Film Daten

Titel:
Das Testament des Dr. Mabuse
Originaltitel:
Das Testament des Dr. Mabuse
Land & Jahr:
Deutschland 1933
Laufzeit ca.: ?
122 Min.
Regie:
Fritz Lang
Darsteller:
Otto Wernicke
Oscar Beregi Sr.
Rudolf Klein-Rogge
Gustav Diessl
Wera Liessem
Karl Meixner
Adolf E. Licho
Theo Lingen
Klaus Pohl
Theodor Loos
Camilla Spira
Rudolf Schündler
Georg John
Alternativtitel:
• Crimes of Dr. Mabuse, The
• Dr. Mabuses Testament
• Last Will of Dr. Mabuse, The
• Tagebuch des Dr. Mabuse, Das
• Testament of Dr. Mabuse, The
• Testament du Dr. Mabuse, Le
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Criterion
Label:
Criterion
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
1.19:1 / 119:29
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 1.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Audiokommentar von David Kalat
  • Französische Version "Le Testament du Dr. Mabuse" (93:28)
  • Interviewausschnitt aus "Zum Beispiel Fritz Lang"
  • "Dr. Mabuse im Gedächtnis"
  • "Norbert Jacques: der literarische Erfinder des Dr. Mabuse"
  • "The Three Faces of Dr. Mabuse"
  • 5 Bildergalerien
  • Booklet mit Liner Notes

Das Testament des Dr. Mabuse

Review

Das Testament des Dr. Mabuse - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Kriminalkomissar Lohmann (Otto Wernicke) bekommt von dem ehemaligen Polizisten Hoffmeister (Karl Meixner) einen wichtigen Anruf. Aber bevor der ihm sagen kann, welch gewaltiges Geheimnis er entdeckt hat, bricht er aus unbekannten Gründen das Gespräch ab. Am Ort von wo er telefoniert hat, werden kaum Spuren gefunden, die auf sein Schicksal hindeuten. Lediglich einige Kratzer in einem Fensterglas könnten etwas mehr Licht ins Dunkel bringen. Ein Techniker der Polizei findet schließlich heraus, dass diese Kratzer das Wort "Mabuse" bedeuten. Dr. Mabuse (Rudolf Klein-Rogge) war vor vielen Jahren ein hochintelligenter Krimineller, der aber schließlich dem Wahnsinn verfiel und seitdem in einer Irrenstalt sitzt. Der dortige Chefarzt Dr. Baum (Oscar Beregi Sr.) machte schließlich die Entdeckung, dass Mabuse irgendwann plötzlich damit begann weitere Verbrechenspläne aufzuschreiben, obwohl er sonst kaum bei klarem Verstand ist. Aber gerade zu dem Zeitpunkt als Lohmann von Mabuse erfährt, stirbt dieser, nachdem er sein "Testament" zuende geschrieben hat. Parallel zu den ganzen Ereignissen hat der Kriminelle Thomas Kent (Gustav Diessl) genug von seinem Verbrecherleben und will mit Lilli (Wera Liessem), eine junge Frau die er verehrt, ein neues und ehrliches Leben beginnen. Nur wird ein Ausstieg aus seiner Gruppe gar nicht gerne gesehen, denn der Chef der ganzen Organisation droht allen Aussteigern mit dem Leben. Sein Name ist Dr. Mabuse...

Das Testament des Dr. Mabuse - ScreenshotDas Testament des Dr. Mabuse - Screenshot

Nach dem 1922 noch als Stummfilm gedrehten Dr. Mabuse, der Spieler, begann Fritz Lang 10 Jahre später mit einem zweiten Film über den Superverbrecher Dr. Mabuse, wieder basierend auf einen Roman von Norbert Jacques. Auch wenn Mabuse in diesem Film eher selten zu sehen ist, so sind es doch seine Taten, die wieder einmal im Mittelpunkt stehen. So wird ein raffinierter Juwelenraub inszeniert und Gegner auf unauffällige Art und Weise umgebracht. Im Gegensatz zum ersten Film agiert dieser Mabuse seinen Leuten gegenüber aus einer schützenden Distanz heraus. Niemand hat ihn je zu Gesicht bekommen, das einzige was sie von ihm kennen ist seine undefinierbare Schattengestalt hinter einem Vorhang. Bis auf Kent kennen die Verbrecher keine Skrupel bei ihren Taten. Er aber möchte aussteigen, nur wird er von der Organisation so unter Druck gesetzt, dass es ihm sehr schwer fällt endlich von sich aus aktiv zu werden. Inspektor Lohmann hingegen ist der typische schroffe deutsche Kommissar. Etwas ruppig in seiner Art, aber er verfügt über genug Erfahrung und stellt sich in kritischen Situationen auch schon mal an die vorderste Front.

Die Handlung stellt auch heute noch eine relativ spannende Jagd nach dem großen Unbekannten im Hintergrund dar, den niemand je wirklich zu Gesicht bekommen hat. Ironischerweise ist es der Kriminelle Kent, der die entscheidenden Entdeckungen macht, während die Polizei zumeist im Dunkeln tappt und erstmal damit beschäftigt ist, die einzelnen Puzzleteile aneinanderzufügen. Aber bevor er Lohmann von seinen Entdeckungen berichten kann, haben auch er und Lilli einige Gefahren durchzustehen. Auch wenn im Film sehr häufig von den kriminellen Taten des Dr. Mabuse die Rede ist, so passieren diese doch zumeist abseits der Kamera und werden vielmehr durch die Dialoge der Protagonisten dem Zuschauer vermittelt. Die schauspielerischen Leistungen sind recht gut, nur Wera Liessem als Lilli wirkt fehlbesetzt. Sie verkörpert hier eine von Liebe geblendete junge Frau, die für die Handlung keine Akzente setzen kann und auf den Zuschauer schon fast schmalzig-kitschig wirkt. Dies mag aber auch vielleicht damit zusammenhängen, dass diese Person im Vergleich zu der Romanvorlage eigentlich am meisten an Charaktertiefe verlor.

Das Testament des Dr. Mabuse - ScreenshotDas Testament des Dr. Mabuse - Screenshot

Für den Film änderte Lang die Namen einiger Personen. In dem Originalroman von Norbert Jacques hieß Dr. Baum nämlich Dr. Born. Die Lilli im Film hieß im Buch Helli und war die Tochter von Dr. Born, was ihrem Charakter nicht nur einiges mehr an Tiefe gab, sondern der Handlung auch etwas mehr Komplexität verlieh. In dem Buch kam aber auch noch eine mysteriöse Frau namens Lara vor, die im weitere Verlauf eine Beziehung zu Dr. Born einging. Hier liegt die Vermutung nahe, dass Fritz Lang aus Helli und Lara einfach die Filmperson Lilli gemacht hat. Im Film wird auch nur in Form eines Flashbacks kurz darauf eingegangen, wie sich Kent und Lilli kennengelernt haben. Im Buch gab es z.B. noch den Fakt, dass Helli Kent halb unwissend bei seiner Flucht aus dem Gefängnis geholfen hat. Außerdem lernt man dort auch mehr über die inneren Zwistigkeiten Kents kennen.

Nachdem bereits Fritz Langs Welterfolg und Klassiker M ein Beispiel für eine effektive Nutzung von Toneffekten darstellte, schließlich steckte der Tonfilm damals noch in den Kinderschuhen, so entwickelte er dies in Das Testament des Dr. Mabuse noch weiter fort. In der allerersten Szene des Films sieht man Hoffmeister, wie er sich vor zwei anderen Männern in einem Raum versteckt. Die komplette Sequenz wird von dem pochenden Geräuschen einer Maschine übertönt, die sich irgendwo in der Nähe befinden muss. Als Zuschauer weiß man hier zunächst überhaupt nicht, wer diese Männer sind und warum sich Hoffmeister dort versteckt. Wegen der Maschinengeräusche spricht auch niemand, was der Szene trotz der lauten Soundkulisse das Flairs eines Stummfilms gibt. Später verknüpfte Lang einzelne Szenen, in dem er am Ende einer Szene bereits Dialoge oder Soundeffekte beginnen ließ, die aber eigentlich zur darauffolgenden Szene gehören, eine Technik die heutzutage allgegenwärtig in der Filmwelt ist.

Das Testament des Dr. Mabuse - ScreenshotDas Testament des Dr. Mabuse - Screenshot

Fritz Lang konnte den Film schließlich 1933 fertigstellen, aber es sollten mindestens 18 Jahre vergehen, bis seine Originalversion einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden konnte. Denn 1933 waren die Nazis gerade an die Macht gekommen und Göbbels als Leiter für die deutsche Filmindustrie ernannt worden. Auch wenn Lang zur Hälfte jüdischer Abstammung war, so war er doch ein angesehener Filmemacher und wurde nicht von den Nazis unter Druck gesetzt. Trotzdem wurde Das Testament des Dr. Mabuse verboten und stattdessen in Deutschland die französische Fassung gezeigt, die Lang parallel drehen ließ. Da es damals noch billiger war, einen Film zweimal mit anderen Darstellern, aber in den gleichen Sets zu drehen, als ihn aufwendig synchronisieren zu lassen, entstand neben der deutschen Version noch eine französische. Diese war für viele Jahre die einzig bekannte Fassung des Films und das obwohl den Schnitt nicht Fritz Lang durchführte, sondern Lothar Wolff in Paris. 1942 wurde die französische Fassung unter dem Titel "The Last Will of Dr. Mabuse" in den USA veröffentlicht. Erst 1951 konnte man in Deutschland die Version des Films sehen, die Lang damals fertiggestellt hatte, in den USA kam die 1952 in einer auf 80 Minuten heruntergekürzte Fassung als "The Crimes of Dr. Mabuse" heraus.

Man kann leicht zwischen den Taten des Dr. Mabuse und dem Naziregim eines Adolf Hitlers Parallelen erkennen. Beide waren voller Ideen wie sie die Welt beherrschen konnten und diese Ideen waren zumeist auf brutalen oder weitreichenden Verbrechen begründet. Außerdem verfügten sie über eine Schar von ergebenen Anhängern, duldeten keine Aussteiger und konnten aus der Ferne agieren. Auch wenn Fritz Lang mit Das Testament des Dr. Mabuse dies darstellen wollte, kam doch der erste Mabuse-Film bereits 1922 heraus, also zu einer Zeit in der Hitler noch über keinerlei Macht verfügte. Schon dort zeigte Mabuse seine diabolische Macht. Losgelöst von dem historischen Kontext kann man sagen, dass die Taten des Dr. Mabuse nicht unbedingt auf eine bestimmte Person oder Zeitepoche abzielen, sondern allgemein gelten und zu jeder Epoche möglich sein könnten. Würde der Film in dieser Form heutzutage in die Kinos kommen, würde man wahrscheinlich darin den Kampf gegen den Terrorismus hineininterpretieren.

Das Testament des Dr. Mabuse - ScreenshotDas Testament des Dr. Mabuse - Screenshot

Trotz allem ist Das Testament des Dr. Mabuse ein weiterer Beweis dafür, wie kreativ und technisch fortgeschritten die deutsche Filmindustrie vor dem Zweiten Weltkrieg war. Am Ende des Films gibt es eine großangelegte Explosion einer Chemiefabrik und eine Autoverfolgung, die für die folgenden Jahre als Maßstab in der Filmwelt galt, auch wenn sie heutzutage nicht sonderlich spektakulär wirkt. Einer der spannendsten Momente dürfte sicherlich die Gefangenschaft von Kent und Lilli in einem hermetisch abgeriegelten Raum sein, in dem in einigen Stunden eine Bombe explodieren wird, Kent die Explosion nur durch die Überflutung des Raumes abdämpfen kann und so deren Überleben sichert. Dies sah man z.B. in einer ähnlichen Form in dem fast 60 Jahre später entstandenen Delikatessen, in dem auch ein Raum überflutet und somit zum zerbersten gebracht wird.

Nach diesem Film ging Fritz Lang zunächst nach Paris, um von dort aus schließlich nach Amerika überzusiedeln. Entgegen seiner eigenen Erzählung floh er nicht Hals über Kopf aus Nazi-Deutschland, sondern kehrte 1933 immer wieder mal zurück, unter anderem auch um seine Scheidung mit seiner langjährigen Wegbegleiterin und Ehefrau Thea von Harbou zu regeln. Sein erster Film in den USA war Fury (Blinde Wut). Zusammen mit anderen Emigranten wie z.B. Edgar Ulmer war er maßgeblich an den Erfolgen der Film Noir Thriller beteiligt, die in den 40er Jahre ihre Hohezeit hatten. 1959 kehrte er nach Deutschland zurück und drehte Das indische Grabmal und Der Tiger von Eschnapur, Remakes zweier Stummfilme von 1921, bei denen er damals am Drehbuch beteiligt war. 1960 drehte er seinen dritte Dr. Mabuse Film und auch seinen letzten Film überhaupt, Die Tausend Augen des Dr. Mabuse. Rudolf Klein-Rogge wiederholt hier die Rolle des Dr. Mabuse, hat aber im ganzen Film nur wenige Dialogzeilen. Otto Wernicke spielte den Charakter des Inspektor Lohmanns bereit in M, wo er Peter Lorre hinterherjagte und war auch während des Zweiten Weltkrieges ein vielbeschäftigter Schauspieler. In einer Nebenrolle als Gangster ist Theo Lingen zu sehen, der in späteren Jahren vor allem in seichten deutschen Komödien auftrat.

Das Testament des Dr. Mabuse - ScreenshotDas Testament des Dr. Mabuse - Screenshot

Die DVD von Criterion präsentiert die restaurierte Fassung der deutschen Originalversion. Bis auf ein paar wenige Szenen ist die Restauration vollständig. Dem Bild sieht man natürlich sein Alter an, allerdings sind die Schärfe und vor allem der Kontrast sehr gut gelungen. Bilddefekte wie diverse vertikale Linien, Schmutzflecke etc. sind vorhanden, trüben aber den Filmgenuss nicht. Bei einem Film von 1933 darf man ein fehlerfreies Bild auch nicht erwarten. Ein gewisses Flimmern macht sich vor allem bei ruhigeren Szenen und den Anfangscredits bemerkbar, dies ist aber ein Nebeneffekt der damaligen Produktion und nicht des DVD-Masterings. An Tonspuren gibt es nur den deutschen Ton in Mono, der leider nicht über eine ganz so gute Qualität verfügt, was aber auch im Alter des Films begründet liegt. Zwar kann man die Dialoge alle verstehen, aber häufig begleitet ein Rauschen den Film und in den Höhen verzerrt es sich schon mal ein bißchen.

Was die Extras angeht, so bietet Criterion wieder einmal die volle Packung. Das erste Highlight findet sich in dem Audiokommentar von David Kalat, dem Autor des Buches "The Strange Case of Dr. Mabuse". Kalat vermittelt soviel Informationen zum Film und über Fritz Lang, dass man irgendwann nicht mehr mitkommt. Zwar mag sein Sprechstil auf Dauer etwas eintönig klingen, aber der Informationsgehalt ist enorm. Auf DVD Nummer 2 bekommt man als erstes die französische Version des Films, Le Testament du Dr. Mabuse geliefert, so dass man sich auch mal selbst einen Eindruck von dieser Fassung verschaffen kann. Da es aber kaum noch vernünftige Master dieser Version gibt, musste auf ein Exemplar aus einem luxemburgerischen Archiv zurückgegriffen werden, das fest eingebrannte holländische Untertitel hat. Die englischen Untertitel sind allerdings mit einem schwarzen Hintergrund versehen worden, so dass die Untertitel immer gut lesbar sind, allerdings dadurch auch einiges vom Hintergrund verdecken. Das folgende Interview "For Example Fritz Lang" ist ein Auszug aus der deutschen Dokumentation "Zum Beispiel Fritz Lang" aus dem Jahre 1964. Hier erzählt Lang davon, wie er überhaupt zum Film gekommen ist, es wird kurz auf Die Frau im Mond und M eingegangen, bis er dann schließlich auf seine Begegnung mit Goebbels zu sprechen kommt.

Das Testament des Dr. Mabuse - ScreenshotDas Testament des Dr. Mabuse - Screenshot

"Mabuse in Mind" bzw. "Mabuse im Gedächtnis" ist ein Interview von 1984 mit dem Schauspieler Rudolf Schündler, der in Das Testament des Dr. Mabuse einen Kriminellen spielt, in den 50er, 60er und Anfang der 70er Jahre in vielen deutschen Dramen und Komödien vertreten war und mit kleinen Rollen in The Exorcist und Argentos Suspiria sogar in internationalen Genreproduktionen vertreten war. In dem viertelstündigen Interview berichtet er vor allem von seiner Zusammenarbeit mit Lang. Dabei werde auch einige Ausschnitte aus dem Film gezeigt, die nebenbei eindrucksvoll verdeutlichen wie qualitativ überlegen die restaurierte Fassung ist. "Norbert Jacques - der literarische Erfinder des Dr. Mabuse" ist eine direkte Übernahme von der Dr. Mabuse, der Spieler DVD. Wer die in seiner Sammlung besitzt, dürfte dieses Interview mit Michael Farin, Herausgeber der Mabuse-Romane und Produzent von Mabuse-Hörspielen, bereits bekannt vorkommen. Er vermittelt einige Hintergrundinformationen zu dem Autor Norbert Jacques, für was der Charakter des Mabuse eigentlich zu seiner Zeit stand und was sich in Wirklichkeit unter der Oberfläche des Bösewichts darstellte. Richtig interessant wird es dann noch einmal in "The Three Faces of Dr. Mabuse", in dem David Kalat auf die teilweise gravierenden Unterschiede zwischen dem deutschen Original, der französischen Version und der amerikanischen Fassung The Crimes of Dr. Mabuse eingeht. Abschließend gibt es noch fünf Bildergalerien.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 28.07.2004

Leser-Kommentare

01.08.2004, 13:36:45 Trakl ( Email schreiben )

Interessant: auch Rudolf Schündler spielt einen der Gangster. Beide, Theo Lingen und Rudolf Schündler, spielten später in den Pauker-Filmen. Eine von Schündlers letzten Rollen: Suspiria.
Interessant, wie gute Schauspieler nur durch ihre ersten und letzten Rollen in Klassikern mitspielen...

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