Film Daten

Titel:
Cabin Fever
Originaltitel:
Cabin Fever
Land & Jahr:
USA 2002
Laufzeit ca.: ?
89 Min.
Regie:
Eli Roth
Darsteller:
Rider Strong
Jordan Ladd
James DeBello
Cerina Vincent
Joey Kern
Giuseppe Andrews
Arie Verveen
Robert Harris
Hal Courtney
Matthew Helms
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Sunfilm Entertainment
Label:
Sunfilm Entertainment
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 88:13
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 5.1
Englisch - DD 5.1
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Audiokommentar mit Eli Roth
  • Audiokommentar mit Rider Strong
  • Audiokommentar mit der Crew
  • Audiokommentar mit den Mädels
  • Audiokommentar mit den Jungs
  • Beneath The Skin (Featurette)
  • Rotten Fruit (3 Animationsfilme von Eli Roth)
  • Interview mit Eli Roth
  • Special Feature "Naked News"
  • Special Feature "Pancakes!"
  • Kinotrailer
  • weitere Trailer (Haus der 1000 Leichen, The Locals, Bully, Devil's Rejects, Immortal, Kontroll, Code 46)

Cabin Fever

Review

Cabin Fever - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Fünf Freunde feiern das Ende ihrer College-Zeit. Und um das stilvoll und ausgiebig tun zu können, haben Karen, Marcy, Jeff, Paul und Bert eine Hütte mitten im Wald gemietet. Doch irgendwie steht ihr Ausflug unter keinem besonders guten Stern. Schon ihre erste Begegnung mit den Einheimischen verläuft mehr als merkwürdig. So richtig ungemütlich wird es aber erst, als sie in den Wäldern auf einen mit Pusteln und blutigen Ekzemen übersäten Hinterwäldler treffen, den es offensichtlich bei lebendigem Leibe zersetzt. Bei dem Versuch, den Hilfesuchenden auf Abstand zu halten - man will sich ja schliesslich nichts einfangen - unterläuft den Fünfen leider ein Missgeschick, an dessen Ende der arme Teufel in Flammen aufgeht. Na, damit wäre zumindest die Ansteckungsgefahr gebannt, oder doch etwa nicht?

Cabin Fever - ScreenshotCabin Fever - Screenshot

New Old School. Das Genrekino der späten 70er und früher 80er trifft auf den MTV-Horror des neuen Jahrtausends. Cabin Fever hat in den Staaten einen mittelgroßen Hype ausgelöst, wurde auf diversen Filmfestivals als heißestes Eisen gehandelt und brachte Regisseur Eli Roth den Ruf des Hoffnungsträgers des zuletzt dank Remake-Schwämme und austauschbarer 08/15-Ware wieder einmal unter Identitätsverlust leidenden amerikanischen Gruselkinos ein. Horrorfan Roth hatte es sich zum Ziel gesetzt, einen außergewöhnlichen Film schaffen, weil er selbst mit dem langweiligen Hollywood-Mainstream nichts anfangen kann. Ob ihm das wirklich gelungen ist, darüber lässt sich allerdings streiten.

Zunächst einmal darf man ganz nüchtern feststellen, dass Cabin Fever rein inhaltlich sicher alles andere als innovativ ist. Die Hütte im Wald, die Gruppe junger Leute, fleischfressende Viren, unfreundliche Hinterwälder, usw. All das gehört natürlich zum altbekannten Inventar des Horrorgenres und ist entsprechend alles andere als neu. Zurück zu den Wurzeln lautet die Parole. Roth bedient sich munter bei seinen persönlichen Favoriten, verknüpft die alten Motive miteinander und fertig ist die Handlung seines Debüts. Ein Fanfilm - so simpel ist das. Dabei entwickelt sich die Rahmenhandlung derart selbstverständlich, dass ich nicht mal von einer geschickten Variation sprechen würde. D.h. wer die Vorbilder kennt, wird vom Verlauf sicher nicht überrascht, und wer auf unerwartete Wendungen hofft, wird vermutlich entsprechend enttäuscht sein. Da verwundert es auch nicht, dass gerade unter Genre-Liebhabern die Meinungen über den Film stark auseinander gehen. Den mancherorts proklamierten Klassiker-Alarm darf man meiner Ansicht nach ruhig wieder abstellen. Aber wer über den grundsätzlichen Mangel an Originalität hinwegsehen und sich auf den Mix aus Nostalgie und MTV (denn man merkt dem Film in Schnitt und Tempo sehr wohl an, wann er gedreht wurde!) einlassen kann, der wird mit Cabin Fever durchaus seinen Spaß haben.

Cabin Fever - ScreenshotCabin Fever - Screenshot

Womit Cabin Fever aber wirklich punkten kann, ist die Konsequenz mit der Eli Roth seine Liebeserklärung an die Klassiker vergangener Tage inszeniert hat. Und dies ist auch genau der Aspekt, in dem er seinem Anspruch, etwas Außergewöhnliches jenseits des Mainstreams zu produzieren, tatsächlich gerecht wird. Allein schon die Charakterzeichnung der Figuren bewegt sich deutlich abseits dessen, was einem im Kino Hollywoods begegnet. Ein paar echte Sympathie-Träger hat er sich da ausgedacht. Meine Herren! Wie hier miteinander umgesprungen wird, nachdem sich die Situation in der Hütte mehr und mehr zuspitzt, hat mit Freundschaft & Nächstenliebe nun wirklich nicht mehr sonderlich viel zu tun. Die Botschaft ist eindeutig: Wenn es ums eigene Überleben geht, ist sich jeder selbst der Nächste. Freunde? Loyalität? Vergiss es. "Fünf Arschlöcher im Wald" wäre vielleicht ein passender Untertitel für Cabin Fever.

Hier brodelt es dann plötzlich unter der schlichten Oberfläche. Regisseur und Autor Roth präsentiert uns menschliche Abgründe wie man sie in einem typischerweise von Klischeecharakteren bevölkerten Genre selten erlebt hat. Normalerweise gibt es nämlich nur ein Ekelpaket pro Gruppe, das es dann auch prompt mit einem noblen Heroen zu tun bekommt, der die guten und gerechten Werte verteidigt. Nicht so in Cabin Fever! Nehmen wir z.B. Paul (quasi der "Ash" dieser Waldhütten-Party), der noch am ehesten für die Rolle des klassischen Helden in Frage käme. Da fährt er offensichtlich mit dem Ziel in den Wald, um seine alte Freundin Karen endlich in die Kiste zu kriegen, und beim ersten Anzeichen der Krankheit hilft er den anderen sie in den Schuppen zu sperren. Benimmt sich so etwa eine vorbildhafte Identifikationsfigur?!

Zitat

Karen: Ihr miesen Arschlöcher.
Marcy: Karen, entschuldige. Wir wollen uns nicht anstecken.

Bei der Darstellung dieses Verhaltens ließ sich Roth übrigens von historischen Fällen vom Ende des 19. Jahrhunderts wie dem Small Parks Isolationscamp inspirieren. Entsprechend spricht er selbst in diesem Zusammenhang von purem Realismus und liegt wohlmöglich mit dieser Behauptung gar nicht so daneben. Sein Lieblingsbeleg stammt aus der jüngsten Vergangenheit; denn wie sei man bspw. in Asien mit den infizierten Opfern des SARS-Virus umgegangen: Eben. Man habe sie schlicht und ergreifend weggesperrt. Ein durchaus interessanter Ansatz, der dem Film (nicht zuletzt durch den Kontrast mit den anfänglichen komischen Elementen) einen ziemlich bitterbösen Unterton verleiht. Wenn Cabin Fever tatsächlich irgendwo die Vielschichtigkeit besitzt, die von den Beteiligten in den Audiokommentaren immer wieder heraufbeschworen wird, dann steckt sie hier in der pessimistisch beschriebenen Gruppendynamik.

Die Art wie Roth in seinem Film Comedy einsetzt ist ebenfalls eher ungewöhnlich, zumindest für den zeitgenössischen Horrorfilm. Klar gehören lustige Elemente derzeit eher zum Standardprogramm, aber hier wird ein Weg gewählt, der lange nicht gegangen wurde: Statt Ironie lediglich einzusetzen, um den dargestellten Schrecken abzuschwächen, existieren ganz im Stil von bspw. Tanz der Teufel 2 (The Evil Dead 2, 1987) in Cabin Fever Komik und Horror gleichberechtigt nebeneinander. Ob man das als gelungen oder verträglich empfindet, bleibt letztendlich Geschmackssache. Aber ich für meinen Teil würde skurrile Gestalten wie Deputy Winston oder den völlig durchgeknallten Karate-Blondie ("Pfannkuchen!") durchaus als Pluspunkte werten. Neben einigen wenigen wirklich starken Momenten (Paul, Karen und der Spaten...) sind dies nämlich genau die Szenen, in denen sich der Film wirklich mal etwas traut.

Cabin Fever - ScreenshotCabin Fever - Screenshot

Werfen wir doch mal einen kurzen Blick auf die Vorlagen, die ihre Spuren im Drehbuch hinterlassen haben. Zu den offensichtlichsten Einflüssen gehören Sam Raimis Tanz der Teufel (The Evil Dead, 1981), Tobe Hoopers Blutgericht in Texas (The Texas Chainsaw Massacre, 1974) und John Carpenters The Thing-Remake Das Ding aus einer anderen Welt (The Thing, 1982) sowie die Südstaaten-Hinterland-Optik von John Boormans Beim Sterben ist jeder der Erste (Deliverance, 1972). Hinzu kommen optische Anleihen bei Romeros Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead, 1968), American Werewolf (1981) und Kubricks Shining (1980), Stilelemente wie das Erzählen von Gruselgeschichten am Lagerfeuer wie in den guten alten Camp-Klassikern a la Freitag, der 13. (Friday the 13th, 1980), von denen Roth sich auch den relativ hohen Nudity-Anteil der Sexkomödien aus den frühen 80ern abgeguckt hat (Porky's, Eis am Stil, etc.). Der geschickteste Schachzug aus Fan-Perspektive ist aber wohl die Verwendung von Teilen des alten David Hess' Soundtracks für Wes Cravens berüchtigten Erstling Mondo Brutale (The Last House on the Left, 1972). Der passt nicht nur perfekt zur herbstlichen Kulisse, sondern sorgt in den betreffenden Szenen wirklich für eine mit den 70er-Vorbildern vergleichbare Grundstimmung, die zeitgenössische Musik kaum hätte leisten können. Von der prophetischen Aussagekraft ("And the road leads to nowhere...") mal ganz abgesehen.

Aus diesen Zutaten bastelte sich Roth die Story zusammen, mit der er mehrere Jahre vergeblich hausieren ging, ohne irgendeine Produktionsfirma für sein Drehbuch begeistern zu können. Und ich wage einfach mal die Behauptung, dass diese aufgezwungene Entwicklungszeit sich durchaus positiv auf das Endprodukt ausgewirkt hat. Cabin Fever ist wie gesagt zwar nicht innovativ, dafür aber auffällig kompakt strukturiert und inszeniert ist - was gerade bei einer zitatenreichen Hommage mit vielen Vorbildern und Fremdeinflüssen alles andere als selbstverständlich ist.

Cabin Fever - ScreenshotCabin Fever - Screenshot

Irgendwie erstaunlich für einen erklärten Fanfilm ist die Tatsache, dass sich die Inspirationsquellen fast ausschließlich auf die ganz großen & bekannten Vorbilder beschränken. Selbst so etwas wie The Last House on the Left gehört nämlich anders als bei uns in den Staaten noch zum engeren Kreis allgemein bekannter Genreklassiker. Möglicherweise ein Grund mehr, warum der Streifen dort so gut funktioniert hat. Quasi ein Insider-Film für alle, bei dem sich wohl jeder darüber freuen darf, das eine oder andere Zitat erkannt zu haben.

Ein nicht unerheblicher Anteil am Erfolg von Cabin Fever geht aber sicherlich auch auf das Konto einiger äußerst prominenter Fürsprecher, die Eli Roths Debüt zum Teil schon im Vorfeld über den grüne Klee lobten und ihm dadurch unbezahlbare Promotion frei Haus lieferten. Vorschusslorbeeren von Genregrößen wie David Lynch, Sam Raimi, Quentin Tarantino und Peter Jackson sind eben nicht zu unterschätzen. Allerdings mag einen, wenn man den Ausführungen von Herrn Roth im Bonusmaterial so lauscht, irgendwann der Gedanke beschleichen, ob sich besagte Lobeshymnen nun mehr auf den Film oder doch eher auf den Menschen Eli Roth beziehen. Wer von Lynchs Hauskomponist Angelo Badalamenti einfach mal so ein paar Tracks für den Soundtrack geschenkt bekommt, der scheint ein ziemlich netter und umgänglicher Kerl zu sein. Und mit David Lynch selbst pflegt er auch mehr als eine Geschäftsbeziehung. Im Fall von Raimi und Jackson kommt vermutlich hinzu, dass ihnen die Zitate aus den eigenen Filmen sicher nicht entgangen sein werden - und auch ein Meister dürfte sich da gebauchpinselt gefühlt haben. Zuletzt tat sich Roth übrigens mit Donnie Darko-Schöpfer Richard Kelly für ein gemeinsames Projekt mit dem Titel The Box zusammen. Ob er allerdings die zum Teil doch ziemlich übersteigerten Erwartungen in ihn als Hoffnungsträger eines neuen amerikanischen Terrorkinos wird erfüllen können, bleibt abzuwarten. Falls er nicht Tarantino die Position des ewigen Fanfilmers streitig machen möchte, sollte es beim nächsten Mal schon eine Spur mehr Eigenständigkeit besitzen.

Cabin Fever - ScreenshotCabin Fever - Screenshot

Schon von Kindesbeinen an hatte Eli Roth eigentlich nur eins im Kopf: blutige Horrorfilmchen. Mit 8 Jahren und einer von seinen Eltern gesponserten 8mm-Kamera begann er seine "Karriere" und 2002 drehte der damals 30-jährige seinen ersten abendfüllenden Spielfilm, Cabin Fever. Aber auch wenn er damit sein Regiedebüt ablieferte, verfügte er durchaus über diverse Vorerfahrungen im Bussiness. Und zwar in den verschiedensten Funktionen. Sei es als Stand-In, Komparse oder Produktionsassi. In den vergangenen Jahren auch immer wieder mal gerne in kleinen Gastrollen schauspielenderweise vor der Kamera - z.B. in den Troma-Streifen Terror Firmer (1999) und Citizen Toxie - The Toxic Avenger IV (2000). Zuletzt übernahm der erklärte Horrorfan einen Minipart im Remake des (nicht ganz) gleichnamigen Herschell Gordon Lewis - Klassikers 2001 Maniacs (2005). Dass er auch in ein Sprechrolle in Cabin Fever zu sehen ist, war so übrigens gar nicht geplant. Nachdem ein Akteur kurzfristig ausfiel, schlüfte er kurzerhand selbst in die Rolle des kiffenden Hundehalters.

David Lynch lernte er durch seine Produktionstätigkeit für dessen offizielle Website kennen. Eine Verbindung, die sich wie bereits erwähnt noch auszahlen sollte. Aber die eigentliche Erfolgsgeschichte von Roth und Cabin Fever begann 2002 beim Toronto Film Festival, wo sich gleich mehrere Filmverleiher um die Rechte rissen. Das glückliche Ende hatte Lion's Gate, die den Film für das doppelte der Produktionskosten kauften und schließlich an den Kinokassen einen veritablen Hit landeten. Mit dem Erfolg im Nacken arbeitet Roth zur Zeit gleich ein mehreren Projekten und gründete Anfang 2003 gemeinsam mit u.a Scott Spiegel (Intruder, From Dusk Till Dawn 2) die Produktionsfirma Raw Nerve.

Cabin Fever - ScreenshotCabin Fever - Screenshot

Unter den Hauptdarstellern sind Rider Strong und James DeBello die bekanntesten Gesichter. Strong (Paul) ist in den USA vor allem durch seine Rolle in der langlebigen Serie Boy Meets World (1993-2000) bekannt geworden, die in Deutschland unter dem Titel Das Leben und ich im Wochenend-Vormittagsprogramm bei RTL lief. Schon ein Jahr vor Cabin Fever trieb er sich in Buck Naked Arson (2001) im Wald herum und drehte noch zwei Jahre zuvor den Thriller Heimlicher Pakt (The Secret Pact, 1999), aber den ersten echten Kinoerfolg bescherte ihm Roths Virenhorror. Mit dem nicht gänzlich unähnlich gelagerten Mojave (2004) konnte er aber kaum daran anknüpfen.

James DeBello (Bert), der laut diverse Bemerkungen in den Audiokommentaren offensichtlich nicht unbedingt der umgänglichste Zeitgenosse zu sein scheint, durfte das erste Mal mit einer kleinen Nebenrolle in American Pie (1999) am Erfolg schnuppern. Im gleichen Jahr spielte er an der Seite von Edward Furlong in der gelungenen Kiss-Komödie Detroit Rock City (1999). Es folgten weitere Rollen in dem netten Teenie-Film 100 Girls (2000) und dem unerträglich lausigen Scary Movie 2 (2001). Zuletzt konnte er abgesehen von Cabin Fever kaum nachlegen und erwischte mit Swimfan (2002), Pledge of Allegiance (2002), Dorm Daze (2003) und The Hillz (2004) einen Flop nach dem anderen.

Jordan Ladd (Karen) begann ihre Karriere in den 90ern mit TV-Filmen und hatte ihre erste wichtigere Rolle in Ungeküsst (Never Been Kissed, 1999) mit Drew Barrymore. Auch für sie ist Cabin Fever ihr bisher größter Erfolg. Gemeinsam mit Cerina Vincent (Marcy) drehte sie im gleichen Jahr auch den David Lynch-Kurzfilm Darkend Room (2002).

Cabin Fever - ScreenshotCabin Fever - Screenshot

Sunfilms 2-Disc-Special Edition von Cabin Fever ist ein ganz dickes Ding, randvoll gepackt mit Extras und Bonusmaterial und kommt im schicken Digicase plus Pappschuber. Die erste DVD enthält den Film in standardgemäß exzellenter Bildqualität und neben dem deutschen und englischen Ton in effektiver DD 5.1 Abmischung gleich fünf (!) Audiokommentare, einmal Solo mit Eli Roth, dann zusammen mit Hauptdarsteller Rider Strong (Paul), gemeinsam mit vier Crew-Mitgliedern, und außerdem noch jeweils einer geschlechterspezifischen Session mit den restlichen männlichen Hauptdarstellern James De Bello (Bert) und Joey Kern (Jeff) sowie den weiblichen Leading Roles Cerina Vincent (Marcy) und Jordan Ladd (Karen). Außerdem finden sich auf Disc 1 noch ein paar Trailer zu weiteren Sunfilm-Veröffentlichungen (u.a. auch ein Teaser zu Rob Zombies neuem Streifen The Devil's Rejects).

Ob es nun wirklich gleich fünf Audiokommentaren bedarf, um alles zum Film zu sagen, sei jetzt mal dahingestellt, aber wenn man bedenkt, dass bspw. die erste Spur sich weniger am Film orientiert und Roth stattdessen einfach so über seinen Background und das Filmemacher spricht, relativiert sich das Bild ein wenig. Der Mann hat definitiv Spaß, an dem was er tut. Bei den übrigen Kommentaren wiederholt sich zwar auch das eine oder andere Statement (bleibt einfach nicht aus), aber grundsätzliche liegen die Schwerpunkte so, dass die Schauspieler mehr über ihre Arbeit und den lieben Kollegen sprechen, während die technische Abteilung mehr auf ihren Tätigkeitsbereich fokussiert.

Cabin Fever - ScreenshotCabin Fever - Screenshot

Auf jeden Fall haben die Beteiligten einige wirklich interessante Stories zu erzählen. So erfährt man z.B. dass der erste Hund ausgetauscht werden musste, weil er einfach zu nett war und seine Opfer lieber abschleckte als böse die Zähne zu fletschen. Da halfen auch die Aufforderungen der Trainerin nicht ("Jake, make me your bitch!"). Als Ersatzköter wurde ein Polizeihund mit derartigen Killerqualitäten geholt, dass sich Regisseur Eli nach einem Beinahe-Biss entschied, Hund und Darsteller nicht mehr gleichzeitig im Bild haben zu wollen.

Eine andere schräge Anekdote: Bei der Beinrasur-Szene in der Badewanne kamen überraschend Roths Eltern ans Set. Und sein Vater ein psychoanalytisch-orientierter Psychiater interpretierte spontan die hervortretenden Wundmale unter dem unschuldigen Weiss als die Entlarvung der Verhältnisse der Freunde zueinander und seine Mutter, eine Künstlerin, konnte sich für die ineinander übergehenden Farbverläufe begeistern. Und Söhnchen Eli kommentierte nur lapidar, er fände das Blut und die Titten gut ("I just like the blood and the tits."). Na dann. Die Eltern haben übrigens auch einen Gastauftritt im Audiokommentar, in dem Papa Roth mal eben am Telefon Elis Psyche analysiert. Denn woher kommen all die düsteren Phantasien? Papa Roth sagt, es sei Ausdruck all dessen, was der ansonsten extrem liebe Sohnemann sonst nicht zulassen würde. Na, was sollte ein Psychoanalytiker auch sonst sagen?!

Cabin Fever - ScreenshotCabin Fever - Screenshot

Der zweite Silberling bietet dann all das, was man sich von einer Special Edition erhofft - und davon reichlich. So z.B. neben dem obligatorische Trailer und einer Fotogalerie eine informative Featurette namens Beneath the Skin sowie ein exklusives und ausführliches Interview mit Eli Roth. Die Hintergrundinfos überschneiden sich verständlicherweise mit den Inhalten der Audiokommentare, so dass, wer sich die 5 Extra-Durchläufe des Films nicht geben möchte, sich auch hier schlau machen kann. Eine wenig retrospektiv wird es dann mit den Rotten Fruits, hinter denen sich drei Animationsfilme von Eli Roth und seinem Kumpel Noah Belson verbergen, die wenn ich es richtig verstanden habe, wohl das Nebenprodukt eines Projekts waren, bei dem es eigentlich um Einspieler für die Wrestling-Show Monday Nitro ging, die aber nie ausgestrahlt wurden. Stilistisch liegen die Storys um eine musizierende Früchte-Combo irgendwo zwischen South Park und Celebrity Deathmatch. Die Episoden laufen im Originalton mit festen deutschen Untertiteln.

Abgerundet wird die Disc durch die drei -äh- Nonsense-Extras einer "familienfreundlichen Version" von Cabin Fever (läuft inklusive Intro von Sunnyboy Roth etwa 1:10), Naked News und Pancakes. Hier gibt es ein Wiedersehen mit Matthew Helms (Dennis) - und was für eins! Einmal präsentiert uns die unglaubliche Karate-Blondine seine Schwerkampfkunst und einen Beitrag, der irreführender Weise als Musikvideo gelistet wird. Ja, da läuft auch Musik, aber als Musikvideo kann man das, was in diesem Homevideo zu den Klängen von "Gay Bar" veranstaltet wird, nun wirklich nicht bezeichnen. In den Naked News kann man sich eine kleine Filmbesprechung wahlweise von einem männlichen oder weiblichen Nackedei erzählen lassen.

Cabin Fever - ScreenshotCabin Fever - Screenshot

Easter-Eggs und Hidden Features gibt es auch noch. So lohnt es sich z.B. im Kapitelmenü des Hauptfilms einfach mal ein bisschen die Finger von der Fernbedienung zu lassen. Passivität wird mit einer lustigen Story um Deputy Winston belohnt, den einzigen Mann in Cabin Fever, der wirklich weiß wie der Hase läuft. Hier lässt er es dann noch mal so richtig krachen! Außerdem könnte es im Startmenü lohnen bei der Auswahl der Introduction von Regisseur Eli Roth auch noch mal nach links und rechts zu schauen bzw. zu klicken...

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 10.04.2005
Letzte Textänderung: 05.05.2006

Die Meinungen der Redaktion

Carsten Henkelmann 13.04.2005

Auch wenn Frank sicherlich schon den einen oder anderen Kritikpunkt angesprochen hat, so landete Cabin Fever bei mir doch unterhalb der Durchschnittslinie. Schon während des Anschauens war ich doch ein wenig genervt von den absolut dämlichen Aktionen der fünf Jugendlichen, die so ziemlich alles falsch machen, was man überhaupt falsch machen kann und hatte zudem das Gefühl, dass die Drehbuchschreiber absolut nichts, aber auch wirklich gar nichts aus den letzten 25 Jahren Slasherfilmgeschichte gelernt haben. So blieb dann zu Beginn des Abspanns eine eher negative Meinung über den Film zurück. Bloß mit der Zeit stellte sich eine leichte (wirklich nur sehr leichte) Wandlung ein und irgendwie beschlich mich das Gefühl, dass die Geschichte bewußt so inszeniert wurde, um das Slashergenre zu parodieren. Klingt nicht wirklich nachvollziehbar und ich weiß mich im Moment auch nicht besser auszudrücken, aber ich wurde den Eindruck nicht los, dass sich im Geheimen der Regisseur mit einem breiten Grinsen und einem zwinkernden Auge im Hintergrund hielt. Was den Film aber auch nicht wirklich rettet.

Wer einfach gestrickte Horrorware sehen möchte, der ist mit diesem Film bestens bedient. Zudem verfügt er über eine besondere Note schwarzen Humors. Kein Film für die Ewigkeit, für ein einmaliges Anschauen an einen geruhsamen Abend mit Kaltgetränk, Chips, dem Hintern auf dem Sofa und den Füßen auf dem Tisch halbwegs tauglich. Und wer ganz aufmerksam ist, der entdeckt den Einfluß so ziemlich jeden Horrorklassikers der letzten dreißig Jahre. Selbst Peter Jacksons Puppen-Thriller "Meet the Feebles" wird an einer Stelle zitiert!

Leser-Kommentare

01.10.2005, 15:44:38 Sunny ( Email schreiben Homepage )

Richtig gut - war waren wir uns nach dem Anschauen einig. Mal etwas anderes und einem subtilem Humor. Weiterhin bietet der Film die wohl genialste Kung-Fu-Szene der Filmgeschichte! Horror & Humor - und dennoch spannend, mit einem gut durchdachtem Ende.

04.05.2005, 10:57:07 Christian Schulze ( Email schreiben )

Ein sehr gelungener und unterhaltsamer Film. Dass die Bedrohung mal nicht von einem Psychopathen, sondern von einer Seuche ausgeht, fand ich doch sehr erfrischend. Außerdem ist der Humor größtenteils tatsächlich witzig und dient auch nicht dazu, den Horror zu entschärfen. Trotz aller Komik-Element wirkt der Streifen durchaus heftig und geschmacklos. Das beste Element wurde bereits in der Kritik erwähnt: Endlich mal keine positive Identifikationsfigur. Die Teenies verhalten sich so arschloch-mäßig wie es in der Realität wohl auch tatsächlich der Fall wäre.

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