Film Daten

Titel:
Three... Extremes
Originaltitel:
Saam gaang yi
Land & Jahr:
Japan / Südkorea / Hongkong 2004
Laufzeit ca.: ?
121 Min.
Regie:
Fruit Chan
Takashi Miike
Park Chan-wook
Darsteller:
Ling Bai
Pauline Lau
Tony Leung Ka Fai
Meme
Miriam Yeung Chin Wah
Miki Yeung
So-Fun Wong
Byung-hun Lee
Won-hie Lim
Hye-jeong Kang
Dae-yeon Lee
Mi Mi Lee
Jung-Ah Yum
Kyoko Hasegawa
Atsuro Watabe
Mai Suzuki
Yuu Suzuki
Mitsuru Akaboshi
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - EMS
Label:
EMS
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 120:34
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 5.1
Deutsch - DTS
Kantonesisch - DD 5.1
Koreanisch - DD 5.1
Japanisch - DD 5.1
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Making of: Dumplings
  • Making of: Cut
  • Making of: Box
  • Trailer
  • 3 Promo-Spots
  • Bildergalerie
  • Trailer: A Tale of Two Sisters / Koma / R-Rpoint / The Machinist / Evil / Agulimala / Ju-On - The Grude 2 / Mahaut - Zeichen der Macht / Wishing Stairs / Three... Nightmares / Dumplings / Ein perfektes Verbrechen / Rottweiler / The Unborn / Kwaidan - Das Herz des Samurai

Three... Extremes

Review

Three... Extremes - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Dumlings: Die ehemalige Schauspielerin Li (Miriam Yeung Chin Wah) will sich nicht mit dem natürlichen Alterungsprozess abgeben und sucht eine Frau auf, die Teigtaschen kocht die angeblich verjüngend wirken sollen. Und tatsächlich, die Teigtaschen von "Tante Mei" (Ling Bai) entfalten ihre Wirkung und schon bald interessiert sich wieder ihr Mann für sie und erntet anerkennende Kommentare von ihren Freundinnen. Bis sie entdeckt, was wirklich in den Teigtaschen verarbeitet wurde ...

Cut: Ein Filmregisseur (Byung-hun Lee) wird überwältigt und erwacht am Set seines neusten Films. Vor ihm sieht er seine Frau geknebelt und mit unzähligen Drähten gefesselt an einem Klavier sitzen, wo gerade ein Fremder ihre Finger an die Klaviertasten festklebt. Der Fremde hat einen unbändigen Hass auf den Regisseur und stellt ihn vor die Option, seine Frau zu retten, wenn er dafür einen Mord begeht ...

Box: Kyoko (Kyoko Hasegawa) ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, aber lebt vollkommen zurückgezogen für sich allein. Sie leidet unter einer alten Schuld, denn sie war zu Kindertagen für den Flammentod ihrer Schwester verantwortlich, die zusammen mit ihr im Zirkus ihres Vaters aufgetreten ist. Plötzlich steht wieder das Zirkuszelt ihres Vaters an der alten Stelle ...

Three... Extremes - ScreenshotThree... Extremes - Screenshot

Wenn drei profilierte Regisseure aus drei verschiedenen asiatischen Ländern zusammen einen Episodenfilm drehen, dann kann man die Erwartungen schon etwas höher schrauben. Es handelt sich hierbei um den Japaner Takashi Miike (Episode "Box", Audition, Dead or Alive, Ichi the Killer), Fruit Chan (Episode "Dumplings", Finale in Blood, Public Toilet) und Chan-Wook Park (Episode "Cut", Joint Security Area, Sympathy for Mr. Vengeance, Oldboy). Herausgekommen ist dabei ein Episodenfilm, der drei grundverschiedene und nicht zusammenhängende Geschichten erzählt und dabei vor allem bei den Episoden von Takashi Miike und Chan-Wook Park mit einer geradezu kunstvollen Inszenierung aus dem Gros ähnlicher filmischer Anthologien heraussticht.

Die konventionellste und damit auch zugänglichste Episode ist Dumplings von Fruit Chan. Zugänglich deswegen, weil er sich darauf beschränkt seine Geschichte relativ gradlinig zu erzählen und auf surreale Elemente weitestgehend zu verzichten. Mit den Mitteln des Horrorfilms wird die oberflächliche Jagd nach der ewigen Jugend teils parodiert, teils angegriffen und vor allem das bloßgestellt, was Menschen dafür zu tun bereit wären, nur um nicht so alt auszusehen wie sie wirklich sind. Worauf es letztendlich hinaus läuft, wird für die meisten sicher keine Überraschung sein und dies macht die Geschichte auch zu der schwächsten der drei. Immerhin überzeugt Miriam Yeung Chin Wah als ex-Schauspielerin, die sich zwischen Begeisterung, Ekel und später auch Wahnsinn hin- und herbewegt und auch Ling Bai als exzentrische und gleichzeitig auch etwas verschroben wirkende Tante Mei spielt ihre Rolle sehr gut.

Three... Extremes - ScreenshotThree... Extremes - Screenshot

Diese Geschichte schwächelt neben dem vorhersehbaren Verlauf aber auch an einigen anderen Details. Da Dumplings von Fruit Chan auch gleichzeitig als abendfüllender Spielfilm in normaler Länge inszeniert wurde, werden hier einige Storyelemente angerissen, aber nie so wirklich befriedigend weiterverfolgt. So wird zwischendurch immer mal ein Subplot mit einer Mutter und ihrer Tochter eingeschoben, wo die Tochter ihr Kind bei Tante Mei abtreiben ließ und man nach und nach erfährt, wie es eigentlich zu dieser Schwangerschaft kam. Eher fragmentarisch wird diese Nebenhandlung weiterverfolgt und bis auf ein-zwei Momenten berühren und beeinflussen sich die beiden Handlungsstränge kaum. Auch gibt Tante Mei anfangs einige Hinweise zur Rezeptur, die Frau Li anfangs aber überhaupt nicht hinterfragt und scheinbar auch nicht interessiert, obwohl einige deutliche Anhaltspunkte genannt werden. Dies wirkt etwas unglaubwürdig. Dumplings bleibt zwar eine grundsolide Horrorgeschichte, die aber die wahren Überraschungen vermissen läßt, aber durch die Länge von knapp über 35 Minuten durchaus zu unterhalten versteht.

Cut ist da schon von einem etwas anderen Kaliber. Wie in allen letzten Filmen von Chan-Wook Park ist hier auch wieder die Rache das führende Motiv für die Handlung. Ein Statist aus den Filmen des Regisseurs hat von seinem verkorksten Leben genug und zwingt den Regisseur, der in seinen Augen das Gute und Reine darstellt, einen Mord zu begehen, wenn der das Leben seiner Frau retten will. Er "rächt" sich dafür, dass er ein schlechtes Leben voller Niederlagen führen musste, während dem Regisseur scheinbar alles gelingt. Und diese Rache ist grausam, denn nach und nach verliert die Frau des Regisseurs ihre Finger. Cut ist aber nicht nur ein simpler Rachefilm, sondern auch ein Film über Illusionen und die Schaffung anderer Realitäten.

Three... Extremes - ScreenshotThree... Extremes - Screenshot

Ein Filmregisseur hat die Aufgabe, mit seinen Werken eine Illusion, eine Scheinwelt zu schaffen, die den Zuschauern als audiovisuell erzählte Geschichte dargeboten wird. Die erste Einstellung von Cut zeigt, wie ein Mann von einer Vampirin ausgesaugt wird. Es wenn nach und nach die Kamera von der Vampirin zurückweicht, erkennt man das es sich hier nur um die Dreharbeiten eines Films handelt und nicht um eine richtige Vampirgeschichte. Dabei ist das Set dieses Film dem Wohnzimmer des Regisseurs nachempfunden. Als dieser nach seiner Überwältigung erwacht, glaubt er auch zunächst immer noch in seinem Haus zu sein. Erst bei seinem zweiten Blick in seine Umgebung erkennt er die Realität, denn er liegt gefesselt in dem Set seines Films. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte wird noch des öfteren ein Bild aufgebaut, dass sich dann später wieder als etwas ganz anderes entpuppt und so nicht nur den Regisseur regelmäßig verwirrt, sondern auch den Zuschauer genauso immer wieder auf die falsche Fährte führt. Die Oberfläche ist hier etwas dem man nicht vertrauen kann und darf. Ein Spiel mit Illusionen und der Erwartungshaltung des Einzelnen.

Die vom japanischen Vielfilmer Takashi Miike inszenierte Episode Box verlässt dann schließlich fast komplett den Weg der konventionellen Erzählweise und präsentiert dem Zuschauer eine surreal angehauchte Geschichte über Schuld, Schuldgefühle und deren psychischen Auswirkungen. Im Mittelpunkt steht mit Kyoko zwar eine auf den ersten Blick schöne und durch ihre Schreiberei auch erfolgreiche Frau, die aber von einem immer wiederkehrenden Traum heimgesucht wird. In diesem Traum liegt sie in einer Kiste, die in einer weiten Schneelandschaft von einem Unbekannten in die Erde eingegraben wird. Die Kiste (=Box, daher der Titel) stellt ein signifikantes Symbol in ihrer Vergangenheit dar.

Three... Extremes - ScreenshotThree... Extremes - Screenshot

Eingefangen wurde Kyotos Suche nach Vergebung in kühlen, aber visuell sehr ansprechenden Bildern. So kühl wie die Schneelandschaft ist auch das allgemeine Erscheinungsbild Kyotos und nur bei den Flashbacks in die Vergangenheit, als die Familie trotz fehlender Mutter noch intakt war, gelangen wärmende Rot- und Gelbtöne in die Szenerie. Miike wechselt dabei scheinbar willkürlich zwischen Vergangenheit und Gegenwart und irgendwann überlagen sich auch die beiden Ebenen, bis es dann zum finalen Ende kommt, das noch einen seltsamen Twist bietet. Auch wenn hier mit den Elementen des Geisterfilms gespielt wird, so handelt es sich doch nicht um einen Vertreter dieses Genres, sondern diese Momente dienen eher zur Darstellung von Kyokos zerrütteten Seelenleben.

Alle drei Episoden haben gemeinsam, das sie ihre Geschichten in einer eher ruhigen Form erzählen. Dabei geht es zwar im Falle von Dumplings und Cut teilweise auch etwas blutiger zu, allerdings ohne wirklich in die Bereiche des Splatters vorzudringen und dabei plakativ zu wirken. Cut und Box sind dabei optisch die interessanteren Episoden, während Dumplings sowohl inszenatorisch als auch inhaltlich der Schwachpunkt der Anthologie darstellt, aber dafür am einfachsten zugänglich ist. Während Dumplings und Box sehr ernst ihre Geschichte erzählen, schimmert einzig in Cut noch ein wenig Humor durch. Dieser ist aber von der tiefschwarzen Sorte und manchmal auch grotesken Sorte, was dieser Episode aber sehr gut zu Gesicht steht. Als Gesamtprojekt zwischen jeweils einem Regisseur aus Hongkong, Südkorea und Japan ist dieser Episodenfilm aber mehr als interessant, zumal es sich um nicht gerade alltägliche und dem Horrorklischee entsprungene Geschichten handelt.

Three... Extremes - ScreenshotThree... Extremes - Screenshot

Dabei ist das nicht mal das erste Gemeinschaftsprojekt zwischen diesen drei Ländern. Bereits 2002 gab es mit Saam gaang (Three / Three... Nightmares) einen erste Anthologie aus einem asiatischen Länderbündnis, nur das sich statt Japan noch Thailand daran beteiligte. Als Regisseure fungierten Peter Chan (Episode "Going Home") aus Hongkong, Kim Ji-Woon (Episode "Memories") aus Südkorea und Nonzee Nimibutr (Episode "The Wheel") aus Thailand. Episodenfilme an sich sind ja nichts neues, bereits in den frühen 1960er Jahren drehten die legendären britischen Amicus-Studios in diesem Format einige ihrer bekanntesten Filme. Neu ist nur bei Three und Three... Extremes, dass hier länderübergreifend gearbeitet wurde. Three... Extremes wurde sogar für mehrere Hongkong-Oscars nominiert und Ling Bai gewann sogar eine Trophäe als beste Nebendarstellerin. Auch auf den Filmfestspielen in Sitges bekam der Film eine Nominierung als bester Film.

Zu den Schauspielern: Ling Bai kam zwar in Asien zur Welt, arbeitete aber lange Zeit in Hollywood. Dort trat sie z.B. in The Crow, Nixon oder später auch Sky Captain and the World of Tomorrow auf und wird auch in Richard Kellys neustem Film Southland Tales vertreten sein. Dumplings gehört zu ihren wenigen rein asiatischen Filmen. Für Miriam Yeung Chin Wah war ihre Rolle in Dumplings mal etwas ungewöhnlicheres, da sie als Pop-Idol in Hongkong eher selten in düsteren Rollen zu sehen ist. Sie stand unter anderem neben Tony Leung Chiu Wai in Hung wun chiu yun (My Lucky Star) vor der Kamera. Den ihren Ehemann spielenden Tony Leung Ka Fai sah man z.B. in Gaam yuk fung wan (Prison on Fire), Ying hung boon sik III (A Better Tomorrow III) oder Xin long men ke zhan (New Dragon Inn).

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Lee Byung-Hun hat man schon in Gongdong gyeongbi guyeok JSA (Joint Security Area) oder Dalkomhan insaeng (A Bittersweet Life) gesehen, Lim Won-Hie in Pido nunmuldo eobshi (No Blood No Tears) und Kang Hye-Jeong in Oldboy, Nabi (The Butterfly) und Chinjeolhan geumjassi (Sympathy for Lady Vengeance). Die in Cut nur kurz als (Film-)Vampirin zu sehende Yum Jung-Ah ist im übrigen die Stiefmutter in A Tale of Two Sisters. Kyoko Hasegawa ist in Japan eher als TV-Serien-Schauspielerin bekannt und hat in nur wenigen Filmen mitgewirkt. Atsuro Watabe, der den Vater spielt, war dagegen schon in Shizukana seikatsu (A Quiet Life), Swallowtail (Swallowtail & Butterfly) oder Inugami zu sehen gewesen.

Kennenlernen konnte man den Film zunächst durch DVDs aus Hongkong. Entweder eine einfache DVD von Panorama ohne nennenswertes Bonusmaterial oder die Special Edition von MegaStar, die auf einer zweiten DVD noch Making-Of-Featurettes bietet. Das die letztere Variante für einen nicht unbedingt durch viele Vorschußlorbeeren bekannten Film auch in Deutschland von EMS gewählt wurde, mag zunächst etwas verwundern. Dies wirkt sich aber vorteilhaft auf die Bild- und Tonqualität aus, denn neben dem deutschen Ton in Dolby Digital 5.1 und DTS müssen auch die anderen Sprachen jeweils in Dolby Digital 5.1 auf die DVD mit drauf. Zwar nur für die jeweilige Episode, aber immerhin. Das Bild ist recht scharf und vor allem die Farben leuchten kräftig, im Falle von Dumplings schon fast zu kräftig. Der Sound ist bei allen Tonspuren relativ frontlastig, aber klingt trotzdem in allen Varianten recht gut. Für den Originalton kann man noch deutsche Untertitel zuschalten.

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Auf der ersten DVD findet man außer dem Trailer zu Film kein weiteres Bonusmaterial mehr. Das wurde komplett auf die zweite DVD verteilt und ist zwar nicht unbedingt mager, aber leider sehr oberflächlich ausgefallen. Zu jedem einzelnen Segment gibt es jeweils ein Making-of. Das zu Dumplings erzählt mehr über die Geschichte an sich als zu den Dreharbeiten und man bekommt hier auch viele Szenen zu sehen, die nur in der Langfassung des Filmes vorkommen. Die Featurette zu Box ist ein einfacher Blick hinter die Kulissen ohne weitere Erklärungen. Da ist das zu Cut schon etwas interessanter ausgefallen, da zu Anfang Regisseur Park Chan-Wook und die Darsteller interviewt werden und erst danach Aufnahmen von den Dreharbeiten zu sehen sind. Ansonsten gibt es nur noch 3 verschiedene Promo-Spots und eine Bildergalerie.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 01.02.2006

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