. Es wird suggeriert, dass praktisch jeder hinter dem Verbrecher stecken könnte. Ansonsten legt Fantomas die selben Verhaltensmuster an den Tag wie jeder Verbrecher größeren Kalibers. Sein latenter Hang zum Größenwahn vermischt sich mit dem Wunsch, die ganze Welt zu beherrschen. Residiert wird in einer großzügig ausgelegten und ausgestatteten Basis, die über unzählige technische Gimmicks verfügt und in der an jeder Ecke ein bewaffneter Wächter lauern könnte. Ob dies in den Romanen bereits so beschrieben wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber zwei Jahre zuvor zeigte bereits der Welterfolg des ersten James Bond Abenteuers Dr. No, wie die Zentrale eines ordentlichen Bösewichts auszusehen hat.

Die Handlung von Fantomas wurde recht abwechslungsreich gestaltet. Neben der langsamen Einführung und Vorstellung aller wichtigen Charaktere geht es dann ein wenig flotter los, sobald Fantomas den Reporter Fandor das erste Mal entführt hat. Dabei nimmt Fantomas nicht nur das Aussehen Fandors ein, sondern später auch das des Kommissars Juve, der schließlich an seinem Geisteszustand zweifelt. Während Jean Marais souverän den Helden des Filmes spielt, der auch schon mal die Fäuste schwingen kann, brilliert Louis de Funès in der Rolle des chaotisch-trotteligen Kommissars, der mehr durch Glück als durch wirkliche Ermittlungsarbeit Fantomas näher kommt. Der Verbrecher ist dem Kommissar stets einen Schritt voraus und nur mit der Hilfe von Fandor schafft Juve es überhaupt seinen Gegner zu verfolgen. Das dabei die Logik stellenweise auf der Strecke bleibt, sei dem Film verziehen, da die Handlung doch mehr an einen real gewordenen Comic erinnert. So entdeckt z.B. Fandors Verlobte Hélène (Mylène Demongeot) das Fluchtfahrzeug von Fantomas vom Hubschrauber aus. Hier ist nicht einmal klar, woran sie das erkennt. Auch kurze Zeit später, als Fantomas bei voller Fahrt vom Zug runterspringt, ist nicht ersichtlich, woran Juve und Fandor erkennen, dass er sich Richtung Strand begibt. Hier wurde zugunsten einer vorangetriebenen Handlung leichte Einbußen in der Handlung in Kauf genommen, die aber im Gesamtergebnis nicht sehr schwer wiegen.

Fantomas - ScreenshotFantomas - Screenshot

Auch wenn die Geschichte an sich dem Thrillergenre zuzurechnen wäre, so handelt es sich bei den Fantomas Filmen doch eher um Action-/Abenteuer-Komödien, was nicht zuletzt an Louis de Funès liegt. Mit seiner liebenswert-chaotischen Art hat er alle Lacher auf seiner Seite und er erweckt stets den Anschein, kurz vorm Durchdrehen zu stehen. Sehr nett ist auch z.B. die Sequenz, in der er sich wegen Lärms auf der Straße Ohropax in die Ohren stopft, sehlig die Nacht durchschlummert und nichts davon mitbekommt, dass Fantomas wieder zugeschlagen hat, weil er das Telefon nicht hört. Als dann sein Kollege Inspektor Bertrand (Jacques Dynam) bei ihm im Zimmer steht und ihm erklären will was passiert ist, bleibt der Ton vollkommen still, so als ob man als Zuschauer auch die Ohren zugestopft hätte.

Die Handlungen der original Fantomas Geschichten, insgesamt 32 Stück, spielten sich alle zeitlich noch vor dem ersten Weltkrieg ab. Dort war Fantomas allerdings ein ziemlich zynischer und menschenverachtender Mensch, der nicht nur diverse Überfälle inszenierte, sondern auch seine Opfer folterte. So gibt es bei den Roman z.B. eine Geschichte, in der ein Mann seine eigene Exekution beobachten darf, indem Fantomas ihn mit dem Blick nach oben in eine Guillotine steckt. Bei seinen groß angelegten Coups nimmt er den Tod von unbeteiligten Menschen billigend in Kauf, etwas das in den Filmen bewußt vermieden wird. Auch ist Hélène in den Romanen nicht einfach nur Fandors Geliebte, sondern sogar die Tochter von Fantomas und bei Fandor wird suggeriert, er sei eventuell sogar dessen Sohn. [1]

Fantomas - ScreenshotFantomas - Screenshot

Für eine Trilogie außergewöhnlich ist der Fakt, dass an allen drei Filmen fast das gleiche Team vor und hinter der Kamera mitgearbeitet hat. Regisseur André Hunebelle drehte viele Abenteuer und Actionfilme, darunter Werke wie Les Trois mousquetaires (Die Abenteuer der drei Musketiere) oder Le Bossu (Ritter der Nacht). Neben den Fantomas Filmen dreht er in den 60ern vier Filme der Agentenreihe OSS 117, die zumindestens in Frankreich recht erfolgreich war. Die Produktion der Fantomas Filme entstand auf Anraten von Hauptdarsteller Jean Marais, der damals recht beliebt in Frankreich war und grundsätzlich alle Stunts selber durchführte. Er began seine Karriere bereits in den 30er Jahren und war unter anderem in Jean Cocteaus Orphée, Le Comte de Monte-Cristo (Der Grafi von Monte Christo und Luchino Viscontis Le Notti bianche (Weiße Nächte) zu sehen. Die Filme von Louis de Funès dürften vielen noch aus unzähligen Fernsehübertragungen bekannt sein, hauptsächlich Komödien wie z.B. Brust oder Keule.

Da der erste Teil der Filmreihe bereits 40 Jahre alt ist, sind natürlich einige Schwächen im Bild zu erwarten, auch wenn attestiert werden kann, dass Universum trotz dessen eine recht gute Leistung hingelegt hat. Neben einem mal mehr, mal weniger starken Rauschen, schwankt vor allem die Schärfe, die gerade im Detail einiges vermissen läßt. Dafür kann man sich an ordentlichen Farben und einen guten Kontrast erfreuen. Defekte und Verschmutzungen der Vorlage sind natürlich vorhanden, beeinträchtigen das Sehvergnügen aber nicht. Der deutsche Ton ist da leider nicht ganz so dolle ausgefallen und man hört ihm sein Alter deutlich an. Er leidet unter einem vereinzelt auftretenden Rauschen und in den Höhenbereichen treten Verzerrungen auf. Der französische Originalton klingt dagegen deutlich sauberer und ist viel angenehmer zu hören. Untertitel gibt es sowohl in Deutsch als auch in Französisch. Dabei orientieren sich die deutschen Untertitel allerdings an der Synchronisation und sind weniger eine direkte Übersetzung der französischen Originaldialoge.

Fantomas - ScreenshotFantomas - Screenshot

An Extras gibt es leider nicht sehr viel. Neben dem Trailer zum Film finden sich nur noch zwei Bildergalerien auf der DVD, sowie einige Trailer zu passenden weiteren DVD-Veröffentlichungen von Universum Film. Auf das Bonusmaterial der schon seit längerer Zeit erhältlichen französischen DVDs, darunter auch eine Dokumentation über die Filme, wurde hier leider verzichtet. Neben den Einzel-DVDs und einer in Gelb gehaltenen Box für alle drei Teile der Reihe, gibt es noch einen limitierten Digipack in einem angenehmen Blau. Der einzige Unterschied zu den normalen Verkaufsversionen ist allerdings außer der Verpackung nur noch ein Booklet mit informativen Liner Notes. Die DVDs an sich sind aber identisch.

Quellennachweis

[1] http://www.fantomas-lives.com

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 07.07.2004
Letzte Textänderung: 19.07.2004

Leser-Kommentare

16.10.2004, 17:29:12 Savini ( Email schreiben )

Für mich bleibt die Frage ob die Reihe ohne Louis de Funes überhaupt so erfolgreich geworden wäre.

Seine Mimik ist bis heute unerreicht und man kann über 40 jahre alte Filme herzhaft lachen was bestimmt nicht die regel ist.

Ich kenne niemand der diese Filme nicht ausdrücklich wegen eben diesem Spassvogel anschaut.

17.07.2004, 22:13:48 Gerhard ( Email schreiben )

Ich habe die Fantomas-Filme noch als Junge im Kino gesehen. Was ich (auch heute noch) als sehr unbefriedigend empfand ist, dass die Trilogie kein Ende hatte. Fantomas wurde nie gefasst oder so etwas in der Richtung. Ich hatte immer den Eindruck, dass mehr Folgen geplant waren, aber aus irgendwelchen Gründen nicht realisiert wurden. Leider geht aus ihrem Bericht so gar nichts darüber hervor.

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