Film Daten

Titel:
Originaltitel:
Peur sur la ville
Land & Jahr:
Frankreich / Italien 1975
Laufzeit ca.: ?
120 Min.
Regie:
Henri Verneuil
Darsteller:
Jean-Paul Belmondo
Charles Denner
Adalberto Maria Merli
Rosy Varte
Roland Dubillard
Jean Martin
Catherine Morin
Germana Carnacina
Giovanni Cianfriglia
Henry Djanik
Louis Samier
Jacques Paoli
Jean-Louis Fortuit
Gilberte Géniat
Philippe Brigaud
Alternativtitel:
• Fear Over the City
• Night Caller, The
• Poliziotto della brigata criminale, Il
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Anolis Entertainment
Label:
Anolis Entertainment
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.66:1 (anamorph) / 120:25
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Französisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Booklet mit Liner Notes

Review

 - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Eine Frau wird am Telefon von einem Mann belästigt, der zudem droht in wenigen Minuten bei ihr aufzutauchen. Als es dann tatsächlich kurze Zeit später bei ihr klingelt, regt sie sich so auf, dass ihr Herz versagt und sie aus dem Fenster ihrer Hochhauswohnung fällt. Auf den Fall wird Inspektor Letellier (Jean-Paul Belmondo) angesetzt, der lieber seinen alten Erzrivalen Marcucci (Giovanni Cianfriglia) jagt als sich um Drohanrufe zu kümmern. Aber dieser Fall ist anders, da der Täter sich in Anlehnung an die "Göttliche Komödie" als Minos ausgibt und damit droht weitere Frauen umzubringen. Letellier muss ihn also schnellstmöglichst zu fassen kriegen...

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Jean-Paul Belmondo hat sowohl in Actionkomödien als auch in sehr ernsten Thrillern mitgespielt und in die zweite Kategorie ist eindeutig Angst über der Stadt einzuordnen. Man bekommt es hier gleich mit mehreren bekannten Elementen des Thrillergenres zu tun. Da wäre zunächst die Konstellation Letellier-Marcucci, der Cop und der radikale Verbrecher, die eine alte Rechnung zu begleichen haben. Dann gibt es aber auch noch die Verbindung Minos-Letellier, also die des geisteskranken Verbrechers und seines Jägers, die auch in später entstandenen Filmen wie Se7en für einigen Nervenkitzel sorgte. In dem von David Fincher inszenierten Film diente auch unter anderem die "Göttliche Komödie" von Dante als Vorlage für die Taten des Serienmörders. In Angst über der Stadt hat also Letellier alle Hände voll zu tun und arbeitet an zwei nicht gerade kleinen Fällen gleichzeitig.

Diese Dualität ist es aber auch, die dem Film nicht sehr gut bekommt. Mit seinen 120 Minuten ist der Film im Gegensatz zu vielen anderen Thrillern relativ lang. Da die Inszenierung eher "trocken" ausgefallen ist, der Soundtrack hält sich ziemlich zurück, bekommt man schon das Gefühl, dass man den Film ein wenig hätte straffen können. Dies wird vor allem dann offensichtlich, wenn man erkennt, dass die beiden Handlungsfäden von Marcucci und Minos nie miteinander verwickelt werden. Nur an einer Stelle beeinflussen sie sich, als Letellier die Verfolgung von Minos aufgibt um doch Marcucci fangen zu können. Der Marcucci-Fall dient eigentlich nur dazu, Jean-Paul Belmondo bei einer aberwitzigen Verfolgung durch eine U-Bahn-Station und dann auf einer fahrenden U-Bahn zu zeigen. Rein storytechnisch hätte das ebensogut weggelassen werden können, um sich ganz auf den Fall Minos konzentrieren zu können.

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Was ebenfalls ein wenig negativ auffällt, ist das Letellier den Minos nicht sehr viel früher identifiziert. Zwar bietet eine Verfolgungsjagd nicht unbedingt den besten Blick auf den Gejagten, aber Gemeinsamkeiten zwischen dem Minos und einer anderen Person, die er zuvor schon kennengelernt hat, müssten ihm doch auffallen. Dies sind aber auch schon die einzigen wirklich auffälligen Makel in dem Film. Ansonsten bekommt der Zuschauer eine teilweise düstere, in manchen Momenten schon fast menschenverachtende Thrillerkost geboten. Bei einer Verfolgungsjagd mit Marcucci, erzählt in einer Rückblende, werden schon mal Passanten über den Haufen geschossen. Bei seinen Ermittlungen gerät Letellier durch Zufall an einen Drogenkurier und verwundet ihn schwer. Er ruft ihm aber keinen Krankenwagen, solange der nicht alles gesagt hat was er weiß. Selbst die Polizisten haben keine weiße Weste, sondern wenden schon mal Gewalt an um weiterzukommen.

Wodurch sich der Film ebenfalls von anderen Belmondo-Thrillern wie die später entstandenen Der Profi (Le Professionnel) oder Der Aussenseiter (Le Marginal) unterscheidet sind die selbst heute noch atemberaubenden Stunts. Hier wird über die Dächer von Paris geklettert, auf dem Dach einer fahrenden U-Bahn rumgeturnt und Verfolgungen durch den dichten pariser Verkehr durchgezogen, später gibt es sogar noch einen spektakulären Einstieg in eine Hochhauswohnung mit Hilfe eines Hubschraubers. Diese Sorte von Actionfilm war in Frankreich in den 70er sehr beliebt, der Film lief damals daher sehr erfolgreich in den Kinos. Ein weiteres bemerkenswertes Detail ist in dem Zusammenhang der Fakt, dass Belmondo persönlich die meisten der Stunts durchführte!

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Somit bleibt unterm Strich ein Thriller, der dank der grandiosen Stuntsequenzen und Verfolgungsjagden deutlich im Gedächtnis hängen bleibt und von Thriller-Fans, insbesondere von Fans des französischen Actionkinos, unbedingt mal angetestet werden sollte. Jean-Paul Belmondo verkörpert den Inspektor Letellier sehr glaubwürdig und mit einer leichten Ironie, Adalberto Maria Merli gibt einen wirklich bedrohlich wirkenden schizoiden Killer ab. Merli wurde unlängst von Dario Argento in dessen Il Cartaio (The Card Player) wieder eingesetzt. Als Belmondos Sidekick und Kollege spielt Charles Denner den Inspektor Moissac, in der Rolle von Marcucci sieht man Giovanni Cianfriglia, den man unter anderem aus Nebenrollen in Sabata (Ehi amico... c'è Sabata, hai chiuso!) oder Keoma kennt.

Die DVD aus dem Hause Anolis Entertainment knüpft nahtlos an die bisherigen Veröffentlichungen aus der "Belmondo Edition" an. Das Bild präsentiert sich in gewohnt guter Qualität, auch wenn sich hier etwas mehr Körnung und damit verbundenes Rauschen bemerkbar macht. Die Schärfe geht in Ordnung, läßt allerdings im Detail nach. Scheinbar war der Film früher in Deutschland ein klein wenig geschnitten gewesen, denn im letzten Viertel des Films gibt es eine längere Sequenz, die plötzlich in den französischen Originalton zurückfällt und deutsche Untertitel eingeblendet werden. Über die Qualitäten der beiden Tonspuren gibt es auch nicht viel zu berichten, beide weisen keinerlei Störungen oder ähnliches auf. Der französische Originalton kann allerdings nur mit zwangszugeschalteten deutschen Untertiteln genossen werden. An Extras gibt es leider wieder nur den Trailer und eine Bildergalerie, sowie Liner Notes im Booklet von James Travers und Ivo Scheloske.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 31.10.2004
Letzte Textänderung: 13.08.2006

Leser-Kommentare

12.05.2005, 12:32:50 Holger Thomaneck ( Email schreiben )

Ich habe diesen Film das erste Mal als ich 16 war im Kino gesehen. Ich hatte bis dahin noch nie einen so mit Spannung geladenen Film gesehen und die Actionszenen waren für die damalige Zeit ungemein beeindruckend. Ich habe den Film vor paar Jahren mal wieder gesehen, er hat für mich an seiner Faszination nichts verloren. Er gehört heute noch zu meine absoluten Lieblingsfilmen. Habe noch immer den harten Sound der Kawaski des Mörders im Ohr. Belmondo was so gut wie immer.

15.11.2004, 23:19:12 welpe

Meine Mutter hat diesen Film vor etlichen Jahren mal auf VHS gekauft. Ich war jung und ängstlich und hab mir fast in die Hose gemacht. Vor allem der Killer mit seinem Glasauge... *schlotter*

Und nun weiß ich auch wo meine Telefonphobie herkommt!! :o))

Sehr netter Belmondo Film!

© 1998 - 2016: Sense of View / Carsten Henkelmann