Film Daten

Titel:
Eugenie de Sade
Originaltitel:
Land & Jahr:
Lichtenstein / Deutschland / Frankreich 1970
Laufzeit ca.: ?
87 Min.
Regie:
Jess Franco
Darsteller:
Soledad Miranda
Paul Müller
Andrés Monales
Greta Schmidt
Alice Arno
Jesus Franco
Marius Lesoeur
Alternativtitel:
• De Sade 2000
• Eugénie de Franval
• Eugénie de Sade
• Eugenie Sex Happening
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Wild East Productions
Label:
Wild East Productions
Regionalcode / Norm:
1 / PAL
Bild / Zeit:
1.33:1 / 86:43
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • "Unfinished Franco" - Ausschnitte aus drei nie fertiggestellten Filmen
  • Booklet mit Liner Notes

DVD Daten

DVD Cover - Oracle Home Entertainment
Label:
Oracle Home Entertainment
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
1.33:1 / 86:47
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Französisch - DD 2.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Trailer
  • Bildergalerie

DVD Daten

DVD Cover - X-Rated
Label:
X-Rated
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.58:1 / 86:46
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Französisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Interview mit Jess Franco
  • Deutscher und französischer Trailer
  • Bildergalerie
  • Trailer: Emanuelle Nera und ihre wilden Hengste / Rossa Venezia / Dark Forest - Aliens des Grauens / Vegetarierinnen zur Fleischeslust gezwungen 2 / Paganini Horror / Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies / Orgasmo Nero III - Schwarze Haut auf weissem Sand

Eugenie de Sade

Review

Eugenie de Sade - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Die junge Eugenie (Soledad Miranda) lebt mit ihrem Stiefvater Albert Radeck (Paul Müller) zusammen, einem erfolgreichen und angesehenen Schriftsteller. In seiner Abwesenheit entdeckt sie ein Buch mit erotischen Geschichten und ist ganz fasziniert davon. Ihr Vater erfährt davon und erkennt, dass sie erwachsen geworden ist und Interesse an der Sexualität entwickelt. In ihr glaubt er die lang erwartete Partnerin für seinen Plan eines perfekten Mordes gefunden zu haben, denn sie vertraut ihm blind und liebt ihn über alles. Der erste Mord an einem Nacktfotomodell funktioniert reibungslos und fortan bringen sie immer wieder einzelne Menschen um, Frauen wie auch Männer, und entwickeln daraus eine sexuelle Lust, die schließlich zum gemeinsamen Geschlechtsakt führt. Als sich Eugenie aber in das nächste anvisierte Opfer verliebt, gerät das Leben aller außer Kontrolle...

Eugenie de Sade - ScreenshotEugenie de Sade - Screenshot

Wie bei kaum einem anderen Regisseur liegen die Qualitäten seiner Filme bei Jess Franco so verteilt zwischen belanglosem, ja teilweise geradezu langweiligem Trash ohne Seele bis hin zum kleinen Meisterwerk, dass kurz vorm Geniestreich steht. In seiner langjährigen Karriere hat er von banalen Softsexfilmchen bis hin zu spannenden Thrillern alles gedreht. Der 1970 entstandene Eugénie, oder allgemein besser bekannt als Eugenie de Sade, wurde zu einer Zeit produziert, als er sich von seinen noch ein wenig künstlerisch angehauchten Werken der 60er Jahre langsam löste und mehr und mehr Richtung Sexploitation abdriftete. Mit Eugenie de Sade gelingt es ihm Melodramatik und Erotik miteinander zu kombinieren, ohne das man das Gefühl bekommt, dass die freizügigeren Szenen ein billiges Mittel sind um die anvisierte Zielgruppe zu vergrößern. An dem Werk "Eugénie de Franval" vom Marquis de Sade orientierte er sich aber nur lose. In dieser Geschichte ist es ein adeliger Vater, der seine Tochter weitesgehend von der Außenwelt isoliert großzieht, damit sie nicht durch gesellschaftliche oder religiöse Meinungen beeinflusst wird, und macht sie mit 14 Jahren zu seiner Mätresse. Dies führt schließlich zu Intriegen, Erpressung und sogar Mord.

Beschrieben werden die Ereignisse als Rückblick aus der Sicht der im Sterben liegenden Eugenie. Auch wenn über die Vorgeschichte nur soviel bekannt ist, dass ihre Mutter wenige Tage nach ihrer Geburt starb und sie bei ihrem Stiefvater aufwuchs, der ihre Mutter drei Monate vor ihrer Geburt heiratete, so bekommt man doch den Eindruck, dass Eugenie in behüteten Verhältnissen aufgewachsen ist. Sie liebt ihrem Stiefvater abgöttisch, eine Liebe die irgendwann über das normale Vater-Tochter Verhältnis hinausgeht. Ob sie Freundinnen hat oder schon mal mit einem Jungen zusammen war, darüber schweigt sich der Film aus. Sie wird als ein einfaches junges Mädchen dargestellt, das gerne alleine lange Spaziergänge unternimmt und sich ihrer Wirkung auf das andere Geschlecht gar nicht bewußt ist. So kann sie ihren Stiefvater schon mal allein durch ihre Art, wie sie sich auf einem Sessel räkelt, ungewollt ein wenig von seiner Arbeit ablenken. Sie ist in eine Abhängigkeit zu ihrem Vater geraten, aus der sie sich kaum alleine befreien kann. Erst die erste große Liebe zu einem jungen Musiker läßt langsam in ihr Widerstand aufkeimen. Ihr Vater hingegen sieht gar nicht das Schicksal seiner Tochter, denn er ist von seinen Taten so fasziniert, dass er nicht mehr aufhören kann.

Eugenie de Sade - ScreenshotEugenie de Sade - Screenshot

Dabei meint man zuerst einen üblichen Softsexthriller geboten zu bekommen. Der Film beginnt mit wackeligen Handkameraaufnahmen wie sich zwei hübsche Frauen, eine blond, eine dunkelhaarig, lieben, dann ein Mann dazu kommt und die blonde stranguliert. Dies wird auf eine Leinwand projeziert, der einzige Zuschauer ist Jess Franco, der auch da noch unbekannte Tanner. Im weiteren Verlauf bemerkt man dann, dass dieser Film die Wiedergabe eines Mordes von Albert Radeck und Eugenie sein muss. Der Film behandelt also nicht nur das Thema Mord und Inzest (wobei das gegenüber dem Roman abgeschwächt wird, da Albert "nur" der Stiefvater ist), sondern auch Snuff. Aber sehr unplakativ, denn wenn man diese Aufnahmen sieht, weiß man eigentlich noch gar nicht, dass es sich dabei um einen "realen" Mord handelt. Auch die Ursachen für Eugenies Wunden bekommt man als Zuschauer erst am Ende präsentiert, wenn sich die Konstellationen in einem bitteren Ende auflösen.

Die einzige Person die sie als Täter der Morde verdächtigt, ist ebenfalls ein Schriftsteller namens Tanner, gespielt von Jess Franco persönlich. Aber der hat anscheinend gar kein Interesse die Morde bzw. seinen Verdacht der Polizei zu melden. Stattdessen beobachtet er die beiden, da ihn mehr die Person Albert Radeck interessiert, er möchte sogar ein Buch über ihn schreiben. Ihm macht es nichts aus, dass die beiden mehrere Menschen umbringen, denn er ist von der Psyche des Mannes fasziniert und er ist es auch, der die Geschichte der beiden von Eugenie an ihrem Sterbebett erzählt bekommt. Wahrscheinlich bewundert er ihr Leben, ihre lockere Sexualität, aber auch den Willen zu den Morden. Auch wenn es kaum erwähnt wird, so bekommt man den Eindruck, dass er gerne einmal dabei sein möchte, auch wenn er sich oberflächlich Albert Radeck gegenüber wie ein Kläger benimmt, der ihn bald an die Justiz verraten wird.

Eugenie de Sade - ScreenshotEugenie de Sade - Screenshot

Für Jess Franco Verhältnisse ist die Charakterzeichnung in diesem Film ungewöhnlich ausführlich. Die inneren Gedanken Eugenies werden durch einen Off-Kommentar von ihr dem Zuschauer verdeutlicht, ähnlich - wenn auch nicht so intensiv - wie in dem anderen Jess Franco/Soledad Miranda Werk oder in dem französischen Thriller Seul contre tous (Menschenfeind), um mal einen neueren Titel zu nennen. Man lernt sie so besser kennen und man kann so ihre Taten besser nachvollziehen. Durch sie erhält auch ihr Vater etwas mehr charakterliche Tiefe, da sie ihn und seine Verhaltensweise des öfteren beschreibt. Paul Müller, der trotz seiner vielen Filme gerne als Schauspieler übersehen wird, liefert hier eine sehr überzeugende Rolle ab. Die weiteren Figuren im Film, außer vielleicht Tanner, sind mehr Randfiguren in der Darstellung der Obsessionen der beiden Hauptpersonen und daher auch in der Darstellung eher oberflächlich geraten. Dies ist allerdings nicht wirklich schlimm, da der Film deutliche auf Stiefvater und -tochter fixiert ist.

Wer allerdings bislang noch keinen wirklichen Zugang zum Franco-Filmuniversum erlangt hat, wird es mit diesem Film wohl auch nicht schaffen. Auch wenn dieser Film im Bereich des Exploitationkinos und besonders unter den Franco-Filmen als sehr gelungen bezeichnet werden kann, so dürfte es "genrefremden" Zuschauern vielleicht doch ein wenig zu langweilig / billig / unprofessionell / unblutig oder zu plakativ auf Sexszenen fixiert sein, auch wenn Sex und Gewalt nach heutigen Maßstäben als eher harmlos zu bezeichnen sind. Auch nimmt es der Film mit der Logik nicht unbedingt genau. Für den ersten Mord verschwinden sie aus einem Pariser Nachtlokal, ziehen höchst auffällige Klamotten an, nehmen des nächsten Flug nach Brüssel, begehen den Mord, fliegen zurück nach Paris und setzen sich in alter Kleidung wieder auf ihre alten Plätze im Nachtlokal. Trotz der eher geringen Entfernung zwischen Paris und Brüssel muss dies mehrere Stunden dauern und da ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass ihre Plätze immer noch frei sind und nicht mal eine Person ihr Verschwinden bemerkt hat. Unter den Anhängern der Filme des spanischen Regisseurs dürfte dieser Film aber eigentlich sehr gut ankommen. Seine Filme mit Soledad Miranda zählen zumeist zu seinen besseren, beschränkt auf die Zeitepoche ohnehin, und zeigt noch eine etwas anspruchsvollere Seite des Regisseurs, auch wenn er da bereits einige eher einfache Sexploitation-Filme gedreht hatte.

Eugenie de Sade - ScreenshotEugenie de Sade - Screenshot

Wer sich ein wenig mit den Filmen Jess Francos auskennt, der wird einige bekannte Elemente und Schauspieler entdecken. Nicht nur, dass Paul Müller und Soledad Miranda hier mitmachen, sondern dieser Film ist auch die erste Zusammenarbeit mit der blonden Alice Arno, die später noch in weiteren Franco-Filmen wie Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies, Female Vampire oder La Comtesse perverse (The Perverse Countess) auftreten sollte. Andrés Monales trat des weiteren noch in Vampyros Lesbos oder Les Démons (Die Nonnen von Clichy) auf. Einen Cameo-Auftritt legt hier übrigens Marius Lesoeur hin, der ganz zu Beginn Jess Franco etwas ins Ohr flüstert, als der sich die Aufnahmen des einen Mordes ansieht. Lesoeur war der damalige Produzent des Films. Außerdem kann man hier in einer Szene sehen, wie Paul Müller an einer Hauswand mit Buntglasfenstern zu seinen Räumen eine Treppe hinaufgeht. Diese Treppen sollten auch in Vampyros Lesbos Verwendung finden.

Dieser Film stellt Jess Francos erste unabhängige Arbeit nach seiner langen Zusammenarbeit mit dem britischen Produzenten Harry Alan Towers dar. Allerdings läßt sich chronologisch kaum einordnen, welcher der folgenden Filme wann gedreht wurde. Die meisten Quellen lassen aber auf die folgende Reihenfolge schließen: Les Cauchemars Naissent la Nuit (Nightmares Come at Night), Sex Charade und Eugenie de Sade. Es kann aber angenommen werden, dass Eugenie der erste Film mit Soledad Miranda in einer großen Hauptrolle in einem Franco-Film ist, die eigentlich nur in Spanien unter ihrem richtigen Namen in den Credits erwähnt wurde, da dort die Filme in einer abgeschwächten oder zensierten Form erschienen. Außerhalb von Spanien war sie dann "Susan Korda" oder "Susan Korday". Sie wurde im Jahre 1943 in Protugal geboren und war die Nichte einer damals in Spanien recht bekannten Schauspielerin namens Paquita Rico. Sie ging als Teenager nach Madrid, wo sie schließlich mit 17 das erste Mal vor einer Kamera stehen sollte und bereits 1960 den ersten Kontakt zu Jess Franco hatte, in dessen Komödiendrama La Reina del Tabarín (Queen of the Tabarin Club) sie eine sehr kleinen Nebenrolle bekam. In den folgenden Jahren war sie dann mehr und mehr in spanischen Dramen, Komödien oder auch Thrillern zu sehen, in manchen Filmen sang sie sogar traditionelle spanische Lieder. Ihr zweiter Film unter der Regie von Franco war der 1970er El Conde Drácula (Nachts wenn Dracula erwacht), wo sie immerhin schon eine größere Nebenrolle bekam, bis sie dann schließlich in Eugenie de Sade ihre erste Hauptrolle in einem Film des spanischen Regisseurs bekam und für das folgende Jahr so etwas wie Francos Muse darstellen sollte. Die Zusammenarbeit wurde schließlich am 18. August 1970 jäh beendet, als Soledad Miranda bei einem tragischen Autounfall auf einer portugiesischen Landstraße ums Leben kam.

Eugenie de Sade - ScreenshotEugenie de Sade - Screenshot

Eugenie de Sade war allerdings nicht Francos erster Film, der nach den Motiven von Marquis de Sade entstand. Bereits zuvor gab es schon Marquis de Sade: Justine und Isla de la muerte (Eugenie... The Story of her Journey into Perversion / Die Jungfrau und die Peitsche), die beide in der Towers-Phase entstanden. Gedreht wurde der Film zum größten Teil in und um Berlin, aber seltsamerweise gab es damals weder einen offiziellen deutschen Kinostart, noch wurde der Film jemals auf einer deutschen Videokassette aufgelegt. Daher war der Film, wenn überhaupt, nur als Import aus Belgien oder Frankreich zu bekommen und genießt deswegen auch nicht den Bekanntheitsgrad wie die anderen in Deutschland produzierten Filme wie z.B. Vampyros Lesbos und .

Auch auf DVD musste man erst den Blick in die USA werfen, wo das kleine Label Wild East Productions den Film zum ersten Mal in digitaler Form veröffentlichte. Erst später folgten Oracle Home Entertainment in Großbritannien und X-Rated in Deutschland, alle drei werden im folgenden Text besprochen. Wer sich die Laufzeiten der DVD anschaut, dem wird auffallen, dass diese im Sekundenbereich etwas variieren. Dies ist allerdings kein Hinweis auf eventuelle Kürzungen, sondern eher darin begründet, dass hier und dort mal vereinzelte Frames fehlen. Jede DVD präsentiert den Film in seiner ungekürzten Form. Keine der Veröffentlichung kann man aber als die definitive DVD ansehen, da jede so ihren eigenen Vorzüge besitzt. Daher gehe ich mal der Reihe nach, vorab sei aber schon mal auf den Bildvergleich aller drei DVDs hingewiesen: Bildvergleich Wild East - Oracle Home Entertainment - X-Rated

Wild East Productions

Die DVD von Wild East kam bereits Ende 2001/Anfang 2002 heraus. Sehr auffällig ist das unstete Bildformat, dass mal zwischen normalem 1.33:1 Vollbild und einem uneinheitlich gematteten 1.30:1 - 1.37:1 Bildausschnitt schwankt. Ganz leichte Bewegungsunschärfen lassen auf eine PAL-zu-NTSC-Normwandlung schließen. Das Ausgangsmaterial befand sich nicht gerade in bester Kondition, so dass kleinere Defekte und Verschmutzungen immer wieder mal zu sehen sind. Die Farben erscheinen ein wenig zu blass, die Schärfe ist nicht immer optimal, vor allem im Detail deutlich mangelhaft, und leichte Doppelkonturen können auch entdeckt werden. Extrem rote Flächen wie z.B. die Kleidung der Radecks bei ihrem ersten Mord im Fotostudio neigen zum ausbluten, durch die Kompression entstehen leichte Blockstrukturen. An Tonspuren liegt nur die englische Synchronisation vor, die zwar als perfekt angesehen werden kann, aber zumindestens die Dialoge einigermaßen akurat übersetzt. Der Monoton neigt zu leichten Verzerrungen, einige Knackser kann man ab und zu mal hören, aber insgesamt geht die Qualität für einen solch alten und bisher selten beachteten Film noch in Ordnung. Auffällig ist hierbei allerdings, dass der Ton nicht wie üblich im komprimierten Format vorliegt, sondern unkomprimiert. In einer Szene unterscheidet sich die Soundtrackmusik aber entscheident von der französischen Version. Als Soledad Miranda im Beisein ihres Vaters und einer mitgenommenen Anhalterin, das nächste Opfer, einen Striptease in der Wohnung hinlegt, bekommt man hier eine ganz andere Musik zu hören. Die Originalmusk von Bruno Nicolai wurde durch eine undefinierten, etwas poppigeren Score ersetzt, der der Szene etwas von ihrer Effektivität nimmt, da ansonsten Mirandas Bewegungen relativ gut zur Originalmusik passen.

Eugenie de Sade - ScreenshotEugenie de Sade - Screenshot

An Extras gibt es neben einem Booklet mit Liner Notes, dem französischen Trailer (seltsamerweise im Bildformat 1.78:1) und einer mit dem Soundtrack unterlegten Fotogalerie den Abschnitt "Unfinished Franco", der für Franco-Komplettisten von höchstem Interesse sein dürfte und daher wandert diese DVD sicherlich in das eine ohne andere Regal, auch wenn die technische Präsentation des Films noch Wünsche offen läßt. Dahinter verbirgt sich nämlich das Material von drei niemals fertiggestellten Filmen von Jess Franco, betitelt Raquel, Poeme und Untitled. Hierbei handelt es sich um schwarz-weiß-Aufnahmen von Jess Franco, die schätzungsweise in den Jahren 1978-1980 entstanden sind und seit über 20 Jahren in den Archiven von Eurociné schlummerten, Francos damaliger Produktionsgesellschaft. In einer vorgeschalteten Texttafel wird erklärt, dass Franco während der Dreharbeiten zu anderen Filmen immer wieder mal spontan Szenen improvisierte um sie für eventuelle zukünftige Filme zu nutzen. In Raquel sieht man lediglich zwei nackte Frauen über Sanddünen wandern, die aus der Ferne von einem Mann beobachtet werden, dessen einzige Bekleidung auch nur aus seiner Sonnenbrille besteht und einen Bogen und Pfeile mit sich trägt. Laut den Liner Notes im Booklet entstanden diese Aufnahmen wahrscheinlich 1979 während der Produktion von Ópalo de fuego: Mercaderes del sexo (Two Female Spies with Flowered Panties). Die Aufnahmen von Poeme zeigen auch nicht sehr viel, lediglich eine barbusige Frau (das Gesicht sieht man nie), die fasziniert einen ausgenommenen Tierkörper betrachtet und einige Kameraschwenks über einen Porzellanvogel und einer Skulptur einer knieenden Frau. Aufgenommen wurde dies wohl am selben Tag wie die Gore-Szenen für Sexo caníbal (Mondo Cannibale 3 - Die blonde Göttin). Das letzte Segment Untitled ist auch gleich das interessantestere, da hier einige Schauspieler klar zu erkennen sind. Es beginnt mit den Aufnahmen einer Frau, die in einer Art Melancholie oder Trance vor einem Spiegel steht und eine cremige Flüssigkeit darauf verteilt. Danach folgen ein paar Schnipsel einer sich irgendwo räkelnden nackten Frau und dann eine Szene in der ein anderes Mädchen, scheinbar Susan Hemingway, nackt in einem Bett liegt. Es erfolgt ein Schnitt und der Rest beinhaltet Szenen von einem Begräbnis in der Nähe einer alten Burg oder Kirche. Als Priester kann man Antonio de Cabo (PutLink "jkz"], Drácula contra Frankenstein (Die Nacht der offenen Särge)) erkennen, in Zwischenschnitten sieht man eine junge blonde Frau in einem schwarzen Umhang an den Mauern entlangwandern. Diese Aufnahmen tragen etwas von der poetischen Gothic-Atmosphäre der Jean Rollin Filme und es wäre sicherlich interessant, wenn man diese Szenen im Kontext eines kompletten Films bewundern könnte. Aller Wahrscheinlichkeit nach entstanden diese Szenen während der Dreharbeiten zu El Sádico de Notre-Dame (The Sadist of Notre Dame).

Oracle Home Entertainment

Die britische DVD von Oracle Home Entertainment bietet von allen drei Veröffentlichungen das beste Bild, zumindestens was das Mastering angeht. Zwar sind auch hier Defekte und Verschmutzungen der Vorlage oft genug zu sehen, allerdings gibt es keine Bewegungsunschärfen und die allgemeine Schärfe ist auch im Vergleich zu den anderen DVDs auf dem höheren Niveau. Auch ist das Bildformat hier etwas einheitlicher und variiert, bis auf ganz wenige, scheinbar Produktionsbedingte Ausnahmen, nicht so oft wie bei der US-DVD. Allerdings scheinen manche Szene auch gemattet worden zu sein, da manchmal die Wild East DVD mehr Bildinformationen oben und unten bietet. Neben dem englischen Ton gibt es hier auch den französischen Ton und dazu passend englische Untertitel. Dadurch bekommt man endlich Gelegenheit, den kompletten Soundtrack zu hören, da hier die Originalmusik von Bruno Nicolai während der Striptease-Sequenz enthalten ist. Richtig gute Qualität bietet aber keine der beiden Tonspuren. Der englische Ton ist dumpfer, während der französische teilweise schon zu klar und damit sehr dünn klingt. Probleme in den Höhen haben beide Spuren und leichte Störgeräusche kann man immer wieder mal kurz ausmachen. An Extras gibt es nur den französischen Trailer und eine Bildergalerie, die zwar ähnliche Motive wie bei der Wild East DVD zeigt, allerdings unterscheidet sich die Präsentation der Bilder davon.

X-Rated

Die DVD von X-Rated stellt die Deutschlandpremiere des Films dar, der hier vorher noch nie auf irgendeinem Medium veröffentlicht wurde. Nachdem man sich durch 7 Trailer für weitere X-Rated Titel durchgearbeitet hat, kann man hier neben den bereits bekannten englischen und französischen Tonspuren sogar eine eigens für diese DVD neu produzierte deutsche Sprachfassung auswählen. Zu den anderen beiden Tonspuren werden deutsche Untertitel zwangszugeschaltet, man kann auch während des Films nicht die Sprache wechseln oder die Untertitel deaktivieren. Wahrscheinlich eine unumgängliche lizenzrechtliche Maßnahme, aber ein kleines Ärgernis für den Zuschauer, der nicht unbedingt darauf angewiesen ist. Die Untertitel sind zwar gut lesbar, aber ab und zu meinte man es aber fast schon zu gut mit einer akuraten Untertitelung. Jedenfalls ist dies die erste mir bekannte DVD, wo die Untertitel in den extremsten Momenten bis zu fünf Zeilen einnehmen. Da der Schriftsatz aber etwas kleiner als normal üblich ist, wird nicht sehr viel vom Bild verdeckt. Das Produzieren einer komplett neuen deutschen Synchronisation ist zwar recht löblich, allerdings merkt man doch zu deutlich, dass die Synchronisation recht neu ist, was der Atmosphäre des Film leider ein wenig abträglich ist. Verständlicherweise weist diese Tonspur natürlich die beste Qualität auf und hier wurde auch auf den richtigen Soundtrack während der Striptease-Szene zurückgegriffen.

Was die Bildqualität an sich betrifft, so könnte man die X-Rated DVD qualitativ auf den zweiten Platz positionieren. Die allgemeine Bildschärfe ist sogar noch ein bißchen besser als bei der Oracle DVD. Dafür liegen die Nachteile in teilweise deutlichen Bewegungsunschärfen, etwas stärkeren Doppelkonturen, einem allgemein etwas dunkleren Bild, verursacht durch einen flacheren Kontrast, und stellenweise sogar Treppchenbildung (siehe Bild 2 im Bildvergleich). Außerdem erkauft sich die X-Rated DVD ein nicht im Format schwankendes Bild, indem einfach auf ein Format von ca. 1.58:1 gemattet wurde, wodurch vor allem Bildinformationen am oberen und unteren Bildrand verloren gehen. Die Kompression macht sich auch in einer leichten Blockbildung bemerkbar.

Das Bonusmaterial unterscheidet sich von den anderen DVDs. Da wäre als erstes der von X-Rated neu produzierte deutsche Trailer, der eine bessere Qualität als der englische Trailer der beiden anderen DVds bietet und auch anders geschnitten ist. Allerdings wird hier Jess Francos Charakter fälschlicherweise als "Kommissar Tanner" bezeichnet. Daneben gibt es außerdem den bereits bekannten französischen Trailer. Die Bildergalerie ist eine direkte Übernahme von der Wild East DVD, da die gleichen Motive in der identischen Reihenfolge gezeigt werden. Lediglich der bunte Hintergrund wurde durch einen schwarzen ersetzt und die begleitende Musik differenziert auch ein wenig. Das fünfeinhalb-minütige Interview mit Jess Franco bezieht sich leider in keinster Weise auf den Film Eugenie de Sade, sondern scheint vielmehr ein Ausschnitt aus einem längeren Interview zu sein. Jess Franco erzählt hier ein wenig über Christopher Lee und dann dreht sich der Rest des Gespräches um Peter Jackson. Franco schwärmt hier von einer Dokumentation namens "The true History of Cinema", ein Film über einen neuseeländischen Filmemacher, den Jackson gedreht hat. Gemeint ist damit dessen Forgotten Silver, eine Fake-Dokumentation die zwischen Heavenly Creatures und The Frighteners entstand und außerhalb von Neuseeland nicht sehr bekannt ist. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich der Interviewer etwas irritiert zeigt, als Franco die Meinung vertritt, dass dieser Film noch vor Bad Taste entstand.

Quellennachweis

- Tim Lucas: "Eugenie de Sade", Video Watchdog #85 / Juli 2002, S.34-41
- Carlos Aguilar: "Bizarre Sinema! Jess Franco - El sexo de horror"

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 15.08.2004
Letzte Textänderung: 30.08.2006

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