Film Daten

Titel:
Django und die Bande der Gehenkten
Originaltitel:
Preparati la bara!
Land & Jahr:
Italien 1968
Laufzeit ca.: ?
89 Min.
Regie:
Ferdinando Baldi
Darsteller:
Terence Hill
Horst Frank
George Eastman
José Torres
Pinuccio Ardia
Guido Lollobrigida
Andrea Scotti
Barbara Simon
Spartaco Conversi
Luciano Rossi
Franco Balducci
Gianni Brezza
Lucio De Santis
Giovanni Di Benedetto
Adriana Giuffrè
Angela Minervini
Giovanni Ivan Scratuglia
Roberto Simmi
Alternativtitel:
• Django - Sein Haß ist tödlich
• Joe, der Galgenvogel
• Django Sees Red
• Django, Prepare a Coffin
• Get the Coffin Ready
• Viva Django
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - EMS
Label:
EMS
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.78:1 (anamorph) / 88:17
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Filmo-/Biographien
  • Deutscher Kinotrailer
  • Super-8 Fassung
  • Slideshow
  • Trailer: Der Dicke in Mexiko / Der Dicke und das Warzenschwein / Die rechte und die linke Hand des Teufels / Vier Fäuste für ein Halleluja / Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle / Blutrache

DVD Daten

DVD Cover - EMS
Label:
EMS
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.78:1 (anamorph) / 82:10
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • deutscher Trailer
  • Slideshow mit original Artwork
  • Bio- und Filmografie zu Terence Hill, Horst Frank und George Eastman

Django und die Bande der Gehenkten

Review

Django und die Bande der Gehenkten - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Friedensrichter Django (Terence Hill) soll einen geheimen Goldtransport begleiten, wird dabei aber vom frischernannten Bürgermeister David Berry (Horst Frank) hintergangen. Aus Habgier lässt Berry den Transport von seinem Handlager Lucas (George Eastman) überfallen und lebt fortan in dem Glauben, dass sämtliche Begleiter inklusive Django und seiner Frau in dem Massaker den Tod gefunden haben. Wenn er sich da mal nicht irrt! Django hat den Hinterhalt schwer verletzt überlebt und zieht es nun in seiner Funktion als Henker vor, die zum Tode Verurteilten mittels eines Tricks vor dem Tod am Galgen zu bewahren, um gemeinsam mit seiner Bande der Gehenkten dem mittlerweile zum Gouvernor aufgestiegenen Intriganten und seinen Schergen den Garaus zu machen. Aber nicht alle der Geretteten fügen sich dankbar in die von ihrem Lebensretter zugewiesene Rolle, sondern ziehen es vor, auf eigene Rechnung zu arbeiten und durchkreuzen so Djangos Racheplan...

Django und die Bande der Gehenkten - ScreenshotDjango und die Bande der Gehenkten - Screenshot

Ganz abgesehen von der Qualität könnte man natürlich vermuten, dass es sich bei Preparati la bara! um einen weiteren Eintrag in die lange Liste von Django-Kopien ohne Franco Nero oder sonstigen Bezug zum Original handelt, aber damit würde man diesem Italowestern gleich in mehrfacher Hinsicht Unrecht tun. Zum einen weil sich hier ausnahmsweise nicht nur in der Synchronfassung, sondern auch in der Originalversion ein Held namens Django findet (alles andere als eine Selbstverständlichkeit!), und zum anderen weil die Produktion eine ganze Reihe der am Original beteiligten Personen wieder zusammenbringt. Darunter tragende Crewmitglieder wie den Kameramann und den Co-Autor von Django - darüberhinaus heißt es, dass Regisseur Baldi tatsächlich Franco Nero für die Hauptrolle verpflichtet hatte, diesen Plan dann allerdings verwerfen musste, als sich dessen Amerikaaufenthalt durch die Beziehung zu Vanessa Redgrave auf unbestimmte Zeit verlängerte. So beschränken sich die darstellerischen Parallelen auf einen nicht unerheblichen Anteil der Nebendarsteller. Alles in allem ist es demnach durchaus vertretbar, auch wenn es sich nicht um ein offizielles Sequel handelt, Preparati la bara! in der damaligen Flut von Plagiaten zumindest als das zu sehen, was einer Fortsetzung am nächsten kommt.

Auch inhaltlich bedient sich Preparati la bara! einiger Elemente seines berühmten Vorgängers. Neben Outfit und Mimik des Helden wird dies vor allem beim Grundmotiv der ermordeten Ehefrau und einer bzw. der Friedhofsszene sehr augenscheinlich. Baldi kombiniert die allseits vertraute Geschichte des einsamen Rächers mit zwei weiteren gern verwendeten Bausteinen des Genres: Verrat und dem unwiderstehlichen Lockruf des Goldes, wobei beides hier geschickter und weitaus weniger klischeehaft miteinander verwoben wird als es üblicherweise der Fall ist. So stattet Baldi die Todgeweihten statt mit bedingungsloser Dankbarkeit gegenüber ihrem Lebensretter mit einer gehörigen Portion eigener Interessen und Handlungsmotive aus. Leider gelingt es nicht, diese Trumpfkarte optimal auszuspielen, da sich der Film nicht die Zeit nimmt, den Ursprung der Konflikte innerhalb der Bande der Gehenkten ernsthaft herauszuarbeiten oder ihnen zumindest anfangs einen Moment der kollektive Freude über ihre Lebensrettung gönnt. Trotzdem ein raffinierter Schachzug.

Typischerweise für die Figur des Django bleibt die materialistische Habgier dabei den anderen Protagonisten vorbehalten, während sich der schicksalgebeutelte Held von derlei Mammon längst nicht mehr beeindrucken lässt. Eine Eigenschaft, die er abgesehen vom Original auch mit den Djangos der meisten besseren Filme der Reihe gemeinsam hat; bspw. Töte, Django (Se sei vivo spara, 1967) oder Django und die Bande der Bluthunde (Django il bastardo, 1969).

Django und die Bande der Gehenkten - ScreenshotDjango und die Bande der Gehenkten - Screenshot

Die Geschichte hat Potential und man kann Preparati la bara! nur als wirklich gelungenen Genrebeitrag bezeichnen, auch wenn kleinere Schwächen dafür sorgen, dass im Ergebnis nicht ganz ein Meisterwerk vom Schlag des Corbucci-Originals herausgekommen sein mag. Die größten Stärken des Films liegen eindeutig in der originellen Idee der zum Schein Gehenkten und natürlich dem furiosen Finale, das quasi gleich im Doppelpack zwei Pointen des Vorgängers zitiert. Aber im Gegensatz zum äußerst gelungenen Showdown schwächeln die Auftritte der Totgeglaubten bei den Verrätern, die sie durch Falschaussagen an den Galgen brachten, auf die gleiche Weise in der Umsetzung wie die erste Hälfte des Films generell: sie fallen in Optik & Atmosphäre eine Spur zu hell aus. Vielleicht wäre es klüger gewesen, die Bande der Gehenkten zuerst auf ihren düsteren Rachefeldzug zu schicken und sie dem Zuschauer erst dann bei Tageslicht zu präsentieren.

Nichtsdestotrotz rangiert Preparati la bara! unter Fans ganz oben in der ewigen Bestenliste der Django-Serie und das völlig zu Recht. Vom animierten Vorspann und dem ersten Ton des schmissigen Titelsongs an, dürfen sich Liebhaber des Spaghetti-Westerns gut aufgehoben und wunderbar unterhalten fühlen. Hinzu kommt eine durchweg gelungene Besetzung, wobei insbesondere die Leistung von Terence Hill, der hier noch mit eiskalter Miene statt großer Klappe auftrat, gewürdigt werden sollte. Ihm scheinen die großen Stiefel des Vorbilds nicht nur ungefähr zu passen, er kommt in Ausdruck und Mimik dem von Franco Nero verkörperten Original-Django näher als jeder andere Darsteller nach ihm. Auch Horst Frank als von Habgier getriebener Oberbösewicht und George Eastman als dessen gewaltbereiter Handlager liefern einmal mehr überzeugende Darbietungen ab.

Django und die Bande der Gehenkten - ScreenshotDjango und die Bande der Gehenkten - Screenshot

Bevor Regisseur und Co-Autor Ferdinando Baldi mit Preparati la bara! einen der herausragendesten Italowestern der Django-Reihe drehte, inszenierte er vor allem Sandalen- und Historienschinken. So kümmerte er sich z.B. ein Jahr vorher in Hermann der Cherusker - Die Schlacht im Teutoburger Wald (1967) noch um norddeutsche Geschichte, auch wenn er die Varus-Schlacht für die Italo- und US-Fassung kurzerhand in den Schwarzwald verlegte. Mit Hauptdarsteller Hill und Co-Autor Rossetti hatte Baldi schon für die Singsang-Spaghetti-Parodie Blaue Bohnen für ein Halleluja (Rita nel West, 1967) zusammengearbeitet. Für Fans interessanter dürfte da schon sein guter Genre-Beitrag Texas, Addio sein, den er 1966 mit Franco Nero drehte und der in Deutschland dann auch prompt aufgrund seines Hauptdarstellers als Django 2 bzw. Django - Der Rächer vermarktet wurde - und es hierzulande auf diesem Wege sogar in die 2003 erschienene offizielle Django-Box geschafft hat!

Franco Rossetti hat sich nicht nur mit Preparati la bara!, sondern auch durch seine Tätigkeit als Co-Autor bei einer ganzen Reihe von bekannten Filmen um den Italowestern verdient. Darunter die bereits erwähnten Django - Der Rächer (Texas, Addio, 1966) und der Original Django, aber auch Corbuccis [B)Ringo mit den goldenen Pistolen (Johnny Oro, 1966) und Django - Die Nacht der langen Messer (Ciakmull - L'uomo della vendetta, 1970), das Regiedebüt von Enzo Barboni, der wiederum bei Preparati la bara! als Kameramann fungierte und später unter dem Pseudonym E.B. Clucher zu einem der Haus-und-Hof-Regisseure von Spencer und Hill wurde. Barboni inszenierte für die beiden solche Erfolgstitel wie Die rechte und die linke Hand des Teufels (Lo chiamavano Trinità, 1971), Vier Fäuste für ein Halleluja (...continuavano a chiamarlo Trinità, 1972) oder Verflucht, verdammt und Halleluja (E poi chiamarono il magnifico, 1972), allerdings auch einige der späteren schwachen Nachzieher. Vor seiner Karriere als Regisseur war er übrigens u.a. auch für die Kameraarbeit in Corbuccis (Massacro al Grande Canyon, 1965) und Django (1966), sowie dem bereits erwähnten Django - Der Rächer und dem von Dario Argento geskripteten Die fünf Gefürchteten (Un esercito di cinque uomini, 1969) verantwortlich.

Die Musik steuerte Gianfranco Reverberi bei, aber wie man in Christian Kesslers "Willkommen in der Hölle" nachlesen kann, wurde darüber hinaus auch beim von Morricone für Die letzten Zwei vom Rio Bravo (Le Pistole non discutono, 1964) komponierten Score zugegriffen. So durfte der Zeremonienmeister des italienischen Kinos auch hier seinen Teil zum stimmungsvollen Ergebnis beitragen.

Django und die Bande der Gehenkten - ScreenshotDjango und die Bande der Gehenkten - Screenshot

Über Terence Hill, der hier ursprünglich noch unter seinem bürgerlichem Namen Mario Girotti agierte, großartig Worte zu verlieren, dürfte eigentlich verschwendete Zeit sein. Von seinen Anfängen als Kleindarsteller beim Sandalenfilm, über seine Rollen in den Winnetou/Karl May-Filmen bis hin zu seinen Erfolgen als dünne Hälfte des Duos Spencer/Hill, durfte Hill, bevor er als Cowboy-Clown den großen Wurf landete, außer in Preparati la bara! in Filmen wie Gott vergibt... Django nie! (Dio perdona... Io no!, 1967) und Hügel der blutigen Stiefel (La Collina degli stivali, 1969) zunächst noch mit ernster Miene durch den staubigen Westen ziehen. Sogar im Team mit Bud Spencer - auch wenn man das aufgrund späteren Umsynchronisierung in den verbreiteten deutschen Fassungen nur noch erahnen kann.

Interessanter ist da schon Schurke Berry alias Horst Frank, den zumindest Menschen jenseits der 30 sicher noch aus dem ZDF-Mehrteiler Timm Thaler als den bösartigen Baron de Lefouet kennen, der dem armen Thommy Ohrner das Lachen klaut. Auch wenn ich mir ganz bestimmt nicht anmaßen werden, die Mehrzahl von Franks Filmen gesehen zu haben, wage ich trotzdem mal die Einschätzung, dass er in seiner Karriere so einige Erfahrung in der Darstellung von finstren Schurken sammeln durfte. Im Spaghetti-Genre gehören vermutlich seine Auftritte in Enzo G. Castellaris Wildwest-Hamlet-Variante Django - Die Totengräber warten schon (Quella sporca storia nel west, 1968) und Drei Vaterunser für vier Halunken (Il grande duello, 1972) zu seinen wichtigsten Auftritten. Von letzterem erfreut sich insbesondere die von Luis Bacalov geschriebene Titeltrack einer gewissen Popularität, seitdem Tarantino ihn für Kill Bill Vol.1 entliehen hat. Liebhaber italienischer Galli erinnern sich sicher auch an seinen Auftritt in Dario Argentos Die neunschwänzige Katze (Il gato nove code, 1971).

Als Bösewicht Nummero 2 darf George Eastman in Preparati la bara! einmal mehr den sadistischen Fiesling spielen. Die meisten kennen ihn sicher aus seiner unvergesslichen Rolle als wahnsinnigem Kannibalen in Joe D'Amatos Man Eater - Der Menschenfresser (Antropophagus, 1980) oder aus einer seiner anderen Auftritten in berüchtigten Filmen wie Absurd / Ausgeburt der Hölle (Rosso sangue, 1982), Riffs - Die Gewalt sind wir (1990: I guerrieri del Bronx, 1982) oder In der Gewalt der Zombies (Le notti erotiche dei morti viventi, 1980). Eastman ist eben eine echte Ikone des Exploitationfilms und gehört hier unbestreitbar zu den wenigen bemerkenswerten Darstellern, die es verstanden haben auch wirklich merkwürdigen Rollen eine spezielle Note zu geben. Man sollte aber auch nicht unterschlagen, dass er sogar einmal mit Frederico Fellini drehen durfte, der den 2-Meter-Mann in Satyricon als Minotaurus besetzte.

Django und die Bande der Gehenkten - ScreenshotDjango und die Bande der Gehenkten - Screenshot

Auch wenn Eastman seine größeren Erfolge erst später feierte, hatte er auch in Italowestern diverse Auftritte, darunter sogar ein paar Mal selbst als (Quasi-)Django. Zu den bekanntesten gehören hier Django - Die Nacht der langen Messer und Ein Fressen für Django (W Django!, 1972). Ab den 70ern hat er sich übrigens auch zunehmend als Ideengeber bzw. Co-Autor in Projekte mit eingebracht, anfangs vor allem in seinen eigenen Filmen. So lieferte er zum Beispiel die Story für Michele Soavis Aquarius / Stagefright (Delira, 1987) oder für Horrorsex im Nachtexpress (La Ragazza del vagone letto, 1980), der wiederum von Preparati la bara!-Regisseur Baldi inszeniert wurde. Als Regisseur hat er bspw. dann noch den käsigen Lizard (Metamorphis, 1990) verbrochen.

In den Nebenrollen finden sich ebenfalls hinlänglich aus der Welt des Spaghetti-Westerns bekannte Gesichter, von denen kaum einer weniger als 10 Genre-Auftritte zu verbuchen hat - darunter selbstredend etliche Filme, die lose der Django-Reihe zuzuordnen sind. So waren bspw. Giovanni Ivan Scratuglia und Luciano Rossi auch schon in Sergio Corbuccis Original Django mit von der Partie. Während Scratuglia darüberhinaus mit Rollen in Das Gold von Sam Cooper (Ognuno per se, 1968) und Der lange Tag der Rache (Il lunghi giorni della vendetta, 1966) punkten kann, profitierte Rossi unter anderem in Django und die Bande der Bluthunde von einer gewissen Ähnlichkeit mit Klaus Kinski. Seine letzten erwähnenswerten Auftritte als Nebendarsteller in Fulcis Syndikat des Grauens (Luca il contrabbandiere, 1980) und Ein Zombie hing am Glockenseil (Paura nella città dei morti viventi, 1980). Und auch wenn ich nicht weiss, ob Guido Lollobrigida tatsächlich in irgendeiner Weise mit Gina verwandt ist, aber mit Satan der Rache (E dio disse a Caino, 1971), Friedhof ohne Kreuze (Une corde, un Colt, 1969) und (Joko invoca Dio... e muori, 1968) hat er ihn drei der interessantesten Spaghetti-Western mitgespielt. Gleiches gilt für Spartaco Conversi, der zwar auch keine großen Rollen spielen durfte, aber immerhin Nebendarsteller in Leichen pflastern seinen Weg (Il grande silenzio, 1968) und Spiel mir das Lied vom Tod (C'era una volta il West, 1968) war. Dabei legte er sich so kreative Alias-Namen wie Spean Convery(!!!) zu - als ob sein richtiger Name nicht schon schräg genug wäre. Giovanni Di Benedetto ist vermutlich der einzige Darsteller, der von sich behaupten kann, in allen drei Argento-Filmen der frühen Tier-Trilogie mitgespielt hat, also Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe (L'uccello dalle piume di cristallo, 1970), Die neunschwänzige Katze und Vier Fliegen auf grauem Samt (4 mosche di velluto grigio, 1972). Außerdem war er noch in Roger Vadims ...und vor Lust zu sterben (Et mourir de plaisir, 1960) zu sehen.

Django und die Bande der Gehenkten - ScreenshotDjango und die Bande der Gehenkten - Screenshot

Preparati la bara! ist leider einer jener Filme, bei denen man nicht umhin kommt, auch einen Blick in die hässliche Fratze des Filmgeschäfts und ihre vielleicht fürchterlichste Waffe zu werfen: Die Neu-Synchronisationskeule! Oder um es anders zu formulieren: Könnten Filme sich beschweren, hätte dieser hier bestimmt am Lautesten AUTSCH geschrien!

Wie man der Beschreibung der Storyline sicher schon entnehmen kann, handelt es sich hier um alles, aber ganz bestimmt um keine lustige Geschichte. Genaugenommen ist Preparati la bara! mit seinen Szenen, in denen Angehörige mit ansehen müssen wie Unschuldige am Galgen enden, ein relativ finsterer Vertreter des Spaghetti-Genres. Und die Tatsache, das der skrupellose Mord an der Frau des Helden als Motiv für den Rachefeldzug zum Standardprogramm gehört, macht die Ereignisse trotzdem kein bißchen lustiger. Aber sein damals noch unbekannter Hauptdarsteller mit den leuchtend blauen Augen sollte Preparati la bara! zum Verhängnis werden. Denn nachdem Mario Girotti als Terence Hill an der Seite von Bud Spencer ungeahnte Erfolg feierte, fühlten sich raffgierige Filmverleiher dazu berufen, aus der düsteren Rachegeschichte einen gewinnbringenden Westernklamauk im Stil von Hills Erfolgsfilmen zu zaubern. Gut, ein Titel ist schnell geändert, und bei den Django-Plagiaten mag dieser Umbennungstrick ja auch noch ganz amüsant gewesen sein, aber einfach den Namen der Hauptfigur in Joe zu ändern, reichte in diesem Fall ja bei weitem nicht aus, um den kompletten Tenor des Films zu verändern. Was macht man also, wenn der Film an sich so gar nichts Lustiges hergibt?

Die Lösung ist so einfach wie grausam: Der Film wird umgeschnitten, gekürzt und ohne Rücksicht auf Verluste (oder Mundbewegungen!) neu synchronisiert. Und wenn das Ende des Bösewichts dabei blöderweise unter ernste Szene fällt.. Tja, Pech gehabt! Getreu dem Motto, was nicht passt wird passend gemacht, entledigt man sich allzu ernster Sequenzen, die auch mit dem tolldreistesten Spruch partout nicht komisch wirken wollen. Und wo aus Logikgründen nicht ganz auf eine Szene verzichtet werden konnte, griffen sie zum Brech... -ähm- Stilmittel des inneren Monologs und lassen den Helden dann eben in Gedanken alles, aber auch wirklich alles mit irgendwelchem Schwachsinn kommentieren. Soll heißen: Auch wenn der Mund zu bleibt, palavert "Joe" drauf los und erzählt uns, warum "eine deftige Keilerei" oder "ein fröhlicher Spruch" manchmal doch nicht ausreichen. Außerdem erschien den Veranwortlichen dieser Kniff auch als probates Mittel, um mit dem Brecheisen Verbindungen zu den Spencer/Hill-Filmen herzustellen - und zwar vorzugsweise mit abstrusen Verweisen auf den "Dicken" ("Wenn der Dicke da wäre...", "Was würde der Dicke dazu sagen...", usw.) Beispiel gefällig? Hier ein weiterer gelungener innerer Monolog:

Zitat

Das war mal wieder so ein Tag, an dem ich gewünscht hätte, dass der Dicke bei mir wäre. Aber dieser fette Gnuschädel treibt sich irgendwo in Montana rum und erfindet immer noch meine Pfahlhammermaschine. 2 Jahre hantiert er nun schon mit viel Holz und wenig Hirn an dem Ding rum. Tsts, das waren noch Zeiten... Wenn der Dicke mich jetzt sehen konnte: Blauauge als Friedensrichter.

Gedanken von Joe (formerly known as Django).

Ja, ja, was haben wir gelacht. So wurde aus Django und die Bande der Gehenkten mal eben Joe, der Galgenvogel. Ein Fall fürs Kuriositätenkabinett, der auch dahingehend eine Sonderstellung einnimmt, dass es der wohl einzige Italowestern ist, dem ein Django hinaus- statt hineinsynchronisiert wurde. Möchte man da nicht zu gerne mal einen der Verantwortlichen vor die Flinte kriegen und fragen, wie man einen ernsten Film so ohne jeden Skrupel verdummsauen kann? Aber wie bringt es der plappernde Papagei (natürlich eine Steilvorlage für die Synchrokasper) so schön auf den Punkt... "Ernst? Ich bin nicht Ernst. Ich bin Schmuuusefeder." Naja, zumindest liefern sie die passende Ansage an sich selbst auch gleich mit...

Zitat

Wenn der Dicke da wäre, würde er euch erstmal die Eierköpfe grade dreschen... - Joe.

Dank der nun veröffentlichten e-m-s-DVD dürfen sich Freude des Italowesterns nun in der glücklichen Lage schätzen, über den oben beschriebenen Unsinn schmunzeln zu können; denn e-m-s bringt den Film nicht nur unter seinem ursprünglichen deutschen Titel Django und die Bande der Gehenkten, sondern auch mit der ursprünglichen Synchronisation heraus, in der Django zwar nicht von G.G. Hoffmann, sondern von Rainer Brandt synchronisiert wird, aber dem Original stimmlich schon ziemlich nah kommt (Herzlichen Dank an M.K. Hochhaus für den Hinweis). Was hat man sich nach endlosen Fernsehwiederholungen der entstellten Fassung diesen Moment herbeigesehnt! Dabei fällt auf, dass interessanterweise schon die erste Synchro stellenweise gewollt lustig daherkommt, so dass allen, die den Film wirklich so erleben wollen wie er denn eigentlich gedacht ist, die ebenfalls auf der DVD enthaltene englische Sprachfassung ans Herz gelegt sei. Aber im Vergleich mit dem grauenhaften Klamauk-Gelabber der Joe-Version ist natürlich auch die deutsche Tonspur eine Offenbarung!

Django und die Bande der Gehenkten - ScreenshotDjango und die Bande der Gehenkten - Screenshot

e-m-s widmet Preparati la bara! eine wirklich lobenswerte DVD. Ein absolutes Highlight unter den in Deutschland herausgebrachten (Italo-)Western und ein Lichtblick angesichts unzähliger Verwertungen auf Billig-Scheiben. So wird der Film mit anamorphem Bild in guter Qualität präsentiert, die zwar ebenso wie der Streifen selbst nicht ganz die Brillianz der Veröffentlichung des Original Django erreicht, aber sich trotzdem wirklich sehen lassen kann. Störende Fragmente oder Schlieren fallen ebenso wenig negativ auf wie Blockbildung oder andere Artefakte. Als Tonspuren stehen wie erwähnt die alte deutsche Synchronfassung und die englischsprachige Version jeweils in DD 2.0 zur Auswahl, wobei die deutsche qualitativ doch die deutlich Überlegende ist, während der englische Ton weniger kräftig und differenziert klingt. Trotzdem aus den obengenannten Gründen schön, dass er überhaupt als Alternative bereit steht.

Die DVD wartet mit recht liebevoll gestalteten und animierten Menüs auf, bei denen allerdings der Hinweis zu machen ist, dass die zur Einleitung ausgewählten Szenen (so effektiv sie auch sein mögen) einen gewissen Spoiler-Faktor haben. Wer den Film also noch nicht kennt oder lange genug nicht gesehen hat, um die Schlusspointe vergessen zu haben, sollte hier eventuell nicht zu genau hinsehen. Also am Besten Augen zu und warten bis ihr den Titelsong, der unter dem eigentlichen Startmenü liegt, hört!

Für das Bonusmaterial hat e-m-s ein nettes Päckchen geschnürt, das die Veröffentlichung wirklich zur rundum gelungenen Sache macht. Neben dem obligatorischen Kinotrailer gibt es Bio- und Filmographien von Terence Hill, George Eastman und Horst Frank in Textform, welche recht umfangreich ausgefallen sind und insbesondere im Fall von Terence Hill den üblichen Rahmen deutlich übersteigen. Kleine Randbemerkung: in der Filmographie von Terence Hill wird Preparati la bara! lustigerweise als Joe, der Galgenvogel statt als Django und die Bande der Gehenkten geführt! Als absolutes Sahnhäubchen hat e-m-s die alte Super-8-Fassung beigefügt, die den kompletten Film noch mal als 16-Minuten-Kurzversion zum Besten gibt. Nicht nur für Nostalgiker eine tolle Sache. Führt sie dem Nachwuchs doch vor Augen, auf was für "Kürzungen" sich Filmfans vor der Erfindungen von Videokassetten geschweige denn digitalen Medien einlassen mussten, um in den Genuss von Heimkino zu kommen. Abgerundet werden die Extras mit einer 28 Bilder umfassenden und stimmungsvoll mit Musik aus dem Film unterlegten Slideshow, in der die deutschen Aushangfotos und andere Werbematerialien (u.a. das Cover der Super-8-Auflage) präsentiert werden, sowie mit einer Trailer-Sektion, die Werbefilmchen für fünf andere Spencer/Hill-Filme und einen Western neueren Baujahrs enthält.

Django und die Bande der Gehenkten - ScreenshotDjango und die Bande der Gehenkten - Screenshot

Auch nicht unterschlagen sollte man den Hinweis auf das schicke Cover der DVD, zumal man sich die Mühe gemacht hat, auch hier auf das entsprechende Artwork der alten Version zurückzugreifen. Da lacht das Sammlerherz! Sehr sympathisch auch die Credits an diverse Leutchen, die durch Bereitstellung von seltenem Bonusmaterial zum Gelingen der DVD beigetragen haben und deren Namen sich hier unter dem gesonderten Menüpunkt "Danksagung" finden. Zudem die DVD mit einem Preis um die 10 Euro relativ günstig zu haben ist, wirklich uneingeschränkt empfehlenswert. Oh, einen einzigen Winzmakel hat mein Adlerauge aber doch noch erspäht: Der Originaltitel ist auf dem rückseitigen Sleeve falsch geschrieben. Kann passieren, sollte es aber natürlich nicht!

Zuguterletzt möchte ich für all jene, die noch nicht in den zweifelhaften Genuss der Klamauk-Version gekommen sind oder sich nicht mehr so recht an Joe, der Galgenvogel erinnern können, noch einmal den haarsträubenden Abschlussmonolog von Terence Hill zum Besten geben, weil es kaum ein besseres Argument geben könnte, um sofort zum nächsten DVD-Händler zu laufen und den Film nach Jahrzehnten der Schmach(t) endlich wieder in der ursprünglichen Synchronfassung zu genießen...

Zitat

Wie wohl der Alltag vom Dicken aussieht? Ob der immer noch versucht, mit dem Hintern Fliegen zu fangen? Oder Revolverkugeln mit'm Daumen zu drehen? Ich hab jedenfalls die Faxen dicke von meinem Soloabenteuer. Ich werd meine Fäuste schmieden und dem Dicken die Läuse aus dem Pelz hämmern. Und wenn ich 1000 Meilen reiten muss!

Joes Abschiedsworte.

Update 07.01.2005

Mit geringem zeitlichen Abstand zur Veröffentlichung der ursprünglichen Version hat e-m-s mittlerweile auch die berüchtigte Comedy-Fassung herausgebracht. Mit passendem Covermotiv, neuem Menü, abgeänderten Sleeve-Bildern und anderer Extras-Section kommt die DVD als weitestgehend eigenständige Veröffentlichung, wobei aber abgesehen vom putzig animierten Menü alles eine Nummer kleiner als bei der Veröffentlichung der Originalversion ausfällt. So sind die Extras reduziert auf die Biographien, eine deutlich kleinere Slideshow mit nur mehr 8 statt 28 Bildern und den Trailer zu Joe, der Galgenvogel, der bei mir im Player sogar zurück ins Menü springt bevor Joe mit seinem letzten Monolog fertig ist. Ähnlich hüpft der Hauptfilm nach wenigen Sekunden des Abschlusssongs zurück ins Hauptmenü, was auch wenn es keine Endcredits gibt und so nur ein Blackscreen abgebrochen wird, trotzdem ärgerlich abgehackt wirkt. Der Film selbst kommt entsprechend der umgeschnittenen und gekürzten Fassung in der Joe-Version auf etwas über 82 Minuten. Dass nur die deutsche Tonspur enthalten ist, versteht sich logischerweise von selbst - denn den englischen oder italienischen Ton unter die umgebaute Version zu packen, würde nun wirklich keinen Sinn ergeben.

Als Ergänzung zu Django und die Bande der Gehenkten geht die DVD in Ordnung und dürfte insbesondere für Komplettisten ein schöne Sache sein. Stellt man beide DVDs nebeneinander ins Regal sorgt das beiden Veröffentlichungen gemeinsame Rückenmotiv mit dem Gehängten über dem Titel sogar für eine nette Optik. Wer sich aber nur eine der beiden Scheiben zulegen möchte, dem sollte die Entscheidung zu Gunsten der Ur-Fassung nicht allzu schwer fallen. Der Rechtschreibfehler im Originaltitel ist hier auf der Coverrückseite übrigens korrigiert.

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 02.11.2004
Letzte Textänderung: 08.05.2006

Leser-Kommentare

30.03.2007, 14:36:44 Spaghetti-Tiger ( Email schreiben )

Ein sehr gut geschriebener und informativer Review, vielen Dank von meiner Seite!
Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass Terence Hills deutsche Synchronstimme in der Erstfassung (Rainer Brandt) auch für die Zweitfassung (Joe, der Galgenvogel) als Dialogbuch-Autor verantwortlich war. Rainer Brandt war in den 70er/80er Jahren der Synchron-Sprücheklopfer vom Dienst und hat diese Art des Synchronisierens sogar selbst erfunden. Unzählige Filme (aber auch TV-Serien wie "Die 2") wurden von ihm auf diese Weise "bearbeitet". Manchmal sprach er dabei auch selbst die Hauptrolle (z.B. Tony Curtis in "Die 2" oder Jean-Paul Belmondo ab den späten 70er Jahren, z.B. in "Der Puppenspieler").

Viele Grüße vom Spaghetti-Tiger!

02.11.2004, 23:57:33 Michael K. Hochhaus ( Email schreiben Homepage )

Sehr schönes Review! Auch schön, daß die DVD so gut ankommt!
Nur ein kleiner Fehler:
Im Originalen "Django" wurde Franco Nero von GG Hoffmann synchronisiert, Terence Hill wurde aber in diesem Teil nicht vom gleichen Sprecher, sondern von Rainer Brandt synchronisiert (und dann in der Witzversion von Thomas Danneberg).

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