Film Daten

Titel:
Uzumaki
Originaltitel:
Uzumaki
Land & Jahr:
Japan 2000
Laufzeit ca.: ?
91 Min.
Regie:
Higuchinsky
Darsteller:
Eriko Hatsune
Fhi Fan
Hinako Saeki
Eun-Kyung Shin
Keiko Takahashi
Ren Osugi
Denden
Masami Horiuchi
Taro Suwa
Tooru Teduka
Sadao Abe
Asumi Miwa
Saori Nakane
Yasuki Tanaka
Yuki Murakami
Alternativtitel:
• Spiral
• Vortex
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Rapid Eye Movies
Label:
Rapid Eye Movies
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 / 90:28
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 5.1
Japanisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Making-of
  • Toshios Video
  • Trailer
  • Trailer: Aragami / LDK / Lady Snowblood / Electric Dragon 80.000 V / Tetsuo: The Iron Man / Indian Love Story - Kal Ho Naa Ho / Samurai Fiction / Sometimes Happy, Sometimes Sad / Shark Skin Man & Peach Hip Girl / Graveyard of Honor / Visitor Q / Yakuza Graveyard / Battles without Honor and Humanity

Uzumaki

Review

Uzumaki - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

In einer verschlafenen Kleinstadt ereignen sich merkwürdige Dinge. Immer mehr Menschen entwickeln eine mysteriöse Besessenheit von Spiralen. Kirie und ihr Freund Shuichi beobachten mit wachsender Beunruhigung die Veränderungen ihrer Umwelt. Menschen sterben, Mitschüler verwandeln sich in seltsame Schneckenwesen und auch Shuichis Vater scheint in seiner Fixierung auf geometische Formen mehr und mehr den Kontakt zur Realität zu verlieren. Die gesamte Gesellschaft gerät in den Sog einer Metamorphose deren Ende nicht abzusehen ist - abwärts in einer endlosen Spirale.

Uzumaki - ScreenshotUzumaki - Screenshot

Spiralen sind in Uzumaki allgegenwärtig und genau diese Omnipräsenz nutzt der Film, um eine Atmosphäre unterschwelliger Bedrohung zu erzeugen. Was wäre, wenn sich hinter einer Form, die uns im Alltag überall begegnet, tatsächlich etwas Bedrohliches verbergen würde? Klingt schräg? Aber auf genau dieses Gedankenspiel sollte man sich einlassen, damit die faszinierenden Bilder von Uzumaki wirken können. Menschen, die sich in Schnecken verwandeln oder sich auf der Jagd nach Spiralen an und in ihrem Körper selbst zu verstümmeln drohen - auch ohne näher auf die Handlung einzugehen sei gesagt, dass hier so einiges an außergewöhnlichen Einfällen aufgefahren wird.

Bei Uzumaki handelt es sich um eine Adaption des eigentlich episodenhaften Mangas von Junji Ito, der übrigens gleich zu Beginn einen "Gastauftritt" auf einem der Fahndungsbilder in der Polizeistation hat. Und auch wenn sich die einzelnen Geschichten noch immer in Gestalt der von einander unabhängigen Handlungsstränge und Einzelschicksale erahnen lassen, wird doch deutlich wie geschickt die unverbundenen Episoden zu einer fortlaufenden Handlung miteinander verwoben wurden. Trotzdem stehen ganz entsprechend der surrealen Vorlage im Grunde die visuellen Aspekte im Vordergrund, so dass es auch nicht verwundern darf, wenn am Ende mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet werden. Regisseur Higuchinsky geht es nicht um Logik oder eine in sich abgeschlossene Geschichte zu erzählen, sondern darum, die von Ito erdachte Bilderwelt auf möglichst beeindruckende Weise auf die Leinwand zu bringen. Und dieses Experiment darf man als durchaus gelungen betrachten.

Uzumaki - ScreenshotUzumaki - Screenshot

Selten war es wohl zutreffender einen Film im eigentlichen Wortsinn als stilvoll zu bezeichnen. Denn Uzumaki bedeutet grob übersetzt nichts anderes als Spirale oder Wirbel, und Spiralen sind nicht nur ein tragendes Element der Handlung, sondern ziehen sich ebenso durch Bildgestaltung, musikalische Untermalung und Erzähltempo. So folgt dann auch ganz dem spiralförmigen Aufbau entsprechend auf einen ruhigen Beginn eine allmähliche Entwicklung, die immer engere Kreise zieht und schliesslich in einem optisch fast überzogenen Finale gipfelt, das mit seinen bizarren Effekten ein wenig an Brian Yuznas Society erinnert. In der Musikbranche würde man sowas wohl ein Konzeptalbum nennen. Nebenbei verleugnet Uzumaki auch hier in der zum Teil doch recht grellen und comichaften Inszenierung der Special Effects seine Manga-Wurzeln ganz gar nicht.

Unbestritten dürfte wohl sein, dass man es hier als Zuschauer mit einem Film abseits üblicher Kinokost zu tun hat, welches sich dann auch zumindest im ersten Anlauf jeder Kategorisierung widersetzt. Ist das Horror? Fantasy? Comic-Verfilmung? Oder doch einfach nur experimentelle Filmkunst? So kann eine herausragende Eigenschaft wie Einzigartigkeit auch schnell zum Problem werden, wenn es darum geht, das richtige Publikum zu finden. Uzumaki ist da keine Ausnahme: Wer nämlich der Verlockung erliegt, den Film wegen seiner offensichtlich übernatürlichen Tendenzen und einiger visueller Gemeinsamkeiten einfach in die Reihe des neuen asiatischen Horrorkinos einzusortieren, wird vermutlich mit falschen Erwartungen an Uzumaki herangehen und zumindest überrascht, wohlmöglich aber auch enttäuscht sein.

Uzumaki - ScreenshotUzumaki - Screenshot

Denn auch wenn Uzumaki in Optik und Stil sicherlich einige Elemente mit neueren Asia-Gruslern wie Ringu (1997), Dark Water (2002) oder The Eye (2002) gemeinsam hat, handelt es sich auf keinen Fall um einen waschechten Horrorfilm. Die Bilderwelten, die Regisseur Higuchinsky dem Zuschauer hier eröffnet, haben zwar in ihrer Drastigkeit durchaus das Potential zu verstören, aber die Atmosphäre ähnelt eher einem merkwürdigen (Alp-)traum, in dem man ungewöhnliche Dinge mit einer gewissen Distanz hinnimmt, ohne daraus irgendwelche Konsequenzen für sich selbst zu ziehen. D.h. auch wenn die Geschehnisse etwas Beunruhigendes an sich haben, scheinen sie im Grunde nie darauf abzuzielen, wirklich angsteinflössend zu sein. Alles passiert mit einer geradezu bemerkenswerten Beiläufigkeit. Angesichts der insgesamt ruhigen Erzählweise in Kombination mit der musikalischen Untermalung könnte man sogar fast den Eindruck bekommen, Higuchinsky wolle den Betrachter beruhigen. Blankes Entsetzen hervorzurufen, kann auf keinen Fall das erklärte Ziel gewesen sein. Uzumaki setzt auf völlig andere Qualitäten.

So erinnert das Ergebnis dann auch eher an Donnie Darko (2000) als an Ringu. Insbesondere die ersten Szenen, in denen Kirie und Shuichi begleitet von Harfenklängen gemeinsam auf Shuichis Rad durch den kleinen Ort fahren, strahlen eine romantische Poesiealbum-Ästhetik aus, in der nur mehr der düster verfremdete Himmel von den merkwürdigen Dingen zeugt, die Kirie im einleitenden Monolog beschwört. Eine andere cineastische Assoziation, die zumindest mir beim Betrachten in den Sinn kam, war die an Die Zeit der Wölfe (The Company of Wolves, 1985). Die Märchenkomponente mag in Neil Jordans Rotkäppchen-Variante zwar naturgemäß weitaus stärker ausgeprägt sein, aber auch Uzumaki verfügt über märchenhafte Anteile. So ist die zugleich dunkle wie poetische Grundstimmung, die ihr Schreckenspotential niemals voll ausschöpft, geradezu urtypisch für Märchenerzählungen. Zu einem echten Märchen fehlt allerdings ein ganz entscheidendes Merkmal: die moralische Botschaft. Hier wird der Zuschauer mit visuell beeindruckenden Bilder überhäuft, ganz ohne dass ihm zu irgendeinem Zeitpunkt verraten wird, warum das Böse wirklich geschieht und wie es vermieden werden könnte.

Uzumaki - ScreenshotUzumaki - Screenshot

Wer an der speziellen asiatischen Art und Weise Geschichten zu erzählen Gefallen gefunden hat, wird Uzumaki lieben und ohnehin nicht erst mit der Nase auf diesen Film gestoßen werden müssen, der mit einiger Verspätung nun auch in Deutschlang auf DVD erschienen und unter Liebhabern des fernöstlichen Kinos längst kein Geheimtipp mehr ist. Aber auch jedem anderen, der auf der Suche nach außergewöhnlichem Kino abseits bekannter Erzählstrukturen ist und sich dabei mit einer gewissen Portion Eigensinnigkeit anfreunden kann, sei diese märchenhaft-traumartige Phantasmagorie unbedingt ans Herz gelegt. Und egal wie man den Film im Endeffekt für sich einstuft, vergessen wird man ihn definitiv nicht...

In einer weiteren Parallele zu Donnie Darko handelt es sich bei Uzumaki um das Spielfilm-Debüt des gebürtigen Ukrainers Akihiro Higuchi, der unter dem Künstlerkürzel Higuchinsky agiert. Ebenfalls nach Motiven von Junji Ito drehte er noch im gleichen Jahr für das japanische Fernsehen den Film Nagai Yume (2000), auf den später die anscheinend weniger gelungene Menschenjagd-Variante Tokyo 10+01 folgte. Für Uzumaki hat er ein frisches, junges Team um sich gescharrt, deren Mitglieder in den meisten Fällen über keine erwähnenswerte Vorerfahrung verfügten. So war es für die beiden Hauptdarsteller, Eriko Hatsune (Kirie) und Fhi Fan (Shuichi), die erste und im Fall von Fhi Fan auch die bisher einzige Rolle. Eriko Hatsune drehte mit Higuchinsky auch noch den bereits erwähnten Nagai Yume.

Uzumaki - ScreenshotUzumaki - Screenshot

Das bekannteste Gesicht der Darstellerriege gehört Ren Osugi, der zu den etablierten Nebendarstellern des japanischen Films gehört und Freunden des neueren Fernost-Kinos aus einer Reihe von Filme bekannt sein dürfte. Darunter Takeshi Kitanos Hana-bi (1997), Brother (2000) und Dolls (2002) sowie Takeshi Miikes Audition (Odishon, 1999) und den beiden Dead Or Alive-Filmen (1999, 2000), aber auch die Lola rennt-Inspiration Wie eine Kugel im Lauf (Dangan ranna, 1996).

Die übrigen Darsteller verfügen zum Teil über einschlägige Asia-Horror-Vorerfahrung. So hatte bspw. Hinako Saeki schon zwei Jahre zuvor einen haarbetonten Auftritt als Sadako in Rasen (1998), der ersten Version des Ringu-Sequels und auch eine Rolle im japanischen Zombie-Schulmädchen-Massaker Stacy (2001). Als weiteres Ring-Opfer, dieses Mal aus Ring Virus, der älteren koreanischen Verfilmung, ist Eun-Kyung Shin mit dabei. Asumi Miwa, Denden und Taro Suwa spielten nicht nur in Uzumaki, sondern auch in den ersten beiden Ju-On-Filmen mit (also quasi den Ur-Filmen der Reihe), wobei die Ju-On-Connection vermutlich auf das Produzenten-Team um Mitsuru Kurosawa zurückgeht.

Darüber hinaus zu erwähnen wäre noch die Effekt-Crew mit dem altgedienten Kenichi Kobayashi, der schon an Akira (1989) mitgearbeitet hat, und dem für die Deformierungen in Uzumaki zuständigen Tomoo Haraguchi, der zuvor in zwei Gamera-Filmen für die monstermäßigen Kreaturen verantwortlich war.

Uzumaki - ScreenshotUzumaki - Screenshot

An der Bildqualität der Rapid Eye Movies-Veröffentlichung, die im schicken Digi-Pack daher kommt, gibt es nichts auszusetzen. Die DVD bietet wahlweise den japanischen Originalton (optional mit deutschen Untertiteln) sowie die akzeptable deutsche Synchronfassung an, wobei aber wie so oft bei asiatischen Filmen auch im Fall von Uzumaki die Originalfassung einfach besser wirkt. Von der Aussteuerung her sind beide Tonspur klar und gut verständlich - vorausgesetzt man kann japanisch.

Die animierte Menüführung glänzt zwar nicht unbedingt durch kreative Einfälle, wurde aber angemessen spiralbetont angelegt. Die mitgelieferten Extras wirken auf den ersten Blick interessanter als sie es tatsächlich sind. Neben dem obligatorischen Trailer, der noch einmal sehr anschaulich zeigt, wie leicht man Uzumaki angesichts der hervorstechendsten Szenen für einen Horrorfilm halten kann, gibt es ein Making Of und ein Special mit dem Titel "Toshios Video", hinter dem sich der Inhalt des Camcorders von Shuichis Vater verbirgt. Beide entpuppen sich aber im Endeffekt als wenig aufschlussreich. So liefert Toshios Video nicht wirklich neue Szenen, sondern zeigt lediglich das zuvor gezeigte Material in unbearbeiteter Form (also nur die Szene mit der Schnecke und an der Waschmaschine). Bei dem Making Of handelt es sich eigentlich nur um eine knapp zehnminütige Q&A-Runde mit der im wahren Leben ähnlich schüchtern wie im Film wirkenden Kirie-Darstellerin Eriko Hatsune, ergänzt durch einige Eindrücken von den Dreharbeiten. Am interessantesten ist noch ihre Anwort auf die Aufforderung, Uzumaki in einem Wort zusammenzufassen: "Das geht nicht in einem Wort. Es ist irgendwie unbeschreiblich. - Eine sonderbare Sicht der Welt." Das bringt die Sache ziemlich auf den Punkt.

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 05.12.2004
Letzte Textänderung: 17.12.2004

Leser-Kommentare

03.01.2005, 17:17:25 Christian Schulze ( Email schreiben )

Während ich Filmen wie "Ring" eher wenig abgewinnen konnte, fand ich "Uzukami" hervorragend. Sehr bizarr, gruselig und phantasievoll.

03.01.2005, 13:42:44 Vanessa ( Email schreiben )

Der Film ist wirklich einzigartig, und gefällt mir vor allem wegen der comic-haften art, die ein wenig an "nightmare before christmas" erinnert. oder einfach an den manga. auf jedenfall angucken!!!

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann