Film Daten

Titel:
Originaltitel:
Razorback
Land & Jahr:
Australien 1984
Laufzeit ca.: ?
89 Min.
Regie:
Russell Mulcahy
Darsteller:
Gregory Harrison
Bill Kerr
Arkie Whiteley
Chris Haywood
David Argue
Judy Morris
Redmond Philips
John Ewart
Mervyn Drake
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - EMS
Label:
EMS
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 88:21
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Originaltrailer
  • Bio- und Filmographien von Russell Mulcahy
  • Weitere Trailer (R-Point, Tales from the Darkside, The Last Tunnel, The Lost Battalion, Ratten, Shark Hunter)

Review

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(Ein Review von Frank Meyer)

Der alte Mann und das Schwein: Jake Matthew Cullen lebt ziemlich abgelegen im australischen Hinterland. Eines Nachts muss er hilflos mit ansehen, wie ein Ungetüm von einem Wildschwein, ein sogenannter Razorback, sprichwörtlich die Wände einreißt, das Haus verwüstet und seinen Enkel Scotty mit sich in die Wüste schleppt. Verständlicherweise verdächtigen Polizei und Justiz ihn ob dieser unglaublichen Geschichte, den kleinen Jungen selbst getötet zu haben. Aus Mangel an Beweisen freigesprochen, hat der von der Bevölkerung als armer Irrer gebrandmarkte Cullen nur mehr 2 Ziele: Rache für den Tod seines Enkels und als Trophäe den Kopf des gigantischen Razorbacks...

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Zwei Jahre später verschlägt es die amerikanische Reporterin Beth Winters für eine Doku über das Abschlachten von Känguruhs nach Australien. Bei den Recherchen im Umfeld einer Hundefutterfabrik in der abgelegenen Outback-Siedlung Gamulla stoßen ihre unbequemen Fragen nicht auf sonderliche Gegenliebe. Als sie schließlich spurlos verschwindet, macht sich ihr Ehemann Carl auf den Weg, um herauszufinden, was tatsächlich mit seiner Frau geschehen ist. Einer der wenige Anhaltspunkte ist der in den letzten Filmaufnahmen seiner Frau auftauchende alte Jake Cullen. Doch der äußert einen beunruhigenden Verdacht...

Es kommt letztlich eben doch immer darauf an, was man von einem Film erwartet. Ich hab gerade mal gespickt und festgestellt, dass der amerikanische Promi-Kritiker Leonard Maltin Razorback in seinem "Movie & Video Guide" mit dem vernichtenden Fazit BOMB abgefrühstückt hat. Vielleicht einmal mehr der Beweis, dass auch und gerade berufsmäßige Beurteilungsangestellte gerne mal unter Horizontverengung leiden. Ganz wie bei einem Goldgräber, der den Rohdiamanten als Dreck entsorgt, weil er nicht nach Nugget ausssieht, wird ein Schätzchen nur erkannt, wenn es ins Schema passt. Maltins US-Kollegen Martin & Porter vom "Video Movie Guide" hatten offenbar ein passenderes parat; denn bei ihnen schneidet der Film mit 3 1/2 von 5 Sternchen für einen kleinen Horrorfilm ganz manierlich ab. Mein persönliches Schema sagt aber noch etwas anderes...

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Schweinehorror vom Highlander-Regisseur. Als Fingernägelvernichter wird Razorback wohl für die wenigsten funktionieren. Der Film hat zwar seine gelungenen Schreckmomente, aber um hier als erwachsener Mensch den echten Horror zu erleben, braucht es schon ein papierdünnes Nervenkostüm - oder eine ausgesprochene Wildschweinphobie. Und trotzdem ist Russell Mulcahys Spielfilm-Debüt eine Granate. Ein echtes Kleinod der 80er, des B-Films und des Animal-Terror-Subgenres! Ob Razorback im weitesten Sinne noch jener Welle animalen Terrors zugerechnet werden muss, die im Fahrwasser von Spielbergs Der weiße Hai (Jaws, 1975) in die Kinos gespült wurde, darüber lässt sich streiten. Aber wer glaubt, ein Killerwildschwein sei schon ein Recht exotischer Einfall, der darf sich gerne mal (den 3 Jahre vor Spielbergs Haiattacke entstandenen) Rabbits (Night of the Lepus, 1972) oder Slugs (Slugs, muerte viscosa, 1988) anschauen. Tierhorrorfilme können im Terrorkino auf eine lange Tradition zurückblicken, mit vielen High- und Lowlights.

Das interessante an Razorback ist, dass der Film, vermutlich dank der gleichnamigen Literaturvorlage von Peter Brennan (Razorback, 1981), eine vergleichsweise komplexe Storyline aufzuweisen hat, in der das titelgebende Wildschwein längst nicht immer im Mittelpunkt aller Handlungstränge steht. Das verbindende Element und der heimliche Hauptdarsteller ist der australische Outback selbst. Die Wüste wird zum Ort des Bösen, zur Hölle, die jede Nacht ihre Geschöpfe ausspuckt. Sei es nun ein gigantisches Killerschwein oder halbirre Hinterwelter. Für den alten Jake sowie Beth und Carl Winters sind sie am Ende nicht mehr als Personifizierungen ein und derselben Gefahr. Holt sie nicht der Razorback, erledigen die zwei grenzdebilen Brüder den Rest (Macht Euch mal den Spaß und achtet darauf, auf wessen Konto hier mehr Gewalt geht!).

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Damit wären wir ziemlich genau an dem Punkt, der aus einem kleinen B-Film etwas ganz besonderes macht; denn Razorback ist schlicht und ergreifend ein visueller Leckerbissen vor dem Herrn! Den Outback, seinen heimlichen Hauptdarsteller, versteht Russell Mulcahy wie kaum ein anderer vor oder nach ihm in Szene zu setzen. Ich würde sogar sagen, dass hier die australische Naturkulisse geschickter eingesetzt wird als die ähnlich desertrös angelegten Mad Max-Filme. Eventuelle stilistische Ähnlichkeiten dürften übrigens nicht ganz zufällig sein; denn in Teil 2 und 3 stand dort wie hier ein gewisser Dean Semler hinter der Kamera.

20 Jahre hat der Streifen mittlerweile auf dem Buckel, und die Zeit konnte der edlen Optik kaum etwas anhaben. Um das richtig einordnen zu können, muss man wissen, dass Regisseur Mulcahy vor seiner Arbeit für die große Leinwand zu den absoluten Pionieren der Videoclip-Kultur gehörte. Tatsächlich entstand das erste Musikvideo das jemals auf MTV lief (Video killed the Radio Star von den Bungles) unter seiner Regie. Dementsprechend stilbildend waren seine Clips. Mit Arbeiten für Weltstars wie Elton John und vor allem Duran Duran (Wild Boys!) prägte er aber nicht nur das Gesicht der 80er, sondern schuf gleichzeitig das Grundrepertoire dieser neuen Kunstform. Montagetechniken, Schnittfolgen und sein geschicktes Händchen für dynamische Kameraarbeit, all das gibt es in Razorback reichlich zu bewundern - und im Gegensatz zu vielen seiner Gegenwarts-Kollegen nutzte er sie nicht nur, um ein filmisches Nichts anzuhübschen. Die Krönung ist eine Bildgestaltung, die auch Farbzauberern wie Fellini, Bava und Argento alle Ehre gemacht hätte, das Ergebnis ein streckenweise wirklich atemberaubender Bilderbogen, den man wirklich gesehen haben sollte.

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Irgendwelche Szenen für die Ewigkeit? Ein heißer Anwärter wäre definitiv die Szene, in der die Ecke eines Hauses samt laufendem Fernseher vom Razorback weggerissen wird und wir aus der Couchperspektive zusehen wie der australische TV-Star Don Lane auf der Mattscheibe im Dunkel der Nacht verschwindet. Oder der Moment, als Reporterin Winters beim Kameratest plötzlich am fernen Horizont den Schattenriss des Kolosses im Sucher hat. Ganz groß ist auch Carls nächtlicher Jagdausflug mit den beiden Brüdern, bei dem in einem alptraumhaft-unwirklichen Moment ein Autowrack auftaucht, das kopfüber in einem toten Baum hängt. Mulcahy verwandelt hier die australische Steppe unvermittelt in einen höllenhaften Ort, der an die Todesebene in Coscarellis Das Böse (Phantasm, 1979) oder das Jenseits aus Fulcis Geisterstadt der Zombies (L'Aldila, 1980) erinnert. Atmosphärisch vielleicht vergleichbar mit den Traumzeit-Sequenzen in Die letzte Flut (The Last Wave, 1977) von Russells australischem Kollegen Peter Weir.

Zugegeben, so effektiv & reizvoll die künstliche Ausleuchtung sein mag, sie trägt sicher ihren Teil dazu bei, dass der für einen Horrorfilm nicht unerheblich Realismus-Faktor etwas auf der Strecke bleibt und Razorback uns nicht wirklich das Fürchten lehren kann. Aber zumindest waren Mulcahy und sein Team klug genug, sich nicht zu sehr auf ihre Prothesentechniker zu verlassen. Sie präsentieren das Monstrum nur sparsam und eher Ausschnittsweise als in der Totalen, so dass der Film nicht Gefahr läuft, sich aufgrund altersschwacher Tricktechnik in unfreiwilliger Komik zu verlieren. Was schade wäre, da Razorback weiß Gott mehr zu bieten hat als puren Monster-Trash. Wer will könnte z.B. durchaus Aussagen über Konformismus und gesellschaftliches Miteinander ableiten, und es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass die Handlung sogar mit einer kleinen Hitchcock-Anleihe aufwartet. Denn das Schicksal von Beth Winters als Haupt- und Identifikationsfigur, die sich nach etwa 20 Filmminuten überraschend verabschiedet, darf man durchaus in Beziehung zu dem von Jennifer Jason Leigh in Norman Bates' Badezimmer setzen.

Als Fazit bleibt ein atmosphärisch dichter Abenteuerfilm, dessen reizvolle Optik, ein hohes Tempo und kurios-kreative Einfälle, die mit erfrischender Beiläufigkeit eingestreut werden (z.B. ein Getränkedosen vernichtendes Kamel!) für launige Unterhaltung sorgen.

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Russell Mulcahy gehört sicher nicht zu den geschäftstüchtigsten Filmemachern (<15 Kinofilme in 25 Regie-Jahren), hat sich aber bereits mit seinem zweiten abendfüllendem Kinofilm unsterblich gemacht; denn sein Highlander (1986) gehört sicher zu den besten Fantasy-Filmen überhaupt. Seine bereits angesprochene Vorvergangenheit als Videoclip-Regisseur hat übriges dazu beigetragen, dass er neben George "Mad Max" Miller in den 80ern Australiens heißestes Eisen im Feuer Hollywoods war.

Schon mit seiner ersten (Doku-)Regie-Arbeit bannte er etwas Außergewöhnliches auf Zelluloid. Derek and Clive Get the Horn (1979) dokumentiert im Grunde die Aufnahmen von Dudley Moore (Zehn - Die Traumfrau, Arthur) und Peter Cook (Monty Python's Dotterbart, Zu spät - die Bombe fliegt) zu ihrem letzten gemeinsamen Comedy-Album "Ad Nauseum". Allerdings erhielt die Recording Session dieses Schaulaufens in Sachen "Political Uncorrectness" eine gehörige Extraportion Pfeffer durch die Bitterkeit von Cook, nachdem seinem langjährigen Kollegen Moore im Gegensatz zu ihm der große Durchbruch gelungen war. Rivalitäten, Beschimpfungen und Fiesigkeiten, deren Ergebnis in England sogar vorübergehend gänzlich aus dem Verkehr gezogen wurde. Wenn das mal keine feine Fußnote für ein Regie-Debüt ist!

Nummer 2 war dann Razorback (1984), dem zwei Jahre später das grandiose Meisterstück Highlander (1986) folgte. Anfang der 90er war er dann zwar vorübergehend geschäftiger, allerdings mit wechselhaften Resultaten. Das Highlander-Sequel Highlander II - Die Rückkehr (1991) floppte aus diversen Gründen, Ricochet (1991) mit John Lithgow und Denzel Washington schnitt im gleichen Jahr ordentlich ab und Blue Ice (1992) mit Sir Michael Caine landete direkt in den Videotheken. Sowohl Karen McCoy - Die Katze (The Real McCoy, 1993) als auch Shadow und der Fluch des Khan (The Shadow, 1994) gingen trotz eigentlich gutem Ergebnis an den Kinokassen gründlich baden. Was folgte war Silent Trigger (1996), der zwar für die Verhältnisse von Hauptdarsteller Dolph Lundgren gut ausfiel, aber ansonsten auch nicht wirklich überzeugen konnte.

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Mit großem Kino war auf alle Fälle erst einmal Schluss. An Talos - Die Mumie (Talos of the Mummy, 1998) mit Jason Scott Lee und Christopher Lee mag beinahe noch das Interessanteste sein, dass es für letzteren der beiden Lees die letzte B-Produktion war, bevor er mit Sleepy Hollow (1999) und Lord of the Rings (2001-2003) wieder an die Spitze Hollywoods zurückkehrte. Auch Resurrection (1999) mit Higlander Lambert und David Cronenberg in einer Gastrolle landete fix in den Videotheken. USS Charleston - Die letzte Hoffnung der Menschheit (On the Beach, 2000) war zwar TV mit Überbreite, aber eben Bildschirm- und nicht Leinwandformat. Vielleicht brechen ja bald wieder bessere Zeiten an. Swimming Upstream (2003) mit Geoffrey Rush schaffte es zwar nicht nach Deutschland, soll aber ein gelungenes Sportsdrama geworden sein. Und für 2006 ist eine Familiekomödie namens Russell angekündigt, in der ein Mann in einen Koala verwandelt wird. Das hat doch Potential!

Das Staranteil der Darsteller-Riege hält sich zwar in Grenzen, aber für sein Spielfilmdebüt hat sich Regisseur Mulcahy eine stimmige Truppe zusammengestellt. Bill Kerr (Jake Cullen), dem ich eine gewisse Ähnlichkeit mit Altmeister John Huston attestieren würde (ok, das gilt für fast alle weisshaarigen- und bärtigen Männer außer dem Weihnachtsmann), spielte zuvor u.a. neben Peter Sellers in Gentlemen Killers (The Wrong Arm of the Law, 1963). Eine Minirolle gabs in Buster Keatons letztem Film, Richard Lesters Toll trieben es die alten Römer (A Funny Thing Happened on the Way to the Forum, 1966). Weitere Kerr-Filme: Gallipoli (1981) von Mulcahy-Landsmann Peter Weir (Picknick am Valentinstag, Die Truman Show) und The Coca-Cola Kid (1985) mit Eric Roberts und der jungen Greta Scacchi. Den alten Jake Cullen mimt er hier so glaubhaft wie man einen vergrämten Wildschwein-Jäger nur mimen kann.

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Obwohl man Gregory Harrison (Carl Winters) vielleicht vorwerfen könnte, dass er etwas zu fix ein Auge auf die blonde Hinterlandperle Sarah wirft, liefert er in der Rolle des Ehemanns auf der Suche nach seiner verschwundenen Frau eine solide darstellerische Leistung ab. Und bekannt vorkommen darf einem sein Gesicht durchaus auch. Harrison war nämlich in einigen prägenden Serien der späten 70er und frühen 80er mit von der Partie. Seine populärste Rolle war wohl die in Trapper John M.D. (1979), wo er den Ziehsohn von Chefarzt Pernell Roberts, dem früheren Bonanza-Cowboy, mimen durfte. Als Kinodarsteller könnte man ihn auch aus Filmen wie Wie klaut man einen Renoir? (Hot Paint, 1988) oder dem Remake des gleichnamigen John Wayne/Howard Hawks-Klassikers Red River (1988) kennen.

Harrisons große Leidenschaften gelten Surfen und dem Theater. Vom einen kann man sich bspw. in North Shore (1987), eigentlich der Surffilm der 80er, überzeugen, während er sich um letzteres vor allem als Mitbegründer der "Catalina Production Group" verdient gemacht hat.

Arkie Whiteleys (Sarah) bedeutendste andere Rolle wird (zumindest aus Sicht des Genre-Fans) sicherlich ihr Auftritt als Wüstenmaus in George Millers Mad Max 2 - Der Vollstrecker (1981) gewesen sein. Neben einer Reihe von TV-Produktionen Down Under und auf der britischen Insel war sie im Kino lediglich in einer Minirolle im stargespickten "Skandalfilm" Scandal (1989) und vier Jahre später in der Romantikkomödie Prinzessin Caraboo (1994) zu sehen. Eine wirklich Chance für Rollen jenseits der Mädchenjahre bekam die blonde Schauspielerin aber leider nicht: Mit gerade mal 36 Jahren erlag sie einem Krebsleiden. Ein Grund mehr, ihr hier nochmals für ihren Auftritt als Outback-Außenseiterin in Razorback Tribut zu zollen...

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Eine interessante Filmographie hat auch Chris Haywood (Benny) aufzuweisen. Sein Filmdebüt gab er nämlich bspw. in Peter Weirs schrägem Die Killer-Autos von Paris (The Cars that ate Paris, 1974). 2 Jahre später arbeitete er für Deathcheaters (1976) unter dem anglo-australischen B-Spezialisten Brian Trenchard-Smith (Der Mann aus Hong Kong, Blood Camp Thatcher, Night of the Demons 2) - einem äußerst interessanten Vogel, dem ich bei Gelegenheit gern mal eine Retrospektive widmen würde! Das nur mal so nebenbei. Haywood war später noch an der Seite von Tom Selleck mit Quigley, der Australier (1990) sowie Geoffrey Rush in Shine (1996) zu sehen und und partitionierte u.a. im Kritikerfavoriten Muriels Hochzeit (1994).

Auch Haywoods Filmbruder Dicko (David Argue) arbeite mit Brian Trenchard-Smith, und zwar spielte er die Hauptrolle in dessen absolut kultigem Die BMX-Bande (BMX-Bandits, 1983) - und so war er ganz nebenbei der erste Filmpartner der blutjungen Nicole Kidman. Und weil Charakterköpfe wie der von Argue immer wieder mal gebraucht werden, war er bspw. als Zelleninsasse in Flucht aus Absolom (No Escape, 1994) dabei. Die von den beiden Sicko-Brüdern in Razorback malträtierte Reporterin Beth Winters wird gespielt von Judy Morris, einer recht erfolgreichen TV-Aktrice, die u.a. neben Nicole Kidman im bedrückenden Bangkok Hilton (1989) spielte. Oder um die Sache an dieser Stelle abzukürzen: Die Besetzung stimmt!

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Das Skripting des Drehbuchs (tatsächlich nach einer Literaturvorlage!) hat Everett De Roche übernommen. Ein Mann, der zwar letzten Endes ein reiner Fernsehautor geworden ist (Die fliegenden Ärzte, Flippers neue Abenteuer), sich aber Ende der 70er bis Mitte der 80er um das australische Genre-Kino verdient gemacht hat. So schrieb er die Drehbücher zu Richard Franklins Patrick's Höllentrip (Patrick, 1978) und Link, der Butler (1986), sowie auch zur modernisierten DownUnder-Variante der Rasputin-Story, Harlekin (Harlequin, 1980). Nichtzuletzt lieferte er das Drehbuch zu Brian Trenchard-Smiths Der Geisterjäger (Frog Dreaming, 1986), den ich zu den besten Kinderfilmen der 80er zählen würde.

Kameramann Dean Semler ist wie Regisseur Mulcahy ein echtes australisches Original, das es mittlerweile bis in die erste Liga Hollywoods geschafft hat. Nach u.a. Razorback (1984) und dem zweiten und dritten Teil der Mad Max-Trilogie (1981/1985) traute er sich ab Ende der 80er auf die die andere Seite der Welt. Er filmte Tom Cruise in Cocktail (1988) und Hollywoods junge Wilde in Young Guns 1+2 (1988/1990), und zeichnete sich auch für die Kameraarbeit in den Oscar-gekrönten Der mit dem Wolf tanzt (Dances with Wolves, 1990) und City Slickers (1991). Es folgten Biggest Budget-Arbeiten wie Last Action Hero (1993), Waterworld (1995) oder auch Tripple X (2002). Aktuell arbeitet er an der Umsetzung von Mel Gibsons Maya-Projekt Apocalypto - nicht nur über sondern auch in Maya('nesisch).

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Razorback darf man sicher mit einigem Recht zum engeren Kreis der Geheimtipps aus dem guten alten Videozeitalter rechnen. Die VHS-Veröffentlichung war eines dieser von Sammlern geschätzten Constantin-Tapes in der griffig-speckigen Einschweißbox, und nicht wenige haben seit Jahren auf die digitale Aufbereitung des kleinen Tierhorror-Klassikers Ausschau gehalten. Dieses Warten hat dank EMS nun ein Ende, auch wenn nicht alle Wartenden mit dem Ergebnis 100% zu frieden sein werden.

Grund hierfür ist vor allem, dass man nicht die Chance genutzt hat, den Film endlich ungeschnitten zu veröffentlichen - ob nun aus bloßer Unwissenheit, Gleichgültigkeit oder um das Geld für eine neue FSK-Prüfung zu sparen. Aber von was für Kürzungen reden wir hier? Im Kern geht es um 2 Szenen, in denen die alte deutsche Videofassung entschärft wurde. Der erste Schnitt betrifft die Attacke der beiden Brüder auf die Reporterin, der zweite ein paar Blutspritzer im großen Finale. Nun ist es ganz bestimmt nicht so, dass Razorback durch diese zusätzlichen Szenen zum Gorefest geworden wäre, aber nichtsdestotrotz bleibt natürlich der etwas fade Beigeschmack einer (unnötig) gekürzten Fassung.

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Ich für meinen Teil würde sagen, dass sich mit den Schnitten am Ende durchaus leben läßt. Schön ist es nicht, aber die Szene mit Dickos versuchter Vergewaltigung wirkt im ansonsten eher überdrehten Kontext des Films auch so noch beinahe zu ernst, und die paar Spritzer Wildschweinsaft rechtfertigen in meinen Augen nicht den teureren Griff zur Import-Scheibe. Zumal die digitale Aufbereitung des Films sich ansonsten durchaus sehen lassen kann. Das anamorph kodierte Bild weiß mit kräftigen Farben und guten Kontrasten zu überzeugen, was man bei einem so visuell interessant gestalteten Streifen gleich doppelt zu schätzen wissen darf. Die Qualität des alten Constantin-Tapes war zwar auch nicht schlecht, aber trotzdem hat man den Outback vorher noch nicht so schön in tollen Rot- und Blautönen leuchten sehen.

Zu hören gibt es sowohl die deutsche Synchronisation, als auch den englischen Originalton. Beide DD 2.0-Spuren (dt. leider nur mono) sind gut verständlich und frei von auffälligen Störgeräuschen. Und da es sich bei der DTS- bzw. 5.1-Spur der Anchor Bay-Veröffentlichungen ohnehin nur um einen Upmix handeln wird, kann derlei vernachlässigbarer Firlefanz eigentlich auch kein Kaufargument sein (die liefert dann eher das Bonusmaterial). Die handwerkliche Qualität der deutsche Synchro ist abgesehen von den ersten Minuten (die falsche Kinderstimme und die Szene im Gerichtssaal) übrigens recht gut gelungen.

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Das Bonusmaterial der EMS-DVD wird zwar niemanden in Begeisterungsstürme versetzen, aber immerhin wurde der obligatorische Kinotrailer (in diesem Fall das englischsprachige Original) durch eine relativ ausführliche Bio- und Filmographie zu Regisseur Russell Mulcahy ergänzt. Die 7 übersichtlichen Texttafeln sind zwar relativ knapp, aber geben tatsächlich einen recht informativen Überblick über das Schaffen Mulcahys von seinen Anfängen im Videoclip-Geschäft bis zu seinen Kinoerfolgen mit Highlander und Co. Bei einer DVD dieses Preissegments nach fremdlizensierten oder gar eigenproduzierten Hintergrund-Dokus zu fragen, wäre dann vielleicht auch etwas vermessen. Ergänzt werden die Extras durch ein bißchen Eigenwerbung in Form von 6 EMS-Filmtrailern (u.a. zu Mulcahys The Lost Battalion).

Ansprechend auch die Covergestaltung, die sich erfreulicherweise eher am Aufbau der alten Videoveröffentlichung als an den internationalen Veröffentlichungen orientiert. Insbesondere für die Übernahme des feinen 80er-Schriftzugs gibt es hier einen ganz klaren Pluspunkt für die deutsche Veröffentlichung! Man hat sich allerdings auch einen kleinen Flüchtigkeitsfehler auf dem Cover erlaubt: Herr Mulcahy schreibt seinen Russell nämlich immer noch mit Doppel-L. Fällt vermutlich zwar eh niemandem auf, aber ich wollt's gesagt haben...

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 30.11.2005
Letzte Textänderung: 04.12.2005

Die Meinungen der Redaktion

Carsten Henkelmann 09.01.2006

In einem muss ich bedingungslos zustimmen: "Razorback" ist wirklich großartig inszeniert. Die Farbgestaltung und das Ausnutzen der weitläufigen Landschaften als Kulisse hat der Regisseur wirklich gut hinbekommen. Der Film selber ist ein netter kleiner Horrorreißer, wobei des titelgebende Wildschwein eigentlich gar nicht mal unbedingt die böseste Kreatur im Film ist, sondern manche menschlichen Charaktere stehen dem Vieh nichts nach. Die Handlung geht einigermaßen flott voran, Langeweile kommt also gar nicht groß auf, nur kann man sich den Verlauf des Films schon ungefähr denken.

Zu den Schnitten der deutschen DVD muss ich sagen, dass es gar nicht so schlimm ist, dass sie da sind, sondern dass sie deutlich auffallen,. auch wenn man den Film gar nicht kennt. Ein wenig stümper- und sprunghaft wirkt das dann schon und vermiest ein klein wenig den Genuß des Films.

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