Film Daten

Titel:
Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert
Originaltitel:
Confessione di un commissario di polizia al procuratore dell
Land & Jahr:
Italien 1971
Laufzeit ca.: ?
101 Min.
Regie:
Damiano Damiani
Darsteller:
Franco Nero
Martin Balsam
Marilú Tolo
Claudio Gora
Luciano Catenacci
Giancarlo Prete
Arturo Dominici
Michele Gammino
Adolfo Lastretti
Nello Pazzafini
Calisto Calisti
Wanda Vismara
Adele Modica
Dante Cleri
Roy Bosier
Alternativtitel:
• Confessions of a Police Captain
• Confessions of a Police Commissioner to the District Attorney
• Geständnis eines Polizeikommissars vor dem Staatsanwalt der Republik, Das
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Koch Media
Label:
Koch Media
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 100:58
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Italienisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Interview mit Franco Nero
  • Bildergalerie
  • Trailer
  • Italienischer Vorspann
  • Booklet mit Liner Notes

Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert

Review

Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

LiPuma (Adolfo Lastretti) wird aus einer Irrenanstalt entlassen und begeht bereits zwei Tage später einen bewaffneten Überfall auf das Büro des Architekten Lomunno (Luciano Catenacci), der aber nicht anwesend ist. Mit dem Fall beschäftigt sich sowohl Kommissar Bonavia (Martin Balsam) als auch Staatswanwalt Traini (Franco Nero, Staatsanwalt Treni in der deutschen Fassung). Während Bonavia glaubt, dass jemand Lomunno gewarnt hat, versucht Traini mit Lomunno in Kontakt zu kommen. Der erzählt ihm, dass Männer hinter dem Attentat stecken, die über viel Geld verfügen. Traini beginnt aber langsam an der Integrität von Bonavia zu zweifeln und ihm kommt immer mehr der Verdacht, dass er etwas damit zu tun haben könnte ...

Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert - ScreenshotDer Clan, der seine Feinde lebendig einmauert - Screenshot

Auch wenn sie oberflächlich den Genres des Giallo oder Polizeithrillers zuzuordnen sind, so verknüpfte Regisseur Damiano Damiani stets seine Filme mit politischen oder sozialkritischen Motiven. So auch bei dem im Original lautenden Confessione di un commissario di polizia al procuratore della repubblica, der hier besser als Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert bekannt ist, wobei der zweite deutsche Alternativtitel Das Geständnis eines Polizeikommissars vor dem Staatsanwalt der Republik eine genauere Übersetzung des Originaltitels darstellen würde. Dieser Film zog sogar mit Istruttoria è chiusa: dimentichi (Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie's!) und Perché si uccide un magistrato? (Der Terror führt Regie / Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?) zwei Pseudo-Sequels nach sich, die einen ähnlich zynischen Blick auf die italienische Gesellschaft und Politik werfen, aber ansonsten nicht viel mit Der Clan... gemeinsam haben. In beiden Werken spielt Franco Nero die Hauptrolle und um ihn herum scheint jeder in irgendeiner Form mit Korruption und Verbrechen zu tun zu haben. In Istruttoria è chiusa: dimentichi spielt er einen gebildeten Architekten, der im Gefängnis landet und in Perché si uccide un magistrato? verkörpert er einen Regisseur, der in seinem neusten Spielfilm deutliche Parallelen zu dem Staatsanwalt Traini zieht, der dort scheinbar bereits tief im Korruptionsdschungel zu stecken scheint.

Aber zurück zu Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert. Kommissar Bonavia ist ein Polizist, der schon seit vielen Jahren diesem Beruf nachgeht, eine zynische Weltanschauung an den Tag legt und sich längst damit abgefunden hat, das Verbrechen nicht nach den offiziellen Regeln bekämpfen zu können. Er versucht bereits seit einiger Zeit Ferdinando Lommuno etwas anzuhängen, der früher Arbeiter ausbeutete und für die Durchführung von lukrativen Unternehmen auch nicht scheute über Leichen zu gehen. Für Bonavia stecken Lommuno und führende Köpfe der Stadtverwaltung unter einer Decke und er kennt auch einige ihrer Operationen, nur fehlte es ihm bislang an den nötigen Beweisen. Staatsanwalt Traini steht noch am Anfang seiner Karriere, wurde erst kürzlich in die Stadt versetzt und wird von Bonavia recht schnell darüber informiert, dass die hohen Herren der Stadt alle Dreck am Stecken haben. Eine problematische Perspektive für Traini, der noch an alte Werte glaubt. Lomunno schickt zunächst auch erst seinen schmierigen Anwalt vor, bevor er direkt mit Traini spricht und gibt sich bewußt unschuldig und glatt.

Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert - ScreenshotDer Clan, der seine Feinde lebendig einmauert - Screenshot

Schließlich beginnen die verschiedenen Ansichten von Bonavia und Traini aufeinanderzuprallen. Traini verkörpert den gesetztesbewußten Anwalt der sich an die Gesetze hält und fest an die Justiz glaubt. Er kann sich mit den zahlreichen Verdächtigungen Bonavias und seiner Weltanschauung nicht identifizieren. Schließlich kommt es sogar zum handfesten Streit. Diese beiden Männer stehen sich auf zwei vollkommen gegensätzlichen Positionen gegenüber, obwohl beide eigentlich das gleiche Ziel verfolgen sollten. Traini als junger und pflichtbewußter Mann auf dem Weg nach oben, Bonavia als sein direktes Spiegelbild, ein Mann der durch die Erfahrungen seines Berufes mittlerweile völlig desillusioniert ist. In einer kurzen Sequenz, in der er einen jungen Mann zur Aufgabe der Belagerung einer Kirche bringt, wird gezeigt, dass Bonavia trotzdem ein erfahrener Polizist ist, der durchaus weiß, was er wann zu tun hat und damit sogar Erfolg hat. Allerdings ist dies auch nur ein kleiner Fisch, während er an die großen einfach nicht herankommt.

Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert setzt vor allem auf seine zwei Hauptcharaktere. Die Dialoge zwischen den beiden sind enorm wichtig, es passiert eigentlich ständig was, die Geschichte entwickelt sich stetig weiter und man sollte schon ein wenig aufpassen, um die ganzen Zusammenhänge mitzubekommen. Im Gegensatz zu vielen anderen italienischen Thrillern aus der Zeit spielt hier die Action keine große Rolle. Auch wenn es eine wilde Schießerei zu Beginn gibt, so dient sie nur als Aufhänger um die Geschichte in Gang zu bringen. Das Drehbuch konzentriert sich mehr auf die Spannungen zwischen Bonavia und Traini und ihre persönliche Entwicklung während der Ereignisse. Obwohl der Film recht dialoglastig ausgefallen ist, so sind es doch die Streitgespräche zwischen Traini und Bonavia, die die Atmosphäre des Films aufbauen. Ein Höhepunkt stellt dabei ein Gespräch dar, dass mit einem Rückblick seitens Bonavia auf ein Schlüsselereignis in der Vergangeheit beginnt und in einem lautstarken Streit zwischen ihm und Traini endet, wobei beide in ihrer Wut zunächst nicht bemerken, dass sie in die falschen Autos einsteigen.

Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert - ScreenshotDer Clan, der seine Feinde lebendig einmauert - Screenshot

Wie so häufig bei den Filmen Damianis stehen die Personen in Führungspositionen in keinem guten Licht, sei es in der Politik oder in der Wirtschaft. Die oberen Regierungs- oder Führungsschichten werden als ein korrupter Verbund verschiedener Personen dargestellt, denen es nur um ihre eigenen Interessen und Profite geht. Traini wirkt mit seinem Festhalten an Gesetz und Ordnung schon fast wie ein Fremdkörper und hinkt, gerade weil er sich so an die Gesetze hält, des öfteren hinterher, während andere längst die Initiative ergriffen haben und ihm einen Schritt voraus sind. Der Film läßt diejenigen als die Verlierer darstehen, die ehrlich bleiben und sich an die Gesetze halten, während scheinbar Korruption und Machtmissbrauch zu einem viel lukrativeren Leben führen. Die bekommt auch Traini direkt zu spüren, als er aus heiterem Himmel zu auffällig günstigen Konditionen eine attraktive Penthouse-Wohnung angeboten bekommt.

Zitat

Bonavia: Wo wohnen Sie?
Traini: Hier in der Nähe.
Bonavia: Passen sie auf, an einem der nächsten Tage könnte aus dem Hahn in ihrem Badezimmer Blut laufen. Oder sie bemerken eine defekte Stelle im Mauerwerk. Sie kratzen und was kommt zum Vorschein: ein Finger. Oder ein Auge.

Trotz der vielen Dialoge und der Thematik eines reinrassigen Polit-Thrillers bleibt Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert ein recht spannender Film mit zwei überzeugenden Hauptdarstellern und einem nicht gerade optimistischen Ende. Die Kameraarbeit wechselt zwischen ausgearbeiteten Szenen mit Kamerafahrten und dokumentarisch angehauchten Handkameraaufnahmen und verleiht dem Film so eine gewisse Dynamik. Für die Kameraarbeit zeigte sich Mario Vulpiani verantwortlich. Unbedingt erwähnen sollte man aber auch den Soundtrack von Riz Ortolani, der gut ins Ohr geht und mit dem Titelsong einen dieser Ohrwürmer bereit hält, den man immer sofort erkennt.

Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert - ScreenshotDer Clan, der seine Feinde lebendig einmauert - Screenshot

Für die Hauptrolle des Kommissars Bonavia wollte Damiano Damiani zunächst niemand geringeren als Anthony Quinn gewinnen. Der zeigte sich durchaus interessiert, allerdings wollte er den Film gleich zu einem Mafia-Drama in Chicago umwandeln. Die zweite Wahl Ben Gazzara kam ebenfalls mit Änderungswünschen an und ausgerechnet sein Manager empfahl Damiani den him unbekannten Martin Balsam. Den kannte Franco Nero allerdings und war sofort dafür, dass Balsam die zweite Hauptrolle übernahm. Dies zahlte sich für Balsam aus, denn danach galt er als Star in Italien und war in vielen großen Produktionen zu sehen gewesen. Franco Nero empfahl Balsam auch häufig für andere Filme, wenn er nach passenden Schauspielern für eine noch zu besetzende Rolle gefragt wurde.

Nachdem Damiano Damiani den politisch angehauchten Italo-Western Chuncho, quién sabe, El? (Töte Amigo) fertiggestellt hatte, folgte kurze Zeit später Il Giorno della civetta (Der Tag der Eule), in dem Franco Nero neben Claudia Cardinale spielte. Nach dem dann eher konventionellen Drama La Moglie più bella (The Most Beautiful Wife) folgte dann schon Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert und mit L' Istruttoria è chiusa: dimentichi (Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie's!) gings dann thematisch und mit Franco Nero als Hauptdarsteller gleich weiter. Der war vorher in Filmen wie Il Mercenario (Die gefürchteten Zwei) oder Vamos a matar, compañeros (Zwei Compañeros) im Italo-Western-Bereich wieder positiv aufgefallen und auch nach Der Clan... ließ ihn dies Genre z.B. mit ¡Viva la muerte... tua! (Zwei wilde Companeros) oder Los Amigos (Das Lied von Mord und Totschlag) nicht los. In den 1980er Jahren wurde Franco Nero auch die Hauptrolle in der von Damiano Damiani inszenierten und auch in Deutschland enorm erfolgreichen TV-Serie La Piovra (Allein gegen die Mafia) angeboten, aber da er kein Vertrauen in die Produzenten hatte, lehnte er ab.

Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert - ScreenshotDer Clan, der seine Feinde lebendig einmauert - Screenshot

Martin Balsam sah man nach Der Clan... unter anderem in der TV-Serie The Six Million Dollar Man (Der Sechs Millionen Dollar Mann), The Taking of Pelham One Two Three (Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 1-2-3) oder auch wieder neben Franco Nero in der Western-Klamotte Cipolla Colt (Zwiebel-Jack räumt auf). Marilù Tolo, die hier die Schwester des LiPuma spielt, trat sowohl in Sandalenfilmen (L' Ultimo gladiatore (Der letzte der Gladiatoren)), Agentenfilmen (Misión Lisboa (Agentenfalle Lissabon)) oder Italo-Western (Se sei vivo spara (Töte, Dango)) auf. Der im Film als Trainis Vorgesetzter und Mentor agierende Claudio Gora war einer der besten italienischen Theaterschauspieler seiner Zeit, spielte aber auch Rollen in Werken wie Le Monache di Sant'Arcangelo (Die Nonne von Verona) oder dem Giallo Sette orchidee macchiate di rosso (Das Rätsel des silbernen Halbmonds) mit. Luciano Catenacci ist den meisten sicherlich als glatzköpfiger Bürgermeister aus Operazione paura (Die toten Augen des Dr. Dracula) bekannt.

Die deutsche DVD von Koch Media präsentiert den Film in einer guten Verfassung. Da der deutsche Titel im Vorspann zu sehen ist, kann man davon ausgehen, dass ein deutsches Kinomaster zur Verfügung stand. Verschmutzungen oder Beschädigungen sind kaum zu entdecken, allerdings erreicht die Schärfe nur selten optimale Werte. Phasenweise wirkt das Bild weich gezeichnet und auch sehr unscharf, während andere Szenen wiederrum schärfetechnisch recht gut aussehen. Eine Texttafel vor Beginn des Films weist allerdings bereits darauf hin, dass auf unterschiedliche Quellen zurückgegriffen werden musste. Dafür ist allerdings kaum Rauschen oder Körnung auszumachen. Die Farben kommen relativ gut zur Geltung und auch der Kontrast liegt auf einem akzeptablen Niveau. Nicht unbedingt eine bildliche Referenz, aber man kann mit dem Ergebnis zufrieden sein. Dem Ton merkt man sein Alter allerdings schon etwas an. Im italienischen Originalton knackst und rauscht es an vereinzelten Stellen und der deutsche Ton wird zwischendurch immer von einigen Passagen mit O-Ton unterbrochen, da der Film damals in den deutschen Kinos nur in einer gekürzten Fassung lief und daher nie komplett synchronisiert wurde. Für die paar Szenen gibt es aber deutsche Untertitel. Allerdings ist dem Authoring Studio hier ein kleiner Patzer unterlaufen, denn in der Szene als Bonavia in seiner Wohnung von seinem Assistenten besucht wird, fehlen die Untertitel. Und das über eine Länge von gut 3 Minuten! Glücklicherweise kann man hier kurz auf die zweite Untertitelspur für den ganzen Film wechseln, denn die Dialoge sind nicht unbedingt unwichtig.

Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert - ScreenshotDer Clan, der seine Feinde lebendig einmauert - Screenshot

Das wohl interessanteste Extra der DVD ist das fast 20-minütige und von vielen Filmauschnitten unterbrochene Interview "Franco Nero In His Own Words". Hier betont der charismatische Schauspieler, dass Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert der wohl international am meisten verkaufte italienische Film sei, noch vor den Werken von Sergio Leone oder Frederico Fellini. Des weiteren erzählt er, wie er und Damiano Damiani begannen zusammen Filme zu drehen, wie sie nach einem zweiten Hauptdarsteller für Der Clan... suchten, seine spätere Zusammenarbeit mit anderen Darstellern aus dem Film und am Schluß gibt es noch eine Anekdote von den Dreharbeiten und er geht auch kurz auf Soundtrack-Komponoist Riz Ortolani ein. Die mit einem Stück des Soundtracks unterlegte Bildergalerie zeigt fast nur deutsche Aushangfotos sowie etwas Pressematerial. Des weiteren gibt es noch den deutschen Kinotrailer und den italiensichen Originalvorspann (der Transfer des Films basiert auf einem deutschen Master). In dem Booklet gibt es noch Liner Notes vom Italo-Experten und Filmkritiker Christian Keßler, der hier allerdings konsequent die Namen von LiPuma und Lomunnos den falschen Charakteren zuordnet.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 19.12.2005
Letzte Textänderung: 21.12.2005

Leser-Kommentare

25.03.2006, 19:44:00 Christian

Ein wirklicher toller Film, der sich auch von anderen italienischen Mafia Filmen deutlich abhebt.
Dieser Film ist eher leise, wer ActionItalokino sucht, sollte sich eher an die Viper mit Maurizio Merli oder natürlich an Sergio Grieco's Der Tollwütige mit Helmut Berger ranwagen! Beide sind erst kürzlich auf DVD erschienen!
Von seiner Sinnlichkeit ist der Clan, der... durchaus mit "Tote Zeugen singen nicht" von Enzo G. Castellari vergleichbar.
Gehört sowieso alles in den Schrank!

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann