Film Daten

Titel:
Strings
Originaltitel:
Strings
Land & Jahr:
Dänemark / Schweden / Norwegen / England 2004
Laufzeit ca.: ?
88 Min.
Regie:
Anders Rønnow-Klarlund
Darsteller:
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Mangpong
Label:
Mangpong
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
1.78:1 (anamorph) / 87:48
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 5.1
Thailändisch - DD 5.1
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Trailer

Strings

Review

Strings - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Kahro, der alte König von Hebalon, begeht Selbstmord um Platz für seinem Sohn Hal zu machen. In einem Abschiedsbrief warnt er ihn noch vor seinem machthungrigen Bruder Nezo und dessen Gehilfen Ghrak, aber Nezo kann diesen Brief noch rechtzeitig finden und gibt den Tod des Königs als einen feigen Mord der Zeniths aus, ein Volk mit dem Hals Volk seit Ewigkeiten verfeindet ist. Hal zieht mit einem befreundeten General aus um den angeblichen Mörder seines Vaters zu finden. Während seiner Abwesenheit ergreift Nezo die Macht an sich und läßt Hals Schwester Jhinna gefangen nehmen, die die Wahrheit mittlerweile herausgefunden hat...

Strings - ScreenshotStrings - Screenshot

Aufgrund der Inhaltsangabe könnte man erwarten, dass es sich bei Strings um einen handelsüblichen Fantasystreifen handelt, der eine altbekannte Geschichte erzählt und sich kaum von anderen Genre-Werken unterscheidet. Nun, was die Handlung angeht, so liegt man damit nicht unbedingt falsch. Eine erfrischend neue Geschichte erzählt dieser Film nicht unbedingt. Was Strings aber so besonders macht und ihn zu einem echten Geheimtip erhebt ist die komplett neue und auch in diesem Bereich außergewöhnliche Inszenierungsweise, die in dieser dänischen Produktion vollzogen wurde.

Die titelgebenden Strings, also "Fäden", sind hier ein integraler Bestandteil nicht nur der Inszenierung, sondern auch der Existenz der Charaktere. Strings ist ein Marionettenfilm, wie auch der amerikanische Team America oder die in den 1960er Jahren entstandenen Gary Anderson TV-Serien wie z.B. die Thunderbirds. Aber Strings unterscheidet sich in einigen Punkten sehr deutlich von den genannten Werken. Bis auf die Augen haben die Marionetten in Strings keine beweglichen Gesichtsmimiken, selbst der Mund bleibt bei jeder Puppe starr. Und sehr deutlich unterscheidet sich auch die Dicke der Fäden, die hier sehr viel dominanter sind und nicht möglichst unsichtbar sein sollen. Dies hat aber auch einen ganz besonderen Grund.

Strings - ScreenshotStrings - Screenshot

Im Gegensatz zu anderen Marionettenfilmen wird hier der Nachteil der Gebundenheit an die Fäden zum Vorteil ausgenutzt. Die Fäden werden hier von den Figuren als göttliche Lebensadern angesehen, die ihnen ihre Existenz erst ermöglichen. Die Hauptader ist dabei der sogenannte "Head String", der "Kopffaden". Wenn dieser gekappt wird, dann stirbt auch die Figur. Wird der Faden eines anderen Körperteiles getrennt, dann kann von einer anderen Figur dies entsprechende Körperteil vom Körper abmontiert werden und wird der Figur wieder angesetzt, die ein Körperteil durch die Trennung des Fadens verloren hat. So erhält z.B. Hal eine neue Hand von einem Sklaven. Der Faden bleibt dabei die ganze Zeit an der Hand, sie wechselt lediglich ihren Besitzer.

Von einer mystischen Qualität sind auch die Geburten in dieser Welt, derer man als Zuschauer auch einmal Zeuge wird. Die Babys werden geschnitzt und in einem nahezu magischen Moment lösen sich von der Mutter neue, weiße Fäden, die dann mit dem Baby verbunden werden und ihm so Leben einhauchen. Durch die Fäden ist die Architektur in dieser Welt natürlich sehr stark geprägt. Die Gebäude erheben sich weit in die Höhe und sind nach oben hin offen. Die Tore der Stadt bestehen einfach aus einer Platte, die zur Absicherung nach oben gezogen wird. Läuft jemand darunter her, so kann er nach wenigen Schritten nicht mehr weiter, weil diese Platte den Fäden im Weg ist. Ein weiterer Punkt in diesem außergewöhnlichen Film ist auch die Art, wie die Charaktere ihr Dasein als Marionetten z.B. zur Tarnung nutzen. So wird Hal vor Beginn seiner Reise einfach von einem Diener in einer anderen Farbe lackiert. Dies mag sich jetzt ein wenig lächerlich anhören, wirkt aber im Film absolut logisch und schlüssig.

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Im Gegensatz zu Team America ist Strings aber ein durch und durch ernsthafter Film, der eine Geschichte erzählt, die Elemente von Lord of the Rings, Star Wars und etwas Shakespeare miteinander verbindet. Dadurch ist er kein reiner Kinderfilm, aber kann sowohl Zuschauern jüngeren Alters wie auch Erwachsene gleichermaßen begeistern. Man muss sich zunächst daran gewöhnen, dass die Marionetten keinen beweglichen Mund haben. Zu Anfang ist also ein wenig Aufmerksamkeit von Nöten, welcher Sprecher zu welcher Puppe gehört. Aber dem Handwerk der Puppenspieler ist es zu verdanken, dass diese Figuren teilweise mehr Emotionen aufweisen können als so mancher realer Hollywood-Schauspieler. Durch die passende Belichtung, Körperhaltung und Musik bekommen diese starren Figuren richtiges Leben eingehaucht. Zudem wurde sehr viel Wert auf das Produktionsdesign und die Optik allgemein gelegt und sehr viel Mühe und Arbeit investiert. Somit hebt sich Strings schon allein technisch um Meilen von Team America ab, der dagegen wie die Augsburger Puppenkiste wirkt. Ein echter Geheimtip!

Die idee zu dem Film kam Regisseur Anders Rønnow Klarlund hoch in der Lust in einem Flugzeug, als er dort einen Werbespot sah in dem Marionetten verwendet wurden. Die Produktion von Strings zog sich über vier Jahre hinweg, das Budget betrug ca. 4 Millionen Euro und über 200 Leute arbeiteten an dem Projekt mit. Einige der Puppenspielern sieht man während der Anfangscredits bei ihrer Arbeit, allerdings nur als Schattenwurf, was ihre "Göttlichkeit", also die totale Kontrolle über die Puppen, bewahrt. Anders Rønnow-Klarlund drehte 1996 seinen ersten Film Den Attende (Ein Tag im Mai), bekannter dürfte aber sein 1999 entstandener Besat (Besessen) sein, der auf diversen Filmfestivals mit Preisen bedacht wurde. Auch Strings wurde mit einem Preis bei dem Filmfestival in Sitges ausgezeichnet. Für die englische Fassung konnten dann auch Sprecher wie Julian Glover oder Catherine McCormack gewonnen werden, die den Figuren ihre Stimme liehen.

Strings - ScreenshotStrings - Screenshot

Seltsamerweise ist diese dänisch-schwedisch-norwegisch-britische Ko-Produktion bislang nur in Thailand auf DVD erhältlich. Die DVD steckt in einem dünnen Slimcase, der wiederrum von einem Pappschuber mit Prägedruck umgeben ist. Die Bildqualität ist insgesamt ganz passabel, aber leider auch keine Referenz. In vielen Szenen macht sich Körnung bemerkbar und ganz scharf ist das Bild auch nicht, außerdem hat es manchmal mit Kompressionsproblemen zu kämpfen. Solange es aber noch keine andere DVD-Version gibt, kann man mit dieser Veröffentlichung gut leben, da sie ohnehin zu einem relativ günstigen Preis (unter umgerechnet 10 Euro) verkauft wird. Der Ton liegt einmal in Englisch und Thailändisch in Dolby Digital 5.1 vor. Getestet wurde nur der englische Ton, bei dem sich vor allem seine Frontlastigkeit bemekrbar macht. Zwar gelangen ab und an einige Umgebungsgeräusche zu den hinteren Lautsprechern, aber der Film bietet eigentlich genug Möglichkeiten für einen etwas dynamischeren Ton. Die Dialoge sind aber sehr gut verständlich.

An Extras gibt es leider außer dem Trailer gar nichts. Gerade in diesem Bereich bleibt zu hoffen, dass eine andere DVD-Veröffentlichung hier mehr bietet, da gerade bei einem außergewöhnlichen Film wie diesen ein Making-of oder Audiokommentare sehr interessant wären. In Anbetracht des Verkaufspreises konnte man aber auch nicht viel erwarten.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 01.08.2005
Letzte Textänderung: 02.08.2005

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