Film Daten

Titel:
Originaltitel:
Napoli violenta
Land & Jahr:
Italien / Frankreich 1976
Laufzeit ca.: ?
91 Min.
Regie:
Umberto Lenzi
Darsteller:
Maurizio Merli
John Saxon
Barry Sullivan
Elio Zamuto
Maria Grazia Spina
Silvano Tranquilli
Attilio Duse
Massimo Deda
Guido Alberti
Pino Ferrara
Carlos De Carvalho
Enrico Maisto
Tommaso Palladino
Carlo Gaddi
Gabriella Lepori
Alternativtitel:
• Death Dealers
• Operation casseur
• S.O.S jaguar: Opération casseurs
• Violent Naples
• Violent Protection
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Koch Media
Label:
Koch Media
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 91:10
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
-

Review

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(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Aus Rom kommt Kommissar Betti (Maurizio Merli) nach Neapel. Kurz nach seiner Ankunft muss er sich schon um die Vergewaltiger einer Arztfrau, Diebe des Schmucks einer älteren Frau, eine terrorisierenden Gaunerbande und mehrere brutale Banküberfälle kümmern. Die Arbeit ist nicht einfach und mehrere seiner Undercover-Kollegen bezahlen ihre Arbeit mit ihrem Leben. Dann wendet sich auch noch der reiche Industrielle Capuano (John Saxon) an ihn, als er um sein Leben fürchten muss. Hinter all dem steckt der "Commandante" (Barry Sullivan), den Betti bis zum grausamen Finale jagt...

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Auch wenn dies vielleicht nicht unbedingt der beste aller Polizei-Thriller Marke Italien ist, so bietet der Film doch einen Maurizio Merli in Höchstform sowie eine unglaubliche Menge an rasanten, aber auch brutalen Szenen. Neben wirklich beeindruckenden Sequenzen wie die aberwitzige Hetzjagd eines Motorrads durch die engen Gassen Neapels, teilweise aus der Sicht des Fahrers gefilmt, gibt es noch eine flotte Autoverfolgung von Komissar Betti und einen Großbrand in einer Autowerkstatt. Was die gezeigte Gewalt angeht lautet die Divise: klotzen, nicht kleckern. Zwar bietet der Film nichts, was heutzutage die Massen hinter dem Ofen hervorlocken würde, aber das Ergebnis eines ungeschickten Fluchtversuches über einen Lanzen-gespickten Metallzaun oder die Zweckentfremdung einer Bowlingbahn zur Beseitigung unliebsamer Schnüffler ist in dieser Form wohl eher selten anzutreffen.

Stellenweise werden aber Erinnerungen an den ein Jahr zuvor in die Kinos gekommenen Belmondo-Thriller Peur sur la ville (Angst über der Stadt) wach. Der zeichnete sich durch seine realistischen Action-Szenen aus, in denen Belmondo selber die Stunts durchführte. Dazu gehörte auch eine Hetztjagd über Häuserdächer sowie der Ritt auf dem Dach einer Straßenbahn. Ähnliches kann man auch in Camorra bewundern. Zwar jagd Maurizio Merli nicht über die Dächer, aber dafür der Leibwächter Capuanos. Merli selbst erklimmt aber bei der Verfolgung des Bankräubers Franco Casagrande (Elio Zamuto) eine Bergbahn und genau wie in dem Belmondo-Film wurde hier darauf bedacht zu zeigen, dass auch wirklich der richtige Schauspieler diesen Stunt durchführt und kein Double.

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Merli porträtiert dabei einen recht konsequenten, fast schon radikalen Kommissar, der durch seine Methoden nicht nur einmal bei seinen Vorgesetzten aneckt. Dabei riskiert er auch ohne mit der Wimper zu zucken seine Kündigung. Alle anderen Charaktere, auch die von John Saxon oder Barry Sullivan, werden nur oberflächlich angerissen. Dies hat aber auch damit zu tun, dass der Film, ähnlich wie in Napoli spara (Die Killermeute), mehr episodenhaft funktioniert und lediglich Kommissar Betti als einzigen konstanten Leitfaden in der Handlung besitzt. Auch Capuano oder der Commandante verschwinden zwischendurch mal in der Versenkung, nur um später dann wieder aufzutauchen, wenn die Geschichte sich langsam wieder zu diesen Figuren hin orientiert.

Neben all der Action und der Gewalt gibt es aber auch ein paar wenige ruhige Töne. Der Film drosselt sein Tempo immer dann, wenn der kleine Gennaro (Massimo Deda) ins Spiel kommt. Man lernt ihn als frechen Spitzbuben kennen und gewinnt schnell die Sympathien von Kommissar Betti. Aber dann stirbt sein Vater bei dem Brand in der Autowerkstatt und er wird schwer verletzt, was gerade am Ende dem Film eine recht traurige Note verleiht. Der Charakter wurde ein Jahr später in dem von Mario Caiano inszenierten Napoli spara wieder eingesetzt, auch wieder mit Massimo Deda als Schauspieler.

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Umberto Lenzis weitere Ausflüge im Bereich des Polizei-Thrillers waren unter anderem der 1975er Il Giustiziere sfida la città (Der Vernichter (weniger Polizei-Thriller, da es hier um einen ex-Cop geht)), Il Trucido e lo sbirro (Tough Cop), Il Cinico, l'infame, il violento (Die Gewalt bin ich) oder La Banda del gobbo (Die Kröte). Maurizio Merlis erste Rolle war ein ungenannter Auftritt in Viscontis Il Gattopardo (Der Leopard), Mitte der siebziger Jahre machte er sich einen Namen durch seine Hauptrollen in den härteren italienischen Thrillern, war aber auch unter anderem in dem Spätwestern Mannaja zu sehen. Mit zu seinen letzten Rollen überhaupt gehörte ein Auftritt in der Literaturverfilmung Der Name der Rose.

Der Amerikaner John Saxon ist natürlich auch kein unbekannter im italienischen Genre-Kino. Zu seinen bekanntesten italienischen Filmen zählen Tenebre und Apocalypse domani (Asphalt-Kannibalen), später ging er wieder zurück in die USA, wo er in Genre-Werken wie diversen Teilen aus der Nightmare on Elm Street Reihe auftrat und Barry Sullivan kennt man natürlich aus Terrore nello spazio (Planet der Vampire).

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Die DVD von Koch Media bietet leider nicht ganz die gute Bildqualität des zeitgleich erschienenen , vor allem in den ersten Minuten sind analoge Schäden deutlich sichtbar, aber trotzdem stellt es noch eine zufriedenstellende Leistung dar. Im Gegensatz zu den anderen italienischen Thrillern von Koch, gibt es hier ausnahmsweise mal nicht den Originalton, sondern nur die deutsche Synchronisation. Dazu allerdings auch deutsche Untertitel, die aber im Hauptmenü nicht auswählbar sind, sondern nur über die "Audio" Taste der Fernbedienung des Players. Auch bei den Extras herrscht hier absolute Sparflamme, denn es gibt rein gar nichts, nicht mal die üblichen Trailer für andere Koch-Veröffentlichungen.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 23.02.2005
Letzte Textänderung: 26.02.2005

Leser-Kommentare

19.10.2006, 12:22:49 Tonga Wabonga ( Email schreiben )

Geil dumme Gewaltkette, dieser Film. Billig im besten Sinne. Am lustigsten fand ich die Synchro in der Szene, wo Betti und sein Kollege einen in flagranti ertappten Hehler, der kurz vorher heiße Ware nochmal schnell im WC verschwinden lassen wollte, zum Griff in die Schüssel nötigen und Betti ihn dabei mit "...Du KLOMIKER" anredet.

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