Film Daten

Titel:
Lone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril
Originaltitel:
Kozure Okami: Oya no kokoro ko no kokoro
Land & Jahr:
Japan 1972
Laufzeit ca.: ?
81 Min.
Regie:
Buichi Saito
Darsteller:
Tomisaburo Wakayama
Akihiro Tomikawa
Yoichi Hayashi
Michi Azuma
Asao Koike
Tatsuo Endo
Shin Kishida
Alternativtitel:
• Okami 4: Die tätowierte Killerin
• Baby Cart in Peril
• Lone Wolf and Cub: In Peril
• Sword of Vengeance IV
• L'ame d'un père, le coeur d'un fils
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - AnimEigo
Label:
AnimEigo
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 80:50
Sprachen/Ton:
Japanisch - DD 1.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Liner Notes (4 Seiten)
  • Trailer (Baby Cart in Peril, Baby Cart in the Land of Demons, Zaotichi at Large, Zatoichi in Desperation)

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril

Review

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Ogami Itto, der einsame Wolf mit dem Kind, erhält den Auftrag, die als tätowierte Killerin bekannte Oyuki zu töten und nimmt an. Als er ihre Spur aufnimmt, verlieren sich Vater und Sohn vorübergehend aus den Augen - lange genug, um den kleinen Daigoro in die Arme eines todgeglaubten Feindes zu treiben: Yagyu Ganbei, jener Mann, der einst bei der Wahl zum obersten Scharfrichter des Shogunats gegen Ogami Itto den Kürzeren zog und angeblich zur Ehrenrettung des Clans Selbstmord begangen haben sollte. Mitnichten tot erkennt Ganbei in den Augen des fremden Kindes den alten Rivalen und versucht Daigoro zu töten...

Zitat

Ganbei: Why don't you kill me?
Ogami: You've died once already. There is nothing to be gained from slaying a dead man.

Auf der anderen Seite gilt es natürlich Oyuki ausfindig zu machen, seinen akzeptierten Auftrag zu erfüllen. Doch je mehr er über die Lebensgeschichte seines Opfers in Erfahrung bringt, desto mehr wächst sein Verständnis für den von Oyuki eingeschlagenen Weg. Kozuka Enki, Schwertmeister und Lehrer am Hofe des Owari-Clans, verging sich an der im Dienste von Clan-Oberhaupt Togugawa Yoshinao stehenden Frau. Zutiefst gedemütigt desertierte sie, ließ sich Brust und Rücken tätowieren sah sich fortan ähnlich wie Ogami selbst den dauernden Angriffen der vom Clan geschickten Häscher ausgesetzt. Stets in der Hoffnung, dass irgendwann Kozuka Enki selbst auftauchen und sie Gelegenheit haben würde, mit ihrem Schänder abzurechnen und ihre Ehre wiederherzustellen. Doch wird den einsamen Wolf diese tragische Geschichte von der Erfüllung seines Auftrags abbringen?

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - Screenshot

Der englische Titel Baby Cart in Peril macht in diesem Fall durchaus Sinn; auch wenn eigentlich eher die Besatzung "in Gefahr" ist als der kleine Holzkarren selbst, der sich übrigens mit jeder Folge mehr zu einer Art Bat- oder Bond-Mobil des Eastern-Genres entwickelt. Dieses Mal bekommt der einsame Wolf es nämlich gleich mit 3 ernstzunehmenden Gegnern zu tun. Da wäre zunächst Yagyu Ganbei, dessen New Shadow-Style nach eigener Aussage dem Kampfstil Ogamis überlegen ist (und wenn man sich die Rückblende mit dem früheren Duell anschaut, scheint diese Behauptung so abwegig nicht!). Aber auch die tätowierte Killerin Oyuki darf durchaus als Meisterin der Klinge bezeichnet werden. Schließlich marschiert sie ähnlich zielstrebig durch Heerscharen von Gegnern wie man es von Ogami Itto gewohnt ist. Und dann ist Ganbei nicht der einzige Yagyu, der sich mit dem ehemaligen Henker des Shogun messen möchte, nein, auch Yagyu-Oberbösewicht Retsudo selbst schickt sich, an dem flüchtigen Samurai auf die Pelle zu rücken - einmal mehr mit einer kleinen Armee im Gepäck!

Highlights und optische Leckerbissen gibt es auch in Baby Cart in Peril wieder reichlich. Der kleine Daigoro im Flammenmeer. Ogamis Duell mit dem alten Rivalen. Der Kampf mit den zum Leben erwachten "Statuen", deren Leiber selbst mit abgetrennten Extremitäten noch zuckend und zappelnd ihrem Ziel entgegenstreben. Oyukis Abrechnung. Und nicht zuletzt ein noch einmal um einige Nummern größeres Finale, bei dem der einsame Wolf sich nun wirklich bis zur absoluten Verausgabung einer Übermacht von Gegnern entgegen wirft. Mit Oyuki und Yagyu Ganbei wartet Teil 4 mit zwei neuen Figuren auf, die eine echte Bereicherung des Lone Wolf-Universums darstellen und im letzteren Fall zudem die Hintergründe des Verrats an Ogami Itto erhellen.

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - Screenshot

Oh, und lehrreich ist das Ganze natürlich auch einmal mehr. So erfahren wir dieses Mal u.a. etwas über die Bevölkerungsgruppe der Goumune, dem fahrenden Volk, dass sich mit allen Arten von Schauspiel, Straßenkunst und -unterhaltung beschäftigt. Sie gehören zwar eher zur unteren Gesellschaftsschicht, aber wie ihr Anführer Goumune Jindayu richtig feststellt untersteht ihm eine bei weitem größere Gefolgschaft als selbst den großen Clans. Einmal mehr ist auch das japanische Ehr- und Rechtsempfinden Thema. Z.B. erscheint es im Rahmen der Handlung durchaus verständlich, dass Goumune Jindayu den Tod seiner Tochter als ehrenhaft und unvermeidlich in Betracht zieht und dem von Owari-Clan als ihren Killer angeheuerten Ogami Itto mit großem Respekt begegnet, auch wenn man mit westlicher Logik hier sicher nicht weiter kommt. Und auch folgendes Zitat aus dem Munde Ogamis wäre im Kontext eines westlichen Filmes wohl kaum denkbar...

Zitat

Ogami: There are times when parents believe that praying for the death of their own children is an act of love.

Mit Teil 4 bekommt die Lone Wolf-Reihe außerdem einen zunehmend mystischen Touch. Waren es im Vorgänger noch Waffen, die eine neue Herausforderung für den einsamen Wolf darstellten (Feuerwaffen spielen auch dieses Mal wieder eine erhebliche Rolle), bekommt er es nun mit flammenschlagenden Schwertern, erstaunlich perfekten Verwandlungskünstlern und als Buddha-Statuen getarnten Kämpfern zu tun. Zwar erscheinen die Effekte nur bedingt realistisch umgesetzt, aber sie sorgen dennoch für eine sehr spezielle Atmosphäre wie man sie dank eines ganz anderen, selbstverständlicheren Umgangs mit übernatürlichen Inhalten und grenzwertigen Erlebnissen eigentlich nur im asiatischen Kino findet.

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - Screenshot

Obwohl im gleichen Jahr wie die ersten drei Teile gedreht, saß dieses Mal nicht Kenji Misumi, sondern Buichi Saito auf dem Regiestuhl. Saito war zwar kein unbeschriebenes Blatt, hat allerdings auch keine wirklich bekannten Filme in seiner Filmographie. Ende der 70er inszenierte er für das japanische Fernsehen einen Film, hinter dem man vielleicht so etwas wie einen Uzumaki-Vorläufer vermuten könnte. Zumindest ging es in dem Horrorstreifen Horror of the Giant Vortex (Kyofu no daiuzumaki, 1978) offensichtlich um eine böse Spirale. Seinen letzten Film, Ruten no umi (1990), in dem u.a. Shigeru Tsuyuguchi (Sword of Vengeance) in einer Nebenrolle auftrat, drehte er vor 15 Jahren.

Insgesamt ist die Inszenierung von Buichi Saito nicht ganz so souverän wie die von Misumi Kenji. Glücklicherweise beisst sich dies aber kaum mit den einmal mehr furiosen Action-Szenen, so dass die zum Teil etwas hektischen und unruhigeren Kamerafahrten oder die etwas unübersichtlichere Szenegestaltung nicht wirklich negativ zu Buche schlagen. Darüber hinaus sind einige Momente, wie der mit den farblich verfremdeten Gegnern, die selbst verstümmelt den Angriff suchen, im Ausgleich dazu optisch überaus wirkungsvoll geraten.

Einen anderen Unterschied zu den Vorgängern stellt der Soundtrack dar, der zumindest streckenweise wie eine FreeJazz-Variation der alten Scores für einen Lounge-Sampler klingt. Das muss man an sich zwar nicht schlecht finden, baut aber meinem Empfinden nach deutlich weniger Atmosphäre auf als dies in den ersten drei Filmen der Fall war. Für den Soundtrack verantwortlich zeichnet sich dabei nach wie vor Hideaki Sakurai, der auch schon die Episoden 1 bis 3 vertont hat. Daran kann der stilistische Wechsel also nicht gelegen haben.

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - Screenshot

Bei der Besetzung der Hauptrollen gibt es natürlich keinerlei Veränderungen zu beklagen, und Tomisaburo Wakayama (Ogami Itto) und Akihiro Tomikawa (Daigoro) liefern auch in ihrem vierten Kinoabenteuer hervorragende Arbeit ab. Insbesondere die Rolle des kleinen Daigoro wird kontinuierlich ausgebaut - der Kleine wird eben zunehmend flügge!

Unterstützt wird das Vater-Sohn-Dreamteam dieses Mal von Schauspielern wie Yoichi Hayashi (Yagyu Ganbei) und Michi Azuma (Oyuki). Hayashi könnte Freunde des klassischen asiatischen Kinos eventuell z.B. von einer Rolle im Episoden-Horror Kwaidan (Kaidan, 1964) kennen, der durchaus als kleiner Klassiker des japanischen Kinos gelten darf. Für Michi Azuma war es übrigens nicht der erste Auftritt in der Welt des einsamen Wolfes. Sie spielte auch schon in Baby Cart at the River Styx mit, wenn auch nur in einer kleineren Nebenrolle. Von den beiden Lone Wolf-Filmen abgesehen blieb ihre schauspielerische Laufbahn allerdings eher überschaubar.

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - Screenshot

Anders Asao Koike (Tokugawa Yoshinao), der auf eine fast 50 Jahre umfassende Filmkarriere zurückblicken durfte und u.a. in Filmen wie The Yakuza Papers (Jingi naki tatakai, 1973) sowie zwei der Fortsetzungen mitspielte. Auch schon vor seinem Auftritt in Baby Cart in Peril bevölkerte er etliche Yakuza-Streifen und hatte auch eine Begegnung mit dem legendären Zatoichi (Shin Zatoichi monogatari: Oreta tsue, 1972). Ebenfalls recht erfolgreich und auch auf westlichen Kinoleinwänden zuhause war Hiroshi Tanaka, der uns auch im fünftten Teil Baby Cart in Land of Demons noch einmal begegnen wird und nicht nur in Zatoichi vs. Yojimbo (Zatoichi to Yojinbo, 1970), sondern auch im europäisch produzierten East-meets-West-Abenteuer Rivalen unter roter Sonne (Soleil Rouge, 1971) neben Stars wie Charles Bronson, Alain Delon und Japanstar Toshiro Mifune agierte.

Ein klein wenig wehmütig stimmt allerdings die Umbesetzung des Oberhauptes des Yagyu-Clans. Retsudo wird hier nämlich nicht mehr von Tokio Oki, sondern von Tatsudo Endo verkörpert. Endo hat sicherlich die interessanteren schauspielerischen Leistungen abgeliefert (zuletzt bspw. in Takashi Miikes Audition), verfügt ebenso über ausreichende Referenzen, was den klassischen Eastern angeht (u.a. Zatoichi 7, 15 und 25) und war hier nicht zuletzt im Sonny Chiba-Klassiker Der Wildeste von allen (Gekitotsu! Satsujin ken, 1974), international besser bekannt als The Street Fighter, zu sehen. Trotzdem erreicht er nicht mal annähernd die diabolische Ausdruckskraft seines Vorgängers und knurrt seine Sätze nicht halb so böse zwischen dem gefletschten Zähne hervor.

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - Screenshot

Einen früheren Auftritt im zweiten Teil hat Endo übrigens mit Seishiro Hara (Zatoichi 18, Sleepy Eyes of Death 2+3) gemeinsam. Ebenfalls so etwas wie ein Lone Wolf-Veteran ist Gakuya Mortia, der neben dem vierten Teil auch noch Teil 5 und 6 mit seiner Anwesenheit beehrte. Gleiches gilt für Riki Harada. Michima Otabe beschränkte sich diesbezüglich auf einen weiteren Auftritt in Baby Cart in the Land of Demons. Und zu guter letzt sei noch Yusaku Terajima erwähnt, der in Teil 1 und Teil 4 mit von der Partie war.

Mittlere Asien-Prominenz verbirgt sich in der zweiten Reihe von Baby Cart in Peril übrigens auch noch, und zwar in Form von Hiroshi Hasegawa, dem Präsidenten des Animationsstudios Deen. Als Schauspieler tummelte er sich u.a. im Klassiker Lady Snowblood (Shurayukihime, 1973) sowie in den ersten beiden Staffeln des Serienhits Shogun (1980) mit Richard Chamberlain und der zweiten Japan-Serie, die es auch nach Deutschland schaffte, nämlich Die Rebellen vom Liang Shan-Po (1977).

Vielleicht zum Schluss noch eine lustige Randbemerkung: Nebendarsteller Koji Sekiyama beendete seine (Schauspiel-)Karriere in Takeshi Kitanos Spiele-ohne-Grenzen-TV-Show Takeshi's Castle.

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - Screenshot

Die Bildqualität wird dem recht hohen Standard der übrigen Lone Wolf-Veröffentlichungen von AnimEigo gerecht. Die US-DVD bietet ein digital überarbeitetes und aufpoliertes Bild, das Baby Cart in Peril in einer Farb- und Kontrastfrische präsentiert, wie man es sich bei einem Film von über 30 Jahren wirklich nur wünschen kann. Defekte gibt es kaum zu beklagen, und so erwarten einen 81 ungetrübte Filmminuten. Die Tonqualität der Original Monospur kann da zwar nicht ganz mithalten, aber dafür wurde die Untertitel wie zuvor sehr sorgfältig erstellt und ermöglichen endlich auch westlichen Augen ein echtes Verständnis für die Handlung auf der Leinwand zu vermitteln.

Der Menüaufbau ist identisch mit dem des dritten Teils. Wiederum recht einfach und übersichtlich, allerdings mit einer netten Screenshot-Animation versehen, die von rechts nach links durchs Bild läuft. Unter Extras gibt es neben einige Trailer wiederum Liner Notes, die sich bei Teil 4 auf bescheidene 4 Texttafeln beschränken und uns etwas über die Tattoo-Motive Oyukis, den Yagyu New Shadow-Style Ganbeis, die Bevölkerungsgruppe der Goumunen sowie die Owaris beibringt. Zwar weniger umfangreich als bei den Vorgänger-DVDs der Reihe, aber nicht weniger aufschlussreich. Im Booklet der DVD gibt es ergänzend zu den bereits genannten Inhalten außerdem Infos zur Namens-, Anrede- und Titelkomposition der Japaner. Nicht nur für das Verständnis der Lone Wolf-Filme interessant! Bei den auf der DVD enthaltenden Trailern handelt es sich um die Werbeclips zum Hauptfilm Baby Cart in Peril, den Folgefilm Baby Cart in the Land of Demons sowie die beiden Zatoichi-Streifen Zatoichi at Large und Zatoichi in Desperation.

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart in Peril - Screenshot

Alles in allem ist die DVD zwar kein absolutes Sahnestück für die DVD-Collection und geht ebenso wenig als Vorbild in Sachen Ausstattung durch, aber wie für das gesamte AnimEigo-Paket gilt auch hier, dass die US-DVDs derzeit das Nonplus-Ultra in Sachen Lone Wolf and Cub darstellen. Keine der bisherigen Veröffentlichungen, egal auf welchem Medium hat eine bessere Bildqualität aufzuweisen und auch die spärlichen Extras wurden bisher nicht überboten. Den größten Bonus verdient sich AnimEigo allerdings durch die sorgfältig erstellten Untertitel!

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 02.07.2005
Letzte Textänderung: 30.07.2005

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