Film Daten

Titel:
Eat the Rich
Originaltitel:
Eat the Rich
Land & Jahr:
England 1987
Laufzeit ca.: ?
85 Min.
Regie:
Peter Richardson
Darsteller:
Alan Pellay
Ronald Allen
Nosher Powell
Fiona Richmond
Lemmy Kilmister
Sandra Dorne
Ron Tarr
Jimmy Fagg
Jools Holland
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - EC Entertainment
Label:
EC Entertainment
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.33:1 / 84:51
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • 2 Trailer
  • Bildergalerie
  • Rockthology Vol. 2 (Motörhead)
  • Making-of Inferno
  • Interview mit Motörhead
  • Booklet mit Speisekarte
  • Trailer: Beyond Re-Animator / Kentucky Fried Movie / La Communidad / Rock'n'Roll High School / Django und die Bande der Gehenkten

Eat the Rich

Review

Eat the Rich - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Der Kellner Alex (Alan Pellay) wird aus seinem Job gefeuert und steht nun ohne Geld und Wohnung da, von seinen Freunden will ihm keiner helfen. Als ihm beim Sozialamt auch niemand Geld geben will, greift er in seiner Verzweiflung zur Waffe und raubt das Geld zusammen mit einem anderen Hilfsbedürftigen. Auf der Flucht sammeln sie weitere Menschen um sich um einen offenen Kampf gegen die Gesellschaft und vor allem gegen die Reichen zu führen. Gleichzeitig versucht der Regierungsbeamte Commander Fortune (Ronald Allen), der im Geheimen für Russland tätig ist, mit seinem Handlanger Spider (Lemmy Kilmister) den Präsidentschaftskandidaten Nosher (Nosher Powell) in Diskredit zu bringen, damit er die Wahlen verliert, aber das will auch nicht so recht glücken. Das Chaos ist schließlich perfekt, als Nosher und die Gruppe von Alex aufeinandertreffen, die gerade ein neues Restaurant namens "Eat the Rich" aufgemacht haben, in dem sie den Gästen nichtsahnend das Menschenfleisch anderer Reicher servieren...

Eat the Rich - ScreenshotEat the Rich - Screenshot

Wenn man Eat the Rich mit einem sehr kurzen Satz beschreiben möchte, reicht der Ausdruck "Chaos pur". Fernab jeder handwerklich soliden Inszenierung und vor allem ganz weit weg von einem wirklich guten Drehbuch und einer schlüssigen Erzählstruktur, könnte dieser Film als die britische Variante einer chaotischen Troma-Komödie durchgehen. Ähnlich wie bei dem US-Studio gibt es hier keine "normalen" Charaktere, sondern nur Personen mit extremen charakterlichen Zügen. Da wäre zunächst Alex, bei dem man irgendwie nie genau weiß, ob er nun ein Mann, eine zu maskulin geratene Frau oder eine derbe Tunte ist. Nosher ist ein Arsch vor dem Herrn und benimmt sich auch so. Er will das Amt eines hohen Politikers bekleiden, nimmt sich zu einem offiziellen Bankett aber dann doch lieber einen Sixpack Dosenbier mit. Seine Frau ist ein schrulliges und fettleibiges Sensibelchen, die ihren Mann zwar eigentlich liebt, aber sich nebenbei viel zu viele Gedanken darüber macht, wie sich andere Frauen mächtiger Männer verhalten und wie sie behandelt werden. Lemmy "Motörhead" Kilmister als Spider ist - man mags kaum glauben - schon fast der normalste der ganzen Hauptcharaktere. Er ist das ausführende Organ von Commander Fortune und agiert eher ruhig und überlegt.

Zitat

Good grief. These people are eating their way through the jetset.

Die Handlung an sich ist eine chaotische Erzählung des Kampfes von Losern und Underdogs gegen das Establishment. Alex wird aus seinem Job geschmissen, beim Sozialamt tut er sich mit Ron (Ron Tarr) zusammen und auf ihrem Weg schließen sich noch Jimmy (Jimmy Fagg) und die schwangere Fiona (Fiona Richmond) an, die allesamt ihre Rechnung mit der "normalen" Gesellschaft abzurechnen haben. Knotenpunkt ist dabei das Restaurant "Bastards", in dem die Reichen der Stadt ihre Dekadenz voll ausleben. Gute Tischmanieren sind eher selten an der Tagesordnung und wirklich sympathisch wirken hier nur die, die den Bodensatz der Gesellschaft darstellen sollen.

Eat the Rich - ScreenshotEat the Rich - Screenshot

Der zweite Handlungsstrang mit dem Politiker Nosher hat zunächst scheinbar nicht sehr viel mit den Abenteuern von Alex zu tun, aber im Finale treffen sie dann schließlich aufeinander. Man kann sich kaum vorstellen, wie ein Mann wie Nosher überhaupt eine Karriere in der Politik machen konnte, aber auf der anderen Seite macht es die Darstellung von Nosher Powell schon fast wieder glaubwürdig. Denn irgendwie versteht er es immer wieder eine zunächst nachteilige Situation doch noch zu seinen Gunsten umzudrehen, ein Verhalten das dem richtiger Politiker nicht gerade sehr unähnlich ist. Eat the Rich entstand auch zu einer Zeit, als Maggie Thatcher an der Macht in Großbritannien war und etwas davon ist sicherlich mit in den Film geflossen.

Eat the Rich ist also eine Anarcho-Komödie reinsten Wassers, die unter normalen filmischen Gesichtspunkten nicht gerade viel zu bieten hat. Der Humor ist sehr speziell und dürfte nicht jedem gefallen. Wer sich aber an den Filmen der Troma Studios oder ähnlicher Werke erfreuen kann, der sollte dies Werk ruhig mal anchecken. Es gibt viele Elemente, die dem Film das Wort "Kult" verpassten, was sich aber wohl nur einer handvoll von Fans erschließen wird.

Eat the Rich - ScreenshotEat the Rich - Screenshot

Regisseur Peter Richardson und Drehbuchautor Pete Richens gehörten beide einer britischen Comedy-Truppe namens "Comic Strip" an. Zu den anderen Filmen Richardsons gehören Werke wie The Supergrass (Supergrass - Unser Mann bei Scotland Yard) oder The Pope Must Die (Ein Papst zum küssen), Filme an denen auch Pete Richens mitarbeitete. Für Lemmy war dies sein erster Auftritt in einem Film, später trat er noch in Hardware (M.A.R.K. 13), Airheads und einigen Filmen von Troma auf. Nosher Powell war eigentlich ein Stunt Man und kein Schauspieler. Zu seinen Stunteinsätzen gehörten einige durchaus sehr bekannte Filme wie viele der früheren James Bond Abenteuer, Star Wars oder die ersten beiden Dollar-Western von Sergio Leone. In Gastauftritten sieht man hier unter anderem Miranda Richardson (Spider), Robbie Coltrane (From Hell), Shane MacGowan von "The Pogues", Bill Wyman von den "Rolling Stones", Paul McCartney von "The Beatles" und Wendy O. Williams von den "Plasmatics", sowie natürlich auch der Rest der damaligen "Motörhead".

Zitat

This is the police. Lay down your knives and forks. You've all been eating the prime minister.

Von EMS kommt die bislang weltweit einzige Veröffentlichung dieses Films auf DVD. Da der Film ein reines Low-Budget Projekt war und vernünftige Master wohl nicht mehr zur Verfügung stehen, kann man natürlich kein atemberaubendes Bild erwarten. Die Schärfe und die Farben gehen noch einigermaßen in Ordnung, nur der Kontrast ist ein wenig zu flach ausgefallen und läßt Details in dunklen Szenen nur schwer erkennen. Das Bild selbst liegt im 1.33:1 Vollbild vor, was scheinbar wohl dem Originalformat entspricht, jedenfalls ist mir bisher keine Version in einem anderen Format untergekommen. Deutscher wie englischer Ton sind keine akkustische Offenbarung, aber durchaus akzeptabel. Dabei ist der deutsche Ton qualitativ besser als der Originalton, der unter einem sporadisch auftauchenden Rauschen leidet und zudem recht blechern und dumpf klingt.

Eat the Rich - ScreenshotEat the Rich - Screenshot

Vor den Extras sollte das recht kultig ausgefallene Hauptmenü erwähnt werden, das sehr lustig im Takt der Musik animiert wurde. An filmspezifischen Extras gibt es zunächst den deutschen und englischen Trailer und eine Bildergalerie. Die weiteren Extras befassen sich dagegen mit der Band Motörhead, die ja eigentlich auch denjenigen ein Begriff sein sollte, die mit Metal nicht sehr viel am Hut haben. Der Beitrag "Rockthology Vol. 2" ist ein Ausschnitt aus der großen "Rockthology" Dokumentation, die hierzulande von CMV auf DVD veröffentlicht wurde. Der Beitrag über Motörhead ist schon älter, allerdings wird hier auch unter anderem auf den Soundtrack von Hellraiser 3 - Hell on Earth eingegangen, zu dem Motörhead auch einen Song beigesteuert haben. Das "Making-of Inferno" hingegen war bereits als Bonus-DVD der "Inferno" CD veröffentlicht worden und wer die Edition mit DVD im Schrank stehen hat, dürfte das schon kennen. Als besonderes Schmackerl gibt es als verstecktes Feature aber noch ein Video-Interview aus dem Jahre 1986, das von Redakteuren des Rock Hard Magazins geführt, aber nie veröffentlicht wurde. Bild- und Tonqualität sind nicht gerade sehr gut, weswegen das Interview wohl nicht über einen normalen Menüpunkt aufgerufen werden kann, allerdings ist es mit einer Laufzeit von einer Stunde sehr ausführlich. Gute Englischkenntnisse sollte man allerdings schon mitbringen, da es keine deutschen Untertitel dazu gibt.

Zusätzlich gibt es noch Trailer zu den EMS-DVD Beyond Re-Animator, Kentucky Fried Movie, La Communidad - Allein unter Nachbar, Rock 'n' Roll High School und Django und die Bande der Gehenkten. Im Booklet findet man außerdem noch eine amüsante Menükarte.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 20.12.2004
Letzte Textänderung: 06.01.2005

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