Film Daten

Titel:
Eine Handvoll blanker Messer
Originaltitel:
Coltelli del vendicatore, I
Land & Jahr:
Italien 1966
Laufzeit ca.: ?
85 Min.
Regie:
Mario Bava
Darsteller:
Cameron Mitchell
Fausto Tozzi
Giacomo Rossi-Stuart
Luciano Pollentin
Amedeo Trilli
Elissa Pichelli
Alternativtitel:
• Rurik der Hüne
• Rurik - Mein ist die Rache
• Bladestorm
• Knives of the Avenger
• Raffica di coltelli
• Viking Massacre
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - EMS
Label:
EMS
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 84:30
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 1.0
Englisch - DD 1.0
Italienisch - DD 1.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Deutscher Vorspann
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Bio-/Fimographien
  • Tim Lucas "All the Colors of the Dark" Werbeclip
  • Trailer: Blutige Seide / Die Fahrten des Odysseus / Der schwarze Teufel
  • Booklet mit Liner Notes

Eine Handvoll blanker Messer

Review

Eine Handvoll blanker Messer - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Karin (Elissa Pichelli), die Königin des Landes muss sich mit ihrem Sohn Moki (Luciano Pollentin) vor Aghen (Fausto Tozzi) verstecken, der die Macht in dem Land anstrebt und sie deswegen zur Frau nehmen will. Arald (Giacomo Rossi-Stuart), ihr Mann und König, ist bereits seit drei Jahren außer Landes und gerüchteweise bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen. Als zwei Schergen Aghens Karin und ihren Sohn finden und bedrohen, werden sie von Helmut (Cameron Mitchell) gerettet, der sich fortan ein wenig um die beiden kümmert. Aber bald stellt sich heraus, dass auch er noch eine Rechnung mit Aghen offen hat und fordert ihn zum Duell auf...

Eine Handvoll blanker Messer - ScreenshotEine Handvoll blanker Messer - Screenshot

Die meisten italienischen Wikinger-Filme kommen kaum über einen gewissen Standard hinaus und liegen meist mehr in der Tradition der Sandalenfilme, die in den 1950er und 1960er Jahren recht populär waren. Mario Bavas Eine Handvoll blanker Messer, sein zweites Wikinger-Abenteuer nach Gli Invasori (Die Rache der Wikinger), bildet da leider keine Ausnahme. Denn obwohl der Film halbwegs solide inszeniert wurde, fehlt ihm doch das gewisse Etwas um sich ein wenig von vergleichbaren Werken absetzen zu können. Dieser Film bedient sich aber neben Versatzstücken des Sandalenfilms auch beim Western (Helmut und Aghen ziehen wie zwei Pistoleros ihre Messer und Teile des Soundtracks könnten einem Spaghetti-Western entsprungen sein) oder gar bei der Robin Hood Saga (Arald der König ist außer Landes und kehrt zurück wenn der Held vor dem Endkampf mit dem Bösewicht steht, der bisher tun und lassen konnte was er wollte).

Obwohl der Film zwischen Terrore nello spazio (Planet der Vampire) und Operazione paura (Die toten Augen des Dr. Dracula) entstand, ist Eine Handvoll blanker Messer nur selten anzumerken, dass er unter der Regie des Meisters entstand. Ab und an schimmert zwar die Handschrift des Regisseurs durch, vor allem in dem bunt ausgeleuchteten Höhlensystem am Ende des Films, aber zum größten Teil wirkt der Film wie viele andere auch aus dem Bereich. Sein Tempo ist auch nicht sehr hoch, das liegt aber daran, dass hier weniger Wert auf Action und Kämpfe gelegt wurde, sondern mehr auf den zaghaften Aufbau von Zuneigung zwischen Helmut, Karin und Moki.

Eine Handvoll blanker Messer - ScreenshotEine Handvoll blanker Messer - Screenshot

Die Motivationen von Helmut bleiben zunächst sowohl dem Zuschauer als auch Karin unbekannt. Aber trotzdem akzeptiert sie seinen Schutz und seine Anwesenheit. Zum einen, weil sie schon lange alleine ohne ihren Mann leben muss und sich kaum ernsthaft gegen Angreifer zu wehren vermag. Außerdem stellt Helmut so etwas wie ein Ersatzvater für Moki dar, der im Gegensatz zu Karin zu Beginn keine Vorbehalte gegen ihn hat. Das Moki und Karin auch eine Art Familienersatz für Helmut sind, wird dann im weiteren Verlauf ersichtlich, denn Helmut ist auch ein Mann mit einer gewissen Vergangenheit und näher mit Karin und Moki verbunden als es zunächst den Anschein hat.

So konzentriert sich die erste Hälfte des Films auf die Vorstellung der Grundsituation und das Zueinanderfinden von Helmut, Karin und Loki. In der zweiten Hälfte dann kommt mehr und mehr Action hinzu, sobald Helmut Aghen herausfordert. Die Kampfszenen sind relativ ansprechend, wenn auch nicht sehr spektakulär ausgefallen, am besten weiß hier noch das Duell in dem Wirtshaus zu gefallen, wenn die beiden wie zwei Pistolenhelden hinter Tischen Deckung suchen und nur darauf warten das der andere einen Fehler macht. Kleinere Fehler sind sicherlich den Produktionsbedingungen zuzuschreiben. Zum Beispiel zu Anfang hat man den Eindruck, dass sich Karin und ihr Sohn weit ins Landesinnere zurückgezogen haben, vor allem auch weil Aghen am Strand auftaucht. Später aber können sie und Helmut die Hilfschreie ihres Sohnes hören als er am Strand überfallen wird.

Eine Handvoll blanker Messer - ScreenshotEine Handvoll blanker Messer - Screenshot

Trotz des Themas vermied es Bava seine Hauptcharakter allzu einfach darzustellen. Bei so manchen Szenen mit Helmut deutet Bava mehr an als das er zeigt - und vermittelt trotzdem alles was man als Zuschauer wissen muss. Ganz im Gegensatz zu Arald, der im letzten Drittel dazustößt und trotz seiner Stellung als König des Landes und Karins Ehemann recht unkontrolliert handelt. Seiner kurzen Zeit in dem Film ist auch zuzuschreiben, dass eine richtige Charakterzeichnung bei ihm kaum auszumachen ist. Ebenso verhält es sich mit Aghen, er ist zwar ein finsterer Gegner, wird aber kaum weiter ausgearbeitet.

Mit der Produktion des Films wurde bereits 1964 unter der Regie von Leopoldo Savona und auch schon mit Cameron Mitchell begonnen, aber dann ging den Produzenten das Geld aus. Einige Monate später konnte dann Mario Bava für die Fortsetzung der Dreharbeiten gewonnen werden, der aber den größten Teil des alten Materials nicht mehr nutzen wollte. Nur ca. ein Viertel der alten Aufnahmen wurde beibehalten und der Rest innerhalb weniger Tage aufgenommen. Sicherlich eine Erklärung für die teils sehr einfache Charakterzeichnung mancher Personen. Dies ist sicherlich auch einer der Gründe, warum Mario Bava in den Credits beim Drehbuch als "John Hold", eine Abwandlung seines öfter benutzten Pseudonyms "John M. Old" benutzte. Für den Überseemarkt wurden zudem auch die Namen der anderen Schauspieler in englische Namen geändert.

Eine Handvoll blanker Messer - ScreenshotEine Handvoll blanker Messer - Screenshot

Cameron Mitchell begann seine Karriere Ende der 1930er Jahre am Broadway und war Mitte der 1940er Jahre zum ersten Mal in einem Film zu sehen. Mit Mario Bava arbeitete er öfter zusammen, so z.B. noch in Gli Invasori (Die Rache der Wikinger) oder Sei donne per l'assassino (Blutige Seide), war aber auch in Filmen wie den original The Toolbox Murders (Der Bohrmaschinenkiller) zu sehen. Fausto Tozzi spielte unter anderem in dem deutschen Im Stahlnetz des Dr. Mabuse mit oder vielen Italo-Western wie z.B. Dio, sei proprio un padreterno! (Gun Man / La Pistola). Giacomo Rossi-Stuart ist dem erfahrenen Italo-Gucker auch kein unbekannter, spielte er doch in Filmen wie Operazione paura, Massacro al Grande Canyon (Keinen Cent für Ringos Kopf) oder Il Pianeta errante (Orion 3000 - Raumfahrt des Grauens) mit. Und für die im Vorspann groß angekündigte Elissa Pichelli war Eine Handvoll blanker Messer ihr erster aber auch einziger Film, zumindestens wenn die Angaben in der IMDB stimmen.

Die DVD von EMS bedient sich des amerikanischen "Knives of the Avenger" Masters, das als Grundlage für die schon vor längerer Zeit erschienene US-DVD diente. Die Bildqualität ist leider nicht unbedingt die beste, gerade zu Beginn sind viele Verschmutzungen zu sehen, was sich aber später ein wenig bessert. Auch ist die Schärfe nicht unbedingt optimal und die Farben etwas zu blass. Typische Begleiterscheinungen einer Normwandlung sind vorhanden, treten dagegen aber mal nicht so stark auf wie man es schon bei anderen NTSC-zu-PAL Transfers erlebt hat.

Eine Handvoll blanker Messer - ScreenshotEine Handvoll blanker Messer - Screenshot

Allerdings scheint der amerikanische Verleih damals den Vorspann des Films umgeschnitten zu haben. Die DVD beginnt mit der Wahrsagerin Schula, wie sie sich am Strand verbeugt, die Credits laufen durch und danach sieht man die Szene, in der Shula Karin die Zukunft prophezeit. Gerade durch die Verbeugung Shulas in der ersten Sekunde macht dies einen sehr abrupten Eindruck, als ob etwas fehlen würde oder schlampig geschnitten wurde. Sieht man sich allerdings den alten deutschen Vorspann an, der auf der DVD als Bonus enthalten ist, so weiß man auch warum. Denn hier wird zuerst die Prophezeihung von Shula verkündet, dann beugt sie sich in den Sand und dann laufen erst die Credits durch. Dies gibt einen viel homogeneren und vor allem viel sauberen und logischeren Beginn des Films.

Der Ton bietet ungefähr die Qualität die man erwarten konnte. Auch wenn er über weite Strecken ganz okay klingt, so sind doch vereinzelte Störgeräusche zu hören. Neben der deutschen Synchronisation gibt es auch den englischen und italienischen Ton, wobei allerdings davon auszugehen ist, dass jeder Schauspieler in seiner Muttersprache sprach und in den andersprachigen Fassungen synchronisiert wurde. Da zu dem Film in Deutschland keine komplette Synchronisation existiert, wechselt an den entsprechenden Stellen der Ton auf die englischen Dialoge und deutsche Untertitel werden eingeblendet. Dies passiert allerdings in der Begegnung zwischen der Wahrsagerin Shula und Aghen so häufig, dass man sich den Film fast komplett auf englisch anschauen möchte, aber da kann EMS nun wirklich nichts für. Deutsche Untertitel für den kompletten Film gibt es im übrigen auch.

Eine Handvoll blanker Messer - ScreenshotEine Handvoll blanker Messer - Screenshot

An Extras gibt es nichts wirklich spektakuläres, aber immerhin wurde versucht wenigstens ein bißchen zu bieten. Hevorzuheben ist hier der deutsche Vorspann, der, wie oben schon erwähnt, im Gegensatz zu der eigenwilligen Schnittfolge des US-Masters eine viel stimmigere Einleitung in den Film bietet. Der US-Kinotrailer ist seltsamerweise in schwarz-weiß, was den Ausschnitten aber irgendwie eine interessante Atmosphäre verleiht. Die Bildergalerie zeigt zahlreiche Motive und ist zudem von einem Stück des Soundtracks unterlegt und zu Cameron Mitchell und Mario Bava gibt es ausführliche Biographien. Auch der Werbeclip für das "All the Colors of the Dark" Buch von Tim Lucas findet sich hier wieder. Die Liner Notes im 8-seitigen Booklet sind diesmal die übersetzte Version des Textes, den Tim Lucas für die US-DVD geschrieben hat und sehr informationshaltig.

Quellennachweis

Troy Howarth: The Haunted World of Mario Bava

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 27.09.2005
Letzte Textänderung: 28.09.2005

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