Film Daten

Titel:
Chasing Amy
Originaltitel:
Chasing Amy
Land & Jahr:
USA 1997
Laufzeit ca.: ?
111 Min.
Regie:
Kevin Smith
Darsteller:
Ben Affleck
Joey Lauren Adams
Jason Lee
Dwight Ewell
Jason Mewes
Kevin Smith
Ethan Suplee
Scott Mosier
Casey Affleck
Guinevere Turner
Carmen Lee
Brian O'Halloran
Matt Damon
Alexander Goebbel
Tony Torn
Virginia Smith
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Criterion
Label:
Criterion
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 112:39
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 5.1
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Neue Einleitung von Kevin Smith
  • Audiokommentar mit Cast & Crew
  • 10 Deleted Scenes mit Einleitungen
  • Outtakes
  • Kinotrailer
  • The Askewniverse Legend (Booklet)

Chasing Amy

Review

Chasing Amy - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Hoffnungslos verliebt. Comiczeichner Holden McNeil (Ben Affleck) verguckt sich in die lesbische Alyssa Jones (Joey Lauren Adams), und wie es mit großen Gefühlen eben so ist, auch der gut gemeinte Versuch seine Zuneigung in rein freundschaftliches Interesse zu verwandeln, zögert den unvermeidlichen Konflikt nur hinaus. Das Unglück vorausahnend zeigt sich auch Freund und Kollege Banky (Jason Lee) wenig begeistert von den zweifelhaften amourösen Bemühungen seines Geschäftspartners. Trotzdem, Holden fordert sein Schicksal heraus, riskiert Freundschaft und große Liebe, um schließlich die eigenen emotionalen Unzulänglichkeiten zu spüren zu bekommen...

Chasing Amy - ScreenshotChasing Amy - Screenshot

Männer, die sich in Lesben verlieben? Ok. Aber Lesben, die sich für Männer interessieren, die sich in sie verliebt haben? Auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, einen Science Fiction-Streifen zu drehen, antwortete Kevin Smith mal, das hätte er mit Chasing Amy doch schon getan. Da könne man jede Lesbe fragen: sowas wird garantiert niemals passieren! Allerdings ist Chasing Amy alles andere als ein von klischeehaften Männerphantasien geprägter Film - auch wenn man dies angesichts der thematischen Steilvorlage für Plattitüden aller Art vermuten könnte. Stattdessen lieferte Kevin Smith mit dem dritten Teil des Jersey-Zyklus sein bislang ruhigstes und nachdenklichstes Werk ab, das zwar von (einem zumeist eher feinsinnigen) Humor durchzogen ist, aber insgesamt von den intensiven, emotionsgeladenen Szenen dominiert wird. Und das aus gutem Grund.

Zitat

You're Chasing Amy. - Silent Bob.

Chasing Amy ist ein Film wie er persönlicher kaum sein könnte. Selten war wohl der Begriff 'Katharsis', den Smith bereits als Zwischentitel in Clerks verwendet hat, angebrachter; denn hier handelt es sich um nicht mehr und nicht weniger als Vergangenheitsbewältigung pur - und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Für alle, denen der autobiographische Anteil des Films noch nicht bekannt sein sollte, hier der Hintergrund: Kevin Smith und Hauptdarstellerin Joey Lauren Adams waren einst ein Paar, und das Grundthema des Films (und das ist eben nicht Alyssas Homosexualität!) entstammt dieser Beziehung. Angesichts des eigenen vergleichsweise geringen Erfahrungsschatzes war Provinzler Kevin mit Joeys wilder (sexueller) Vergangenheit hoffnungslos überfordert. Doch statt sich seinen Unzulänglichkeitsgefühlen zu stellen, sich die eigene Unsicherheit einzugestehen, reagierte er wie Holden McNeil mit völligem Unverständnis und machte seiner Freundin moralische Vorhaltungen - und genau wie im Film lehnte es Joey ab, sich für Dinge, die sie erlebt und ausprobiert hatte, lange bevor sie Kevin überhaupt kannte, zu rechtfertigen oder gar zu entschuldigen. Das Ende vom Lied: Trennung und die Erkenntnis, bei weitem nicht so liberal zu sein, wie man(n) von sich selbst geglaubt hat. Für Kevin Smith eine bittere Erfahrung, die er sich in Form eines Drehbuchs von der Seele geschrieben hat: Chasing Amy!

Chasing Amy - ScreenshotChasing Amy - Screenshot

Nun ist Joey Lauren Adams im wirklichen Leben weder lesbisch, noch entsprechen ihre vergangenen Eskapaden denen von Alyssa Jones, aber das Prinzip dürfte klar sein und macht Chasing Amy natürlich zu einem Fest für Hobbypsychologen. Tatsächlich gesteht Kevin Smith im Booklet der Special Edition die persönlichen Bezüge nicht nur offen ein, sondern nimmt uns sogar die Interpretation weitestgehend ab. So steckt im Holden-Charakter mehr vom Original 'Kevin Smith' als in allen anderen seiner Figuren, Hooper X reflektiert die Smith'schen Ansichten & Gedanken zur Homosexualität, während Alyssa die Stimme der Vernunft verkörpert, auf die er so oft besser hätte hören sollen. Banky symbolisiert seine Gefühle bezüglich Loyalität und Freundschaft.

In diesem Zusammenhang kommt natürlich dem kurzen Auftritt von Silent Bob (= Kevin Smith) eine ganz besondere Bedeutung zu; denn in einem derart persönlichen Film höchstleibhaftig mitzuspielen, ist sicher schon ein Thema für sich, aber dann auch noch genau mit der Figur in Interaktion zu treten, die einen selbst repräsentiert, das fügt dem Ganzen eine entscheidende psychologische Dimension hinzu. Kein Wunder also, wenn sein wortkarges Alter Ego Silent Bob in jenem Selbstgespräch ein bislang ungeahntes Mitteilungsbedürfnis an den Tag legt. Silent Bob Speaks! Und ich glaube gern, dass die Szene sowohl für den Schauspieler wie auch den Regisseur 'Kevin Smith' eine echte Herausforderung dargestellt hat. Übrigens wurden die Aufnahme obendrein von einem betrunkenen Polizisten gestört, der sich mit den Worten "Ich bin besser als Bruce Willis!" anscheinend eine zweite Karriere beim Film aufbauen wollte. Wie dem auch sei, wenn Comiczeichner Holden das gemeinsame Erlebnis am Ende in Form eines sehr persönlichen Comics verarbeitet, laufen die Ebene wieder zusammen und der Kreis schließt sich. Der Titel des Hefts versteht sich jawohl von selbst: Chasing Amy!

Chasing Amy - ScreenshotChasing Amy - Screenshot

Das zweite Stück Vergangenheit, das Kevin Smith im Film verarbeitet hat, nimmt sich dagegen fast unbedeutend aus, soll aber trotzdem nicht unterschlagen werden. Es handelt sich um die Karriere-Tiefschlag, den er nach Mallrats von Kritiker- wie Zuschauerseite aus Einstecken musste. Mallrats kostete 6 Millionen Dollar, floppte gewaltig und stürzte den zuvor umjubelten Nachwuchsregisseur in eine mittelschwere Schaffenskrise. Zwei Jahre später meldete er sich mit Chasing Amy zurück. Der kostete sparsame 250.000 Dollar, heimste auf diversen Festivals Preise ein und rehabilitierte ihn als Filmemacher. Im Nachhinein fasst Kevin Smith die Ausgangslage übrigens so zusammen: Clerks wurde völlig überbewertet, Mallrats völlig unterbewertet, und dies eröffnete ihm die Möglichkeit völlig frei von Erwartungen an seinen dritten Film heranzugehen. Und dies spiegelt sich nicht zuletzt in dem einen oder anderen eingestreuten selbstironischen Kommentar zum Thema wider.

So nimmt er etwa gleich zu Beginn den Vorwurf aufgesetzter Star Wars-Dialoge in einer inszenierten Podiumsdiskussion zwischen Holden, Banky und Hooper X auf's Korn. Ein noch deutlicherer Kommentar fiel allerdings dem Endschnitt zum Opfer. In der ursprünglichen Fassung gab es nämlich noch vor der Convention-Sequenz (übrigens extra für den Film organisiert!) noch eine Szene im Mall-Comicladen, in der die altbekannten Figuren Steve-Dave und Fanboy Walt nahezu wortwörtlich einen Original-Verriß von Mallrats zum besten geben, allerdings in Bezug auf 'Bluntman and Chronic'-Comics von Holden und Banky. Zuguterletzt sei erwähnt, dass der Abspann mit den versöhnlichen Worten schliesst: To all the critics that didn't like our last movie: "All is forgiven." - und dass bevor er wusste, ob der Film ein Erfolg werden würde.

Chasing Amy - ScreenshotChasing Amy - Screenshot

Spoiler

Chasing Amy: Who's Who?

Alyssa Jones wird zwar von Joey Lauren Adams gespielt, ist aber nicht identisch mit Gwen Turner, ihrem Charakter in Mallrats, vielmehr ist Alyssa die ältere Schwester von Heather Jones, die in Clerks mit Rick Derris zum Strand fährt, und Trisha Jones, der ambitionierten Nachwuchsautorin aus Mallrats. Alyssa und Gwen hatten zwar beide etwas mit dem berüchtigten Rick Derris (wer eigentlich nicht?!), allerdings hatte er dabei im Fall von Alyssa Unterstützung von seinem Kumpel Cohee Lundin (Fingercuffs!), während uns bei Gwen nur ein Zwischenfall von einer Kostümparty bekannt ist. Alyssa erzählt uns auch, dass sie während der Highschool in eine gewisse Cate Bree verliebt war. Das ist natürlich niemand anderes als Dantes Ex-Freundin Caitleen aus Clerks, deren Schicksal nach ihrem unfreiwilligen Ausflug in die Nekrophilie und dem anschließenden Abtransport ungewiss ist. Apropos Dante: Brian O'Halloran gibt sich natürlich auch wieder die Ehre, allerdings dieses Mal als Jim Hicks, einem Verwandten des Quick Stop-Mitarbeiters, der es offensichtlich zum MTV Executive gebracht hat.

Jason Lee (Banky Edwards) und Ben Affleck (Holden McNeil) spielen selbstverständlich ebenfalls völlig andere Charaktere als in Mallrats. Jedoch berichtet Banky im Rahmen des sexuellen Erfahrungsaustausches mit Alyssa von einem Techtelmechtel mit einer gewissen Brandi Svenning und einem unschönen Zwischenfall mit deren Vater. Die beiden kennen wir natürlich aus Mallrats (Claire Forlani, Michael Rooker).

Chasing Amy - ScreenshotChasing Amy - Screenshot

Jay & Silent Bob sind und bleiben selbstverständlich ohne wenn und aber die einzig wahren Originale, der Kitt und die Konstante der Jersey Chronicles. Verwechslung ausgeschlossen. Zeitlich spielt Chasing Amy etwa 2 Jahre nach den Ereignissen von Clerks und Mallrats und unsere beiden Lieblingsslacker konnten zwischenzeitlich ihre Dealer-Tätigkeit einschränken, da sie sich bekanntermaßen als Vorlage für die erfolgreichen Comic-Helden 'Bluntman und Chronic' auf legale Weise ein Zubrot verdienen. Übrigens tritt Silent Bob hier erstmals rauchfrei und mit falschen Haaren (Smith hatte nach Mallrats wohl das Gefühl, alte Zöpfe abschneiden zu müssen) auf, dafür aber wieder im Stoffmantel a la Clerks , d.h. nicht mehr das übercoole Leder-Outfit wie im Kaufhaus-Abenteuer.

Ethan Suplee, der im Kaufhaus noch als William Black mit dem 3D-Bild gekämpft hat, taucht hier als Comic-Fan auf den beiden Conventions auf, spielt aber nicht mehr den William, sondern einfach einen 'Bluntman und Chronic'-Liebhaber. Produzent Scott Mosier, der William Black in Clerks gespielt hat, tritt ebenfalls auf der Convention auf, allerdings ohne Snowballs Grizzly-Adams-Vollbart. Er ist der Schnauzbart-Träger, der in der ersten Szene einen Streit mit Banky vom Zaun bricht. Ebenfalls in anderen Rolle wieder mit dabei sind Kevins Schwester Virgina, die wir in Clerks als Käfigtiermasturbatorin kennengelernt haben und die hier am Schluss als Alyssas Freundin auftritt, sowie Scott Mosiers Schwester Kristin. Letztere arbeitete in Mallrats noch als Comicverkäuferin auf dem Flohmarkt und ist hier als Kellnerin zu sehen, die sich von Jay anbaggern lassen muss.

Chasing Amy - ScreenshotChasing Amy - Screenshot

Ein Riesen-Insider verbirgt sich übrigens auch in der Hockeyspiel-Szene. Während Holden nämlich damit beschäftigt ist, Alyssa ihr schmutziges Geheimnis zu entlocken, sitzt nämlich links neben ihm kein geringerer als Mitverursacher Rick Derris bzw. Kevins Kumpel Ernie O'Donnell, der den Derris in Clerks gespielt hat.

Spoiler

Zitat

Life ain't nothin but bitches and money. - Jay.

Insgesamt stimmt hier wirklich alles. Ein gutes Script, das Kevin Smith übrigens von der homosexuellen Guinevere Turner (im Film diejenige, die Alyssa zum Singen auf die Bühne holt) gegenchecken ließ, um hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Dialoge auf Nummer sicher zu gehen. Hervorragende Schauspielerleistungen, insbesondere von Joey Lauren Adams und Ben Affleck, die hier beide die vielleicht besten Darstellungen ihre Karriere abliefern und damit in den dramatischen Höhepunkten nicht nur dem persönlich betroffenen Kevin Smith eine Gänsehaut zaubern (Vorsicht: die deutsche Synchro nimmt hier einiges an Intensität). Und ein von Dave Pirner betreuter, schön stimmiger Soundtrack, für den der Soul Asylum-Frontmann dieses wunderbar reduzierte Titelthema komponiert hat, das die Stimmung des Films von der ersten Sekunde an transportiert. Wer hätte das dem zuletzt wenig erfolgreichen Musiker zugetraut. Wirklich gekonnt.

Interessant ist auch, dass Chasing Amy gleich mehrere typische Smith-Merkmale in der Grundthematik akzentuiert, um sie dann aber anders als in den übrigen Filmen völlig der Handlung unterzuordnen. So hat Chasing Amy durch die Jobs der Hauptdarsteller einen expliziten Comic-Aufhänger und durch die Lesben-Sache ein stärkeres sexuelles Motiv als alle anderen Teile des Jersey-Zyklus. Trotzdem spielen letztlich weder Comics noch Sex eine entscheidende Rolle.

Chasing Amy - ScreenshotChasing Amy - Screenshot

Clerks Revisited. Die Markenzeichen des K.S.

Chasing Amy mag sich zwar in vielerlei Hinsicht von den anderen Jersey-Filmen unterscheiden, aber auch hier fehlen nicht die typischen Kevin Smith-Trademarks, sei es die Nummer 37 (s. Vorspann), Hockey sowie Hommagen an Star Wars oder Jaws. Hockey gibt es bspw. sowohl in Videospielform a la Mallrats als auch In-Real-Life - obwohl Leckermäulchen Smith die Sequenz in der Eishalle eigentlich als Kochszene in einer Küchen-Location geschrieben hatte. So gibt es aber eine sehr gelungene Szene und obendrein die doppelte Trademark-Dosis.

Die obligatorische große Star Wars-Reminiszenz liefert Smith wie bereits angesprochen gleich zu Beginn während der Podiumsdiskussion, dieses Mal in Form einer von Hooper X beigesteuerten gewagten Deutung von Darth Vader als Metapher für Rassismus gegenüber dem schwarzen Mann! Mit Hooper X treibt sich dann auch zugleich eine namentlich von Spielbergs Der weiße Hai (Jaws, 1975) inspirierte Figur in Chasing Amy herum. Das fröhliche Narben-Vergleichen von Alyssa und Banky ist bis hin zum Szenenaufbau an die entsprechende Szene aus Jaws angelehnt. Wie im Review zu Mallrats bereits angesprochen, war diese bzw. eine ähnliche Sequenz bereits dort im Drehbuch, wurde damals aber vom Studio gekippt. Durch die Verlegung von der Fressabteilung der Mall in die Bar ging zwar ein kleiner Gag verloren, da die Figuren natürlich nicht mehr wie in Mallrats an Spielbergs Originalcharaktere angelehnte Namen (Brodie, Quint) haben.

Chasing Amy - ScreenshotChasing Amy - Screenshot

Eine weitere Vorliebe von Regisseur Kevin Smith sind bekanntermaßen die Gastauftritte von Familienmitgliedern. So gibt es in Chasing Amy z.B. ein Wiedersehen mit Kevins Schwester Virginia, die wir bereits aus Clerks kennen. Aber auch das kleine Mädchen, das Alyssa neben Holden platziert, und Fingercuffs-Dummbretzel Cohee Lundin vor'm Quick Stop gehören zur Smith'schen Sippe. Für John Willyung, der hier den Cohee mimt, war es übrigens eigentlich schon der zweite Auftritt in einem Film seines Cousins, allerdings fiel die Rolle in Clerks der Schere zum Opfer. Er war nämlich derjenige, der in der Ur-Fassung am Ende in den Laden stürmt und Dante erschießt. Dieses Mal ist er aber völlig harmlos, lediglich ein bißchen debil-penetrant - schließlich spielt er ja auch den besten Kumpel von Rick Derris!

Apropos Besetzung. Der Grund, warum Kevin Smith für diesen Film wieder mit einem Mini-Budget gearbeitet hat, lag nicht darin, dass man ihm nach Mallrats absolut kein Geld mehr geben wollte, sondern an den Bedingungen, die an ein höheres Budget geknüpft gewesen wären. Nämlich eine erzwungene Besetzung der Hauptrollen mit Jon Stewart, David Schwimmer und Drew Barrymore, um eine größeren Starbonus zu haben. Smith zog es vor an seinen Darstellern festzuhalten und dafür eine drastische Kürzung der finanziellen Mittel in Kauf zu nehmen. Weise Entscheidung. Der einzige, der dieses Mal (ganz im Gegensatz zum Mallrats-Dreh) nicht mehr seitens des Studios in Frage gestellt wurde, war Jason Mewes als Jay.

Chasing Amy - ScreenshotChasing Amy - Screenshot

Vielleicht ist Chasing Amy auch eine gute Gelegenheit kurz auf das merkwürdige Verhältnis zwischen Kevin Smith und Ben Affleck einzugehen und der Frage nachzuspüren, warum der eigentlich für seine Star-Eskapaden und Allüren bekannte Hollywood-Schnösel seit Mallrats in jedem Kevin Smith-Film mitgespielt hat. Der Grund ist denkbar einfach: Affleck hat richtiggehend einen Narren an Kevin Smith gefressen, und auch wenn Kevin keine Gelegenheit auslässt, sich über ihn lustig zu machen, hat er im Grunde ebenfalls eine sehr hohe Meinung von Ben und speziell seinen schauspielerischen Fähigkeiten. Vor allem weil er laut Kevin das Talent besitzt, die von ihm geschriebenen Dialoge genau so zu spielen & zu sprechen, wie sie gemeint waren. Dies hat ihm einen solchen Bonus eingebracht, dass wann immer irgendjemand Kevin Smith nach einem passenden Schauspieler fragt, es für ihn nur noch eine Antwort gibt...

Zitat

Cause that's my answer for everything. [...] If people are like, Jaws 5?, I'm like, Affleck. Affleck plays the fucking shark!" - Kevin Smith.

Auch wenn man es kaum glauben mag, in den Features zu den Kevin Smith-Filmen wirkt Ben Affleck plötzlich sogar ganz zutraulich. Und dass er es mit seiner freundschaftlichen Loyalität ernst meint, merkt man nicht nur daran, dass er für jeden Audiokommentar zur Stelle ist, sondern auch ein ums andere mal auf große Millionen-Gagen verzichtet, um wieder mit Kevin drehen zu können. Ob er allerdings all die Scherze, die die View Askew-Crew mit ihm treibt, tatsächlich so locker nimmt oder sie einfach nur nicht kapiert - ich weiß es nicht.

Chasing Amy - ScreenshotChasing Amy - Screenshot

Über den filmographischen Hintergrund der beteiligten Akteure einschließlich der Hauptdarsteller Joey Lauren Adams, Ben Affleck und Jason Lee sowie natürlich auch Kevin Smith und Jason Mewes hab ich mich ja schon recht ausführlichen in den Reviews zu Clerks und Mallrats ausgelassen. Also will ich mich hier mal nicht einfach wiederholen, und statt dessen jene zu erwähnen, die in Chasing Amy neu hinzugekommen sind. Zu nennen wären hier z.B. die Kurzauftritte von Jason Lees Frau Carmen in der Rolle von Alyssas blonder Liebschaft anhand derer Holden ihre sexuelle Orientierung erkennt, oder auch die kleine Gastrolle von Ben Afflecks kleinem Bruder Casey, den Scott Mosier auf der Untermauerung seiner Linien-nachzieh-Hypothese heranzieht.

Der rückblickend größte Stargast ist natürlich Matt Damon, der hier zwar noch nicht so populär war wie heute (Good Will Hunting räumte erst im folgenden Jahr bei der Oscarverleihung ab), aber trotzdem an der Seite von Brian O'Halloran einen sehr netten Cameo als MTV Executive abliefert. Auch wenn es sicherlich anfänglich Ben Affleck war, der den Kontakt zum View Askew und dem Smith-Clan hergestellt hat, gehört Matt Damon mittlerweile auch zum Freundeskreis von Kevin Smith und war auch in Dogma (1999) und Jersey Girl (2004) mit von der Partie. Als einer der gefragtesten Darsteller Hollywoods ist er allerdings wohl zu beschäftigt, um tatsächlich für jedes Projekt zu Verfügung zu stehen. Immerhin finden sich in seiner Filmographie so erfolgreiche Großproduktionen wie Der Soldat James Ryan (Saving Private Ryan, 1998), Der talentierte Mr.Ripley (The Talented Mr.Ripley, 1999), Ocean's Eleven (2001) und Ocean's Twelve (2004).

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Auch wenn man von einer Veröffentlichung im Rahmen der Criterion Collection wohl ohnehin nichts anderes erwarten würde, Bild- und Tonqualität der US-DVD sind prima. Anders als auf dem alten VHS-Tape sieht man hier dann bspw. sogar die einzelne Träne, die Holden während des finalen Konflikts über die Wange kullert. Die Tonspur kommt klar und verständlich in DD 5.1. Originalton versteht sich, wahlweise mit englischen Untertiteln, die allerdings nicht besonders gut zu lesen sind.

An Extras bietet die DVD zunächst einmal einen gewohnt informativen Audiokommentar von Scott Mosier, Ben Affleck, Jason Mewes, Vincent Pereira, dem ausführenden Produzenten Bob Hawk sowie dem Miramax Executive Jon Gordon - und natürlich Kevin Smith. Mewes hängt wie eh und je in den Seilen, um aber dann von Zeit zu Zeit doch einen überaus unterhaltsamen Satz rauszuhauen. Der Löwenanteil des Kommentars geht aber selbstverständlich auf die Kappe von Smith selbst, wobei sich Mosier und Affleck allerdings auch recht rege beteiligen. Der Audiokommentar wurde ursprünglich für die Laserdisc-Veröffentlichung angefertigt, was auch erklärt, warum Kevin Smith mehrmals im Verlauf seine Stimme gegen das "neue" Medium DVD erhebt. In einem speziell für die Criterion DVD aufgenommen Intro zum Film relativiert er diese harsche Worte allerdings und gibt zu mittlerweile bekehrt worden zu sein.

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Das weitere Bonusmaterial besteht neben dem obligatorischen Kinotrailer vor allem aus einer ganzen Reihe von Deleted Scenes (10) jeweils mit einem einleitenden Vorwort von Mosier, Smith, Mewes und Affleck plus einem kleinen Outtake-Part, in dem einige Versprecher zusammengeschnitten sind. Auch enthalten ist ein kurioses Feature, in dem Jason Mewes in gewohnt charmanter Manier die Testbildbalken ankündigen darf. Kein Witz. Zu guter letzt sei noch das ausgesprochen informative Booklet erwähnt, das neben einer sehr persönlichen Stellungnahme von Kevin Smith auch soetwas wie eine Landkarte der View Askewniverse liefert. Trotz dieser eigentlich guten Ausstattung muss man natürlich fairerweise feststellen, dass es sich im direkten Vergleich um die am schlechtesten ausgestattete Kevin Smith-US-DVD handelt. Criterion bietet zwar einiges, aber die anderen eben noch einiges mehr.

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 15.02.2005
Letzte Textänderung: 06.06.2005

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