Film Daten

Titel:
Lone Wolf and Cub - Sword of Vengeance
Originaltitel:
Kozure Okami: Kowokashi udekashi tsukamatsuru
Land & Jahr:
Japan 1972
Laufzeit ca.: ?
83 Min.
Regie:
Kenji Misumi
Darsteller:
Tomisaburo Wakayama
Akihiro Tomikawa
Fumio Watanabe
Tomoko Mayama
Yunosuke Ito
Shigeru Tsuyuguchi
Reiko Kasahara
Taketoshi Naito
Alternativtitel:
• Okami - Das Schwert der Rache
• Lone Wolf and Cub: Child and Expertise for Rent
• Sword of Vengeance I
• Le Sabre de la Vengeance
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - AnimEigo
Label:
AnimEigo
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 83:14
Sprachen/Ton:
Japanisch - DD 1.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • 26 Seiten Liner Notes
  • Trailer (Sword of Vengeance, Baby Cart in Peril, Baby Cart in the Land of Demons, Zatoichi - The Outlaw)

Lone Wolf and Cub - Sword of Vengeance

Review

Lone Wolf and Cub - Sword of Vengeance - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Ogami Itto, oberster Scharfrichter des Shogunats, fällt einer Intrige des Yagyu-Clans zum Opfer. Sie töten seine Frau und bezichtigen den eigentlich regierungstreuen Staatsmann des Hochverrats. Ogami schwört Rache und wird zum Ronin, einem herrenlosen Samurai, der zusammen mit seinem kleinen Sohn, der ihn in einem Holzkarren begleitet, durch das Land zieht. Bekannt als der einsame Wolf mit dem Kind verdingt er sich für ein Kopfgeld von 500 Goldstücken (egal wieviele Köpfe rollen sollen) als Auftragskiller. Aber die Schergen des Yagyu-Clans bleiben den beiden dicht auf den Fersen. Denn zuviel Angst und Respekt haben sie vor dem ehemaligen Henker des Shoguns, um ihn am Leben zu lassen. Und auch Clan-Oberhaupt Retsudo fürchtet Ogamis tödliche Klinge.

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Der erste Teil der insgesamt 6 Filme umfassenden Reihe erzählt die Vorgeschichte um den Verrat an Ogami Itto und dessen Wandlung vom loyalen Samurai zum selbsternannten Rachedämon, der seinen Sohn vor die Wahl zwischen einem friedlichen Tod und einem Leben auf dem blutigen Pfad durch die Hölle stellt und den Regierungsbeamten, die ihn zum Ehrentod durch die eigene Hand auffordern, mit entschlossen-diabolischen Lächeln entgegnet, Ogami Itto sei bereits tot.

Dies ist Wende- und Ausgangspunkt seiner neuen Existenz als Gesetzloser, und in der zweiten Hälfte von Sword of Vengeance begleiten wir das ungewöhnliche Gespann auf seinem ersten Abenteuer, das die beiden in den Badeort Gounomori führt. Der einsame Wolf hat vom Oyamada-Clan den Auftrag bekommen, den Intriganten Sugito und seine Samurai-Krieger auszuschalten, um deren geplanten Anschlag auf ihr Clan-Oberhaupt zu verhindern.

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Asia-Cineasten und Freude des fernöstlichen Action-Kinos aufgemerkt! Sofern es überhaupt möglich ist, dass die Lone Wolf and Cub-Filme bislang an Euch vorbeigegangen ist, gibt es hier eine echte Lücke zu schließen. Denn die Reihe um Ogami Itto gehört nicht nur zu den ganz großen Klassikern des japanischen Samurai-Kinos, sondern wohlmöglich zu den besten Film-Serials überhaupt. Dabei haben die Filme es hierzulande erst vor wenigen Jahren zur vollständigen Veröffentlichung geschafft und die deutschen Kinos bzw. Videotheken zuvor nur bruchstückhaft in Form eines Zusammenschnitts des ersten und zweiten Teils unter dem Titel Shogun Assassin und des als Japango separat veröffentlichten dritten Teils erreicht. Teil 2 lief wohl auch kurzzeitig mal bei uns unter dem Titel Der unbesiegbare Samurai im Kino.

Hinter dem Klassiker steht übrigens eine nicht weniger klassische Vorlage. Lone Wolf and Cub beruht nämlich auf der über Jahre überaus erfolgreichen Comic-Reihe Kozure Okami aus der Feder von Manga-Großmeister Kazuo Koike, dem die Welt u.a. auch noch die Geschichten um den melancholischen Killer Crying Freeman sowie die nicht minder erfolgreiche Lady Snowblood zu verdanken hat. Und da man locker im hundertfachen Millionenbereich landet, wenn man die Verkaufszahlen aller 110 Teile der Bild-Text-Version von Kozure Okami zusammenrechnet, darf man hier wohl ohne Übertreibung von einem wirklich populären Comic sprechen. Seinen weltweiten Siegeszug trat der einsame Wolf Anfang der 70er an. Zunächst wie gesagt in Printform, als die erste Folge 1970 in einem Manga-Magazin namens "Action" erschien, und wenig später dann auch als Realfilm. Denn die Geschichten um den Henker des Shogun erregten das Interesse von Shintaro Katsu, dem Hauptdarsteller und später auch Erfolgsproduzenten der Zatoichi-Reihe, dem anderen großen Samurai-Serial, und der sah dann auch direkt in seinem Bruder Tomisaburo Wakayama die Idealbesetzung für die Rolle des Ogami Itto.

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Von 1972 bis 1974 produzierte Katsu am Stück und mit annähernd gleicher Crew sechs Kinofilme. Lone Wolf and Baby Cart - Sword of Vengeance lieferte den erfolgreichen Auftakt und trug entscheidend dazu bei, das fernöstlich-japanische Kino international populär zu machen. Interessanterweise hielt sich ausgerechnet im eigenen Land der Erfolg in relativen Grenzen; denn dort erfreute sich die etwa zeitgleich entstandene japanischen TV-Serienversion mit Kinnosuke Yorozuya in der Rolle des einsamen Wolfes größerer Popularität als die Kozure Okami-Kinoreihe mit Tomisaburo Wakayama Und wie das eben oft so ist, wenn eine Figur bereits ein Gesicht hat, das von den Zuschauern erkannt und geschätzt wird, so tut man sich mit einem anderen Darsteller typischerweise schwer.

Im Ausland hätte dem Erfolg der actionreicheren und aufwendigeren Kinoversion hingegen beim unbefangenen Publikum ja eigentlich nichts im Wege gestanden. Allerdings dauerte es auch hier weitere 8 Jahre bis die Geschichte des einsamen Wolfs mit dem Kind zumindest in der westlichen Welt durchstartete; denn erst 1980, als der amerikanische Produzent Robert Houston auf die Idee kam, einen Zusammenschnitt der ersten beiden Folgen für den US-Markt zu erstellen, begann die wirkliche internationale Erfolgsgeschichte. Houston kürzte radikal, vereinfachte die Handlung vor allem im Hinblick auf die kulturspezifischen Anteile und konzentrierte sich im Wesentlichen auf die Action. Hinzu kam ein modifizierter Soundtrack, der frühe Elektro-Sounds mit Fernost-Elementen verband und fertig war eine an westliche Sehgewohnheiten angenäherte Version, die schon bald Kultstatus erreichen sollte. Der Titel: Shogun Assassin.

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Spoiler

Schaut man sich Sword of Vengeance (und natürlich auch die anderen Teile) in seiner ursprünglichen Japan-Fassung an, wird schnell klar, warum Robert Houston es seinerzeit vorzug, dem amerikanischen Publikum, das ja nun auch nicht gerade für seinen Willen, sich in andere ausländische Filmwelten hineinzudenken bekannt ist, den Zugang zu erleichtern. Denn anders als US-Geschichtsstunden wie Gladiator bettet Autor Kazuo Koike seine actionreichere Story in einen ziemlich präzisen historischen und kulturellen Kontext.

Die Handlung spielt wie bereits erwähnt im Japan der Edo-Ära, dem frühen Tokugawa-Zeitalter (dem Namen nach im Westen auch durch die berüchtigte Filmreihe von Teruo Ishii bekannt). Wie wunderbar in den ausführlichen Liner Notes zur DVD zusammengefasst wurde, handelt es sich um eine Periode der japanischen Geschichte, die durch ein etwa 250 Jahre überdauerndes, relativ stabiles militärisches Staatssystem mit ebenso rigiden sozialen Hierarchien gekennzeichnet war. Das Wissen um diese gesellschaftlichen Strukturen und einige Hintergründe zum Ehrbegriff in Politik und Alltag erleichtern das Verständnis doch ungemein.

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So z.B. die Eröffnungsszene, in der Ogami Itto einen Fürsten im Kleinkindesalter hinrichtet, der wohl kaum etwas so Schlimmes getan haben kann, das dieses Urteil rechtfertigen würde. Nach westlichen Maßstäben wäre es aber wohl undenkbar ausgehend von dieser Tat aus der Figur einen Sympathieträger machen zu wollen. Nach japanischem Verständnis zeigt diese Szene aber wohl lediglich die absolute Loyalität Ogamis zu seinem Herrn, dem Shogun. Ein anderes Beispiel ist der Trick, mit dem der einsame Wolf sich und seinen Sohn vor der Übermacht der Yagyus rettet. Er enthüllt unter seiner weißen Robe eine zweite, die mit den Insignien des Shogunats bedeckt ist - und schon weichen selbst die verräterischen Bösewichte zurück wie ein Vampir vorm Kruzifix, offensichtlich unfähig ihre Schwerter gegen das respektable Zeichen zu erheben. Wäre es in einem westlichen Film denkbar, einen ansonsten so intriganten Bösewicht glaubhaft an dieser Hürde scheitern zu lassen? Wohl kaum. Und genau dieser selbstverständliche Respekt erklärt auch das Ausmaß des Sakrilegs, als Ogami nicht nur den Befehl sich selbst zu richten verweigert, sondern auch gleich den schriftliche Anordnung zerfetzt.

Überhaupt die Sache mit dem Ehrentod. Das mehrfach im Verlauf der Reihe thematisierte Seppuku-Ritual stellt eine Mischung aus Selbstmord und Hinrichtung dar. Der Einfachheit halber wurde dies in der alten deutschen Synchronisation mit dem im Westen gebräuchlicheren Begriff "Harakiri" übersetzt. Kaum vorstellbar, welch tiefe Verbundenheit mit seinen Herren und was für ein mindestens ebenso tief reichendes Ehrgefühl ein solcher Akt voraussetzt - aber auch das Seppuku-Ritual wird historisch korrekt zitiert.

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Lässt sich die Bedeutung des Ehrgefühls noch relativ leicht aus dem Zusammenhang erschließen, erscheint dies mit dem Aufbau der Herrschaftsstruktur ohne weitere Hilfen gänzlich unmöglich. Und selbst mit aufklärerischen Schriften bleibt es komplex. In Japan gab es lange Zeit ein feudales System, dass dem der Ritterschaft in Europa nicht unähnlich war. Die erste Position hatte der Shogun inne, wobei der Verwaltungsapparat, das sog. Shogunat aus dem Shogun als oberstem Landesherren und -verwalter und seinen Samurai-Kriegern gebildet wurde. Die Ausführung seiner Anweisungen oblag den sog. Tairo (nur unter besonderen Umständen berufen) und Roojuu (die obersten Beamten in der Verwaltungshierarchie), die die Befehle ihrerseits zur Ausführung an kleinere Staatsdiener weitergaben.

Unterhalb des Shogunats gab es die sog. Daimyos, militärische Herren über unabhängig von ihnen verwaltete Regionen unterschiedlicher Größe, zu denen typischerweise eine Burg samt Heimatbasis sowie strategischer Außenposten zur Gebietssicherung gehörten. Die Daimyos setzten ihrerseits Vasallen ein, denen die Besteuerung oder besser Ausbeutung bestimmter Gebiete innerhalb ihres Hoheitsbereichs zugewiesen wurde. War der Shogun einerseits auf die Daimyos angewiesen, hatte er andererseits auch das Interesse sie und ihre Samurai zu kontrollieren und ihre Macht nicht zu groß werden zu lassen. Hierbei spielte wiederum die Ehrbindung an das Shogunat (und in diesem Zusammenhang auch der konfuzianischen Lehren) eine entscheidende Rolle. Abtrünnige Daimyos wurden ausgeschaltet, ihre Gebiete neu verteilt. Ein Problem, das sich aus diesen in der Tokugawa-Ära zeitweise recht häufigen Umverteilungen ergab, war die zunehmende Anzahl herrenloser Samurai, den sog. Ronin. Verlor ein Daimyo den Kopf, so verloren seine Samurai ihren Herren und mussten sich nach anderweitigen Beschäftigungsfeldern umsehen - und das arbeitslose Krieger schnell zum Problem werden können, dafür gibt es in der Weltgeschichte wohl genug Beispiele...

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Was das nun alles mit den Lone Wolf and Cub-Filmen zu tun hat? Nun, auf all diese Figuren, Menschen und Stände (und noch viele mehr!) trifft man in der Welt des einsamen Wolfs. Da verwundert es überhaupt nicht, wenn die Herren vom US-DVD-Label AnimEigo einräumen, dass es trotz aller Bemühungen nicht möglich war, sämtliche Eigenheiten und kulturellen Zusammenhänge 1 zu 1 in den Untertiteln unterzubringen - und das obwohl man sich zusätzlich zum reinen Dialogtext sogar noch mit eingeblendeten Erläuterungen zu einigen Schlüsselbegriffen beholfen hat. So ermöglicht die neue Unteritelung dem westlichen Zuschauer zumindest einen viel tieferen Einblick als bspw. die alte deutsche oder englische Version, in der man z.B. der Einfachheit halber Retsudo, das böse Oberhaupt des Yagyu-Clans, mal eben zum wahnsinnig gewordenen Shogun erklärt, um sich die umständlichen Zwischenschritte in der Hierarchie und die komplexen Zusammenhänge im Hinblick auf die Intrige gegen Ogami zu sparen. Glücklicherweise muss man als Zuschauer auch in der Originalversion nicht alle Protagonisten hunderprozentig korrekt einordnen, um folgen zu können.

Spoiler

Die visuelle Umsetzung der Vorlage bewahrt wunderbar den comichaften Charakter und war stilistisch in vielerlei Hinsicht wegweisend, nicht nur für das japanische Action-Kino, sondern für den Action-Film überhaupt. Lone Wolf and Cub zeigte sich zugleich wesentlich düsterer als der klassische Samurai-Film wie man in von den Zatoichi-Streifen oder auch den großen Klassikern Akira Kurosawas kannte, verstand es aber auch, sich die Möglichkeiten des Farbfilms weit mehr zu nutze zu machen als dies bisher im Genre der Fall war. Zusammengenommen erzeugt der Film so eine ungeheuer dichte Atmosphäre, dass man versucht ist zu fragen, inwieweit auch der Eindruck des Italowestern wohlmöglich seine Spuren bei den japanischen Filmemachern hinterlassen hat. Denn hinsichtlich der düstere Grundstimmung, der knalligen Farben und der unterkühlt-konsquenten Inszenierung der Gewaltszenen drängen sich doch gewisse Vergleiche zu den italienischen Western-Epen auf. Die Drehbuch-Adaption des Mangas übernahm Autor Kazuo Koike übrigens höchstpersönlich, so dass es nicht verwundert, wenn etliche Szenen eng am Original bleiben.

Aber nicht nur mit Bildern und Farben, auch mit dem Ton arbeitete die Crew um Regisseur Kenji Misumi auf beinahe schon experimentelle Art und Weise. So beschränkt er bspw. die Tonkulisse in einigen intensiven Kampfszenen allein auf das surrende Geräusch der durch die Luft zischenden Klingen, blendet sämtliche anderen Kampfgeräusche vollständig aus. Auch mit dem Einsatz von für diese Zeit ungewohnt schnellen Schnitten und ihnen gegenübergestellten Slow Motion-Effekten beschritt Misumi in mancherlei Hinsicht neue Wege. Überhaupt die Spezialeffekte: Die zum Teil recht blutigen Szenen profitieren ungemein sowohl von der Farbgebung als auch von der dynamischen Gestaltung der Kämpfe, und verleihen den Arrangements zum Teil schon fast surreale Qualität.

Lone Wolf and Cub - Sword of Vengeance - ScreenshotLone Wolf and Cub - Sword of Vengeance - Screenshot

Einige der wichtigsten Köpfe hinter der Lone Wolf-Reihe wurden ja bereits genannt. Da wären zum einen Manga-König Kazuo Koike und sein Co-Autor Goseki Kojima als Lieferanten der klassischen Comic-Vorlage und Zatoichi-Darsteller Shintaro Katsu als Produzent. Regisseur Kenji Misumi (Zatoichi, Sleepy Eyes of Death) gehörte zum Zeitpunkt des Drehs längst zu den Routiniers des Samurai-Genres und war von den Drehs zum ersten Zatoichi-Film (Zatoichi monogatari, 1962) und fünf weiteren Teilen der Reihe sowie The Razor (Goyokiba, 1972) bestens mit Shintaro Katsu bekannt, der ihn dann auch auf den Regiestuhl der Kozure Okami-Filme setzte, von denen er vier der sechs Streifen dirigierte. Die interessante Musik, die sich irgendwo zwischen Progrock und klassisch-fernöstlichen Sounds bewegt, stammt von einem gewissen Hideaki Sakurai.

Auch wenn Hauptdarsteller Tomisaburo Wakayama bis zu seinem Tod 1992 untrennbar mit der Rolle des Ogami Itto verbunden blieb, hat er als Schauspieler in einer weitaus umfangreichen Anzahl von Filmen mitgewirkt. Schon 10 Jahre vor seiner Rolle als einsamer Wolf war er im japanischen Kino unterwegs, sowohl in diversen Zatoichi-Streifen als auch in der erfolgreichen Sleepy Eyes of Death-Reihe. Anfang der 60er hatte er übrigens einen Auftritt als Hattori Hanzo in Zoku shinobi no mono (1963). Auf die Lone Wolf-Filme von 1972 bis 1974, in denen er ausnahmslos die Hauptrolle spielte, folgte 1978 auch ein erster internationaler Auftritt als japanische Trainer im schwachen dritten Bad News Bears-Abenteuer Die Bären sind nicht mehr zu bremsen (The Bad News Bears Go To Japan, 1978). Dem folgte nur noch eine Nebenrolle im deutlich besseren Ridley Scott-Film Black Rain (1989). Davon abgesehen blieb Wakayama aber in Japan und spielte mehr oder minder große Rollen in Filmen, von denen es aber kaum einer bis zu uns geschafft hat. Ausnahme: Irezumi - Die tätowierte Frau (Sekka Tomurai Tashi, 1981), der in den 80er mal bei uns im TV zu sehen war.

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Akihiro Tomikawa, der hier und in den anderen Filmen den kleinen Daigoro verkörpert, hat in keinen weiteren Spielfilmen mitgewirkt. Kaum mehr erwähnenswerte Einträge weisen die Filmographien von Tomoko Mayama (Osen, die Prostituierte), Tomoo Uchida (Goto) und Shigeru Tsuyuguchi (Matsuki Junai) auf. Letzterer war interessanterweise später die Erzählstimme in der japanischen Version von Miez und Mops - Zwei tierische Freunde (Koneko monogatari, 1986).

Erfolgreicher waren da Fumio Watanabe (Sugito), zuvor u.a. bekannt aus Teruo Ishiis Tokugawa - Gequälte Frauen (Tokugawa onna keibatsu-shi, 1968) oder eine Minirolle im Sonny Chiba-Klassiker Der Wildeste von allen! (Gekitotsu! Satsujin ken, 1974). Taketoshi Naito (Bizen) hatte auch noch einen Auftritt in anderer Rolle im dritten Teil der Okami-Serie Baby Cart in the Land of Demons (Kozure Okami: Meifumando, 1973). Zu seinen späteren bekannteren Filmen gehören Godzilla - Die Rückkehr des Monsters (Gojira, 1984) und Kei Kumais Der Tod eines Teemeisters (Sen no Rikyu, 1989). Apropos Godzilla und Monsterfilme: Reiko Kasahara, die hier kurz als Ogamis Frau Azumi zu sehen ist, gab ihr Schauspieldebüt in Gamera gegen Gaos - Frankensteins Kampf der Ungeheuer (Daikaiju kuchu kessan: Gamera tai Gyaosu, 1967). Viel folgte allerdings auch bei ihr nicht.

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Die DVD-Veröffentlichungen des US-Labels AnimEigo sind derzeit wohl das Nonplusultra in Sachen Lone Wolf and Cub. Tatsächlich könnte das anamorph kodierte Bild kaum besser sein. Die aufwendige Neuabtastung und Restaurierung hat sich definitiv gelohnt. Die Farben sind satt und kräftig, was insbesondere den leuchtenden Blutfontänen gut zu Gesicht steht. Kontrast und Schärfe für einen über 30 Jahre alten Film erstaunlich. Minimale Bilddefekte gibt es zwar, aber da muss man wirklich schon mit Adleraugen Ausschau halten.

Der Ton liegt zwar entsprechend der Ausgangsqualität nur in Mono vor, aber bei der guten Qualität dürfte sie zumindest für Zuschauer, die des Japanischen mächtig sind, vermutlich auch recht gut verständlich sein. Was für die meisten aber wohl viel wichtiger ist, bei dem Erstellen der neuen Untertitel hat man sich wirklich extrem viel Mühe gegeben, den Inhalt der Vorlage korrekt zu übertragen. Hierzu arbeitet die DVD neben den reinen Dialogtexten, die je nach Sprecher mit wechselnden Farben dargeboten werden, zusätzlich mit eingeblendeten Erläuterungen für einige wichtige Schlüsselbegriffe wie bspw. "Seppuku" oder "Ronin". Eine schöne Option!

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Die Extras fallen zwar sparsam, aber doch in ihrer Art ansehnlich aus. Einziges Manko: Die DVD verrät kaum etwas über die Hintergründe der Produktion, weder in den umfangreicher Liner Notes, noch in dem Bonusmaterial auf der DVD. Auf dem Silberling enthalten sind die Trailer zu Teil 1, Teil 4 und Teil 5 der Lone Wolf-Reihe sowie den Trailer zum zweiten Teil der Zatoichi-Filme als kleine Dreingabe. Die Trailer sind netterweise übrigens ebenfalls mit optionalen Untertiteln versehen.

Die als Karteikarte gestalten englischen Liner Notes beschäftigen sich recht ausführlich mit den historischen und gesellschaftlichen Hintergründen der Handlung und geht auch auf die entsprechenden Probleme bei der Übersetzung der Dialoge ein. Auch wenn die Anordnung der Informationen auf dem Faltblatt relativ unübersichtlich ist, sind die Texte selbst überaus aufschlussreich. Der gleiche Text wurde zusätzlich auch in Form von 26 Texttafeln auf der DVD untergebracht. Unter'm Strich eine absolut empfehlenswerte DVD, vor allem wegen der konkurrenzlos guten Bildqualität. Die AnimEigo-Veröffentlichung wäre wohl nur noch zu toppen, wenn jemand unter Verwendung des gleichen Masters etwas tiefer in Bonuskiste greifen würde...

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 02.07.2005
Letzte Textänderung: 04.07.2005

Leser-Kommentare

24.01.2006, 23:08:27 David ( Email schreiben )

Mir persönlich gefaellt die Serie sehr gut. Sie verkörpert das alte Japan, welches mir immer noch (obwohl viel gelesen) völlig unbegreiflich ist. Man muss ein ganzes Leben mit ihrem Studium verbringen um Klarheit für sich zu finden. Im Vergleich zum Mittelalter Europas war das Japans, meiner Meinung nach viel Harmonischer und vielleicht auch gerechter.
Außerdem ist Ito Okami ein Außenseiter, der ungerecht behandelt wurde. Mir gefaellt sein Still. Er nimmt einfach sein Kind und rebelliert.

07.01.2006, 23:48:06 Evil Wraith

Ich hab' mir jetzt die Collector's Edition von Rapid Eye Movies besorgt. Diese enthält alle sechs Teile neu abgetastet, remastered und mit neuen Untertiteln versehen. Extras gibt es leider nicht all zu viele, bis auf eine Trailershow und Bildergalerien zu den einzelnen Filmen sind lediglich noch ein Filmplakat im Posterformat und sechs großformatige Postkarten enthalten. Dafür ist der Preis mit ca. 70 ? noch erträglich und die edle Verarbeitung der Packung (Reispapier!) macht einiges her. Schön, dass die Filme komplett ungeschnitten daherkommen - Wobei einige äußerst schmerzhaft anmutende Szenen selbst für selbsternannte "Kill-Bill-Veteranen" zu derbe sein dürften :-) Als Einstieg ins Genre ist diese Serie meiner Meinung nach weniger geeignet, in diesem Falle sollte man eher zu Titeln wie "Lady Snowblood" greifen.

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