Film Daten

Titel:
Der Rote Schatten
Originaltitel:
Circus of Horrors
Land & Jahr:
England 1960
Laufzeit ca.: ?
88 Min.
Regie:
Sidney Hayers
Darsteller:
Anton Diffring
Erika Remberg
Yvonne Monlaur
Donald Pleasence
Jane Hylton
Kenneth Griffith
Conrad Phillips
Jack Gwillim
Vanda Hudson
Yvonne Romain
Colette Wilde
William Mervyn
John Merivale
Peter Swanwick
Carla Challoner
Alternativtitel:
• Phantom of the Circus
• Narbenteufel, Der
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Anolis Entertainment
Label:
Anolis Entertainment
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.66:1 (anamorph) / 87:45
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Interview mit Yvonne Monlaur
  • Trailer
  • TV-Spot
  • Bildergalerie
  • Filmprogramm
  • Filmflyer
  • Booklet mit Liner Notes

Der Rote Schatten

Review

Der Rote Schatten - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

England 1947: Als eine Gesichtsoperation vollkommen fehlschlägt, verläßt der Arzt Dr. Rossiter (Anton Diffring) zusammen mit seinen Assistenten, dem Geschwisterpaar Martin (Kenneth Griffith) und Angela (Jane Hylton), Großbritannien und reist unter dem Decknamen Dr. Bernard Schueler nach Frankreich. Dort treffen sie auf die junge, aber im Gesicht entstellte Nicole (Carla Challoner) und ihren Vater Vanet (Donald Pleasance), dem ein heruntergekommener Zirkus gehört. Aus Dank für die erfolgreiche Wiederherstellung von Nicoles Gesicht überträgt Vanet Schueler die Leitung des Zirkus, stirbt aber schon kurze Zeit später, als er im besoffenen Zustand einen Bären verärgert. Rossiter/Schueler hat jetzt die perfekte Tarnung. Nun beginnt er, entstellte Verbrecherinnen zu suchen, operiert sie und macht aus ihnen erfolgreiche Zirkusathletinnen. 10 Jahre später ist der Zirkus enorm erfolgreich, macht aber durch gehäuft auftretende "Unfälle" Schlagzeilen. Der Scotland Yard Inspector Arthur Desmond (Conrad Phillips) bekommt den Fall übertragen und ermittelt...

Der Rote Schatten - ScreenshotDer Rote Schatten - Screenshot

Der rote Schatten, dessen Originaltitel Circus of Horrors viel besser zu den Ereignissen im Film passt, verbindet Elemente von Zirkusdramen mit denen des Thrillers und läßt sogar Einflüsse von Filmen wie Eyes Without a Face (Augen der Angst) erkennen. Dr. Rossiter ist ein Mann, der eigentlich eine höchst erfolgreiche Art der Gesichtskorrektur entdeckt hat, ist aber durch eine mißglückte Operation zur Flucht gezwungen. Diese Flucht setzt sich eigentlich über all die Jahre hinweg stetig fort, nur geschieht dies in Form des Weiterwanderns des Zirkus. Ihm zur Seite stehen die Geschwister Martin und Angela. Angela ist verliebt in Rossiter und eine Zeitlang auch der Illusion erlegen, dass ihre Gefühle erwidert werden. Ihr Bruder Martin hingegen ist nicht unbedingt ein schlechter Kerl, verfügt aber nur über geringes Selbstbewußtsein und tut daher alles, was Rossiter ihm sagt. Denn Rossiter hat dank seines Charakters und seiner stechenden Augen eine sehr überzeugende Art, die nur selten Widerworte zuläßt. Dieser Eindruck wird zudem von der Kamera unterstützt, die ihn des öfteren von einem tieferen Blickwinkel aus zeigt, wodurch er noch größer und somit dominierender wirkt.

Die Art wie Rossiter die mit Verbrechen behafteten Frauen bei sich hält ist in der Tat recht raffiniert. Zunächst operiert er sie und befreit sie damit von ihren verhassten Makeln. Dann setzt er sie damit unter Druck, dass er Unterlagen und Fotos vor der Operation bei sich behält, die dann im Falle einer Flucht an die Behörden weitergeleitet werden. Die meisten Frauen, zumindestens was man so im Film mitkriegt, sind aber auch dankbar für die Gelegenheit im Rahmen des Zirkus einer ehrlichen Arbeit nachgehen zu können und dabei sogar etwas Anerkennung und Applaus vom Publikum zu ernten. Nur läßt Rossiter es nie zu, dass eine Frau den Zirkus verläßt. Selbst als seine größte Attraktion Magda von Meck (Vanda Hudson) wegen ihrer geplanten Heirat mit einem Baron ihre Karriere beenden und sich in Freundschaft von ihm trennen will, läßt er durch Martin einen Unfall inszenieren.

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Der Film bietet eigentlich alles, was einen guten Thriller ausmacht. Eine gute Ausgangslage, eine mal etwas andere Art der weiteren Entwicklung und natürlich ein Finale, das sogar relativ actionlastig ausgefallen ist. Zwar bietet der Film keine große Hochspannung, man weiß ja schließlich, wer hinter den Morden steckt, sorgt aber durch ein flotteres Tempo und einen Hauch schwülstiger, wenn auch harmloser, Erotik für gute Unterhaltung. Passend zu seiner Arbeit als Schönheitschirug sind die meisten Frauen im Film recht gutaussehend, über eine freizügigere Darstellung über nette Unterwäsche hinaus mochte man damals aber noch nicht gehen.

Der gebürtige Deutsche Anton Diffring scheint wie geschaffen für die Rolle des durchtriebenen Dr. Rossiter und bietet eine recht überzeugende Leistung. Aber auch die anderen Rollen sind durchaus angemessen besetzt worden. Nur Yvonne Monlaur als die erwachsene Nicole Vanet ist ein bißchen zur sehr blondes Schmuckwerk und vermag keinerlei Akzente zu setzen. Angenehm ist aber einmal Donald Pleasance in einer relativ frühen Rolle zu sehen, lange vor seinen Klassikerrollen in diversen Horrorfilmen der 1970er und 1980er Jahre. Regie, Drehbuch und Kameraarbeit liegen ebenfalls auf einem guten Niveau, auch wenn manchmal die normalen Zirkusszenen schon fast als zuviel erscheinen. Allerdings ist der Film mit 88 Minuten nicht unbedingt sehr lang und so wollte man wohl noch den Film um einige Minuten strecken. Die Zirkusszenen entstanden alle in einem richtigen Zirkus, dem Billy Smart Zirkus, der zu der Zeit relativ bekannt war in England.

Der Rote Schatten - ScreenshotDer Rote Schatten - Screenshot

Für Regisseur Sidney Hayes war Circus of Horror erst sein vierter Film. Später war er hauptsächlich fürs Fernsehen tätig, wo er einzelnen Folgen von Serien wie The Avengers (Mit Schirm, Charme und Melone), The Professionals (Die Profis) und sogar Ami-Serien wie Magnum, P.I. (Magnum) oder Airwolf. Anton Diffring sah man im weiteren Verlauf seiner Karriere z.B. in Fahrenheit 451, oder ebenfalls als einen Gesichtsoperierer in Jess Francos Faceless. Donald Pleasance wird meist mit seiner Rolle als Dr. Sam Loomis aus den Halloween Filmen asoziiert, hat aber auch in Argentos Phenomena mitgewirkt sowie vielen weiteren Genreproduktionen. Yvonne Monlaur sah man zuerst in dem stimmungsvollen Bride of Dracula (Dracula und seine Bräute) und war für Hammer ein zweites Mal in The Terror of the Tongs (Terror der Tongs) tätig.

Die DVD von Anolis aus der "British Horror Classics" Reihe bietet in Anbetracht des Alters ein eigentlich recht gutes Bild. Allerdings fällt die meist nur durchschnittliche Schärfe schon auf. Die Farben kommen gut zur Geltung, wobei sie aufgrund des Alters des Films aber auch ein wenig "angestaubt" wirken. Dies verleiht dem Film aber irgendwie eine schöne "old-school" Atmosphäre. Seltsam ist nur, dass der Vorspann ein Format im Verhältnis ca. 1.77:1 hat, während der Rest des Films im Format 1.66:1 vorliegt und somit etwas schmaler ist. Über den Ton gibt es nicht viel zu erzählen, es handelt sich um einen ordentlichen Monoton ohne große Aussetzer oder massiven Störgeräuschen.

Der Rote Schatten - ScreenshotDer Rote Schatten - Screenshot

Das interessanteste Extra ist sicherlich das Interview mit Yvonne Monlaur, dass beim 2004er Festival of Fantastic Films aufgenommen wurde. Hier erzählt sie von ihren Anfängen als Schauspielerinnen, wie sie zu den Hammer Studios kam und wie das Arbeiten unter Regisseuren wie Terence Fisher war. Außerdem gibt es noch den - etwas farbarmen - englischen Trailer, einen schwarz-weiß TV-Spot, eine Soundtrack-unterlegte Bildergalerie, das alte deutsche Filmprogramm und Abbildungen des Filmflyers der Rank Studios.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 19.07.2005
Letzte Textänderung: 24.07.2005

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