Film Daten

Titel:
Tears of the Black Tiger
Originaltitel:
Fah talai jone
Land & Jahr:
Thailand 2000
Laufzeit ca.: ?
97 Min.
Regie:
Wisit Sasanatieng
Darsteller:
Chartchai Ngamsan
Suwinit Panjamawat
Stella Malucchi
Supakorn Kitsuwon
Arawat Ruangvuth
Sombat Metanee
Pairoj Jaisingha
Naiyana Sheewanun
Kanchit Kwanpracha
Chamloen Sridang
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Rapid Eye Movies
Label:
Rapid Eye Movies
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 96:47
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 5.1
Deutsch - DTS
Thailändisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Making of
  • Deleted Scenes
  • Trailer
  • TV Spots
  • Miniposter

Tears of the Black Tiger

Review

Tears of the Black Tiger - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Als Kinder lernen sich der Bauerssohn Dam (Chartchai Ngamsan) und Rumpoey (Stella Malucchi), die Tochter eines Gouverneurs, kennen und freunden sich an. 10 Jahre später allerdings hat sich Dam durch den Mord an seinem Vater einer Bande von Banditen angeschlossen und Rumpoey soll gegen ihren Willen mit dem Polizisten Captain Kumjorn (Arawat Ruangvuth) vermählt werden. Dies will Dam verhindern und muss sie dabei auch noch gleichzeitig vor dem Angriff seiner Bande auf die Hochzeit verteidigen ...

Tears of the Black Tiger - ScreenshotTears of the Black Tiger - Screenshot

Wer mit quietschbunten Filmen ein Problem hat, der sollte Tears of the Black Tiger lieber meiden. Hier ist alles eine Spur farbiger, kitschiger und überzogener. Und dabei kann man den Film auch nicht mal auf ein Genre festlegen, denn er vereint Elemente aus Liebesdramen, Western und Actionfilmen zu einem höchst eigenwilligen Mix, den man am besten übergeordnet als durchgeknallte Liebes-Tragikkomödie bezeichnen könnte. Der optische Kitsch zieht sich dann auch durch die Geschichte durch, denn erzählt wird die tragische Liebe zwischen zwei Personen, die gesellschaftlich auf ganz verschiedenen Ebenen stehen und sich somit nur zögerlich annähern können oder wollen. Also keine Handlung, die man nicht schon tausendmal woanders gesehen hätte. Dies wird aber in Tears of the Black Tiger schon wieder so überzogen und bewußt schmalzig dargestellt, dass man es in Verbindung mit dem Produktionsdesign schon eher als Parodie werten kann.

Und dabei pendelt der Film fröhlich zwischen den Stilen. Alles was mit der erwachsenen Rumpoey zu tun hat, wirkt als sei es zur britischen Kolonialzeit angesiedelt, wobei aber Autos der 1950er Jahre durch die Straßen fahren. Dams Banditenbande hingegen scheint einem reinrassigen Western entsprungen zu sein, Dam spielt sogar eine Mundharmonika wie Charles Bronson in Spiel mir das Lieg vom Tod (C'era una volta il West, 1968). Kämpfe mit dem Gegner liefert man sich stilecht mit Pistolen, aber wenn es sein muss, dann kommen auch MGs oder Panzerfäuste zum Einsatz. Die örtliche Polizei hingegen erinnert durch ihre Kleidung eher an eine mexikanische Herkunft, obwohl dies original thailändischen Uniformen der Nachkriegszeit nachempfunden sein soll. Filme aus Bollywood könnten hingegen als Vorlage für die Flashbacks in die Kindheit von Dam und Rompoey gedient haben. Und wenn dann gegeneinander gekämpft wird, dann zieht sich sogar noch etwas Fun-Splatter in den ohnehin schon kruden Mix hinein.

Tears of the Black Tiger - ScreenshotTears of the Black Tiger - Screenshot

Was oberflächlich sehr ungewöhnlich, aber auch sehr originell anmutet, kann inhaltlich leider nicht so ganz begeistern. Dies ist allerdings auch von den eigenen Ansprüchen abhängig. Als Partyfilm in größerer Runde funktioniert Tears of the Black Tiger wahrscheinlich sehr viel besser. Wenn man allerdings etwas mehr erwartet als nur oberflächlichen Kitsch und eine (bewußt?) klischeebeladene Story, dann entdeckt man hinter der Pop-Art-Kulisse nicht sehr viel. Die Handlung und die einzelnen Storyelemente sind hinreichend bekannt: die tragische Liebe, der feindliche Nebenbuhler der zudem auf der anderen Seite des Gesetzes steht, der Revolverheld-Freund innerhalb der Banditenreihen, der darauf eifersüchtig ist, dass Dam mehr respektiert wird als er usw. Man kennt alles irgendwo schon aus unzähligen anderen Filmen, was zwar dazu führt, dass man zwar mit dem Auge jede Szene in sich aufsaugt, inhaltlich aber auch kleinere Längen entstehen. Der Film lebt sehr von seiner Oberfläche und zuwenig von seinem Inhalt, was sich gerade im Mittelteil etwas negativ auswirkt.

Am besten nimmt man den Film einfach als Parodie schmalziger Liebesdramen auf, der nebenbei noch Einflüsse aus Bollywood, Thailand, dem amerikanischen und italienischen Western und US-Actionfilmen (z.B. der explodierende Turm im Banditenlager) verarbeitet. Und aus dieser Perspektive funktioniert Tears of the Black Tiger dann auch ganz gut. Ungewöhnlich ist der Film so oder so. Die knalligen Farben und manch künstliche Sets lassen an einen erhöhten LSD-Konsum denken (sowohl bei den Machern des Films als auch beim Zuschauer) und manch optische Spielerei ließ man sich einfallen. So wurde z.B. eine Flashbackszene bewußt mit Verschmutzungen und Sprüngen in Bild und Ton versehen. Der Humor ist nicht zu speziell asiatisch, sondern kann auch gut von einem westlichen Publikum konsumiert werden und bietet durchaus einige gute Lacher. Auch die Musik sticht hier heraus, denn die besteht überwiegend aus Lieder, die in Thailand schon Jahrzehnte alt sind und nur neu aufgenommen wurden. Ein halluzinogenes Filmerlebnis der besonderen Art und in dieser Hinsicht ein sehr eigenständiges, außergewöhnliches und auch irgendwie sympathisches Werk.

Tears of the Black Tiger - ScreenshotTears of the Black Tiger - Screenshot

Regisseur Wisit Sasanatieng orientierte sich hauptsächlich an alten thailändischen Filmen die schon bereits einige Jahrzehnte alt waren. Er wollte einen altmodischen Erzählstil in ein modernes Gewand packen und dabei bewußt alles im übertriebenen Maße darstellen. Die Studios und Produzenten von dem Projekt zu überzeugen war allerdings nicht so einfach und so wurde erst Nang nak gedreht, wozu Wisit Sasanatieng das Drehbuch schrieb. Da dieser recht erfolgreich war, konnte man sich endlich der Produktion von Tears of the Black Tiger widmen. Die Dreharbeiten dauerten 8 Monate an, bei 5 Drehtagen pro Woche. Danach wurde der Film komplett digitalisiert, damit Farbkorrekturen und andere Manipulationen direkt am Computer vorgenommen werden konnten. Danach ging das Material dann nach Australien, wo die digitalen Daten wieder auf Film kopiert wurden. Durch einige Werbespots konnte Sasanatieng bereits im Vorfeld mit verschiedenen Techniken bei der Farb- und Bildmanipulation experimentieren und konnte seine Erfahrungen dann in Tears of the Black Tiger einfließen lassen. Zwischen dem ersten Versuch den Film einem Studio schmackhaft zu machen und den späteren Dreharbeiten wurde aufgrund der schon vorher angefertigten Storyboards und dem damaligen Drehbuch die Geschichte bereits als Roman von S. Djindawong herausgebracht und in einer späteren Auflage mit Szenen aus dem Film erweitert.

Regisseur Wisit Sasanatieng hat ansonsten nur noch Citizen Dog (Mah nakorn, 2004) gedreht und das Drehbuch zu Nang nak (1999) verfasst. Die Schauspieler haben meist nur in wenigen thailändischen Filmen mitgespielt, die mir allerdings nicht viel sagen oder auch schlichtweg in der IMDB nicht erfasst sind. Supakorn Kitsuwon, der den Revolverheld Mahesuan spielt, war ansonsten noch in Sars Wars (Khun krabii hiiroh, 2004) zu sehen gewesen und Suwinit Panjamawat, der Dam als Kind verkörpert, in dem Drei-Länder-Episodenfilm Three... Nightmares (Saam gaang / Three, 2002). Für Chartchai Ngamsan war der Film nach einer Jeans-Werbung und Dang Bireley and the Young Gangsters (2499 antapan krong muang) bereits die dritte Zusammenarbeit mit Wisit Sasanatieng. Stella Malucchi, die im übrigen italienisch-kolumbianischer Herkunft ist und seit 1981 in Thailand lebt, fiel den Produzenten durch ein Musikvideo auf und auch für Arawat Ruangvuth war Tears of the Black Tiger sein Schauspieldebüt.

Tears of the Black Tiger - ScreenshotTears of the Black Tiger - Screenshot

Mit der DVD von Rapid Eye Movies wird dieser ungewöhnliche Film auch einem deutschen Publikum zugänglich gemacht. Da der Film komplett durch eine digitale Farbkorrektur lief und auch sicherlich andere Bildmanipulationen vorgenommen wurden, wirkt es leider recht weichgezeichnet. Dies mag zwar das süßlich-schmalzige und altmodische Aussehen des Films unterstützen, sorgt aber für eine eher mittelmäßige Schärfe. Der Ton spielt sich größtenteils an der Front ab, bei guter Nutzung der Stereobreite. Zu den hinteren Lautsprechern gelangt aber nur selten mal ein Ton. Die deutsche Synchronisation gibt es in Dolby Digital 5.1 und DTS, während man sich beim thailändischen Originalton mit Stereo abfinden muss.

Genau wie der Film ist auch das Making-of mal etwas anders ausgefallen. Hierbei scheint es sich um eine in Thailand produzierte TV-Sendung zu halten, die sich bei einer Laufzeit von ca. 45 Minuten ausschließlich diesem Film widmet. Dabei werden die Menschen vor und hinter der Kamera direkt im Studio interviewt, unterbrochen von einzelnen eingespielten Beiträgen z.B. über die digitale Bildbearbeitung mit vorher/nachher Vergleichen. Etwas ungewöhnlich, aber durchaus informativ. So erfährt man auch z.B., dass in Thailand bereits eine Hörspiel-Adaption der Geschichte produziert wurde. Die Präsentation der Deleted Scenes ist sehr vorbildlich ausgefallen. Am Anfang und am Ende wurden jeweils die Szenen aus dem Film plaziert, wo die entfernte Szene hätte zwischen sitzen müssen. Die bekannten Szenen sind aber in schwarz-weiß, während die entfernten Szenen in Farbe dargestellt werden, so dass man die Unterschiede genau erkennen kann. Dazu gehören z.B. eine Verlobungsszene zwischen Rumpoey und Kumjorn sowie eine verlängerte Version der Schießerei zwischen den Banditen und der Polizei. Ansonsten gibt es neben dem Trailer zum Film nur noch ein paar TV-Spots. Wie bei Rapid Eye üblich dient als Verpackung ein Digipack und ein Miniposter gibt es auch noch dabei.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 09.02.2006
Letzte Textänderung: 08.03.2006

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