Film Daten

Titel:
Monster
Originaltitel:
Monster
Land & Jahr:
USA 2003
Laufzeit ca.: ?
105 Min.
Regie:
Patty Jenkins
Darsteller:
Charlize Theron
Christina Ricci
Bruce Dern
Lee Tergesen
Annie Corley
Pruitt Taylor Vince
Marco St. John
Marc Macaulay
Scott Wilson
Rus Blackwell
Tim Ware
Stephan Jones
Brett Rice
Kaitlin Riley
Cree Ivey
Alternativtitel:
• Monster: Asesina en serie
• Monster - Desejo Assassino
• Monster - Aileen Wuornos
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - EMS
Label:
EMS
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 104:05
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Deutsch - DD 5.1
Deutsch - DTS
Englisch - DD 2.0
Englisch - DD 5.1
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Begrüßung von Patty Jenkins
  • Making-of
  • Dokumentation: "Aileen Wuornos - The Selling of a Serial Killer"
  • Dokumentation: "Aileen - Life and Death of a Serial Killer"
  • Aufnahmen von der Pressekonferenz
  • Erstellung des Soundtracks
  • Bio-/Filmographien
  • Pressestimmen
  • Original und internationaler Trailer
  • Booklet mit Hintergrundinfos
  • Trailer: Oldboy / Inugami / Impulse / Urban Killer / Wenn die Glocke 13 schlägt / The Lost Battalion

Monster

Review

Monster - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Aileen (Charlize Theron) ist eine Prostituierte, die sich irgendwie durchs Leben schlägt. In einer Lesben-Bar lernt sie die junge Selby (Christina Ricci) kennen. Zunächst freunden sie sich einfach nur an, aber dann wird doch mehr daraus. Da Selby im Hause ihres Onkels nur Ärger hat, haut sie ab und zusammen kommen die beiden in einem Motel unter. Da sie aber dringend Geld brauchen, geht Aileen weiter anschaffen. Ein Freier schlägt sie nieder, fesselt sie und will sie vergewaltigen, aber sie kann sich befreien und erschießt den Mann. Selby erzählt sie zunächst nichts davon. Aber mit der Zeit wächst ihr Hass gegen Männer weiter an und sie tötet weitere Freier, bis sie zu einer gesuchten Serienmörderin wird...

Monster - ScreenshotMonster - Screenshot

Monster ist ein Film, um den zur Zeit seiner Kinopremieren viel Wirbel gemacht wurde. Aber weniger wegen des Inhalts, sondern weil sich Hauptdarstellerin Charlize Theron mit der Rolle der Aileen Carol Wuornos zur Charakterdarstellerin mauserte und obendrein Mut zur Häßlichkeit bewieß. Vorher spielte sie eher die typische gutaussehende Blondine in Filmen wie dem The Italian Job Remake. Weniger beachtet wurde während des ganzen PR-Rummels aber der Film an sich, der sich als eine bedrückende und düstere Charakterstudie mit zwei sehr gut agierenden Hauptdarstellern entpuppt. Zwischen 1989 und 1990 tötete die Prostituierte Aileen Carol Wuornos sieben Männer, um schnell und ohne Sex an Geld zu kommen, nachdem sie eine Beziehung zu einer Frau namens Tyria Moore begonnen hatte. Der Film geht auf Aileens Vergangenheit nur in Form von Dialogsätzen von ihr ein, der Hauptfokus liegt auf den neun Monaten, in denen sie mit Selby zusammen war und zur Mörderin wurde.

Dabei sollte man aber kein Werk in der Art von populären Serialkiller-Filmen wie z.B. Schweigen der Lämmer, Henry - Portrait of a Serial Killer oder Deranged erwarten. Mit diesen Filmen hat Monster rein gar nichts gemeinsam. Stattdessen bekommt der Zuschauer es mit einem mitunter sehr ruhigen Drama zu tun, in der klar die Person und weniger ihre Taten im Vordergrund stehen. Zwar gibt es ein paar Gewaltszenen, aber die werden eher sachlich-distanziert dargestellt und nicht in einem exploitativen Sinne. Der letzte Mord im Film ist bemerkenswerterweise auch gleichzeitig der brutalste, obwohl der Tod des Opfers außerhalb des Kamerabereichs passiert. Aber durch die enorm intensive Darstellung Charlize Therons, des Opfers und der offensichtlichen Sinnlosigkeit dieser Tat wirkt dieser Mord sehr viel bedrückender als ihre Notwehrhandlung gegen den Vergewaltiger.

Monster - ScreenshotMonster - Screenshot

Das wirklich bemerkenswerte an dem Film ist aber, dass er weder verurteilt noch versucht die Taten Aileens zu rechtfertigen. Trotzdem werden dem Zuschauer die beiden Hauptpersonen des Films sehr nahe gebracht. Der erste Mord Aileens ist ja noch irgendwo nachvollziehbar, eine klare Handlung von Notwehr. Mit den späteren Taten kann man sich als Zuschauer aber dann nicht mehr identifizieren, hier wird die Wandlung von einer vom Leben gezeichneten Frau zu kaltblütigen Mörderin quasi spürbar. Trotzdem meint man stellenweise sowas wie Mitleid mit der Frau zu empfinden. Ihr ganzes Leben lang wurde sie schlecht behandelt, wurde als Kind sexuell mißbraucht, war mit 13 das erste Mal schwanger und ihre Vergangenheit ist von Drogen, Alkohol und dem Verkauf ihres Körpers gezeichnet. Männer brachten ihr nichts außer Unheil, nutzten sie aus, waren nur für den schnellen Sex zwischendurch an ihr interessiert. Dies staut natürlich einen enormen Frust bei ihr an, der schließlich durch den Vergewaltiger zum Ausbruch kommt. Ihre weiteren Morde werden bewußt und mit viel Kalkül ausgeführt, aber sie keine durch und durch schlechte Person. Einen Freier läßt sie am Leben, als der sich als ein schüchterner Mensch ohne viel Erfahrung mit Frauen entpuppt, der ihr absolut nichts böses will. In wenigen Szenen kommen auch leichte kritische Töne an der amerikanischen Gesellschaft durch. Es wird ihr z.B. jede Chance der Rehabilitierung und der Integration in die normale Gesellschaft verwehrt. Sie bemüht sich offen und ehrlich um eine normale Arbeitsstelle, bekommt aber überall nur absagen. Spätestens dann, wenn die Arbeitgeber merken, dass sie über keinerlei Ausbildung verfügt oder von ihrer Vergangenheit erfahren, wird sie kategorisch abgeblockt. Wie soll sie dann ihren Lebensunterhalt verdienen können, außer weiter als Prostituierte zu arbeiten?

Wenn man schon über diesen Film spricht, dann darf auch nicht die Hauptdarstellerin vergessen werden, Charlize Theron. Sie nahm für diese Rolle 15 Kilo zu, ließ sich von der Maskenbildnerin eine kranke Haut aufmalen, setzte falsche Zähne und und trug Kontaktlinsen, um dem Aussehen der wahren Aileen Wuornos zu nahe zu kommen wie nur möglich. Dabei studierte sie auch die typischen Bewegungen und Gesichtszüge der Frau ein und nahm schließlich völlig diesen Charakter an. Das verdeutlicht sich sehr in der Körpersprache. Aileen wirkt trotz ihrer Taten in manchen Szenen gerade zu schüchtern, unsicher und verletzlich, während es die genau gegenteiligen Momente gibt wo sie kalt und aggressiv vorgeht. Jede dieser Wandlungen nimmt man Theron vollends ab. Damit schloß sie sich den großen Meistern des "Method Acting" wie Marlon Brando, Al Pacino oder Robert De Niro an. Christina Ricci, auch deutlich verändert, bildet ein gutes Gegenstück dazu. Auch wenn ihre Darstellung nicht ganz so intensiv und beeindruckend ist, so spielt sie ihre Rolle dennoch sehr gut. Unterstützt wird der Film noch von der stimmungsvollen Musik von BT, der bisher Soundtracks für Massenware wie The Fast and Furios oder American Pie 2 geschrieben hat.

Monster - ScreenshotMonster - Screenshot

Der Film ist das Spielfilmdebüt der Regisseurin Patty Jenkins, die davor nur Kurzfilme gedreht hat. Das merkt man dem Film aber zu keiner Sekunde an, jede Minute wirkt recht professionell inszeniert. Man sollte allerdings nicht mit den falschen Erwartungen an den Film herangehen. Monster ist eine Nacherzählung realer Ereignisse mit fiktiven Personen, bis eben auf den Aileen Wuornos Charakter. Dies führt dazu, dass die Handlung manchmal ein wenig zu ruhig und zu langsam fortschreitet, gerade am Anfang droht dem Film fast das Interesse des Zuschauers zu verlieren. Das wäre aber der einzige wirkliche Kritikpunkt am ganzen Film. Aberwitzige Plotelemente, die dem Geist eines kreativen Drehbuchschreibers entsprungen sind, wird man hier nicht geboten bekommen. Das Produktiondesign orientiert sich ebenfalls ganz an der Geschichte die erzählt wird. Hochglanzästhetik gibt es hier nicht, alles wirkt sehr natürlich und unpoliert. Monster ist ein Film, der vom Zuschauer verlangt, dass er sich ganz dem Charakter widmet. Definitiv kein Popcorn-Kino für zwischendurch, sondern ein Werk, mit dem man sich auseinanderzusetzen hat.

Monster ist kein typischer Hochglanzfilm aus den Studios Hollywoods. Erdige bis graue Farben bestimmen das Bild, viel passiert nachts und durch die realitätsnahe Inszenierung ist die Ausleuchtung vielleicht auch nicht immer perfekt. Das macht es für die DVD-Produktion nicht gerade einfach da das Optimum an Bildqualität herauszuholen. Der Kontrast und die Farbwiedergabe sind okay, auch wenn der Kontrast stellenweise ein wenig zu steil wirkt. Die Schärfe schwankt allerdings zwischen einigen sehr scharfen Szenen und manchen wo es schon fast zu weich wirkt. Rauschen oder Bildschäden jeglicher Art sind allerdings nicht vorhanden.

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Da es sich bei Monster um ein eher ruhig gehaltenes Drama handelt, hält sich der Sound auch eher zurück. Wichtig ist hier vielmehr eine gute Dialogverständlichkeit und die ist gegeben. Große Surround-Effekte sucht man vergebens, der Film bietet ohnehin eher selten Gelegenheit für räumliche Effekte. Ab und zu sind Aileen und Selby mal in einer Bar oder einer Rollschuhhalle, hier werden dann die Rears auch mit entsprechenden Umgebungsgeräuschen angesteuert. Ansonsten konzentriert sich die Abmischung des Tons doch eher auf die Frontbühne. Der Subwoofer kommt so gut wie nie zum Einsatz. Rein qualitativ kann man bei einem so neuen Film wirklich nicht meckern. Alle Tonspuren dringen sauber und ohne Störgeräusche aus den Lautsprechern. Insgesamt hat man es mit sehr ordentlichen und ausgewogenen Abmischungen zu tun.

Gleich drei DVDs werden in der Deluxe Edition von EMS angeboten, das ganze in einem dicken Digipack verpackt. DVD #1 bietet den Film und ein kurzes Making-of und den deutschen Trailer. DVD #2 beinhaltet alles zusätzliche Bonusmaterial, was mit dem Film an sich zu tun hat. Die dritte DVD hingegen beschäftigt sich nicht mit dem Film, sondern mit dem Charakter Aileen Wuornos. Denn hier gibt es die beiden über 80 Minuten langen Dokumentationen "Aileen Wuornos: The Selling of a Serial Killer" (1992) und "Aileen - Life and Death of a Serial Killer" (2003) geboten. Aber alles der Reihe nach.

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Das Making-of auf DVD #1 ist mit einer Länge von 15 Minuten nicht sehr tiefschürfend, aber durchaus etwas interessanter aufgefallen. Hier geben Regisseurin Patty Jenkins und Hauptdarstellerin Charlize Theron kurze Statements zum Film und der Rolle ab, begleitet wird das mit Aufnahmen von den Dreharbeiten und natürlich einigen Filmausschnitten. Es ist schade, dass dies Making-of nicht länger und ausführlicher ausgefallen ist, denn entsprechende gute Ansätze sind durchaus vorhanden. Außer dem deutschen Trailer gibt es noch Trailer zu weiteren DVDs aus dem Programm von EMS. Leider gibt es keinen Audiokommentar zum Film, und das obwohl Petyy Jenkins und Produzent Mark Damon für Interviews in Deutschland zur Verfügung standen.

DVD Nummer zwei beginnt mit drei Interviews. Das erste wurde mit Patty Jenkins geführt und hier geht sie sehr ausführlich auf den Film und Aileen Wuornos ein. Der Interviewer stellt auch sehr gute Fragen, die ihr Möglichkeiten für ausführliche Antworten lassen. Dabei ist er auch so mutig und befragt sie nach ihrer Einstellung zur Todesstrafe. Jenkins stand bis zum Tage ihrer Hinrichtung mit Aileen Wuornos in Kontakt und bekam für den Film sogar alle Briefe von ihr, die sie seit ihrer Verhaftung geschrieben hat. Trotz des Erfolgs des Films wirkt Patty Jenkins sehr sympathisch und bodenständig. Für das zweite Interview stand der Produzent des Films Mark Damon zur Verfügung. In ehrlichen Worten erzählt er von seinen anfänglichen Vorbehalten gegen das Skript und den Film, ist im Zusammenhang mit der verzweifelten Suche nach einem Vertrieb auch nicht sparsam mit kritischen Worten gegen andere Kollegen im Business und wird am Ende sogar nach einigen Stationen aus seinem langen Leben im Filmgeschäft befragt. Damon begann Anfang der 60er Jahre als Schauspieler zu arbeiten und arbeitete sogar für Roger Corman und war in italienischen Genre-Werken zu sehen. Mitte der 70er wurde er dann Produzent und produzierte anfangs unter anderem Das Boot, Die unendliche Geschichte und 9 1/2 Wochen. Das dritte Interview mit Charlize Theron kann leider den hohen Stand der Interview mit Jenkins und Damon nicht halten. Nicht nur, dass es mit vier Minuten extrem kurz ausgefallen ist, sondern es wurde auch scheinbar am Rande irgendeines Events geführt, wodurch sehr viele Geräusche aus dem Hintergrund zu hören sind. Therons Aussagen sind aber dennoch gut zu verstehen.

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Weiter geht es mit einem ca. viertelstündigen Beitrag über die Entstehung des Soundtracks. Hier kommen sowohl Patty Jenkins als auch Komponist BT zu Worte. Die "Aufnahmen von der Pressekonferenz" sind ca. 1 Stunde lang und wurden während der Berlinale 2004 aufgenommen. Zwar ist es mal ganz nett den ganzen Rummel um solch eine Konferenz mal gezeigt zu bekommen, allerdings gestaltet sich das in diesem Fall auch als recht zäh. Bis die eigentliche Konferenz beginnt sind fast 10 Minuten rum, vorher sieht man erstmal nur, wie die Stars sich fotografieren lassen. Die Fragen der Reporter und Aussagen der am Film beteiligten wurden mit einem deutschen und recht monotonen Voice-Over versehen. Auf die paar interessanten Kernaussagen stößt man auch in dem anderen Bonusmaterial, so dass dies Extra zwar eine nette Dreingabe darstellt, aber nicht wirklich essentiel ist. Hätte man diesen Beitrag entsprechend editiert und sich auf die interessantesten Aspekte beschränkt, wäre es nicht nur kürzer und somit kompakter ausgefallen, sondern würde den Zuschauer auch nicht zwischendurch langweilen. Das weitere Bonusmaterial besteht dann noch aus drei Bildergalerien, den Bio-/Fimlographien von Charlize Theron, Christina Ricci, Bruce Dern, Patty Jenkins und Mark Damon und einer eigentlich überflüssigen Sammlung von euphorischen Pressezitaten.

Auf der dritten DVD kann man sich mit zwei Dokumentationen des Filmemachers Noick Broomfield ausführlich über die wahre Aileen Wuornos informieren. Die erste Dokumentation "Aileen Wuornos: The Selling of a Serial Killer" stammt aus dem Jahre 1993, also kurz nach ihrer Festnahme. Sie beschäftigt sich damit, wie versucht wurde die Verhaftung und der Prozess um Aileen Wuornos kommerziell auszunutzen. Eine angeblich als Christin wiedergeborene Frau adoptierte damals Aileen nach ihrer Verhaftung und ihr Partner setzte sich als Aileens Anwalt ein. Wie man durch die Dokumentation schnell erkennt, schien es den beiden damals aber nur ums Geld zu gehen. In einem hart erkämpften Interview mit Aileen Wuornos bekräftigt sich diese Vermutung. Nebenbei erfährt man auch, dass sogar einige Polizisten mit Tyria Moore, der damaligen Geliebten Aileens, wegen Filmrechten verhandelten und ein anderer Polizist degradiert wurde, als er dagegen ermitteln wollte. Außerdem bekommt man auch einen Einblick in eines Todeszelle mit einem elektrischen Stuhl, wo ein Polizist den Vorgang noch erklärt. Abgesehen von den doch teilweise erschreckenden Zuständen, bekommt man hier die richtige Aileen Wuornos zu sehen und kann nicht umhin, die Leistung Charlize Therons noch höher anzusehen. Denn einige Verhaltensmuster und das Aussehen sind wirklich sehr nah an der Originalperson dran. Diese Dokumentation verfügt aber nicht gerade über eine sehr gute Bild- und Tonqualität, dies ist aber in der Produktion an sich begründet. Es handelt sich um eine Independet-Dokumentation und keine, die mit hohem finanziellem Aufwand entstand. Es ist außerdem ratsam, die optionalen deutschen Untertitel zu aktivieren, da manche Aussagen verschiedenster Personen durch die teilweise wirklich mangelhafte Tonqualität nur schwer zu verstehen sind.

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Die 10 Jahre später entstandene und fast 90 Minuten lange Dokumentation "Aileen: Life and Death of a Serial Killer" schließt an die vorherige Dokumentation an. Hier geht es um ein Berufungsverfahren und um ihre letzten Tage vor ihrer Hinrichtung, nebenbei wird hier auch tiefer auf ihre Kindheit und Jugend eingegangen. Bei den im Gefängnis geführten Interviews mit ihr erkennt man deutlich, gerade beim letzten Interview, dass sie nicht mehr ganz bei klarem Verstand war und unter starker Paranoia litt. Einen sehr drastischen Stimmungswandel geht sie durch, als Nick Broomfield sie auf ihre leibliche Mutter anspricht. Die Dokumentation bietet eine deutlich bessere Bild- und Tonqualität als die vorherige, es wird aber auch einiges Material aus "The Selling of a Serial Killer" hier ein zweites Mal verwendet. Deutsche Untertitel sind bei Aktivierung des Originaltons durchaus hilfreich beim Verständnis, alternativ kann die Doku auch mit einem deutschen Voice-Over Ton verfolgt werden. Auf der DVD gibt es abschließend noch eine Bio- und Filmographie von Nick Broomfield.

Insgesamt bekommt man mit der Deluxe Edition durchaus sehr interessantes Material geliefert, vor allem die Dokumentationen auf DVD #3 stechen da deutlich hervor. Aber gerade bei den nur teilweise zufriedenstellenden Extras auf Disk #2 und dem Fehlen eines Audiokommentars wird man das Gefühl nicht los, dass irgendwie noch mehr hätte drin sein können was speziell den Film angeht.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 20.10.2004
Letzte Textänderung: 21.10.2004

Leser-Kommentare

02.09.2005, 13:24:18 Dietmar Kesten ( Email schreiben )

MONSTER

DIE SEELENPEIN EINER KILLERIN

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 2. SEPTEMBER 2005.

Die Geschichte, die erzählt wird, ist nicht neu im Kino.
Menschen, deren Leben von Gewalt und Mord bestimmt war,
haben die Medien seit jeher interessiert.
In Amerika vielleicht mehr als in Deutschland.
Die deutschen Serienmörder Friedrich HAARMANN,
Peter KÜRTEN, Norbert POEHLKE, Jürgen BARTSCH und
viele andere, sind dem Namen nach bekannt.
Jack the Ripper oder Charles MANSON sind immer noch
in Erinnerung. Allen ist ihr unstillbares Verlangen zu töten,
gemeinsam, ihre Quälsucht, der Narzissmus.
Ihre Psyche zu ergründen, fiel selbst den gestandensten
Kriminalpsychologen schwer.
Das Mosaik ihrer Morde wurde zur Genüge ausgebreitet und
verfilmt.
Man kann etwa an den Fernsehfilm mit Götz GEORGE über
HAARMANN denken. ?Der Totmacher? wurde 1995
ausgezeichnet.
Thomas FISCHER hat die ?Bestie von Langenberg?, den
Film über Jürgen BARTSCH gemacht, der 2001 ausgestrahlt
wurde.
Die Illustration des Geschehens, die zur geronnenen Panik
entartete, in Bildern dargestellt, kann man alten
Wochenschauen entnehmen, neueren Fernsehreportagen
und Dokumentationen. Man erhält so eine widergespiegelte
Vergangenheit.

In Amerika waren es Ed GEIN, Ted BUNDY, John-Wayne GACY,
Jeffrey DAHMER, Hillside STRANGLERS, Aileen WUORNOS und
eine Reihe weiterer. Alle mordeten erbarmungslos.
GEIN wird nach dem Tod seiner Mutter zum Monster, das
Leichen ausgräbt, sie präpariert. Später ermordet er Frauen.
GACY folterte Jugendliche, vergewaltigte und tötete sie.
DAHMER war Mörder und Kannibale. BUNDY ermordete
28 Frauen. WUORNOS war die erste weibliche Serienkillerin, die
2002 in Texas hingerichtet wurde.
Über alle gab es, wie in Deutschland, Filme, Dokumentarspiele.
Erinnert werden soll an ?Ted Bundy. Alptraum des
Grauens? (USA, 2002), an die Filme über DAHMER (USA 2002),
GACY (USA 2003) und GEIN (1974).
Die Darstellung über Serienmördern ist also nicht neu.
Und nach Büchern über WUORNOS und Dokumentarfilmen,
kommt nun ein Film über sie in die Kinos.

Als lesbische Serienmörderin ist Aileen WUORNOS in die
amerikanische Kriminalgeschichte eingegangen.
In den Jahren 1989/90 soll sie sechs Männer ermordet haben.
Im Oktober 2002 wurde sie in Florida hingerichtet.
Patty JENKINS versucht sich in ihrem Erstlingswerk WUORNOS
(Charlize THERON) zu nähern, Licht in das Dunkle zu bringen,
hinter die Fassaden zu blicken und den Menschen
sichtbar zu machen.
Aileen, die aus schwierigen familiären Verhältnissen stammt, als
Kind von ihrem Großvater missbraucht und als 13-Jährige von
Nachbarn geschwängert, wurde zur Prostituierten.
Sie hat schon fast mit dem Leben abgeschlossen, als sie nachts
in einer Bar von einer jungen Frau eingeladen wird.
Selby Wall (Christina RICCI) stammt aus Ohio. Ihre Eltern
haben sie zu ihrer Tante nach Florida geschickt, damit sie hier
ihre Homosexualität überwindet. Aileen verbringt die Nacht
bei ihr.
Zum ersten Mal zeigt sie seit Jahren Glücksgefühle.
Um vor Selbys Abreise noch einmal mit ihr feiern zu können,
sucht sie sich in der Nähe des Highways einen Freier.
Alles scheint sich gegen sie zu verschwören. Der Mann wird
gewalttätig.
In einem Akt der Selbstverteidigung erschießt sie ihn.
Sie fleht ob dieser Dramatik Selby an, zu bleiben, verliebt
sich in sie, und ist bereit, sich vom Strich zu lösen.
Doch sie findet keinen seriösen Job. Und als allmählich das
Geld ausgeht, ist der Streit zwischen den Frauen
vorprogrammiert.
Erneut kommt es zu Auseinandersetzungen mit Freiern.
Aileen zieht erneut die Waffe. Vier weitere Männer verlieren
ihr Leben.
Dann erweist sich eines von Lees Opfern als ein Polizist...

Charliz THERON (?Im Auftrag des Teufels?, Regie:
Taylor HACKFORD, 1997, ?Gottes Werk & Teufels Beitrag?,
Regie: Lasse HALLSTRÖM, 1999,
?Die Legende von Bagger Vance?, Regie: Robert REDFORD, 2000,
?Sweet November?, Regie: Pat O?CONNER, 2001,
?The Italian Job?, Regie: Garry GRAY, 2003) spielt ihre Rolle
emotional bewegend, mit gekonnter Performance,
weswegen sie mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.
Ihre schauspielerische Leistung verdient allen Respekt.
Sie spielt mutig und versucht, physisch und psychisch
sich ganz dieser zerstörten Frau zu nähern.
Sie hat sich eine ordinäre Körpersprache erarbeitet,
bis zur völligen Unkenntlichkeit verändert.
Mit der Leidenschaft eines Robert DE NIRO oder
Dustin HOFFMAN, erinnert ihre Schauspielkunst an die
besten Tage des amerikanischen Kinos.
Doch dafür einen Oscar? Solche Rollen sind in der
Regel preisverdächtig, aber sie allein machen noch keinen
guten Film, oder besser: der amerikanische Kinomarkt,
der mit immer neuen Kassenschlagern seinen Siegeszug
unvermindert fortsetzt, benötigt diese Themen, damit er
er sich weitervermitteln kann. Und als fleischfressende
Pflanze ist nun die Darstellung über Serienmörder/innen
ein gefundenes Fressen, um andere Konkurrenten an die
Wand spielen zu können.

?Monster? ist kein Film über eine Frau, er ist ein Film
über eine Mörderin. Es ist die Geschichte einer
wehrlosen Kreatur, die allmählich zu lernen beginnt,
ihre Lektionen begreift: nur im Ausstieg kommt man
von der Dramaturgie des eigenen schematischen
Lebensablaufs los.
Doch darin findet sich nicht die Abnabelung wieder, sondern
die Verpuppung eines uralten Frauenbildes in einem
neuen und zeitgemäßen Outfit.
Denn die Beziehung beider Frauen untereinander ist nur
grob skizziert.
Auf der psychologischen Ebene ist es eine glatte Typisierung.
Naiv versucht Aileen ganz allein im normalen Leben Fuß zu
fassen. Das reibt sich mit der Glaubwürdigkeit der Figur.
Gerade weil der Fall sich mit dem Etikett der Authentizität
umgibt, suggerieren die Schrecksekunden und die
Wahrnehmung, dass hier deutliche Lücken bestehen.

Klar ist, dass die Gesellschaft Aileen nie eine Chance
geben wird.
Aber der Film versucht trotzdem, diese Schiene zu reiten.
Es wird klar, dass er in die Welt der ?realistischen? Genres
hinüberreichen möchte.
Doch dorthin schwappt er nicht hinüber, weil diese Art
von Sozialkritik anderen Genres vorbehalten sein
sollte.
Im übrigen hat das ?Schweigen der Lämmer? (Regie:
Jonathan DEMME, 1990), wenn der Vergleich auch hinken mag,
eine diabolische Farce inszeniert, die an ?Monster? erinnert
und die Lebenslethargie der zum Tode Verdammten
kompromisslos geschildert.

Bilder mögen zwar realer sein als Behauptungen. Doch
leider folgt auch diese Handlung der Handschrift
Hollywoods. Der Wahnsinn in progress- die Bestie als
Experte.
Eigentlich ist Selby, die undurchdringlich erscheint,
das eigentliche Monster im Film, von der Aileen ja eiskalt
verraten wird.
In der Beziehung zu Selby nimmt Aileen
die pervertierende Rolle des Ernährers und Beschützers an,
die man sonst von Männern im Kino gewohnt ist.
Ob das allerdings ein Fortschritt ist, mag hier jeder selber
für sich entscheiden.
Doch darüber reflektieren, das will man sicherlich nicht.
Hier macht es sich der Film relativ einfach.

Erschütternder ist der französische Film ?Baise-moi?
(Regie: Virginie DESPENTES/Coralie TRINH, 2000).
Er hat eine ähnliche Geschichte.
Er kommt ganz ohne kritische Sozialverweise aus,
was einen Film töten kann. Und ohne sich auf einen
wahren Fall zu berufen, ist er erträglicher als
?Monster?.
Der Zuschauer muss einfach die Rolle von THERON
bewundern.
Wen wundert es da, dass ?Monster? gefeiert wird?

Fazit: Der Film ist respektabel.
Doch er trägt sein Engagement zu deutlich vor sich her.
Humanisieren kann man selbst im Film ein Monster nicht.
Wer darauf herumreitet, mit Verve daran erinnert, dass
dieses Verhalten in die unerträgliche Seelenpein
einmündet, der verliert sich in der Verklärung der
Macht des Faktischen, der Gewalt im Kino.
So bleibt der Zuschauer immer auf Distanz.
Das klingt nicht nur sehr schematisch, womöglich ist
es das auch. Deshalb ist der Film auch eine
schmucklose, vom Kino Archiv inszenierte
pseudopsychologische Darstellung mit der Tendenz,
sich zu verselbständigen.

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann