Film Daten

Titel:
Shang Li - Der Tod hat tausend Namen
Originaltitel:
Fung Wan Yan Mat
Land & Jahr:
Taiwan 1977
Laufzeit ca.: ?
104 Min.
Regie:
Joseph Kong
Darsteller:
Pearl Cheung Ling
Charlie Chin
Tin Yau
Cliff Lok
Lo Lieh
Chiang Ming
Nora Miao
Miu Tin
Lau Lap Cho
Chen Chiu
Sit Hon
Cheng Fu Hung
Lee Keung
Weng Hsiao Hu
Cheng Paang
Man Man
Alternativtitel:
• Feng Yun Ren Wu
• Wu Tang Matrix
• Der Tod hat tausend Namen
• Shang Li - Der Tod hat 1000 Namen
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - MIB
Label:
MIB
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 / 91:32
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Bildergalerie
  • Geschichte des Eastern

Shang Li - Der Tod hat tausend Namen

Review

Shang Li - Der Tod hat tausend Namen - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Shang Li wird des Mordes an seinem Meister verdächtigt und taucht als Hilfsarbeiter in einem Bordell unter, doch seine Verfolger sind ihm dicht auf den Fersen. Kann er seine Unschuld beweisen? Und warum quälen ihn solche Selbstvorwürfe, wenn er doch angeblich unschuldig ist?

Shang Li - Der Tod hat tausend Namen - ScreenshotShang Li - Der Tod hat tausend Namen - Screenshot

Der Tod hat also 1000 Namen - und dieser Film beinah ebenso viele Sprünge in der Handlung. Da wird munter in den Zeiten hin und her gehopst, Zusammenhänge erst im Nachhinein aufgeklärt und auch mal ein Erzählstrang für die nächsten 60 Minuten fallengelassen. Dass die Protagonisten oft gleich rudelweise im Einheitslook herumlaufen, macht es einem auch nicht wirklich leichter, den Durchblick zu behalten. Ebenso wenig die offensichtlich recht freie Übersetzung der Dialoge. Kommen dann noch wie in der mir vorliegenden 16er Fassung derart böse Schnitte hinzu, dass man sich obendrein auch noch das eine oder andere Ableben dazudenken darf, mutiert sogar ein schlichter Eastern schnell mal zur Denkaufgabe. Bleibt allerdings die Frage, ob Regisseur Joseph Kong sich hier tatsächlich an einer Zeitmontage a la Tarantino versucht hat oder lediglich beim Zusammenschnitt der deutschen Fassung einige Szenen durcheinander geraten sind.

Am Anfang der Geschichte steht ein ominöser, mit Fallen gespickter Helden-Tempel, auf dessen Plattform sich die größten Kämpfer des Landes duellieren, um sich auf einer Art in Stein gemeißelten Highscore-Liste verewigen zu können. Ausgehend von der Darstellung dieser Institution wird uns Shang Li vorgestellt, der seine Frau verlässt, um sich auf den Weg zu machen -tja- zu besagtem Tempel sollte man meinen, aber Pustekuchen. Wir werden zwar kurz Zeuge diverser Wald- und Wiesen-Duelle, in denen neben Shang Li noch ein halbes Dutzend anderer Kämpfer vorgestellt wird, aber das war's dann auch; denn plötzlich, so wird uns von einigen Kneipengästen berichtet, ist jemand tot. Aber geht es hier wirklich um den Tod des Meisters wie es uns die Synchronisation glauben machen will? Irgendwie passt das nicht so richtig. Zum Beispiel erzählt uns einer der Berichterstatter, er hätte den tödlichen Kampf von weitem beobachtet. Tatsächlich starb Meister Lo Shu Zen allerdings durch einen Giftanschlag und hat alles in allem entsprechend kampflos sein Leben ausgehaucht, so dass dies eher verdächtig nach einem Synchronisationsfehler riecht...

Shang Li - Der Tod hat tausend Namen - ScreenshotShang Li - Der Tod hat tausend Namen - Screenshot

Hier ein Versuch etwas Ordnung in die wirre erste halbe Stunde zu bringen: Shang Li hat sich also aufgemacht, um ein großer Kämpfer zu werden, kommt aber auf seiner Reise in eine Situation, in der er offensichtlich recht hilflos versucht einer Frau gegen 3 Straßenräuber beizustehen (eine Szene, die uns erst irgendwann im Verlauf der Handlung gezeigt wird). Dort trifft er auf seinen späteren Ordensbruder Kao Lung, der von Shang Lis Mut und Willenskraft so beeindruckt ist, dass er sich für seine Aufnahme im Clan der Krieger mit den weißen Stirnbändern einsetzt. Und so begann dann wohl seine Ausbildung zum unbesiegbaren Kämpfer, von der wir nicht mehr erfahren, als dass er mit der Zeit zum Günstling des Meisters wird und das Herz von Ordensschwester Pai Lo erobert.

Fünf Jahre später: Ein nicht weiter thematisierter Superkämpfer namens Cheng Li Sing plant, sich mit unserem Helden zu duellieren, wobei ihm aber der Zwischenfall mit dem Giftmord an Meister Lo Shu Zen zuvor kommt. Shang Li wird des Mordes verdächtigt, von den Clanmitgliedern gejagt und an einer Klippe gestellt. Unter Beteuerung seiner Unschuld stürzt er sich in die Tiefe, was dann wohl auch Anlass für die bereits erwähnten Gespräche in der Gaststätte und die Spekulationen über seinen Tod (nicht den des Meisters) sind. Sein potentieller Duellpartner aber legt im Glauben daran, nun keinen adäquaten Gegner mehr zu haben, seine Arme und Hände in goldene Ketten. Doch Shang Li lebt und taucht unter dem klangvollen Namen "Niemand" und mit dem Vorwand, Schulden abarbeiten zu wollen, in einem Bordell unter.

Auch wenn man es kaum glauben mag, aber abseits dieser Ungereimtheiten hat man es hier, oh Wunder, mit einem netten und kurzweiligen Eastern zu tun. Hier wird geflogen, gefightet und intrigiert, und wenn Pai Lo auf dem Weg zu 9-Finger-Lu von 7-Messer-Chang aufgehalten wird, darf man sich als Eastern-Fan durchaus unterhalten fühlen!

Shang Li - Der Tod hat tausend Namen - ScreenshotShang Li - Der Tod hat tausend Namen - Screenshot

Obwohl Shang Li nicht mit den ganz großen Stars des Genres aufwarten kann, finden sich doch ein paar Gesichter, die einem durchaus bekannt vorkommen dürfen. So avancierte Hauptdarsteller Charlie Chen in den 70ern mit Paraderollen in fernöstlichen Lovestories neben der schon damals gefeierten Brigitte Lin (The Bride with White Hair, The East is Red) und Joan Lin, der späteren Ehefrau von Jackie Chan, zum absoluten Asia-Superstar - auch wenn man ihn hierzulande wohl trotzdem eher aus Jackie Chan-Filmen wie Winners and Sinners (1983) oder der Lucky Star-Reihe (Tokyo Powerman, Powerman 2) kennt. Bevor er aber zum gefragten Womanizer wurde spielte Charlie Chen eben auch in zahlreichen Martial Arts- und Actionfilmen mit, was den Verdacht nahe legt, dass 1977 nicht unbedingt das tatsächliche Produktionsjahr von Shang Li ist.

Die weibliche Hauptdarstellerin Pearl Chang Ling konnte man auch in einigen anderen fantastisch angehauchten Taiwan-Flicks bewundern, in denen sie zum Teil sogar selbst auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Zu ihren bemerkenswertesten Genre-Beiträgen gehören wohl die Filme der unter Fernost-Trash-Liebhabern recht berüchtigten Wolfsmensch-Eastern-Reihe (Wolf Devil Woman 1+2, Phoenix: Wolf Ninja), die zumindest lose auf der gleichen Vorlage beruhen wie die Jiang Hu-Filme, also unter anderem Ronny Yus Semi-Klassiker The Bride with White Hair (1993).

Shang Li - Der Tod hat tausend Namen - ScreenshotShang Li - Der Tod hat tausend Namen - Screenshot

In der zweiten Reihe sind mit u.a. Sit Hon (Duell der Giganten, Die Todesbucht der Shaolin, Eine Faust wie eine Hammer), Cliff Lok (Das goldene Schwert des Königstigers, Die 13 Söhne des gelben Drachen) oder auch Martial Arts-Routinier Lo Lieh gleich eine Reihe bekannter Gesichter vertreten. Letzterer hat nicht nur als Darsteller an einer unüberschaubaren Anzahl von Filmen mitgewirkt. Darunter neben klassischen Eastern wie Die 36 Kammern der Shaolin (1978) oder One Armed Swordsmen (1976) bspw. auch Tsui Harks Söldner kennen keine Gnade (1980). Nora Miao spielte in Todesgrüsse aus Shanghai und Die Todeskralle schlägt wieder zu zwei Mal die weibliche Hauptrolle an der Seite des legendären Bruce Lee und war darüberhinaus auch in dessen Die Todesfaust des Cheng Li zu sehen.

Abgesehen von einigen falschen Bruce Lee-Filmen (darunter der RTL2-Dauerbrenner Die Pranke des Leoparden) und einer wenig einladenden Action-Granate namens Ninja Invasion (mit Jimmy Wang Yu in einer Nebenrolle) gibt es von Regisseur Joseph Kong zumindest unter diesem Namen keine weiteren erwähnenswerten Beiträge zu vermelden.

Shang Li - Der Tod hat tausend Namen - ScreenshotShang Li - Der Tod hat tausend Namen - Screenshot

Die DVD ist eine von dreien, die zusammen mit Die Rache der Bronzekämpfer und Shaolin - Eine Faust die tötet von MIB als Eastern Collection für kleines Geld (ca. 8 Euro) unters Volk geworfen wird. Und wenn man das Ding im Regal stehen sieht, dürfte auch sofort klar sein, dass man es hier ganz bestimmt nicht mit einer Collector's Edition zu tun hat. Menügestaltung, Cover und Package sind erwartungsgemäß unterste Schublade. Vielleicht sollte man hier allerdings angesichts der Tatsache, dass die einzelnen Veröffentlichungen eigentlich eher aus den Anfangszeiten des Mediums stammen und sicherlich für diese Billigbox nicht noch einmal überarbeitet wurden, noch einmal Gnade vor Recht ergehen lassen. Ärgerlicher ist dann schon, dass der Film in einer gut und gerne um 10 Minuten erleichterten Fassung vorliegt, wobei es schwer vorstellbar ist, dass selbst für eine 16er Freigabe so drastische Schnitte wirklich nötig gewesen wären.

Die Bildqualität liegt nicht wesentlich über VHS-Niveau. Schwankungen in der Helligkeit, zu wenig Schärfe, zum Teil relativ blasse Farben, Bilddefekte - also genau die Probleme, die man auch von alten Kassetten kennt. Aber was soll's. Für einen Preis von unter 3 Euro pro Titel bleibt es meinem Gefühl nach im Rahmen des Erträglichen und stellt immerhin eine Alternative zum alten VHS-Band dar. Eine solche Alternative wäre zwar auch im Fall der deutschen Synchronfassung wünschenswert, so bleibt es aber bei einer zumindest gut verständlichen und nur dezent verrauschten Tonspur mit den typischen Genre-Charakteristika: Nicht zwangsläufig eng am Original, aber zumindest recht unterhaltsam!

Als Bonusmaterialien gibt es eine 20-teilige Bildergalerie, bei der nicht klar zu sagen ist, ob es sich um Werbematerial oder einfach nur um Standbilder aus dem Film handelt. Unterlegt wurde die Slideshow, warum auch immer, mit monotonen Klopfgeräuschen. Dazu gibt es noch einen Textbeitrag mit dem verheißungsvollen Titel "Geschichte des Eastern", der auf eher lächerliche Art und Weise die Entwicklung des Genres auf zweieinhalb Texttafeln zusammenfasst - wiederum begleitet von monotonem Klopfen. Nichtsdestotrotz geht die Veröffentlichung als kleiner Easternhappen für zwischendurch in Ordnung.

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 14.12.2004
Letzte Textänderung: 15.12.2004

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann