Film Daten

Titel:
Temmink: The Ultimate Fight
Originaltitel:
Temmink: The Ultimate Fight
Land & Jahr:
Holland 1998
Laufzeit ca.: ?
87 Min.
Regie:
Boris Paval Conen
Darsteller:
Jack Wouterse
Jacob Derwig
Herman Gilis
Will van Kralingen
Joe Montana
Martin Schwab
Sanneke Bos
Hans Veerman
Toine van Peperstraten
Romijn Conen
Victor Löw
Reinout Bussemaker
Ingrid Desmet
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Legend Films
Label:
Legend Films
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 / 86:31
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 5.1
Deutsch - DTS
Holländisch - DD 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Extras:
  • Audiokommentar von Boris Paval Conen
  • Kurzfilm "Horror Vacui"
  • Making-of
  • Deleted Scenes
  • Location Tour
  • Alternativer Anfang
  • 3 Trailer
  • Bildergalerie
  • Booklet mit Liner Notes und Storyboards

Temmink: The Ultimate Fight

Review

Temmink: The Ultimate Fight - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Temmink (Jack Wouterse) sitzt für vier Jahre im Gefängnis, als er sich entschließt, der "Arena" beizutreten, eine Art moderner Glagiatorenkampf, der landesweit im Fernsehen übertragen wird und grundsätzlich mit den Tod des Verlierers endet. Gleichzeitig mit ihm wird auch David (Jacob Derwig) zur Arena gebracht und die beiden freunden sich etwas an. Aber die Regeln der Arena sind grausam und als sich Temmink in eine hübsche Prostituierte verliebt und David im Kampf gegen Goliath (Joe Montana) verliert, beginnt ein Sinneswandel bei ihm...

Temmink: The Ultimate Fight - ScreenshotTemmink: The Ultimate Fight - Screenshot

Brutale Kampfspiele, die live im Fernsehen übertragen werden, sind beileibe keine neue Idee in der Filmlandschaft. 1970 gab es den TV-Film "Das Millionenspiel", in dem Dieter Thomas Heck eine moderne Hetzjagd moderiert, in der drei Auftragskiller (darunter Dieter Hallervorden) hinter einem jungen Mann her jagen. 1987 war dann Arnold Schwarzenegger in dem ähnlich gehaltenen The Running Man das gejagte Opfer, das sich aber irgendwie zur Wehr setzen wußte. Temmink - The Ultimate Fight greift daneben noch auf Elemente zurück, die man aus anderen Filmen wie z.B. Rollerball kennt und präsentiert sich als moderne Variante der Bloodsport-Filme mit Gladiatorenkämpfen und einem Hauch Medien- und Gesellschaftskritik.

Die gezeigte Gewalt in dem Film ist sehr direkt, teilweise wirkt es schon fast unangenehm wenn man sieht, wie die Kämpfer sich dort gegenseitig zu Muß kloppen. Allerdings wird aber auch auf eine zu explizite Darstellung verzichtet, der bildliche Härtegrad geht nie höher als Aufnahmen eines schwer verletzten Gesichtes. Im Mittelpunkt stehen aber auch eigentlicht nicht die Kämpfe, sondern vor allem die Entwicklung Temminks. Zu Beginn ist er ein Mann, der vom Leben absolut nichts mehr zu erwarten hat. Er sitzt im Gefängnis, wird dort halb wahnsinnig und will schließlich in die Arena, was vor Gericht mitels eines Euthanasie-Gesetz gebilligt wird, da Temmink sterben möchte. Aber durch die Kämpfe und vor allem die leichte Freundschaft zu David und der lange nicht mehr empfundenen Zärtlichkeit zu der Prostituierten Ellen (Sanneke Bos) beginnt ein Umdenken in seinem Kopf. Aus dem lebensverneinenden Menschen wird jemand, der doch noch weiterleben möchte, der sich vor allem dem System des Spiels widersetzen möchte und erst einige Kämpfe zu bestehen hat, bevor er seinem Ziel näher kommt.

Temmink: The Ultimate Fight - ScreenshotTemmink: The Ultimate Fight - Screenshot

Obwohl der Film auch in den niederländischen Kinos lief und auf diversen Filmfestivals gezeigt wurde, so bekommt man beim Anblick des Films zunächst den Eindruck, dass es sich bei dem Film um eine Direct-to-Video Produktion handelt. Es fehlt dieses "Film-Feeling", da auf diverse übliche Filter verzichtet wurde, was allerdings dem Ganzen einen recht realistischen Touch gibt, gerade bei den Kämpfen. Dabei wird während der Kämpfe auch in eine Art Fernseh-Optik gewechselt, so als ob gerade die Sportsendung im normalen Fernsehprogramm läuft. Entstanden ist der Film als einer von vier Low-Budget Filmen, die für ein Filmprojekt aus einer Vielzahl von Drehbuchideen ausgesucht wurden und zur Verwirklichung kamen. Die Idee zu dem Film entstand durch eine Diskussion um Gewalt, die damals in der niederländischen Presse die Runde macht.

Nur leider vermag der Film trotz aller Kämpfe und dem Geschehen hinter den Kulissen nicht so ganz mitzureißen. Der Anfang des Films, als Temmink einen Rollerskater derbe verprügelt, wirkt noch so, als ob der Zuschauer selber die Schläge abbekommt. Aber dann in der Arena verfliegt dieser direkte Einfluss. Durch die Aufmachung als eine landesweite Fernsehveranstaltung gewinnt auch der Zuschauer mehr Distanz zu dem Geschehen, obwohl sich die Kamera oft genug mit in dem kleinen Kampfkreis befindet. Auch die Entwicklung Temminks hat so ihre Stolpersteine. Zuerst ist ihm sein eigenes Schicksal egal, dann lernt er Ellen kennen. Nach der Hälfte des Films taucht sie aber überhaupt nicht mehr auf und eine andere Prostituierte kommt an ihre Stelle, mit der er sich vergnügt. So intensiv kann er an Ellen also nicht gehangen haben, da er sie auch nie weiter mehr erwähnt. Lediglich seine Wut über den Tod Davids erscheint recht nachvollziehbar. Unterm Strich ist Temmink ein solides Actiondrama, das zwar gekonnt auf der Linie zwischen harten Kampfszenen und menschlichen Emotionen schreitet, aber auf der anderen Seite auch ein wenig das gewisse Etwas vermissen läßt.

Temmink: The Ultimate Fight - ScreenshotTemmink: The Ultimate Fight - Screenshot

Da für den Film kein großes Budget zur Verfügung stand (715.000 Gulden), musste Regisseur Boris Paval Conen teilweise ganz schön improvisieren, manche Szenen mussten sogar in nur einem Take sofort sitzen, da sie keine Zeit oder kein Geld für eine Wiederholung hatten. Die Statisten für das Kampfpublikum um die Arena wurden über verteilte Flyer und Zeitungsannoncen zusammentrommelt. Da die aber kein Geld dafür bekamen, mussten die Kampfszenen recht schnell gedreht werden, weil zu jeder fortgeschrittenen Stunde mehr und mehr Leute das Set wieder verließen. Das unterirdische Gebäude, in dem die Kämpfer wohnen, war eine alte verlassene Militärkaserne gewesen, die die Set Designer ein wenig umdekorierten um das Gefühl eines isolierten Gebäudes zu erzeugen.

Nachdem der Film bereits längere Zeit in einer leicht gekürzten Fassung als Verleih-DVD erhältlich war, reichte Legend Home Entertainment schließlich eine aufwendig produzierte und ungekürzte Special Edition nach, die für diesen doch relativ unbekannten Film den roten Teppich ausbreitet. Das Doppel-DVD-Set ist in einem sehr schicken, in weiß und rot gehaltenen Digipack verpackt und bietet reichlich Bonusmaterial. Das Bild hat seine kleinen, aber vernachlässigbaren Probleme. Zunächst ist es entgegen den Angaben auf der Rückseite des Covers nicht anamorph. Die Schärfe ist aber dennoch recht gut, Verschmutzungen oder Schäden vom Originalmaterial sind absolut nicht vorhanden und die Farben kommen auch gut zur Geltung. Der Kontrast erscheint ein wenig zu steil, allerdings ist dies auch vom Film teilweise vorgegeben, da sich die Handlung größtenteils in Räumen abspielt, die von hellen Lampen erleuchtet werden. Die Kompression kommt mit dem Material in der Regel ganz gut zurecht, aber in einigen Szenen, in denen große Flächen eines Farbtons dominieren oder die Szenen in einer Farbe gehalten sind, macht sich Blockbildung bemerkbar. Neben dem holländischen Originalton in Dolby Digital 5.1 gibt es auch noch den deutschen Ton in DD 5.1 und sogar DTS. Alle Spuren sind qualitativ sehr gut, lediglich einige Stimmen der deutschen Synchro sind nicht so ganz passend gewählt, der Originalton klingt sehr viel natürlicher.

Temmink: The Ultimate Fight - ScreenshotTemmink: The Ultimate Fight - Screenshot

Als einziges Extra gibt es auf der ersten DVD den auf deutsch gehaltenen Audiokommentar des Regisseurs. Auch wenn er mit einem ordentlichen Akzent spricht, so kann man seine Ausführungen dennoch gut verstehen. Inhaltlich ist der Kommentar zudem wirklich interessant ausgefallen. Conen erzählt viel von den Problemen des Low-Budget Drehens, wie er die Schauspieler ausgewählt hat und scheut sich auch nicht offensichtliche Schwächen des Films offen zu erläutern. DVD Nummer zwei beginnt mit dem Kurzfilm Horror Vacui, dem ersten Kurzfilm von Regisseur Conen aus dem Jahre 1993. In diesem vollkommen dialogfreien Film geht es um eine Gruppe von Menschen, die irgendwo in einem schwarzen Nichts auf an Seilen befestigten Plattformen leben müssen und um sie herum ist rein gar nichts. Ein sehr experimenteller, aber auf seine Art auch interessant gemachter Film.

Die Temmink-spezifischen Extras auf DVD 2 beginnen mit einem 31-minütigen Making-of, das einen großen Teil der Entstehung des Films abdeckt. Seine Anfänge als einfache Idee, über die Darsteller-Suche bis hin zu den Stuntübungen für die Kämpfe und die Dreharbeiten selber. Hierbei handelt es sich um ein richtiges und durchaus auch interessantes Making-of und keine dieser unsäglichen, mit Anpreisungen gespickten Featurettes. Vor allem die Kampfübungen beeindrucken sehr, das sieht doch teilweise recht wild aus. Die neun Deleted Scenes kann man sich entweder im Originalton mit wahlweise deutschen oder englischen Untertiteln anschauen, oder aber auch mit einem Audiokommentar des Regisseurs, der darin genau begründet, warum welche Szenen entfernt wurde. Die "Location Tour" ist ein einfacher Gang mit der Kamera durch die alte Militärkaserne, in der gedreht wurde, was einen ungefähren Eindruck davon vermittelt, wie sie vor den Dreharbeiten aussah und wie groß das Gebäude eigentlich ist. Der "Alternative Anfang" ist eher als alternative Titelsequenz zu verstehen. Zu Beginn von Temmink sieht man während der Credits wie es ihm im Gefängnis ergeht und dies ist eine andere Variante davon, auch aus einer ganz anderen Perspektive gefilmt. Abgeschlossen wird die DVD von dem deutsche und niederländischen Trailer, dem deutschen Internettrailer und einer Bildergalerie. In dem noch beiliegenden 24-seitigen Booklet gibt es kurze Liner Notes von Marcus Popescu sowie einige Abbildungen von Storyboard-Zeichnungen.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 27.09.2004

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