Film Daten

Titel:
Django - Unbarmherzig wie die Sonne
Originaltitel:
Sentenza di morte
Land & Jahr:
Italien 1968
Laufzeit ca.: ?
90 Min.
Regie:
Mario Lanfranchi
Darsteller:
Robin Clarke
Tomas Milian
Richard Conte
Enrico Maria Salerno
Adolfo Celi
Luciano Rossi
Lilli Lembo
Eleonora Brown
Alternativtitel:
• Sentencia de muerte
• Death Sentence
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Koch Media
Label:
Koch Media
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 89:39
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Italienisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Extras:
  • Audiokommentar von Regisseur Lanfranchi
  • Making Of (Interview)
  • Kinotrailer (dt./it.)
  • Bildergalerie
  • Alternativ-Vorspänne
  • 4-seitiges Booklet

Django - Unbarmherzig wie die Sonne

Review

Django - Unbarmherzig wie die Sonne - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Milch macht müde Cowboys munter! Nachdem der damals trinksüchtige Django (Robin Clarke) hilflos mit ansehen musste, wie sein Bruder von 4 Männern auf offener Straße erschossen wurde, steigt er von Whiskey auf den gesunden Calciumdrink um und verfolgt nur noch ein Ziel: Rache! Dass die Rechtslage dabei gar nicht mal so ganz eindeutig ist (offensichtlich war sein Bruder kein Unschuldslamm und hat die vier Herren zuvor seinerseits aufs Kreuz gelegt) interessiert ihn ebenso wenig wie die Möglichkeit, dass sich vielleicht auch ein Übeltäter zum Besseren wandeln kann. Wer derlei humanistischen Ballast erst einmal großflächig aus seinem persönlichen Wörterbuch gestrichen hat, der braucht auch keinen Gedanken an Gnade zu verschwenden. Läuterung bringt nur der Colt...

Django - Unbarmherzig wie die Sonne - ScreenshotDjango - Unbarmherzig wie die Sonne - Screenshot

Wenn Regisseure abseits ihrer eigentlichen Jagdgründe wildern und sich in ihnen fremden Bereichen versuchen, dann kommt dabei zwar längst nicht immer Meisterliches heraus, aber es ist zumeist doch spannend zu sehen, was ein fachfremder Routinier mit den Zutaten des Genres so anfängt. Im vorliegenden Fall trafen die künstlerischen Ambitionen des renommierten Theater- und Fernsehregisseurs Mario Lanfranchi auf das seinerzeit extrem populäre Westernkino al Italia, und um es kurz zu machen, mit dem Ergebnis dieser Kollision sicherte er sich einen festen Platz in der ewigen Liste sehenswerter Genre-Highlights. Sentenza di morte gehört nämlich nicht nur in Sachen Bildgestaltung zum schicksten und geschicktesten, was der Italowestern zu bieten hat, nein, der Film zeichnet sich obendrein durch eine Detailkreativität aus, die es schafft, aus einer simplen Rachegeschichte ein echtes Filetstück für Liebhaber zu zaubern. Kreativer Höhepunkt dieser wirklich bis ins Letzte konsequenten Tour de Revenge: Django pult sich eine Kugel aus dem Bein, setzt sie auf eine von seinem Gegner zurückgelassene Patronenhülse und der vermeintlich Unbewaffnete hat das Überraschungsmoment auf seiner Seite. Welch ein Einfall!

Zitat

Django: Ich habe eine Rechnung zu begleichen.
Sally: Und was dann?
Django: Ich weiß es nicht. Alles weitere ist unwichtig. Ich denke nicht an morgen. Wozu auch?

Rache mit Stil ist das Prinzip. Und das ist doch mal was - aber was eigentlich?! Künstlerisch gehört Sentenza di morte zu den extremsten Eurowestern, die mir bislang untergekommen sind, tanzt dabei aber insbesondere was das Visuelle angeht fast schon so sehr aus der Reihe, dass einem die Bezeichnung "Italowestern" nicht mehr so ganz leicht über die Lippen gehen mag. Gerade im ersten Drittel ähnelt die Optik mehr den klassischen amerikanischen Vorbildern als dem Italian-Style von Leone, Corbucci und Co. So könnte die Figur des Pokerspielers Montero ebenso gut aus einem alten Ami-Schinken stammen wie der viel zu saubere grüne Wams von Djangos erstem Gegner Diaz - was übrigens sicher auch für Djangos Kombi aus blauem Hemd und brauner Wildlederjacke gilt, die Darsteller Robin Clarke wie einen jungen Clint Eastwood in der Klamotte von Steve McQueen aussehen lässt. Da sollte es auch nicht wirklich verwundern, dass die Hauptfigur in der Originalversion noch Cash heisst und nur für den deutschen Markt das Django-Etikett verpasst bekommen hat.

Erst im weiteren Verlauf offenbart Sentenza di morte mehr und mehr seine italienischen Wurzeln. Je weiter die Rachegeschichte voranschreitet, desto italo-hafter muten Stimmung und Gegner an, und spätestens wenn Tomas Milian als psychopathischer Albino (grandios!) auftaucht, sollten alle Zweifel an der Genrezugehörigkeit vom Tisch sein. Solche unglaublichen Gestalten gibt es nämlich definitiv nur im Almeria'nischen Western, und nicht im echten Texas!

Django - Unbarmherzig wie die Sonne - ScreenshotDjango - Unbarmherzig wie die Sonne - Screenshot

Anders als bei der Optik steht der Italowestern-Regler was den Inhalt betrifft von Anfang an auf Maximum; denn Django verfolgt schließlich das Ziel aller Ziele: Sein ist die Rache, die Rache ist seins - man kennt das ja. Außergewöhnlich wird das Ganze erst durch die reduktionistische Herangehensweise von Autor und Regisseur Mario Lanfranchi, mit der er sich im Grunde eine Schwäche des Genres zu nutze macht. Denn wenn ohnehin jeder weiß, wie eine solch simple Rachestory funktioniert, dann bedarf es eben auch keiner großen Erklärungen mehr. Und so erlaubt er sich, das altbekannte Schema auf das absolut Notwendigste zu skelettieren, auf eine durchgehende Handlung weitgehend zu verzichten und seine Geschichte eher in Episoden zu erzählen, eine aneinander gereihte Abrechnung mit den Verantwortlichen für den Tod des Bruders. Über die Hintergründe des Rachefeldzuges informiert er uns lediglich bruchstückhaft via kurze Rückblende in die Vergangenheit, ebenso wie über die Wandlung Djangos vom Säufer zum milchtrinkenden Scharfschützen, die sich nur mehr in Nebensätzen erahnen lässt.

Dies gibt Regisseur Lanfranchi Gelegenheit sich voll und ganz auf die Ausgestaltung seines Films zu konzentrieren. Und da der Mann sein Handwerk im Theater gelernt hat, bevor er zu Film und Fernsehen wechselte, kennt er sich mit Raumteilung und -nutzung natürlich bestens aus. Insbesondere in der Horizontalen versteht sich Lanfranchi auf die klassische Zweidrittel-Teilung, so dass es neben einfachen Symmetrien auch etliche Goldene Schnitte zu entdecken gibt. Dazu passend arbeitet der Theatermann sinnigerweise vermehrt mit statischen Einstellungen, in denen die Dynamik durch die Bewegung der Charaktere entsteht (statt wie viele seiner Kollegen mit der Kamera wild durch die Gegend zu kurbeln). Typisch sind hier bspw. Djangos Auf- bzw. Eintritte, bei denen er quasi aus dem Off von links hinter der Kamera ins Bild marschiert.

Django - Unbarmherzig wie die Sonne - ScreenshotDjango - Unbarmherzig wie die Sonne - Screenshot

Ob man hier nun das alte Bild vom Sieg der Form über den Inhalt bemüht und in Sentenza di morte bei diesem Versuch einen Gewinner sieht, liegt wirklich im Auge des Betrachters. Aber auch wenn das Ergebnis Geschmackssache bleibt, dürfte allerdings unbestreitbar sein, dass die reduzierte Handlung und die (über-)stilisierte Bildgestaltung sich wunderbar ergänzen. Eine künstlich aufgeblähte Handlung hätte die Ausdruckskraft der Bilder vermutlich nur behindert und wäre der Wirkung eher abträglich gewesen.

Die Gliederung der Episoden ist relativ einheitlich, auch wenn der Aufwand für Django von Gegner zu Gegner steigt. Da sich Lanfranchi wie gesagt nicht lange mit der Motivlage seines Antihelden aufhält, steigen wir quasi direkt in die große Endabrechnung ein. Für jeden Opponenten scheint es einen ziemlich genauen Plan zu geben, der sich an den jeweiligen Schwächen des Gegenübers orientiert. Denn sobald Django auftaucht, legt er seinen Köder aus, übernimmt sofort die Kontrolle und verteilt schon mal die Rolle des Opfers - auch wenn die Betroffenen das erst merken, wenn es längst zu spät ist. Nehmen wir bspw. den Profispieler Montero, der meint sich beim Pokern auf sicherem Terrain zu bewegen, tatsächlich seinen Heimvorteil aber in dem Moment aufgibt, als er dem Lockruf des Geldes folgt und sich zu Django an den Tisch setzt - nicht umgekehrt. Ein schönes Beispiel für subtile Symbolik.

Django - Unbarmherzig wie die Sonne - ScreenshotDjango - Unbarmherzig wie die Sonne - Screenshot

Überhaupt die Gegner: Tomas Milian als O'Hara ist eine Wucht und in seiner Masquerade irgendwo zwischen Andy Warhol und den Verseuchten aus dem Omega-Mann kaum wiederzuerkennen. Hier darf der meist auf Sympathieträger und Heldenrolle festgelegte Milian als durchgeknallter Albino mit einer krankhaften Schwäche für Gold und goldblondes Haar mal seine diabolische Seite ausleben. Und auch Richard Conte (Diaz), Enrico Maria Salerno (Montero) und Adolfo Celi (Bruder Baldwin) machen ihre Sache gut. Conte als im Grunde geläuterter Emporkömmling, der mit seinem Bitten und Flehen bei Django auf aber sowas von taube Ohren stößt. Salerno als Pokerspieler, der es genießt, die ohnehin schon Armen auszunehmen, weil es für die wirklich um etwas geht. Und Celi als selbsternanntem Handlanger Gottes, der der einzige mir bekannte Geistliche im Wilden Westen ist, der sich auf seine körperliche Stärke als Zeichen göttlicher Fügung beruft.

Ihnen gegenüber steht ein eher blass bleibender Robin Clarke in der Rolle des Django/Cash, was möglicherweise auch einfach an besagten Ähnlichkeit mit Clint Eastwood liegen könnte. Da liegt ein Vergleich, bei dem der Schauspielneuling nur verlieren kann, natürlich nahe. Grundsätzlich passt aber auch das recht gut ins Bild; denn so erbarmungslos der von ihm verkörperte Charakter auch sein mag, man hat ohnehin nie das Gefühl es mit einem eiskalten Mann ohne Nerven zu tun haben. Dieser Django wirkt eher wie jemand, der von Zeit zu Zeit ins eindeutig Wahnhafte abdriftet und bei dem man befürchten muss, dass er jeden Augenblick vollends den Verstand verliert. Auch ungewöhnlich für einen gnadenlosen Rächer: Der von ihm in Sentenza di morte am häufigsten gebrauchte Satz; fragt er seine Mitmenschen doch ständig, was sie eigentlich wollen ("Cosa vuoi?").

Django - Unbarmherzig wie die Sonne - ScreenshotDjango - Unbarmherzig wie die Sonne - Screenshot

Den Grund dafür, dass Clarke den latenten Wahnsinn seiner Figur so schön überzeugend spielt, liefert Lanfranchi übrigens in einer Anekdote im Interview. Clarke reiste nämlich zu den Dreharbeiten mit seiner damaligen Freundin Ali MacGraw (Convoy, Love Story) an, und Spannungen zwischen dem Pärchen hätten die Arbeit so sehr belastet, bis er sie schließlich vom Set verbannte. Der gute Robin war darüber so erbost, dass er das innere Brodeln seiner Rolle nicht mehr zu spielen brauchte. Nicht die einzige "echte" zwischenmenschliche Spannung bei den Dreharbeiten. Auch zwischen Lanfranchi und Tomas Milian soll es anfänglich geknistert haben, weil Milian den Theatermann als arrogant und zu intellektuell für das populäre Kino hielt.

Trotz eines beachtlichen Erfolgs blieb es für Regisseur Mario Lanfranchi, der auch das Drehbuch zu Sentenza di morte abfasste, der einzige Ausflug in den Bereich des Italowesterns. Er liebt eben die Abwechslung, sagt er, und bei solchen Statements verwundert es nicht, dass sich in seiner überschaubaren Filmographie so unterschiedliche Sachen wie La Traviata (1967) und Die Herrenreiterin (La padrona è servita, 1976) finden. Übrigens gab er sich gerne in Filmen seiner Kollegen auch gerne mal als Schauspieler die Ehre. So z.B. in einigen Krimis und Agentenfilmen, aber auch in Sergio Corbuccis Kopfgeld - Ein Dollar (Navajo Joe, 1966).

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Robin Clarke tauchte nach seiner Rolle in Sentenza di morte erst fast 10 Jahre später wieder in einer Nebenrolle in Ken Russels Rudolph Valentino-Biographie (Valentino, 1977) zu sehen. Es folgten einige weitere kleine Filme wie Heiße Grenze ( The Border, 1979) mit Kojak Telly Savalas oder seine letzte wirklich erwähnenswerte Hauptrolle im SciFi-Horror-Trash Samen des Bösen (Inseminoid, 1981). Mitte der 90er bereicherte er seine Filmographie mit Droid Gunner (1995) noch um einen Streifen von Trash-König Fred Olen Ray.

Die übrigen Hauptdarsteller sind allesamt Cinecitta-Veteranen. Den Hollywood-erfahrenen Richard Conte kennt man aus Coppolas Der Pate (The Godfather, 1972), Fernando Di Leos Der Teufel führt Regie (Il boss, 1973), Die größte Geschichte aller Zeiten (The Greatest Story Ever Told, 1965) oder dem Original Ocean's Eleven Frankie und seine Spießgesellen (Ocean's Eleven, 1960). Enrico Maria Salerno war die italienische Synchronstimme von Clint Eastwood in Leones Dollar-Filmen und hat, da diesem der coolen Klang so gut gefiel, laut Lanfranchi nachhaltig die Sprechweise Eastwoods in allen weiteren Rollen beeinflusst. Giallo-Liebhaber kennen ihn auch als Inspektor in Dario Argentos Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe (L'uccello dalle piume di cristallo, 1970), Italowestern-Fans u.a. aus Der letzte Zug nach Durango (Un treno per Durango, 1967), den Tele 5 derzeit desöfteren im Programm hat. Adolfo Celis bekannteste Rolle dürfte die des Bösewichts Largo im vierten Bond-Film Feuerball (Thunderball, 1965) sein, auch wenn Cineasten vielleicht noch eher Luis Bunuels Das Gespenst der Freiheit (Le fantome de la liberté, 1974) auffallen würde. Insgesamt war er bis zu seinem Tod 1986 in fast 100 Produktionen zu sehen.

Django - Unbarmherzig wie die Sonne - ScreenshotDjango - Unbarmherzig wie die Sonne - Screenshot

Was die Karriere von Italo-Star Tomas Milian angeht sei an dieser Stelle aber nur auf den Review zu zu Sergio Sollimas Der Gehetzte der Sierra Madre (La resa dei conti, 1966) verwiesen. In Nebenrolle mit dabei: Luciano Rossi, den man u.a. als Kinski-Lookalike aus Django und die Bande der Bluthunde (Django il bastardo, 1969) und anderen hochklassigen Spaghetti-Western wie Sollimas Lauf um Dein Leben (Corri, uomo, corri, 1968) sowie Django und die Bande der Gehenkten (Preparati la bara, 1968) kennt. Der Zocker, der beim Pokern sein Frau an Montero verspielt, ist übrigens ein bekannter italienischer Tenor, den Lanfranchi direkt von der Bühne weg engagierte.

Der tolle Soundtrack, der zunächst eher nach klassischer Lounge-Musik mit minimalistischen Schlaginstrumenten und Bläsern klingt und sich wie der Film erst mit dem Auftreten von Tomas Milian klar zum Italowestern bekennt (ab da werden einige gejaulte Yoweehs! eingebaut) stammt von Gianni Ferrio, der zuvor u.a. für Corbuccis Keinen Cent für Ringos Kopf (Massacro al Grande Canyon, 1965), Ein Loch im Dollar (Un Dollaro bucato, 1965) und Tampeko - Ein Dollar hat zwei Seiten (Per pochi dollari ancora, 1967) komponiert hat. Von ihm stammt auch der Score zum unter Beteiligung von Lucio Fulci entstandenen Um sie war der Hauch des Todes (Los desesperados, 1969).

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Und schon wieder präsentiert uns Koch Media einen lang gesuchten Titel aus dem Bereich des Italowesterns. Wie schon Blindman - Der Vollstrecker (1971) hat es auch im Fall von Sentenza di morte keine deutsche Videoveröffentlichung gegeben. Und wie im Fall von Blindman sollte die DVD auch gehobenen Sammleransprüchen gerecht werden. Zunächst einmal ist die schicke Aufmachung mit Digipack im edlen Schuber lobend zu erwähnen. Das an das alte Filmplakat angelehnte schöne Covermotiv ist mit seinem leuchtenden Psychodelic-Orange richtiggehend vitrinentauglich. Dem Digipack liegt ein vierseitiges Booklet mit Hintergrundinfos bei, das vom gemalten spanischen Plakatmotiv geziert wird. Ebenfalls sehr schön.

Bild und Ton überzeugen durchaus. Die Bildqualität ist natürlich nicht perfekt, unruhiger als bei aktuellen Titeln und gelegentliche Dropouts findet man auch, aber angesichts des Alters und der Seltenheit des Films fällt das kaum ins Gewicht und tut dem Filmspaß keinen Abbruch. Allerdings scheint sich wieder mal ein kleiner Authoring-Fehler bei Kochs eingeschlichen zu haben; denn beim Layerwechsel kommt es zu einem kleinen Hänger, der sich Berichten zufolge je nach Gerät auch als völliger Absturz äußern kann. Die deutsche Tonspur ist durchweg gut verständlich und es bleibt erfreulicherweise bei einem nur dezenten Rauschen. Der ebenfalls mitgelieferte italienische Originalton rauscht stärker, ist dafür aber insgesamt einen Tick kräftiger. Insgesamt aber nichts, was einem bei einem 40 Jahre alten Film wundern oder stören sollte. Etwas enttäuschender ist da schon die Kapiteleinteilung, die für meinen Geschmack etwas zu reduktionistisch ausgefallen ist und den Film merkwürdig sparsam in sechs bzw. sieben Teile zerlegt (sagen wir mal nicht unbedingt an der Handlung orientiert), wobei dem Vorspann kein eigenes Kapitel gegönnt wurde, das direkt aus dem Menü anwählbar wäre. Die Menüführung selbst ist aber wiederum recht ansprechend gestaltet, animiert und mit Musik vom Soundtrack unterlegt.

Django - Unbarmherzig wie die Sonne - ScreenshotDjango - Unbarmherzig wie die Sonne - Screenshot

Umso reichhaltiger sind dafür die Extras, die nicht nur mit dem italienischen Originaltrailer sowie dem deutschen Kinotrailer punkten, sondern auch ein informatives halbstündiges Interview mit Regisseur Lanfranchi mit Informationen zur Entstehung des Films beinhalten, das eigens für die DVD-Veröffentlichung produziert wurde. Lanfranchi erweist sich als sehr eloquenter (und auch ein wenig selbstverliebter) Zeitgenosse, der es sichtlich genießt, sich über sein Werk zu äußern. Und mit Stolz geschwellter Brust führt der Mann im besten Alter uns durch seinen Wohnsitz und erzählt interessante Anekdoten von den Dreharbeiten und zu den Darstellern. Weitere Features umfassen den Vorspann in der englischsprachigen Version und einer ohne Credits sowie eine Bildergalerie mit Aushangfotos und Werbematerial. Die absolute Überraschung ist aber wohl der Audiokommentar des Regisseurs, der natürlich ebenfalls exklusiv produziert wurde und praktisch die Krönung dieses gelungenen Pakets darstellt (auch wenn das Ganze inhaltlich weit weniger aufschlussreich ist als das Interview!). Damit dürfte nun wirklich niemand gerechnet haben. Bis auf das kleine Manko mit dem Layerwechsel eine TipTop-Sache und sehr zu empfehlen.

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 21.05.2005
Letzte Textänderung: 13.01.2006

Leser-Kommentare

25.07.2005, 20:08:41 Sebastian ( Email schreiben Homepage )

Also Milian ist wirklich Klasse. Zwar hatt er selten kürzere Rollen, aber hier darf er sich wirklich ausleben. Ein Albino mit einem komischen Tick, das ist wirklich neu.
Zwar ist mir der Film Drehbuchmäßig etwas zu experimentiell, aber dafür wunderbar detailverliebt und stilistisch eine Augenweide. Großes Lob auch an Koch Media für diese ausserordentliche DVD Umsetzung. Wenn nur alle Italowestern so auf den Silberling kämen.

23.05.2005, 17:37:19 Jürgen Raatz

Ein kurzer Kommentar zu den Synchronstimmen:

Richard Conte wird von dem großartigen Paul Klinger
gesprochen, eigentlich einen Tick zu weich und zu
sympathisch für den Charakter. Aber immer
wieder ein Genuss!

Ebenfalls ein echter Genuss und wirklich kongenial:
der kürzlich verstorbene Harald Juhnke als Tomas Milian/O'Hara. Herrlich schnodderig und ziemlich cool.

Und ein Kuriosum der seltsamen Art hat Luciano
Rossi zu bieten: er wird vom leider auch schon ver-
storbenen Manfred Seipold gesprochen, bei höchstens
zwei, drei Sätzen, da Luciano hier eine ziemliche
Mini-Nebenrolle spielt (er ist der Typ, der auf dem vermeintlichen Goldwagen sitzt und in das Gold beißt).

Ulkigerweise leiht Manfred Seipold ihm aber auch die
Stimme in "Run Man Run"!
Diese Kontinuität in der Sprecherbesetzung eines wohl eher unbekannten Nebendarstellers finde ich nun wirklich recht erstaunlich.

Vielleicht wars aber auch nur ein simpler Zufall(?).

Gruß
Jürgen

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