Film Daten

Titel:
Geheimnis im Blauen Schloss
Originaltitel:
Ten Little Indians
Land & Jahr:
England 1965
Laufzeit ca.: ?
86 Min.
Regie:
George Pollock
Darsteller:
Hugh O'Brian
Shirley Eaton
Fabian
Leo Genn
Stanley Holloway
Wilfrid Hyde-White
Daliah Lavi
Dennis Price
Marianne Hoppe
Mario Adorf
Alternativtitel:
• Da waren's nur noch Neun
• 10 kleine Negerlein
• Agatha Christie's 'Ten Little Indians'
• And Then There Were None
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Sunfilm Entertainment
Label:
Sunfilm Entertainment
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 85:57
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Artworkgalerie
  • Bio-/Filmographien
  • Trailer: Kitchen Stories / Vidocq / Die Geschichte vom weinenden Kamel

Geheimnis im Blauen Schloss

Review

Geheimnis im Blauen Schloss - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Auf Einladung eines gewissen Mr. Known reisen 8 Gäste in ein abgelegenes Schloß, wo sie von dem Bediensteten-Ehepaar Grohmann (Marianne Hoppe, Mario Adorf) empfangen werden. Bei den Gästen handelt es sich um eine bunte Mischung: der Schlagersänger Mike Raven (Fabian), der smarte Hugh Lombard (Hugh O'Brian), der Arzt Dr. Edward Armstrong (Dennis Price), Richter Arthur Cannon (Wilfrid Hyde-White), der Privatdetektiv Blore (Stanley Holloway), Armeegeneral John Mandrake (Leo Genn), die Schauspielerin Ilona Bergen (Daliah Lavi) und Knowns Sekretärin Ann Clyde (Shirley Eaton). Nur kennt niemand den Gastgeber und selbst Grohmann weiß nicht, wann mit dessen Erscheinen zu rechnen ist. Am Abend ertönt dann von einem Tonband eine Nachricht von Mr. Known, in der er jeden einzelnen eines Mordes bezichtigt, den sie in ihrer Vergangenheit entweder selbst begangen oder zumindestens mitverschuldet haben. Zunächst halten das alle noch für einen makaberen Scherz, aber dann stirbt einer nach dem anderen, ganz nach dem Reim der zehn kleinen Negerlein...

Geheimnis im Blauen Schloss - ScreenshotGeheimnis im Blauen Schloss - Screenshot

Romane von Agatha Christie bildeten schon häufig die Vorlage für ordentliche Krimis. Hier war ihre Geschichte "Ten little Indians" Grundlage für spannende, stellenweise auch amüsante Thrillerunterhaltung, die vor allem durch die guten schauspielerischen Leistungen diverser bekannter Gesichter aus dem europäischen Genrefilm der damaligen Zeit zu begeistern weiß. Auch das Setting, obwohl es sich um eine britische Produktion handelt, erinnert ein wenig an dies schöne Gothik-Flair bestimmter Wallace-Krimis. Das Schloß bietet verwinkelte Gänge, mehrere Etagen, ist reichthaltig mit Antiquitäten ausgeschmückt und durch die passende Lichtgebung wirken die Räume manchmal richtig schön unheimlich. Zwar hat die Handlung an sich nichts mit übernatürlichen Phänomenen zu tun, aber das bringt trotzdem eine stimmungsvolle Atmosphäre hinein.

Die Geschichte handelt sich um das schon häufig verwendete Motiv von Schuld und Sühne. Dieser Mr. Known sieht sich als Vollstrecker an den Personen, denen damals nie oder nur unzureichend Schuld zugesprochen wurde oder in seinen Augen nicht ausreichend bestraft wurden. Als Leitfaden orientiert er sich an einem alten Kinderreim über zehn kleine Negerlein (oder Ten Little Indians wie es im Original heißt) und jeder Mord der im Film passiert, passt haargenau zu einem Reim in dem Lied. Ein ähnliches Prinzip wurde 1971 in dem Vincent Price Klassiker Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes (The Abominable Dr. Phibes) verfolgt, wo titelgebender Bösewicht die 10 Plagen der Bibel als Mordvorlagen benutzt. Sobald ein Mord erfolgreich war, wird von einem kleinen Kunstwerk, wo die 10 Indianer als Miniaturen aufgereiht waren, jeweils ein Indianer abgebrochen, sozusagen ein Countdown des Todes.

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Sowohl die Charaktere im Film, als auch die Zuschauer sind dabei stets auf einem gleichen Wissensstand. Das heißt, dass man als Zuschauer auch nie mehr weiß, als die Personen im Film. Zusammen mit den Charakteren kommen einem immer neue Verdächtige in den Sinn, bis sich auch diese Verdächtigungen wieder in Luft auflösen. Dabei wird durch die angespannte Situation auch der eine oder andere schwarze Fleck in der Vergangenheit eines Charakters an die Oberfläche gebracht. Denn so unschuldig wie sie zunächst alle tun sind sie zumeist gar nicht. Eine Charakterisierung erscheint angesichts der Menge an verschiedenen Personen nur sehr schwierig zu sein, aber dem Film gelingt es, den Figuren doch soweit Tiefe zu geben, dass sie nicht austauschbar erscheinen. Jeder einzelne hat bestimmte Charakterzüge, die sein handeln auch entsprechend beeinflussen.

Da wäre Hugh Lombard, verkörpert von Hugh O'Brian. Smart, schlagfertig (grandios sein minutenlanger Faustkampf mit Mario Adorf), nicht gerade auf den Mund gefallen und Frauenschwarm, sorgt er für etwas Heldenglanz innerhalb des Schlosses. Mike Raven ist der eher unsympathische Rockstar, der zu gerne einen über den Durst trinkt und dankenswerterweise als erst abnibbelt. Shirley Eaton als Ann Clyde ist zwar eher die beschützenswerte Filmschönheit, darf aber für einen leichten Hauch Erotik sorgen. Dalia Lavi als Ilona Bergen hingegen ist da eher die zerbrechliche Variante, die langsam aber sicher mit den Nerven am Ende ist. Der Doktor und der Richter, aka Dennis Price und Wilfrid Hyde-White, hingegen sind die Ruhe selbst und haben geradezu Spaß an dem Knacken der Rätsel. Der General versteht sich durch seine militärische Ausbildung schnell als der Anführer der Gruppe und Detektiv Blore hält grundsätzlich jeden für verdächtig. Die Grohmanns sind ein etwas älteres Ehepaar und während Mario Adorf als Ehemann ein recht resolutes und starkes Bild abgibt, so verliert seine Frau sehr schnell die Nerven.

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Alles in allem in Geheimnis im Blauen Schloss ein trickreicher Krimi, der 10 vollkommen unterschiedliche Charaktere in eine isolierte Umgebung presst und das beste aus dieser Ausgangssituation macht. Zudem wurde er in schönen Bildern von Kameramann Ernest Steward eingefangen, dem einige wirklich gute Einstellungen und Szenen gelungen sind. Das aus dem Mr. Known in der deutschen Fassung ein Herr Gendwer wird, ist nicht wirklich ein Fehler der deutschen Synchronisation, sondern eine Änderung die durch die Übersetzung notwendig wurde, da ein bestimmter Hinweis sonst keinen Sinn in der deutschen Fassung gemacht hätte. Für Regisseur George Pollock war dies nicht der erste Stoff von Agatha Christie, den er verfilmte. Bereits mit 16 Uhr 50 ab Paddington (Murder She Said), Der Wachsblumenstrauß (Murder at the Gallop), Mörder Ahoi (Murder Ahoy) und Vier Frauen und ein Mord (Murder Most Foul) bewies er ein Händchen für diese Stoffe. Davor sammelte er seine Erfahrungen als Regie-Assistent bei Werken wie Geheimnisvolle Erbschaft (Great Expectations) oder Oliver Twist.

Nun zu den Schauspielern, bei deren Aufzählung jeder Freund des Europloitationkinos aufhorchen wird. Hugh O'Brians erster etwas bekannterer Film war das US Science-Fiction B-Movie Abenteuer Rakete Mond startet (Rocketship X-M), danach folgten etliche Western und Mitte der 60er Jahre verschlug es ihn wie viele US-Schauspieler zur damaligen Zeit nach Europa. Recht schnell ging es aber wieder zurück in die USA, wo er unter anderem in The Shootist auftrat und später sogar in Bruce Lees Game of Death auftauchte. Shirley Eaton wurde zunächst in Großbritannien durch diverse Teile der Carry On Filme bekannt, weltweit aber durch ihren kurzen Auftritt als goldüberzogene Leiche in dem James Bond Abenteuer Goldfinger. Danach verschlug es sie wieder in den Bereich der Exploitation, wo sie in Sumuru die Tochter des Satans (The Million Eyes of Sumuru) und für Jess Franco in Der Todeskuß des Dr. Fu Manchu (The Blood of Fu Manchu) und Die Sieben Männer der Sumuru (The Seven Secrets of Sumuru) vor der Kamera stand. Danach zog sie sich vollständig vom Filmgeschäft zurück.

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Die Rolle des Sängers Mike Raven passt ziemlich gut zu Fabian, der eigentlich Fabiano Anthony Forte hieß und in den 50er und 60er Jahren ein Teenie-Schlageridol war, obwohl er eigentlich gar nicht richtig singen konnte. Dies brachte ihn aber auch zu ein paar Filmrollen, darunter Fünf Wochen im Ballon (Five Weeks in a Balloon) und Mario Bavas Dr. Goldfoot and the Girl Bombs (Spie vengono dal semifreddo). Leo Genn kennt man z. B. aus der 1956er Verfilmung von Moby Dick, Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse, die Wallace-Verfilmung Das Rätsel des silbernen Dreieck (Circus of Fear), Der Hexentöter von Blackmoor (The Bloody Judge / Il Trono di fuoco) oder A Lizard in a Woman's Skin (Una Lucertola con la pelle di donna).

Wilfrid Hyde-White begann schon in den 20er Jahren mit der Schauspielerei und spielte unter anderem in Der dritte Mann (The Third Man) mit, war auch in Sumuru die Tochter des Satans (The Million Eyes of Sumuru) und später in Kampfstern Galactica (Battlestar Galactica) und Radley Metzgers Die Katze und der Kanarienvogel (The Cat and the Canary) zu sehen. Daliah Lavi dürfte den meisten aus Mario Bavas düsterem Drama (La Frusta e il corpo) bekannt sein. Daneben war sie aber auch in Im Stahlnetz des Dr. Mabuse, Old Shatterhand und Casino Royale zu sehen, bevor sie dann in der Allgemeinheit als deutschsprachige Schlagersängerin bekannt wurde.

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Dennis Price ist sicherlich jedem Fan der Werke von Jess Franco und diverser B-Movie-Horrorwerke ein Begriff. Ihn sah man z.B. in Vampyros Lesbos, Turm der lebenden Leichen (Tower of Evil), Die Nacht der offenen Särge (Drácula contra Frankenstein) und Theater des Grauens (Theatre of Blood). Zu Marianne Hoppe und Mario Adorf muss auch nicht viel geschrieben werden, beide waren bekannte deutsche Schauspieler, die aber auch international einige Erfolge verbuchen konnten. Adorf trat z.B. sogar bei Dario Argento in dessen Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe (L' Uccello dalle piume di cristallo) oder in italienischen Polizeithrillern wie Milano Kaliber 9 (Milano calibro 9). In einem nicht-genannten Gastauftritt ist sogar Christopher Lee mit von der Partie in Geheimnis im Blauen Schloss: als die Tonbandstimme des Mr. Known, aber dies natürlich nur in der englischen Originalfassung.

In Deutschland hat sich Sunfilm Entertainment dieses kleinen Films angenommen und ihn in einer durchaus guten Qualität auf DVD gepresst. Allerdings wurde hier der Untertitel Da waren's nur noch Neun auf dem Cover zum eigentlichen Filmtitel und Geheimnis im Blauen Schloss steht jetzt klein darunter. Zwar muss man natürlich in Anbetracht des Alters einige Zugeständnisse an den Zustand des Masters machen, kleinere Defekte und Verschmutzungen blitzen immer wieder mal auf, aber dafür ist die Schärfe ziemlich gut. Was aber wirklich stört ist der etwas überzogene Kontrast, durch den helle Flächen zum überstrahlen neigen, was bei einem schwarz-weiß Film sich natürlich nochmals deutlicher bemerkbar macht. An Tonspuren gibt es den englischen Originalton sowie die deutsche Synchronisation, beide erklingen weitestgehend ohne Fehler aus den Boxen. An Extras gibt es dagegen nicht sehr viel, nur eine Artwork-Galerie sowie mehrere Bio- und Filmographien.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 13.02.2005
Letzte Textänderung: 18.08.2006

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