Film Daten

Titel:
Originaltitel:
Frankenstein and the Monster from Hell
Land & Jahr:
England 1974
Laufzeit ca.: ?
91 Min.
Regie:
Terence Fisher
Darsteller:
Peter Cushing
Shane Briant
Madeline Smith
Bernard Lee
David Prowse
John Stratton
Philip Voss
Clifford Mollison
Patrick Troughton
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Paramount
Label:
Paramount
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
1.78:1 (anamorph) / 92:46
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Audiokommentar von Madeleine Smith, David Prowse und Jonathan Sothcott

DVD Daten

DVD Cover - Anolis Entertainment
Label:
Anolis Entertainment
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.66:1 (anamorph) / 90:30
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • World of Hammer: Peter Cushing
  • Interviews mit Synchronsprechern Friedrich Schoenfelder und David Rathan
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Booklet mit Liner Notes

Review

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(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Der junge Arzt Simon Helder (Shane Briant) wird von einem Gericht in eine Nervenheilanstalt eingeliefert, nachdem er illegale Experimente mit Leichenteilen durchgeführt hat. In der Anstalt entdeckt er schnell, dass der angeblich schon vor Jahren verstorbene Baron Frankenstein (Peter Cushing) dort mittlerweile unter dem neuen Namen Dr. Victor als Arzt der gesamten Klinik tätig ist. Frankenstein war bereits vor Jahren für ähnliche Vergehen verurteilt worden. Simon wird von Frankenstein als Assistent eingesetzt und findet recht schnell heraus, dass der alte Baron auch innerhalb der Klinikmauern an seinen Experimenten weiterarbeitet. Zusammen versuchen sie nun einen künstlichen Menschen zu erschaffen. Als Grundlage dient ihnen der Körper eines Gewaltverbrechers, die Hände und Augen eines Künstlers und das Gehirn des mathematischen Genies Professor Durendel (Charles Lloyd Pack). Die Kreatur erwacht wirklich zu leben, kann sehen und artikulieren, aber dann gewinnt der Körper schließlich überhand über den Geist und alle schweben fortan in Lebensgefahr...

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Frankensteins and the Monster from Hell, so der Originaltitel, stellt in der Filmhistorie von Hammer etwas besonderes dar. Dies war nicht nur der allerletzte Film von Regisseur Terence Fisher, der insgesamt fünf Frankenstein-Filme für Hammer drehte, sondern auch der letzte Auftritt Peter Cushings in der Rolle des Barons, der letzte richtige "Gothic-Horror" Film der Hammer Studios und Anthony Hinds letztes Drehbuch für Hammer. Im Gegensatz zu den meisten Horror-Produktionen der 70er Jahre wurde in diesem Film auf Nacktszenen und das Thema Sexualität gänzlich verzichtet, was wahrscheinlich auf den Einfluß Terence Fishers zurückzuführen ist. Stattdessen bietet der Film ihn seiner ungekürzten Form aber mit die derbsten Splatterszenen aller Hammer-Filme, wenn auch in Form von medizinischen Eingriffen und Operationen und weniger in Gestalt von brutalen Gewaltakten. So drückt Frankenstein schon mal eine Aterie im Handgelenk mit seinen Zähnen ab, gibt Simon die Anweisungen "...and now pop them in!" wenn der ein Auge einsetzt und erzählt ihm genau welche Nervenstränge er am Gehirn zu durchtrennen hat, während er es in den Händen hält (hier nimmt der Film bereits 1974 einiges vorweg, was 2001 in Hannibal eher für unfreiwillige Komik sorgte).

Davon einmal abgesehen bietet der Film ein letztes Mal die für Hammer so typische Gothic-Atmosphäre, was die Filme in den 50er und 60er Jahren so berühmt machte. Die Handlung hat sogar etwas klaustrophobisches, da sich fast alles in den kleinen Räumen der Nervenheilanstalt abspielt. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive Simon Helders, der zuerst mit vollem Elan an den Experimenten des Barons teilnimmt, aber später doch moralische Bedenken haben wird. Das Monster wird auch nicht als eine von Grund auf böse Kreatur dargestellt. Vielmehr merkt man deutlich, wie der Geist Professor Durendels, der nebenbei auch noch ein fantastischer Geigenspieler war, sich in dem neuen Körper nicht zurechtfindet und dann aus dieser Frustration heraus erst seine Gewalttaten begeht. Trotz der dicken Maskerade versteht es David Prowse, der spätere Darth Vader in den Star Wars Filmen, dem Wesen eine gewisse emotionale Tiefe zu verleihen und es nicht einfach nur als ein degeneriertes Monster darzustellen.

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Peter Cushing brilliert, trotz Perücke, hierbei wieder in der Rolle des zwischen Genie und Wahnsinn schwebenden Barons von Frankenstein. Auch wenn seine Hände durch einen Brandunfall nicht mehr zu filigranen Operationen fähig sind, so kann er seinem Assistenten doch genause Anweisungen geben, was dieser zu tun hat. Sei es das Anoperieren von neuen Händen, das Einsetzen von Augen oder gar eine komplette Transplantation eines menschlichen Gehirnes. Simon Helders Hände sind die Werkzeuge, mit denen der Baron seinem Ziel näherkommen will und kann. Daneben bedient er sich noch der Dienste der Patientin Sarah (Madeleine Smith), die sowas wie die assistierende Krankenschwester darstellt. Sarah, auch Angel genannt wegen ihrer unschuldigen Schönheit, ist seit einem traumatischen Erlebnis stumm und lebt seitdem in der Klinik. Sie ist nicht nur sehr attraktiv in Simons Augen, sondern eine auch von den übrigen Patienten liebgewonnene Person, besonders von Professor Durendel, der ihr sogar eine seiner Violinen-Kompositionen gewidmet hat. Daher kann sie als einzige die Kreatur milder stimmen, wenn es die Situation verlangt. Der Film endet schließlich mit einem großen, fast schon traurig stimmenden Finale und einem augenzwinkernden letzten Blick auf die seelische Verfassung des Barons.

Auch die Nebenrollen sind gut besetzt. John Stratton gibt einen wunderbar schleimig-ekelhaften Anstaltsleiter ab, der sich lieber mit leichten Mädchen als seinen Patienten beschäftigt. Als er erkennt, dass Simon Helder als Patient und nicht als Doktor zu ihm kam, wirft er ihm ein "...so you are one of THEM!?" entgegen, betrachtet die Patienten also als eine anonyme Masse von geistig hinterbliebenen Kreaturen. Was ihn allerdings auch nicht davon abhält, Patientinnen in seinem Büro sexuell zu mißbrauchen. Sämtliche Verantwortungen hat er an Dr. Victor, also Frankenstein, abgetreten, der mittlerweile der heimliche Leiter der Anstalt geworden ist. In der Rolle eines handwerklich begabten Patienten, der aber schon bald auf dem Friedhof begraben wird, sieht man Bernard Lee, seines Zeichens besser bekannt als "M" aus den ersten James Bond Filmen. Als Leichenausbuddler ist zu Beginn des Films Patrick Troughton zu sehen, der Vater Brennan aus dem ersten The Omen (Das Omen) Film und einer der Dr. Who Darsteller. Die Rolle der Sarah sollte zunächst von Caroline Munro besetzt werden, die dann aber in eingesetzt wurde. Leider war den Hammer Studios mit diesem Film kein Glück beschehrt. In den USA, wo er im Double Feature mit Captain Kronos lief, spielte er nur sehr wenig ein und auch in England lief es nur wenig besser.

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Auf DVD gab es den Film zuerst in den USA von Paramount. Leider veröffentlichten sie die US R-Rated Fassung, die um einige der explizitieren Splatterszenen erleichtert wurde. So fehlen z.B. einige Einstellungen bei der Operation an dem Handgelenk und das Einsetzen des Auges. Davon abgesehen bietet die Paramount DVD ein recht scharfes anamorphes Bild im Format 1.77:1 (das Originalformat ist laut der IMDB 1.85:1) mit ausgewogenen Farben und ohne Probleme in der Kompression. Dafür gibt es ein ganz dezentes Bildrauschen. Der englische Ton erklingt auch ohne nennenswerte Störungen aus den Boxen. Als einziges Extra gibt es einen Audiokommentar von Madeleine Smith und David Prowse, moderiert von Jonathan Sothcott. Der Kommentar ist recht informativ ausgefallen und durch die lebendige Redensart der Beteiligten auch nicht sehr trocken oder gar langweilig ausgefallen. Neben Anekdoten und Informationen zu den Dreharbeiten wird unter anderem auch der damaligen Stellenwert der Hammer Filme in der Filmindustrie besprochen und Prowse und Smith erzählen dabei auch von einigen anderen Filmen, in denen sie für die Hammer Studios mitgewirkt haben.

Die Deutschlandpremiere erlebt der Film gut 30 Jahre nach Produktion in Form der DVD von Anolis Entertainment, die damit nach einen weiteren bisher in Deutschland nie erschienen Hammer-Film mit einer extra angefertigten Synchronisation veröffentlichten. Das Bild bietet zwar auf den ersten Blick die gewohnte Qualität der Anolis-Veröffentlichungen, muss aber im direkten Vergleich zur Paramount-DVD Federn lassen. Und das obwohl größtenteils auf das gleiche Master zurückgegriffen wurde, dass auch Paramount für seine DVD nutzte. Die Anolis-DVD präsentiert den Film im Format 1.66:1 und bietet oben und unten mehr Bildinformationen, dafür aber an den Seiten weniger. Der deutlichste Unterschied liegt vor allem in der Schärfe, die bei Anolis gerade mal über Durchschnittswerten liegt, was wahrscheinlich auf einen Rauschfilter zurückzuführen ist, denn das bei Paramount noch sichtbare Rauschen ist hier so gut wie nicht mehr vorhanden. Auch erscheint die Farbsättigung ein wenig zu stark zu sein und insgesamt hat man den Eindruck, dass das Anolis-Bild etwas rotstichiger ausgefallen ist.

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Dafür bietet Anolis aber einen kaum zu schlagenden Vorteil: die ungekürzte Version des Filmes! Als Grundlage diente wie erwähnt das Paramount-Master, die gekürzten Szenen wurden aus einer Kopie aus den Archiven der Hammer Studios eingefügt, was sich in einem leichten Verlust der Bildschärfe, des Kontrastes und der Farbsättigung bemerkbar macht, aber ungeübten Augen kaum auffallen dürfte. In diesem Punkt hat Anolis recht sorgfältig gearbeitet. Lediglich in einer Szene, in der das Monster dem Anstaltsleiter mit einer abgebrochenen Flasche den Hals durchschneidet, fehlen 40 Frames, die auch in den Archiven von Hammer nicht mehr gefunden werden konnten. Die einzige Quelle für die Einzelbilder wäre noch das ungekürzte Tape aus Holland gewesen, worauf aber verzichtet wurde, da die Qualitätsunterschiede doch zu gravierend gewesen wären. Somit fehlen zwar weniger als 2 Sekunden, aber dennoch bietet Anolis dem Filmfan damit die längste Fassung des Films auf DVD.

Der englische Originalton und die neu erstellte Synchronisation sind qualitativ ebenfalls sehr gut geworden. Im Gegensatz zu vielen neuen Synchronisationen für alte Filme macht sich hier kaum bemerkbar, dass sie "neu" klingt. Die Dialoge wurden recht akurat übersetzt und es konnte sogar Friedrich Schoenfelder als Sprecher engagiert werden, der früher in vielen Filmen Peter Cushing seine deutsche Stimme verlieh und damit für die richtige Atmosphäre auch im deutschen Ton sorgt. Gratulation zu dieser Leistung. Bei den Extras muss hier leider auf den Audiokommentar der US-DVD verzichtet werden, dafür gibt es aber zwei 19-minütige Interviews mit Synchronsprechern, eben Friedrich Schoenfelder und David Rathan, der Shane Briant synchronisierte. Dabei erhält man mal einen kleinen Einblick in die zumeist selten beachtete Arbeit eines Synchronsprechers und gerade ein alter Hase wie Schoenfelder hat das einiges zu erzählen. David Rathan ist dagegen ein recht junger Sprecher, aber in seinen Aussagen höchst offen und ehrlich und bietet einen klaren Einblick in den derzeitigen Stand der deutschen Synchronarbeit.

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Des weiteren gibt es eine weitere Folge der "World of Hammer" Serie, diesmal ist der Schauspieler Peter Cushing das Thema und es werden die Filme The Abominable Snowman (Yeti der Schneemensch), The Brides of Dracula (Dracula und seine Bräute), The Curse of Frankenstein (Frankensteins Fluch), Dracula, The Hound of the Baskervilles (Der Hund von Baskerville), Fear in the Night (Furcht in der Nacht / Nachts kommt die Angst), Frankenstein and the Monster from Hell, The Mummy (Die Rache des Pharao), She (Herrscherin der Wüste) und Twins of Evil (Draculas Hexenjagd) vorgestellt. Der Trailer und eine Bildergalerie runden das Bonusprogramm ab und in dem 8-seitigen Booklet gibt es wieder informative Liner Notes von Uwe Sommerlad. Wer aufmerksam sucht wird außerdem einen amüsanten britischen Werbespot von Holsten Pils mit Peter Cushing entdecken!

Abschließend der Bildvergleich beider DVDs: Bildvergleich Paramount - Anolis

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 27.08.2004

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